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Nachsorge bei Brustkrebs: Angeblich geheilt
Corbis

Schmerzen, Erschöpfungszustände, psychische Probleme: Zwar steigt die Zahl der geheilten Brustkrebs-Patientinnen. Viele aber leiden nach der Behandlung an mitunter massiven Beschwerden und Nebenwirkungen. Experten fordern eine bessere Nachsorge.

Gert B. Büttgenbach 29.09.2014, 08:01
1. Meist eine Illusion?

Meine Frau war "geheilt". Nach einer beispiellosen Quälerei durch die brutalen Behandlungsmethoden, lebte meine Familie ihr Leben weiter und ließ die Katastrophe hinter sich. Mein kleiner Sohn hatte noch 7 Jahre lang seine Mutter. Dann mussten wir Abschied nehmen. Unerkannt hatten sich die Metastasen ihren Weg gebannt, keine chemische Keule oder Bestrahlung half mehr. Was in der Krebsnachsorge fehlt, ist vor allem die Vorbereitung auf diese Situation. Wir hatten noch Glück - unsere Liebe wurde stärker und hat uns geholfen, die Verzweiflung so gut es ging zu unterdrücken. Niemals darf die Hoffnung aufgegeben werden, wirklich niemals. Nur so rettest Du ihre und deine Seele. Sie starb schließlich zuhause vor Erschöpfung, bevor die Schmerzen sie überwältigen konnten. Eine Gnade.

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GinaBe 29.09.2014, 08:29
2. Rein medizinische Therapie.

Geht es demnach nur um mangelhafte Finanzierung von beratungsstellen ODER aber um mangelhafte, denn fehlende ganzheitliche behandlung des patienten.
Mit OP und Chemo ist es eben nicht getan, wenn das frühere, alte , leistungsfähige und zuversichtlich in die Zukunft gerichtete Leben mit diesem Einschnitt einfach nicht mehr existiert und die frühere Identität durch entstandene Einschränkungen nicht mehr zutrifft. Die medizinische Therapie bezieht sich eben rein auf die medizinische Therapie. Vielleicht gibt es zusätzliche Antidepressiva, die die Persönlichkeitsänderung jedoch nicht aufhalten können.

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agua 29.09.2014, 08:50
3.

Ich las den Artikel, weil eine Freundin von mir als geheilt gilt.
Die Angst bleibt.Das empfinde ich jedes Mal, wenn sie in 6 Monatigen Abständen zur Kontrolluntersuchung muss.

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mickk 29.09.2014, 11:36
4.

Ich hatte eine Freundin, die Brustkrebs hatte. Das war schon brutal. Sie hat das Trauma nie völlig überwunden und arbeitet bis heute nicht (nach 15 Jahren). Aber das ist ein Kennzeichen von Krebs nicht von Brustkrebs. Ein 25-jähriger mit Prostatakrebs und einem zweiten Darmausgang wird ähnliche Probleme entwickeln. Deshalb greift mir die Debatte zu kurz.
Der Feind hier ist nicht die Medizin. Im Gegenteil. Die Medizin hat in den letzten 100 Jahren enorme Fortschritte gemacht die es vielen Frauen (und Männern) ermöglicht weiter zu leben. Ich denke es wäre generell nicht falsch darüber nachzudenken, mehr für die psychische Nachsorge zu tun. Allerdings glaube ich nicht daran, dass es irgendwann eine Therapie geben wird, die einem diese Dämonen zuverlässig austreibt, weil es reale Ängste sind.
Am Ende liegt es an jeder/jedem Einzelnen das Beste aus der zusätzlichen Zeit zu machen, die frau/man bekommen hat. Und das gilt auch für uns Glückliche, die es bisher nicht getroffen hat.

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franziska.jaeger 01.10.2014, 15:05
5. Krank oder gesund

Ich habe meine Krebserkrankung erfolgreich überwunden. 7 Monate war ich arbeitsunfähig, während der Bestrahlung habe ich 50% gearbeitet und seit dem 1. Juni 2014 arbeite ich wieder voll. Wie jemand nach 15 Jahren immer noch nicht in der Lage ist, zu arbeiten, ist mir schleierhaft. Man kann sich auch etwas einreden. Ich erfreue mich meines Lebens, habe die Nebenwirkungen aller Art mit viel Bewegung minimiert und bin in bester Behandlung und Nachbetreuung in einem Brustzentrum. Es besteht auch kein Grund, mich vor den Kontrollterminen (aktuell alle 3 Monate) verrückt zu machen.

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Linda14 02.10.2014, 22:54
6. Jeder Krebs ist anders

Zitat von franziska.jaeger
Ich habe meine Krebserkrankung erfolgreich überwunden. 7 Monate war ich arbeitsunfähig, während der Bestrahlung habe ich 50% gearbeitet und seit dem 1. Juni 2014 arbeite ich wieder voll. Wie jemand nach 15 Jahren immer noch nicht in der Lage ist, zu arbeiten, ist mir schleierhaft. Man kann sich auch etwas einreden. Ich erfreue mich meines Lebens, habe die Nebenwirkungen aller Art mit viel Bewegung minimiert und bin in bester Behandlung und Nachbetreuung in einem Brustzentrum. Es besteht auch kein Grund, mich vor den Kontrollterminen (aktuell alle 3 Monate) verrückt zu machen.
Und jeder Mensch ist anders!

Ich finde es sehr anmaßend, wie Sie von sich auf andere schließen, insbesondere ohne weitere Hintergruende zu kennen.

Manchmal kann der Krebs auch gar nicht geheilt werden, sondern dann geht es nur noch darum, so lange wie möglich möglichst beschwerdefrei zu leben.

Es freut mich, dass Sie damit gut umgehen können, aber es fängt ja schon mit der Brustamputation an, dass Frauen am Boden zerstört sein können.

Brustkrebs kann schnell streuen, ein oder zwei Metastasen können vielleicht ohne Probleme entfernt werden, aber je nachdem wo die sich befinden oder ob es noch weitere gibt, kann es auch schwierig werden.

Ich habe in den Jahren meiner Berufstätigkeit so viele junge Menschen an Krebs sterben sehen und jeder Mensch ist anders.

@mickk

Es gibt Onkologische Kliniken, die nicht nur die Erkrankung behandeln, sondern umfassende Therapien anbieten, die auch sehr erfolgreich sein können. Insbesondere die Veramedklinik ist dahingehend super!

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