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Studenten über Heimat und ihr Zuhause: Wo gehöre ich hin?
Eva Haeberle / UNI SPIEGEL

Wer das Elternhaus verlässt, muss erstmals selbst seinen Platz im Leben finden. Drei junge Menschen berichten vom Losziehen und Ankommen - und dem Unterschied zwischen Zuhause und Heimat.

siebenachtneun 11.03.2019, 09:26
1.

Für mich war das Ausziehen eine Art Befreiung mit neuen Möglichkeiten und Pflichten. 2- 3 Tage hat es gedauert bis ich mich dran gewöhnt habe. In der ersten Zeit machte ich ein paar Fehler. Ich kaufte zu viel und zu teuer ein, aber ich kaufte auch Sachen ein, die in meiner Familie nicht gekauft wurden und ich mal ausprobieren wollte. Waschen, putzen und auch einkaufen, habe ich auch bei meinen Eltern wohnend schon gemacht.

Nach 3 Monaten kam ich das erst Mal heim und es war anders. Nach ein paar Tagen wollte ich dann wieder heim und meine Ruhe haben.

Ich kann immer sagen, dass ich nach hause fahre. Meine eigene Wohnung ist schnell zu meinem richtigen Zuhause geworden. Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein.

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The Restless 11.03.2019, 09:37
2. Der Übergang ...

...fiel mir damals leicht, weil ich nach der Schule zunächst zur Bundeswehr musste und somit das 'WG'-Leben (mit 8 rauchenden Leuten auf einem Zimmer) gewohnt war. Das Studentenwohnheim mit 11qm Einzelzimmer war dagegen schon wieder paradiesisch.

Lüneburg ist schön und hat auch ein paar nette Kneipen :-)

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te36 11.03.2019, 09:43
3. Ort, Zeit und Menschen

Wenn man versucht Heim und Zuhause nur ueber den Ort zu erfassen greift man zu kurz. Oftmals ebenso, wenn nicht wichtiger ist die Zeit und die Menschen. Wenn man nicht umzieht merkt man es nicht so schnell, aber letzlich verbindet jeder mit den Begriffen Erlebnisse an einem Ort zu einer Zeit meistens mit bestimmten Menschen. Heimat kann einfach auch nur sein, wo die Menschen sind auf die der Begriff bezogen ist. Oder eine praegende Zeit die halt nicht widerholbar ist, selbst wenn der Ort und die Leute der Erfahrung noch existieren. Je mehr von diesen drei Faktoren sich veraendern, umso mehr wird man halt auch entfremdet.

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Sibylle1969 11.03.2019, 09:52
4.

Ich konnte seit meinem 16. Lebensjahr nicht erwarten, endlich mein Elternhaus zu verlassen. Die Enge der Kleinstadt, in der wirklich nichts los war, wo man sich ohne Auto wie eingesperrt fühlte, nervte mich gewaltig. Zum Studium zog ich in eine Großstadt, ich wählte extra ein Studienfach, das es an der Uni in der Nähe meines Elternhauses nicht gab. Vom ersten Tag an genoss ich das Leben in der Großstadt: wohltuende Anonymität, keine nervigen Nachbarn, die einen bei den Eltern verpetzen, Einkaufen in Fusswegnähe, Ausgehmöglichkeiten in Hülle und Fülle, öffentliche Verkehrsmittel, die den Namen verdienen. Da ich auch schon vorher im Elternhaus selber putzen, Wäsche waschen, bügeln, einkaufen und kochen musste, war die erste eigene Budd da kein Problem, sondern Befreiung für mich. Und liebe Carla, nein, man muss nicht sofort die Schuhe ausziehen, wenn man die Wohnung betritt.

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katapultoffel 11.03.2019, 11:47
5. Die erste eigene

Wohnung war eine Wohltat. Endlich weg von den Eltern und der enge der Kleinstadt. Wir zogen damals nach Hamburg. An die Kleinigkeiten des selbständigen Lebens hatte mal sich ruck zuck gewöhnt. Was mir aufgefallen ist. Frauen werden integriert. Und haben es somit etwas einfacher. Männer müssen sich integrieren.

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totalausfall 11.03.2019, 11:54
6. Männerhaushalt!

Hab meine "Teens" bei meinem Vater verbracht.

Tagsüber war er arbeiten, abends meist bei seiner Freundin. Von daher war es für mich immer ganz normal, so Alltagskram zu erledigen.
Wenn ich was essen wollte, musste ich halt vorher einkaufen. Wenn ich saubere Wäsche haben wollte, musste ich sie machen. Usw usf.. Daher ist mir der Auszug damals gar nicht so schwer gefallen, bis auf den Behördenkram kannte ich das alles schon.

Hab das auch nie als Belastung empfunden, war halt einfach normale Selbstverständlichkeit!

Hab vor kurzem einen Beitrag gesehen im Fernseh über so ein Hirtenvölkchen in Südafrika, da werden die Jungs mit 12 Jahren für ein Wochenende allein mit der Viehherde in die Berge geschickt, zu den Futtergründen und gefährlichen Wildtieren.

Will damit keine "weicheier" Reden schwingen. Will damit sagen, dass der Spung ins kalte Wasser auch eine "relative Angelegenheit" ist.

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dasfred 11.03.2019, 12:09
7. Das was mal Heimat war, ist weg

Die Eindrücke und Gefühle, mit denen ich durch die Kindheit und Jugend gegangen bin, sind noch tief drinnen gespeichert. Sie kommen kommen noch hoch unter Bäumen am Wasser. Das ursprüngliche Lebensumfeld ist schon längst bebaut. Mein heutiges Zuhause bietet mir viel Grün, beste Verkehrsanbindung und gute Versorgung. Das ist ein Zuhause aber keine Heimat. Nach mehreren Umzügen spürt man als Single, dass alles austauschbar ist. Es reicht, dass die wichtigsten Bedürfnisse befriedigt sind. Zum Kontakt braucht man nicht mehr das persönliche Zusammentreffen. Viele würden mein Leben als einsam definieren, aber für mich erhöht sich die Lebensqualität nicht durch häufige Treffen mit anderen Menschen.

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Flying Rain 11.03.2019, 12:40
8. Es

Es ist wohl zusätzlich auch immer eine Frage der Region ob ein früher Auszug überhaupt machbar ist. In meiner Gegend (südliches Bayern, südöstlich von München) ist es nicht gerade einfach mal eben so auf eigenen Beinen zu stehen da wohnen hier einfach extrem viel kostet und somit auch ein gutes Einkommen verlangt was man mit Anfang 20 nur selten zu Verfügung hat. Die meisten Leute die ich kenne die alleine Wohnen tuen dies in Einlegerwohnungen bei den Eltern oder halt in Wohneigentum der Eltern.
In eine andere Region zu ziehen kommt aber hier für keinen Infrage da die Jobs hier gut sind, eine super Natur vorhanden sind, die Freizeitangebote top sind usw. ...

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ericus 11.03.2019, 20:51
9. Gutes Thema

Ein Thema, das jeden betrifft, und zu dem jeder eine Story hat. Grundsätzliche Typen: Solche, die bloß weg wollen und nichts an ihrem Herkunftsort vermissen, und solche, die sich gerne an die Zeit erinnern. Auffallend 1: Großstadt zieht immer, Stadtluft macht frei, es geht stets in eine Richtung. Auch ein kleiner Beitrag zu immer teureren Mieten in Berlin & Co. Auffallend 2: Immer die Gruppe der Studenten um die es geht. Wo sind Heizungsbauer & Co. ?

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