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Wie tickt der Wähler?: "Solches Toben und Wüten, so viel Hass - das habe ich noch nie
Hermann Bredehorst/ DER SPIEGEL

In Tiefeninterviews hat Stephan Grünewald ergründet, was die Bürger vor der Wahl bewegt. Er warnt: "Es rumort in Deutschland."

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mxmchn 06.09.2017, 07:15
1. Widerspruch pur.

Sollten die Ergebnisse dieser Studie die realen Verhältnisse in ihrer Tendenz wirklich abbilden, wäre dies ein klarer Beleg nicht nur für die absolute politische Desorientierung größerer Teile der Wählerschaft, sondern für eine zunehmende fundamentale Unfähigkeit, politische Zusammenhänge überhaupt zu begreifen. Einerseits die Globalisierung zu fürchten, andererseits jedoch ausgerechnet die Konstellation zu bevorzugen, die wie keine andere für Marktkonformität der Gesellschaft und Ausrichtung der Regierung an den Verwertungsinteressen des Kapitals steht - das neoliberale Dreamteam Merkel/Lindner - spricht Bände. Das wäre nicht nur komplett geschichtsvergessen (Finanzkrise? Klientelpolitik? Vermögensschere? TTIP? War da was?), das wäre auch nicht mehr leichtfertig, das offenbarte zumindest für den Fall, dass die Ergebnisse tatsächlich repräsentativ sind, ein Ausmaß an politischer - sorry - Verblödung, dessen Ursachen wirklich dringend zu klären wären. Denn mit Leuten, die ohne mit der Wimper zu zucken aus einem diffusen Bauchgefühl heraus massiv gegen zuvor formulierte grundlegende Interessen wählen, lässt sich längerfristig keine Demokratie, die diesen Namen verdient, veranstalten. Allerdings habe ich meine Zweifel, ob auf einer äußerst dürftigen empirischen Basis (50 ausführliche Interviews) auch nur halbwegs verlässliche Schlüsse gezogen werden können. Aber immerhin entspricht das - in jedem Fall interessante - Ergebnis ja in etwa den aktuellen Umfragen.

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agt69 06.09.2017, 07:27
2. Symbole?

Arbeitsplatz und Wohnen sind also Symbole für Struktur und Ordnung? Ich würde eher sagen, dass das die Grundlagen für ein menschenwürdiges Leben sind. Wenn diese Grundlagen schon schwer zu bekommen sind, oder die Preise dafür - wie für Wohnungen in deutschen Großstädten - in immer astronomischere Höhen klettern, dann wird der Wähler verständlicherweise nervös.

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Worldwatch 06.09.2017, 07:44
3. Eine Repräsentative Demokratie ...

... die nicht repräsentativ sein will, ruft wütende Reaktionen im Souverän hervor.

Es wird Zeit auch auf Bundesebene direkte Demokratie zu ermöglichen.
Vier Jahre legislativer Zeit sind für, in dieser Zeit unkorrigiert, nachhaltig schwerwiegende Fehler zu lang für Staat und Staatsvolk.
Es braucht daher das Korrekturinstrument des Volksentscheid wie Volksbegehren.

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schnapporatz 06.09.2017, 07:55
4. Bürger labil...

Regierung debil, kann man da nur sagen.
Die Parteien haben versagt. Insbesondere SPD und Grünen haben in der Vergangenheit viel zu oft das Gegenteil dessen gemacht, was sie dem Bürger zuvor hoch und heilig versprochen haben. (Soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmungsmöglichkeiten etc.) An charakterstarken Persönlichkeiten kommt auch nichts mehr nach. Einzig mehr Direktdemokratie, auch auf Bundesebene, könnte jetzt noch helfen. Aber sowas muß erst hart der Politik abgerungen werden. Freiwillig werden die alten Parteien wohl nie ihre Macht beschränken und (endlich) ein passendes Volksabstimmungsgesetz nach Artikel 20/2 GG verabschieden. Dafür brauchen wir Protestparteien und den Protest auf der Straße.

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sojetztja 06.09.2017, 08:06
5.

Natürlich rumort es in Deutschland und ich kann das teilweise auch verstehen. Und ich hoffe inständig, dass unsere großen, demokratischen Parteien endlich kapieren, dass man sich mit den Sorgen der Bürger ernsthaft auseinandersetzen muss, wenn man nicht will, dass es hier so läuft wie in Polen, Ungarn, Türkei etc.. Dort sind längst die Hetzer, Kraftmeier und Kriegstreiber an der Macht und basteln an ihren Diktaturen. Die gehen alle nach Plan F vor. Demokratie/Gewaltenteilung aushöhlen, eigene Macht sichern, Gegnern das Maul stopfen, nationalistische Töne bedienen, dazu außenpolitisch den starken Mann spielen - siehe jetzt wieder Polen mit ihren Reparationsforderungen - , um dem Volk vorzugaukeln, "man ist wieder wer". Wenn es so weitergeht, stehen uns schlimme Zeiten bevor & Nordkorea wird unser kleinstes Problem sein (halte ich ohnehin aus europäischer Sicht im Moment noch für einen Nebenschauplatz, wenn man sich betrachtet, was für Zündler wir vor der eigenen Haustür haben).

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rgw_ch 06.09.2017, 08:30
6. Der Wähler

Der Wähler ist erbost über die Politik, aber den Zusammenhang zwischen seinem Wahlverhalten und der gewählten Regierung versteht er offenbar nicht. Er wählt alle vier Jahre immer wieder CDU oder SPD und glaubt wohl ernsthaft, dass allein durch diese Beharrlichkeit auf magische Weise irgendwann eine andere Politik entsteht.

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bollocks1 06.09.2017, 08:48
7. Es rumort in Deutschland?

Na, wer hätte das gedacht?
Trotz angeblicher 'niedrigster' Arbeitslosigkeit seit langem, hakt es an allen Ecken und Enden.
Entzweiung der politischen Klasse vom Gros des Volkes, insbesondere bei angeblich sozialen Themen, sowie Zuwanderung bestimmter Volksgruppen.
Unfähigkeit und Unentschlossenheit die Rente zu sichern. Leistung, die sich insbesondere für Geringverdiener eigentlich nicht lohnt, da nichts dabei rauskommt. Hangeln von Zeitvertrag zu Zeitvertrag aller Altersgruppen, dadurch soziales Zurückfallen. Politische Korrektheit, die ehrliche Debatten unmöglich machen.
De Facto Teilung der Arbeitnehmer mit Hilfe der Gewerkschaften in gepamperte Industriearbeit und dem Rest der Gesellschaft.
Grüne Verkehrs- und Umweltpolitik, die hanebüchen- und dem Normalo fremd ist und entmündigt. Borkenkäfer und andere Viecher, die ganze Baustellen lahm legen. Baustellen, auf denen aus dem Polier keiner mehr Deutsch spricht.
Unfähigkeit der 'freien' Wirtschaft allerorten, übertüncht durch Exportrekorde des Maschinenbaus, der einzigen Branche die noch etwas hervorbringt. Weltuntergangsstimmung und Selbstzerfleischung beim Thema Diesel.
BER, Suttgart, Philharmony, Mehdorn, Wowereit, Roth, etc. - mit all dem kann der gemeine Bürger nichts mehr anfangen.
Wenn es so weitergeht, wird es extrem, links oder rechts.

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wetterbericht 06.09.2017, 08:53
8. Kapitalismus at it's best ....

....für so ein paar dürre Zeilen 40 Cent? Das empfinde ich als reichlich frech, lieber Spiegel!

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schlauchschelle 06.09.2017, 08:57
9. Warum es gärt in D?

Unter Anderem deshalb: http://www.spiegel.de/karriere/nur-jeder-zweite-bekommt-einen-unbefristeten-job-a-1166300.html . Aber das ist nur ein kleiner Teil des Ganzen. Jeden Tag kann man, subjektiv betrachtet, erleben, wie Politik gemacht wird, welche immer weniger Verstanden wird, und es wird nichts unternommen, diese zu erklären. Das Volk wird dumm und verblöden gelassen, die "da Oben" kochen ihre eigene Suppe. Das ist es, was sehr viele Menschen empfinden sowie die Ohnmacht, keinerlei Einfluss nehmen zu können. Wer glaubt, Wahlen könnten etwas verändern, der glaubt auch, dass Zitronenfalter...Sie verstehen....

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