Forum: Gesundheit
Ein rätselhafter Patient: Heile, heile, Unsegen
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Mit Symptomen einer Gelbsucht kommt ein Mann ins Krankenhaus, doch alle Untersuchungen ergeben: keine Hepatitis-Viren. Was aber hat das Krankheitsbild ausgelöst? Eine Empfehlung des Heilpraktikers.

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murksdoc 08.10.2017, 11:51
1. Kochi

Die Untersuchung kommt aus dem Krankenhaus von Kochi (früher Cochin) im Kerala-District in Süd-Indien. Kochi hält auf der indischen Rangliste der dreckigsten und verschmutztesten Städte Indiens den Platz 24. Auf dem indischen "Verschmutzungsindex", der Luft- , Land- und Wasserverschmutzung berücksichtigt und bis 88 für "am dreckigsten" geht, hat Kochi 75,6 Punkte. In Kochi und Umgebung leben 489 346 Menschen, 132 420 davon in Slums. Zieht man die "Umgebung" ab und betrachtet nur den Stadtkern, ist das Verhältnis Nicht-Slum zu Slum 213 120 zu 127 872. Aber egal ob Slum oder nicht: nur 5% von Kochis Einwohnern sind an eine Kanalisation oder irgendeine andere Abwasseraufbereitung angeschlossen. 95% der "flüssigen Abfälle" müssen "an Ort und Stelle versickern". Zusätzlich wird um die Stadt herum unter Nichtberücksichtigung des vorgeschriebenen Sicherheitsabstandes illegal Sand abgebaut - weil er soviel radioaktives Thorium und Titan-Dioxid enthält, das zum Färben unserer Sonnencremes benutzt wird. Das alles befindet sich dann im Staub der Luft, in der bis zu 800 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen werden, und schlägt sich überall, auch auf den Lebensmitteln, nieder. Die indische Umweltorganisation "Parisththibhavan" bezeichnet Kochi als "one of the most disaster prone areas" Indiens. Kurz: es gibt eine Million Gründe, in Kochi einen Leberschaden zu erleiden. Das Heilpraktikerpulver mag einer davon sein, aber vielleicht einer der harmlosesten.

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Chaosfee 08.10.2017, 12:30
2.

Zitat von murksdoc
Die Untersuchung kommt aus dem Krankenhaus von Kochi (früher Cochin) im Kerala-District in Süd-Indien. Kochi hält auf der indischen Rangliste der dreckigsten und verschmutztesten Städte Indiens den Platz 24. Auf dem indischen "Verschmutzungsindex", der Luft- , Land- und Wasserverschmutzung berücksichtigt und bis 88 für "am dreckigsten" geht, hat Kochi 75,6 Punkte. In Kochi und Umgebung leben 489 346 Menschen, 132 420 davon in Slums. Zieht man die "Umgebung" ab und betrachtet nur den Stadtkern, ist das Verhältnis Nicht-Slum zu Slum 213 120 zu 127 872. Aber egal ob Slum oder nicht: nur 5% von Kochis Einwohnern sind an eine Kanalisation oder irgendeine andere Abwasseraufbereitung angeschlossen. 95% der "flüssigen Abfälle" müssen "an Ort und Stelle versickern". Zusätzlich wird um die Stadt herum unter Nichtberücksichtigung des vorgeschriebenen Sicherheitsabstandes illegal Sand abgebaut - weil er soviel radioaktives Thorium und Titan-Dioxid enthält, das zum Färben unserer Sonnencremes benutzt wird. Das alles befindet sich dann im Staub der Luft, in der bis zu 800 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen werden, und schlägt sich überall, auch auf den Lebensmitteln, nieder. Die indische Umweltorganisation "Parisththibhavan" bezeichnet Kochi als "one of the most disaster prone areas" Indiens. Kurz: es gibt eine Million Gründe, in Kochi einen Leberschaden zu erleiden. Das Heilpraktikerpulver mag einer davon sein, aber vielleicht einer der harmlosesten.
Dass die Umgebung vielleicht nicht die Gesündeste ist, mag sein.
Fakt ist aber, dass die Symptome erst nach Einnahme des Bittersalzes auftraten und nach Absetzen wieder verschwanden.

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ruhepuls 08.10.2017, 14:03
3. Keine Heilpraktiker in Indien...

Es gibt in Indien keine Heilpraktiker. Diese Berufsbezeichnung gibt es nur in Deutschland und der Schweiz. Allerdings gibt es in vielen Staaten der Erde traditionelle Heiler, so auch in Indien. Hohe Dosierungen von "irgendwas" sind immer mit Vorsicht zu genießen, da man nie ausschließen kann, dass ein Organismus besonders empfindlich reagiert. Bei uns hat man Magnesiumsulfat beispielsweise zur Vorbereitung für eine Koloskopie (Darmspiegelung) zur Entleerung des Darmes verwendet. Und das auch in hohen Dosen (20g pro Gabe). Inzwischen gibt es aber angenehmere Präparate.

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scrambled-egg 08.10.2017, 15:29
4. Hätte auch lebensgefährlich werden können!

Bei derartigen Symptomen liegt der Gallenstein aber nicht mehr in der Gallenblase, sondern wandert bzw. steckt im Gallengang fest. Dadurch staut sich die die Gallenflüssigkeit. Es hätte leicht schlimmer ausgehen könne: Wäre der Gallenstein bis zum Ende des Gallengangs -der in den Darm mündet - gewandert und dort steckengeblieben, wäre die Gallenflüssigkeit zur Bauchspeicheldrüse umgeleitet worden. Eine saftige Pankreatitis wäre die Folge gewesen. Diese ist leider potentiell lebensgefährlich. Darum Gallensteine bitte nicht auf die leicht Schulter nehmen.

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ruhepuls 08.10.2017, 18:17
5. Ohne Kolik?

Zitat von scrambled-egg
Bei derartigen Symptomen liegt der Gallenstein aber nicht mehr in der Gallenblase, sondern wandert bzw. steckt im Gallengang fest. Dadurch staut sich die die Gallenflüssigkeit. Es hätte leicht schlimmer ausgehen könne: Wäre der Gallenstein bis zum Ende des Gallengangs -der in den Darm mündet - gewandert und dort steckengeblieben, wäre die Gallenflüssigkeit zur Bauchspeicheldrüse umgeleitet worden. Eine saftige Pankreatitis wäre die Folge gewesen. Diese ist leider potentiell lebensgefährlich. Darum Gallensteine bitte nicht auf die leicht Schulter nehmen.
Sie haben natürlich recht, so was kann gefährlich werden. Aber in dem Fall hätte er heftige Schmerzen gehabt, da ein im Gallengang steckender Stein heftige Reaktionen auslöst. Davon berichtet der Artikel nichts.

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steffen.ganzmann 08.10.2017, 19:51
6. Es gibt schon Gallensteine ...,

Zitat von ruhepuls
Sie haben natürlich recht, so was kann gefährlich werden. Aber in dem Fall hätte er heftige Schmerzen gehabt, da ein im Gallengang steckender Stein heftige Reaktionen auslöst. Davon berichtet der Artikel nichts.
.... die erst in der Paplla Vateri hängenbleiben. Aber spätestens dann hätte der Patient solch eine ordentliche Gallenkolik, dass jeder Arzt an eine Papillotomie denken würde ...

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laracrofti 09.10.2017, 08:37
7. Das Heilpraktikerpulver

Zitat von murksdoc
Die Untersuchung kommt aus dem Krankenhaus von Kochi (früher Cochin) im Kerala-District in Süd-Indien. Kochi hält auf der indischen Rangliste der dreckigsten und verschmutztesten Städte Indiens den Platz 24. Auf dem indischen "Verschmutzungsindex", der Luft- , Land- und Wasserverschmutzung berücksichtigt und bis 88 für "am dreckigsten" geht, hat Kochi 75,6 Punkte. In .......
war der primäre Grund der Erkrankung! Ohne Blutbilder und intensive Untersuchung einfach überm Daumen gepeilt nichtkundigen Leidenden Bittersalze zu verabreichen ist schon Körperverletzung. Und ach super, die Gallensteine werden eventuell aufgeweicht und abgetragen, dafür ist die Leber dann kaputt.

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mrotz 09.10.2017, 09:06
8. Rückstau

Das Megnasiumsulfat oder das Wasser könnte verunreinigt gewesen sein, allerdings wäre auch folgendes denkbar:
Leber und Milz bilden indirektes (fettlösliches) Bilirubin aus dem Hämoglobin. Dieses wird über das Blut transportiert und wird normalerweise in der Leber in wasserlösliches Bilirubin umgewandelt. Dieses Abbauprodukt landet in der Gallenblase und wird normalerweise über den Darm ausgeschieden.

Ist nun aber der Abfluss verstopft, samelt sich immer mehr Gallenflüssigkeit in der Gallenblase. Und irgendwann muß so ein Zustand rückwirkung auf die Leber haben, die ihren Abfallstoff nicht mehr Ausscheiden kann.

Das Bilirubin sammelt sich im ganzen Körper an, insbesondere auch das Fettlösliche, welches man dann im Fett gelöst unter der Haut wahrnimmt.
Das Problem waren sehr wahrscheinlich die Gallensteine an sich. (wenn auch nciht die bereits Symptom gewesen sind)

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wrd 09.10.2017, 09:33
9. Nur schlechte Recherche...

... oder vielleicht bewusste Hetze gegen den Berufsstand der Heilpraktiker ?
Die nämlich gibt es in Indien gar nicht.
Wohl aber gibt es dort den Beruf des (ebenfalls akademischen) Ayurveda-Mediziners, der im indischen Gesundheitssystem ebenso fest eingebunden ist, wie die dortigen Schulmediziner westlicher Prägung. Vergleichbares gilt auch für die Länder, in denen Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) praktiziert wird. Diese Jahrtausende alte Medizinsysteme koexistieren dort als integraler Teil des Systems problemlos neben der viel jüngeren westlichen Medizin unserer Provenienz.
Oder macht neuerdings auch der Spiegel Kotaus vor der Pharmaindustrie, die im Gegensatz zu den neuerdings mal wieder vielgeschmähten Heilpraktikern, pro Jahr mit ihren toxischen Produkten allein in Deutschland bekanntermaßen Tote in fünfstelliger Höhe produziert, über die aber nur als Kollateralschaden der Wissenschaftlichkeit berichtet werden darf?

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