Forum: Gesundheit
Ein rätselhafter Patient: Weisheitszahn raus - Schwellung nimmt zu
BMJ Case Reports 2017

Nach einer Weisheitszahn-OP schwillt die linke Gesichtshälfte eines 59-jährigen Diabetikers plötzlich an. Antibiotika helfen nicht. Als die Ärzte chirurgisch eingreifen, schneiden sie an der falschen Stelle.

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noalk 14.05.2017, 11:08
1. Warum rätselhaft?

Ich frage mich, was an diesem Patienten rätselhaft gewesen sein soll. Abszess-Bildung nach einer Zahnresektion. Gut, das Antibiotikum hat nicht so schnell gewirkt. Vielleicht zu gering dosiert, bei dieser Größe des Abszesses.

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till_wollheim 14.05.2017, 11:36
2. Was will und das nun sagen?

Das einzige was uns dieser Artikel vermittelt ist doch, daß offenbar der Zahnarzt unhygienisch gearbeitet hatte!!

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till_wollheim 14.05.2017, 11:39
3. Unprofessionelle Antibiotika Behandlung!

Antibiotika dürfen nie auf Verdacht gegeben werden. Es muß zunächst eine Bestimmung durchgeführt werden, welche Bakterien vorliegen und dann muß ein darauf zugeschnittenes AB verabreicht werden! Dazu muß man aber nicht punktieren. Einfach eine Blutentnahme reicht völlig!

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frank.stolzenberger 14.05.2017, 12:51
4. Liebe kollegen!

1. Antibiotikadosierungen werden nicht an Hand der Grösse des Befundes, sondern in Abhängigkeit des Gewichts des Patienten gegeben
2. Die Mundhöhle eines jeden Patienten ist von Milliarden Bakterien besiedelt , der pauschale Vorwurf des unsauberen Arbeitens nutzloses Zahnärztebashing.
3. Wenn wir bei jeder Infektion im Mundbereich erst mal Abstriche, Ereger- und Resistenzbestimmungen machen ist es für Antibiotika schnell zu spät. Medikamente mit breitem Wirkspektrum wie z. B. Clindamycin oder Amoxicillin passen da fast immer. Engmaschige Nachkontrolle sind wichtig. Über Sinnhaftigkeit von Antibiotikaeinsatz in speziellen Fällen in der Zahnmedizin kann man sicher streiten, da sollten wir Zahnärzte uns immer wieder infragestellen lassen. War aber (zum Glück) heute mal nicht das Thema.
Heute mal nicht in der Praxis wünsche ich allen Lesern ein (Zahn)schmerzfreies Wochenende

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joseferl 14.05.2017, 13:39
5. Korrekte Antibiotikabehandlung

Zitat von till_wollheim
Antibiotika dürfen nie auf Verdacht gegeben werden. Es muß zunächst eine Bestimmung durchgeführt werden, welche Bakterien vorliegen und dann muß ein darauf zugeschnittenes AB verabreicht werden! Dazu muß man aber nicht punktieren. Einfach eine Blutentnahme reicht völlig!
Kurz gesagt: Schmarrn!
1. Antibiotika werden zu Beginn quasi immer auf Verdacht gegeben. Eine sinnvolle Resistenztestung liegt üblicherweise erst nach 48h vor, ein erstes Teilergebnis möglicherweise nach 24h. Man beginnt mit einem "üblichen" Antibiotikum und passt dieses nach Antibiogramm gegebenenfalls an.
2. Natürlich muss man punktieren. Im Körper sind so viele Bakterien, dass man die Bakterien rausfinden muss von der Stelle wo das Problem vorliegt.
3. eine "einfache" Blutabnahme bringt null. Erstens sind es wenn dann Blutkulturen und dann sind diese sogar dann meist ohne Keimnachweis wenns dem Patienten vor lauter Infekt schon richtig dreckig geht.
Aber SPON ist ja nicht für die inhaltliche Überprüfung der Kommentare zuständig sondern nur für die Frage ob diese gegen Gesetze verstoßen oder beleidigend sind.

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steffen.ganzmann 14.05.2017, 14:27
6. Soso, das meinen Sie also, Herr Wollheim!

Zitat von till_wollheim
Unprofessionelle Antibiotika Behandlung! Antibiotika dürfen nie auf Verdacht gegeben werden. Es muß zunächst eine Bestimmung durchgeführt werden, welche Bakterien vorliegen und dann muß ein darauf zugeschnittenes AB verabreicht werden! Dazu muß man aber nicht punktieren. Einfach eine Blutentnahme reicht völlig!
Ich hatte einen septischen Schock mit Multiorganversagen, eine Woche war ich dem Tode näher als dem Leben. Insgesamt für 2,5 Monate Fieber zwischen 40 und 42 Grad!

Dummerweise waren sämtliche Blutkulturen und eingesandten Katheterspitzen steril! Ihrer Philosophie nach hätte ich aber gar kein AB bekommen dürfen, da ja kein Erreger fassbar war (btw., auch kein Focus der Sepsis). Aber dann wäre ich jetzt wohl tot!

Als Auflösung: Ein Uralt-AB aus der Reservekiste machte mich innert 3 Tagen fieberfrei und nach weiteren 14 Tagen Pflegestation, um mich zumindest ein wenig zu mobilisieren - während des Fiebers war ich nämlich absolut bettlägerig, ich schaffte es nicht einmal auf die 3 m entfernte Toilette! - konnte ich endlich das Spital wieder verlassen.

Soviel zu Ihrem Bakteriennachweis, in der Theorie ist der sicherlich Klasse, aber rein praktisch ...

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amelkreuzung 14.05.2017, 20:03
7. profis..

das ct zeigt eindeutig einen multi abszess in der kieferhöhle. der kommt nicht aus 24/48 std auf den stand. als folge von insteriler zahnbehandlung durchaus eine möglichkeit. ab oder kortison flutung als behandlung und bei mangelnder wirkung punktieren und bestimmung der ab kontra bb ab. easy. man muss nur die prozesse kennen.

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spon_3055608 14.05.2017, 20:46
8. Galen wußte es schon,- und heute?

Ein alter medizinischer Grundsatz (Galen) lautet: ubi pus ibi evacua!
Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Die Antibiotika- Behandlung ist allenfalls zusätzlich um eine Ausbreitung und Streuung zu verhindern. Die Massen an Eiter, Flüssigkeit und abgestorbenem oder schlecht perfundiertem Gewebe in einem Abszess werden kaum durchblutet: Antibiotika kommen da gar nicht hin, es sei denn man injiziert es direkt hinein( was nicht ratsam ist).
Richtig wäre gewesen die Schwellung zu großzügig zu eröffnen und gut zu drainieren eventuell zu spühlen. Nach Biogramm Antibiotika zu geben. Zahnabszess,- die früher auch in Deutschland oft tödlich endeten) sind in Afrika und den schlechter versorgten gebieten Asiens keineswegs selten und nehmen dort teilweise gigantische Ausmaße an.
Der Hausarzt hätte den Patienten (wenn er selbst nicht zum Messer greifen will oder kann) sofort in eine operative HNO- Praxis oder Kieferchirurgie schicken müssen. Die teure Röntgendiagnostik (CT) war wozu gleich wieder?

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isikat 15.05.2017, 09:13
9. Man mag sich gar nicht vorstellen,

was für Wahnsinns-Schmerzen dieser Mann so lange aushalten musste. Ich bin kein Zahnarzt und kein Kieferchirurg im Gegensatz zu wohl den meisten hier, die genau wissen, wie was gemacht hätte werden sollen. Aber ich habe es selbst erlebt, dass ich eine Woche lang immer wieder von Zahnarzt zu Kieferchirurg gerannt bin, die beide trotz dicker Backe und irren Schmerzen nichts feststellen konnten, obwohl ich den Abszess sogar mit der Zunge spüren konnte. Kein Schmerzmittel half. Erst als das Ding dann endlich nach einer Woche ohne Betäubung aufgeschnitten wurde und der Eiter herausfließen konnte, ließ der Schmerz nach. Dagegen war der OP--Schmerz ein Klacks. Entwürdigend war, dass beide Ärzte mich in dieser Woche behandelt haben wie eine Simulantin. Die Helferin des Kieferchirurgs hob nicht einmal mehr das Telefon ab, wenn sie meine Nummer sah. Ich war schlichtweg super lästig. Und das ist ein übles Armutszeugnis für die Ärzteschaft. Als der Kieferchirurg dann endlich endlich den Abszess entdeckte, hielt er es nicht einmal für nötig, sich zu entschuldigen, nachdem er mich davor noch angepflaumt hatte, was ich schon wieder hier wollte, ich sollte endlich kapieren, dass da gar nichts sei.

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