Forum: Gesundheit
Magersucht bei Erwachsenen: "Dann ist sie halt ein bisschen dünn"
Getty Images

Anorexie ist eine Erkrankung, die nur Teenager betrifft? Falsch: Auch Erwachsene können eine Essstörung entwickeln. Dies wird oft spät erkannt.

Seite 1 von 2
Rassek 12.09.2018, 08:44
1. Danke

Leider werden viele Magersuchtkarrieren geradezu befördert: Eine Patientin eines Kollegen wurde trotz anderslautender Empfehlung der vorher besuchten Kliniken, statt mit 48 Kilo erst mit 35 Kilo bei 1.72 wieder in eine Klinik gebracht. Trotz Gesundheitssorge des Jugendamtes. Begründung: Sie müsse freiwillig gehen. DAS ist aber der Irrtum: Unter einem gewissen Gewicht ist eine Freiwilligkeit eben überhaupt nicht mehr möglich: Der Suchtdruck nimmt überproportional stark mit sinkendem Gewicht zu. Die Folgen dieses falschen Verständnisses dieser speziellen Sucht sind für die Betroffenen dramatisch: Sie kommen erst in Behandlung, wenn sie mehr tot als lebend sind, da dann zur Rettung des Lebens eingeschritten werden muss.
Bis dahin wird auf die Freiwilligkeit abgewartet. Herzschäden, Nierenschwäche etc. manifestieren sich unabänderbar und eine Therapie kann erst gar nicht beginnen, weil es a priori um das nackte Überleben geht. Für die Betroffenen dramatisch. Für die Gesellschaft sehr teuer. Hier müssen per Gesetz klare Richtlinien her, die Ärzte, Lehrer etc. dazu zwingen im Vorfeld zu melden und nachfolgend Handlung erzwingen.

Beitrag melden
aae 12.09.2018, 10:22
2. Nicht vorschnell urteilen

Ich wurde jahrelang als Magersüchtige bei Ärzten abgestempelt. Der erste Eindruck reichte und eine Diagnostik wurde nicht gemacht. Bei 1,74 m wiege ich seit Jahrzehnten 48-51 kg. Ich esse viel und gerne kalorienreiches.
Seit über fünfzehn Jahren leide ich an extremen Brechdurchfällen nach dem Essen bis zur Bewußtlosigkeit. Es wurde nicht weiter untersucht.
Vor zwei Monaten fand ich eine Ärztin, die aufgrund der Vorbefunde schon eingenommen war, aber ich habe nicht locker gelassen und ihr dargelegt wie sehr mich meine Brech-Durchfall-Attacken belasten.
Hurra, es wurde festgestellt, dass ich Histaminintoleranz habe. Erstmal bin ich mit der Ernährungsumstellung/ - unsicherheit auf 46 kg runter. Seit dem habe ich keine Bauchkrämpfe, keine Brech-Durchfälle mehr und nehme langsam zu.
Nicht alles ist Magersucht.

Beitrag melden
santacatalina 12.09.2018, 10:37
3. Henne und Ei

Natürlich kann eine Magersucht eine Depression zur Folge haben. Aber es geht auch andersherum: Eine Depression mit Antriebsmangel kann dazu führen, daß man nicht ißt - insbesondere bei Alleinstehenden, die sich erst etwas zu essen machen müßten. Also können auch Depressive abnehmen, ohne daß eine echte Magersucht dahintersteckt. Probleme mit der Schilddrüse, die auch gern übersehen werden, kann man mühelos abklären.

Beitrag melden
angst+money 12.09.2018, 12:20
4.

Was mir im Artikel nicht ganz klar wird: wo fängt die Magersucht an? Ich habe mir mein Gewicht von vor 20 Jahren zurück erarbeitet und viele Freunde sagen "jetzt ist aber mal gut", während ich noch von ein paar Pölsterchen genervt bin.

Aber auch wenn ich es mir meistens verbeisse, habe ich keine Problem damit, mir hin und wieder mal "was Richtiges" reinzuschieben. Gefährdet oder nicht?

Beitrag melden
ohjeee 12.09.2018, 14:51
5. 1

Zitat von angst+money
Was mir im Artikel nicht ganz klar wird: wo fängt die Magersucht an? Ich habe mir mein Gewicht von vor 20 Jahren zurück erarbeitet und viele Freunde sagen "jetzt ist aber mal gut", während ich noch von ein paar Pölsterchen genervt bin. Aber auch wenn ich es mir meistens verbeisse, habe ich keine Problem damit, mir hin und wieder mal "was Richtiges" reinzuschieben. Gefährdet oder nicht?
Gemeinhin spricht man von einer Essstörung oder Erkrankung wenn Ihre Essgewohnheiten Ihren Alltag vereinnahmen.
Wenn Sie sich den ganzen Tag über damit beschäftigen, was das richtige Essen zum Frühstück, Mittag, Snackpausen,... ist, dann dürfte es schon krankhafte Züge annehmen. Wird Ihnen Unwohl, wenn Sie mit Kollegen zum Mittagstisch gehen und auf der Mittagskarte kein Salatteller steht und Sie ein kalorienreiches Gericht essen müssten?
Oder auch (meist bei den Männern) die Kontrolle nach Eiweißreicher Ernährung, etc

Beitrag melden
Gaztelupe 12.09.2018, 18:07
6. Hört auf, »bewusste Ernährung« zu betreiben!

Die Frage muss erlaubt sein: Kennt jemand eine Frau, die einfach nur isst? Die Mahlzeiten nach ihrem Gusto zu sich nimmt und dabei einfach auf ihren Appetit hört, jedoch kein Ohr hat für die Diskussionen über Gewicht und Verdauung im Freundinnenkreis, die die vielen Tipps fürs Abnehmen in einschlägigen Zeitschriften komplett ignoriert, bei Sendungen zum Thema in der Glotze gelangweilt umschaltet und für die das Gewicht einer Geschlechtsgenossin nicht ansatzweise ein Vergleichskriterium mit dem ihren ist? Kurz: Die sich ein Teufel darum schert, ob das, was sie sich zwischen die Beißerchen schiebt, »leicht und frisch« ist oder nicht?

Ich kenne keine einzige.

Dafür mittlerweile umso mehr Männer, die in den paar Weißbrotscheiben, die beim Italiener zur Vorspeise gereicht werden, achtsam »versteckte Kalorien« detektieren, die sich auf ein »Projekt Waschbrettbauch« einlassen und ohnehin 24/7 das Monitoring ihres BMI betreiben, als sei es nicht vollkommen normal, über die Jahre etwas Masse aufzubauen, die eben nicht aus Muskelgewebe besteht; und die im Alter für das sorgt, wovon der Körper etwas länger zehren kann. Von den Rollenmodellen, die der Trend des auszehrenden Veganismus geschaffen hat und die so viel Schaden anrichten, einmal abgesehen.

Nele B. Ist ein klassischer Fall medialer und gesellschaftlicher Desorientierung. Und natürlich rennt sie schnurstracks zur Heilpraktikerin, die selbstredend alles auf die »falsche« Ernährung schiebt und total heilpraktisch die »richtige« empfiehlt. Der Spießer in mir fordert: So etwas sollte verboten werden. Und dann nimmt sie auch noch an, Aufmerksamkeit lasse sich allein mit dem Äußeren herstellen. Dabei gibt es so viele wunderschöne und gleichzeitig sterbenslangweilige Frauen. Es gehört eben mehr dazu als eine aparte Oberfläche.

Deshalb: Essen, worauf man Lust hat. Und wenn es eine Tüte Chips ist.

Beitrag melden
lachina 12.09.2018, 20:38
7. Magersucht in oder nach den Wechseljahren.....

da kenne ich relativ viele. Die meisten waren schon immer essgestört - strebten aber nicht ein unrealistisch niedriges Gewicht, sondern ein Gewicht an, dass gerade noch so am unterem Rand des normalen BMI liegt. Das kann bei seelischer Belastung jederzeit kippen. Manche Frauen fangen aber auch in den Wechseljahren erst an. Wie in der Pubertät gefallen ihnen die Veränderungen des Körpers nicht. For ever thin wird for ever young.
Für alle, die hier fragen und Histamintoleranz oder ähnliches anführen: Bei einer Magersucht ist nicht nur das tatsächliche Gewicht maßgebend sondern das essgestörte Denken: alles dreht sich ums Gewicht, um Essen, und jum Kontrolle des Essverhaltens.

Beitrag melden
Gaztelupe 12.09.2018, 22:21
8. Richtig.

Zitat von lachina
[...] das essgestörte Denken [...]
Ganz genau: Anstatt auf den eigenen Körper zu hören, wird er bekämpft. Dabei gibt es keinen Grund sich zu selbst zu belächeln oder gar zu schämen, wenn beim Geruch von Schweinekotelett im Treppenhaus das Wasser im Munde zusammenläuft. Oder sich auf dem Wochenmarkt die aufreizende Currywurst mit Pommes zu versagen, weil das einigermaßen hochkalorische Nahrung ist.

Es wird aber ständig getan, als sei etwas dabei gewonnen, sich solch trivialen Versuchungen zu widersetzen. Gewonnen wird allenfalls diese kleine Schlacht, beim Krieg gegen den eigenen Körper ist niemals ein Sieg zu erzielen.

Es stimmt: Essgestörtes Denken ist viel wirksamer als der Stoffwechsel. Es geht schon beim simplen Wasser los. Davon trinken Angestellte in wohltemperierten Büros, die den ganzen Tag sitzen, neuerdings zu wenig, wenn es nicht mindestens drei Liter am Tag sind. Behauptet die Ernährungsberatung, die einschlägigen Gazetten und Medien inklusive spezialisierte Internetsites sowieso. Die eskalieren den Stress um die Wasseraufnahme auch noch, indem sie sich einfach bei Effekten des Leistungssports bedienen: Wenn man erst einmal durstig wird, ist es schon zu spät! Höre ich immer wieder. Und dann kommt auch noch den Tipp aller Tipps dazu: Ein Glas Wasser zwischendurch hilft, das Hungergefühl zu unterdrücken! Ich denke mir das nicht aus, ich werde selbst ständig mit dieser Panikmache belästigt. Wohlgemerkt, und das nur beim kalorienfreien Wasser!

Das ist verstörend, betrüblich und traurig. Wütend macht es freilich auch, wenn dieses Verhalten dann den Kindern vorgelebt und womöglich auf sie übertragen wird.

Beitrag melden
waddehaddeduddeda 12.09.2018, 22:53
9.

Zitat von Gaztelupe
als sei es nicht vollkommen normal, über die Jahre etwas Masse aufzubauen, die eben nicht aus Muskelgewebe besteht; und die im Alter für das sorgt, wovon der Körper etwas länger zehren kann. .... Deshalb: Essen, worauf man Lust hat. Und wenn es eine Tüte Chips ist.
Es ist normal in dem Sinne, dass inzwischen sehr viele diese Masse aufbauen.
Es ist nicht normal in dem Sinne, dass es allen Menschen so geht, und dass das immer schon so war und zwangsweise auch immer so sein muss.
Wer körperlich arbeiten muss, oder halt trainiert, dem geht das nicht so.
Und wer das nicht will, muss das nicht.
Es gibt wirklich wenig, wo man das selber so in der Hand hat.
Und wo einem aber auch keiner bei helfen kann.
https://www.n-tv.de/wissen/Muskeln-sind-immer-in-der-Pubertaet-article15766931.html

PS: Die Chipsrezepturen werden absichtlich so gemacht, dass man die auch ohne Hunger komplett eliminiert.
Da wird der angebliche freie Wille gerne mal konterkariert.

Beitrag melden
Seite 1 von 2
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!