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Magersucht und Sexualität: "Meinen Wunsch nach Beziehung habe ich weggehungert"
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Viele Frauen mit Magersucht empfinden ihre Sexualität als unangenehm und belastend. In der Therapie spielt das Thema kaum eine Rolle - dabei gibt es gute Gründe, dies zu ändern.

lachina 12.03.2018, 14:41
1. Anorexie ist ein Autonomieproblem

ich war lange Jahre magersüchtig und das bedeutete: Ich brauche niemanden, ich will niemanden - und ich brauche schon gar keinen Sex. Ich wollte eh kein Körper sein, sondern reiner Geist . Alles Körperliche war widerlich. Männer, die auf so extrem dünne Mädels standen wie ich eines war, empfand ich als irgendwie abartig. Erst wenn man sich die eigene Autonomie erlkämpft hat, kann man überhaupt an eine Partnerschaft denken. - dann ist man schon wieder auf dem Weg der Gesundung.
Einen Therapeuten, der mit mir über Sex hätte sprechen wollen, den hätte ich im besten Fall als inkompetent betrachtet.

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dr.eldontyrell 12.03.2018, 14:55
2. 1+1=2

Also für mich klingt es total plausibel, dass jemand, der seinen Körper im Grunde hasst, keine Beziehungen sexueller Art zu anderen Menschen aufbauen kann. Und ich wette mein spärliches Monatsgehalt, dass dieser Sachverhalt auch auf andere Persönlichkeitsstörungen, die mit Selbsthass verbunden sind, zutrifft. Fallenlassen bedeutet ja, dass das Bewusstsein in diesem Moment völlig egal ist, man ist reiner Instinkt, Tier. Was nur klappt, wenn es einem egal ist, wie man dabei aussieht, riecht, was man für Laute von sich gibt, etc. Und das ist das genaue Gegenteil von Menschen, bei denen es sich krankhaft nur um die eigene Wahrnehmung dreht. Dass hormonelle Veränderungen ab einem gewissen Grad der Krankheit (Adipositas, Anorexie) das noch verstärken, ist auch nur logisch. Mit tun die Mädels leid, verpassen sie doch die schönste und aufregendste Entdeckungsfahrt der Welt.

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heinrichhaine 12.03.2018, 15:05
3. Wenn auch kein Trost...

...aber jede Sucht wirkt sich vermutlich negativ auf das Sexualleben aus. Sucht ist auch immer eine Art Flucht - Flucht vor anderen, Flucht vor der Realität, oder auch Flucht vor sich selbst. Als "Süchtige/r" strotzt man nicht gerade vor Selbstbewusstsein.

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doitwithsed 12.03.2018, 16:58
4.

Im Artikel wird es ja auch gesagt: Es nicht nur eine die psychologische Komponente. Der Körper ist bei serartiger Unterernährung im absoluten Notmodus und alle überflüssigen Funktionen auf das notwendigste reduziert. Dazu gehört auch die Libido. Die wird einfach abgeschaltet und somit wird auch Sex nicht vermisst. Der Trieb ist einfach nicht mehr da.

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ardbeg17 12.03.2018, 21:10
5.

Was nicht zur Sprache kam: Sexualhormone werden im Fettgewebe gespeichert und sind somit bei mageren Menschen in geringerer Menge vorhanden. Dies dürfte die psychischen Beweggründe deutlich verstärken.

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urmoneit 12.03.2018, 22:18
6. enger zusammenhang

als ich in den 80'ger Jahren ehrenamtlich für die Beratungsstelle"Zartbitter" tätig war, war allen dort Tätigen der direkte Zusammenhang von sexuellem Mißbrauch und Essstörungen klar. Hat sich diese Erkenntniss nicht weitergetragen??

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egonv 12.03.2018, 23:32
7.

@ peace and love: Wenn ich mich nicht täusche, dann hat der Gabriel sogar einiges abgenommen in den letzten Jahren, sodass er sogar als Vorbild dienen kann.

Zum Thema: Ich habe das Gefühl, dass sich so ziemlich alles negativ auf die sexuelle Lust auswirkt. Man könnte fast sagen, dass (bis auf einige krankhafte Ausnahmen) ein aktives und erfülltes Sexleben als Indikator dafür dienen kann, dass im Leben alles andere auch läuft.

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hannibalanteportas 13.03.2018, 01:34
8. Halt ein SPON- Artikel über ein komplexes Thema

Das ganze beleuchtet einen Teil eines sehr komplexen Themas.
Natürlich muss bei einer Essstörung (nicht nur bei Anorxie) die Funktionalität des „gestörten“ Verhaltens ergründet werden. Und da hat der Artikel schon seine Grenzen. Da ist das Thema „Sexualität“ nämlich oft die Henne, nicht das Ei, z.B. eben Missbrauch, gravierend fehlgeschlagene Beziehungen, etc..
Und wenn das ganze traumatischen Charakter hat, dann kann es, wie eine foristin sagte, tendenziell ungut sein, dass zu früh anzusprechen.
Und gleichzeitig ist eine gesunde Partnerschaft/Sexualität eine der natürlichsten Ressourcen für uns Menschen. Und ich erlebe oft, wie diese natürliche Ressource durch verschiedene negative Überzeugungen (auch von außen) gestört wird bis zu dem Punkt, an dem sie zu einer zusätzlichen Belastung wird. Die Grundaussage des Artikels ist eben auch nicht falsch, greift jedoch leider zu kurz.

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tatjuscha 13.03.2018, 06:24
9. und Ebenso:

Das betrifft auch andere Essstörungen, sie alle haben mit Hass gegen den eigenen Körper zu tun. Es ist kein seltenes Phänomen, dass Überlebende sexueller Gewalt (gerade in der Kindheit, was enorm viele Frauen und auch einige Männer betrifft) essen, essen, essen um sich selbst "dickzufüttern" - um der Falle sexueller Attraktivität zu entgehen.

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