Forum: Gesundheit
Kampf gegen Pharmakonzern: Hilfsorganisationen wollen Patent auf 1000-Dollar-Pille ki
AP

Ein Medikament könnte Hunderttausenden das Leben retten, ist aber viel zu teuer. "Ärzte ohne Grenzen" will nun vorm Europäischen Patentamt das Monopol des Herstellers auf das Hepatitis-C-Mittel Sovaldi anfechten.

Seite 1 von 4
schlumz 11.09.2018, 17:19
1. Allgemeinwohl

Allgemeinwohl geht vor Eigenwohl. Auch wenn da ein ganzer Konzern mit mit Kosten für Forschung etc dran hängt hat es doch einen Eigenwohlcharakter.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
The Restless 11.09.2018, 18:01
2. Man braucht eine unabhängige Instanz

Falls es sich um ein neues Medikament handelt, dann war dessen Entwicklung teuer. Die Firma sollte also eine Möglichkeit haben, dieses Medikament patentieren und schützen zu lassen. Allerdings geht in solchen Fällen der Kapitalismus oft eigene Wege und die Preise, geschützt hinter der Monopolstellung, durch die Decke. In Europa führt das zu extremen Gesundheitskosten, in weniger reichen Ländern zum Tod.

Was wir brauchen ist eine unabhängige Instanz, die den Marktwert solch einer Pille bewertet, denn die Monopolstellung setzt halt die sonst wirksamen Regulierungsmechanismen außer Kraft. Es muss sicher gestellt werden, dass die Firma Einnahmen hat, die die Ausgaben mehr als kompensieren, die aber auch keine obszönen Milliardenerträge auf dem Rücken der Kranken erwirtschaften.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ollifast 11.09.2018, 18:09
3. Zwangslizenz

Der Ansatz, das Patent zu kippen, ist falsch, weil es dabei nur um Neuheit, Erfindungshöhe und gewerblichen Nutzen geht. Das Patentamt ist eine Behörde und kein Parlament.

Der auch im Gesetz vorgesehene - Paragraf 24 PatG - Hebel ist die Zwangslizenz, die erteilt werden kann, wenn:
"der Lizenzsucher sich innerhalb eines angemessenen Zeitraumes erfolglos bemüht hat, vom Patentinhaber die Zustimmung zu erhalten, die Erfindung zu angemessenen geschäftsüblichen Bedingungen zu benutzen, und das öffentliche Interesse die Erteilung einer Zwangslizenz gebietet."

Der Punkt sind die angemessenen Bedingungen, der BGH hat durchaus schon eine Zwangslizenz für ein AIDS Medikament gebilligt. Hier gilt es anzusetzen, das könnte gegeben sein.

Allerdings löst die Zwangslizenz noch nicht die Thematik, dass irgendwer den Wirkstoff dann auch herstellen muss - eben der Nachfrager der Zwangslizenz - und das ist oftmals nicht so einfach, wie es scheint.

Im vorliegenden Fall geht es um den Wirkstoff mit dem freundlichen unkomplizierten Namen "Isopropyl-(2S)-2-({[(2R,3R,4R,5R)-5-(2,4-dioxopyrimidin-1-yl)-4-fluor-3-hydroxy-4-methyl-tetrahydrofuran-2-yl]methoxy-phenoxy-phosphoryl}amino)propanoat" und den bastelt man nicht mal eben hochrein zusammen.

Aber klar ist: Es braucht unbedingt eine andere Regelung für Medikamentenpreise, die einerseits fair die Entwicklungskosten, andererseits aber auch fair das öffentliche Interesse an der Gesundheit berücksichtigt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
MatthiasPetersbach 11.09.2018, 18:30
4. Bescheuert

Pille herstellen, massenweise. Ohne "Patent". Einfach so. Wer was dagegen hat soll klagen, Krieg führen. Gerne.

Entwicklungszeit mal 40 Euro die Stunde - damit sollte JEDE Leistung auf unserem Planeten abgegolten sein. Das kann man bezahlen - und gut ist.

Über die Entwicklungskosten hinaus sind Patente sind nur Geld für Minderleister. Das ist ne Mode, ohne Ware/Risiko/Leistung Geld und Einkommen für Vollpfosten und Loser zu kreieren.

Ohne uns. Pech gehabt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
MatthiasPetersbach 11.09.2018, 18:33
5.

Zitat von schlumz
Allgemeinwohl geht vor Eigenwohl. Auch wenn da ein ganzer Konzern mit mit Kosten für Forschung etc dran hängt....
Nun ja, was diese Konzerne in "Forschung" investieren, dürfte die Kosten der Portokasse oder die der Presseabteilung nur wenig überschreiten.
Da muß man sich nix vormachen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
admin09 11.09.2018, 18:42
6.

schlimm das auf Kosten von Menschenleben reiche gemacht werden
grundsätzlich gehört das in öffentliche Regulierung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kumi-ori 11.09.2018, 18:53
7.

Zitat von schlumz
Allgemeinwohl geht vor Eigenwohl. Auch wenn da ein ganzer Konzern mit mit Kosten für Forschung etc dran hängt hat es doch einen Eigenwohlcharakter.
Deutschland hat in der Vergangenheit für einen Hepatitis-C-Erkrankten weit mehr ausgegeben, als die hier genannten 50.000 Euro. Die frühere Behandlung mit Interferon musste die ganze Zeit über andauernd gegeben werden und hat sich auf weit höhere Beträge summiert, insbesondere, wenn man die Behandlung der Nebenwirkungen mitberechnet. Auch das konnte sich das Land damals leisten. Die Tatsache, dass das Regime jetzt mit 84 Tabletten stark vereinfacht und praktisch nebenwirkungsfrei, deutlich zuverlässiger und für die Beitragszahler billiger geworden ist, rechtfertigt nicht, den Entwicklern ihren Lohn abzusprechen. Dann müssten Sie den behandelnden Ärzten und Krankenschwestern auch das Gehalt verweigern, denn auch diese dienen dem Gemeinwohl. Nebenbei nimmt sich der Staat von den Medikamentenkosten gerne die 19% Mehrwertsteuer. Da scheinen die Ärzte ohne Grenzen allerdings nichts dagegen zu haben.

Übrigens verschweigt der Artikel, dass Gileaad schon vor vielen Jahren an den indischen Generikahersteller Mylan eine Linzenz zur deutlich verbillgten Abgabe von Sofosbuvir in fast hundert Entwicklungsländern vergeben hatte, um menschlichen Härten vorzubeugen. Wenn nun Europa versucht, auf diesem Wege das Patent für Sofosbuvir zu unterlaufen, dann ist das etwas so, als würde man mit dem Mercedes zur Tafel fahren, um den Erzeugern den Preis für die Lebensmittel zu kürzen.

Immerhin darf ich dann auch den Spiegel nachdrucken und zum halben Preis verkaufen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
verrückte_welt 11.09.2018, 19:01
8. Wie gut dass es keine anderen Mittel gibt

Man kann eine Hep C auch mit Interferon behandeln und ja das hat bei vielen teils heftige Nebenwirkungen, aber hier wird gerade so getan als gäbe es nur dieses neue Medikament.

Die Behandlung mit Interferon dauert zwischen 3&24 Monate abhängig von der Viruslast, des Typen der C (es gibt 4 von denen 2 leichter zu behandeln sind) und der Verträglichkeit.
Ich denke wenn Leute die Interferon Behandlung gar nicht vertragen (die gesamte Zeit wirklich krank im Bett liegen) dann sollte man das neue Mittel verschreiben und ansonsten muss man halt warten bis das Patent ausläuft.
Ich denke wenn Unternehmen viel Geld in die Forschung investieren sollten sie davon auch profitieren.
Was würde es sonst für einen Reiz geben in solche Forschungen, Studien etc zu investieren?
Man sieht es doch z.b bei Antibiotika, das wäre wirklich wichtig neue zu entwickeln ist aber vergleichsweise teuer und rentiert sich nicht...
(wenn ich irgendwo grundlegend falsch liege korrigieren sie mich bitte)
LG verrückte Welt

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Wowbagger2 11.09.2018, 19:03
9. Medikament spart Unmengen öffentlichen Gesundheitskosten....

... da bisher kaum heilbare Krankheit mit hohem Anteil an jungen, Arbeitenden plötzlich in recht kurzer Zeit geradezu ausgerottet wird.
Ja die Kosten sind hoch - aber der Kostenvorteil für die öffentlichen Kassen ist ein. Vielfaches höher. Aber es ist ja die per se böse Pharmaindustrie, und es muss unbedingt eine Zwangslizenz her!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 4