Forum: Gesundheit
Notfallversorgung: Neue Pauschale entfacht Streit zwischen Ärzten, Kliniken und Kasse
DPA

Muss ein Notfallpatient direkt in der Klinik behandelt werden - oder kann er zum niedergelassenen Arzt gehen? Für die Beantwortung dieser Frage gibt es eine neue Pauschale, mit der die Krankenhäuser sehr unzufrieden sind.

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meister_proper 20.04.2017, 10:51
1. Im Interesse der Patienten ist das gegenwärtige System schon lange nicht mehr

Allein die Prämisse, dass eine Klinik eine Rendite erwirtschaften soll ist eine gravierende Fehlentwicklung. Krankenversorgung ist eine gesellschaftliche Aufgabe und sollte wenn möglich nicht privatisiert werden. Da hilft das he*r*um*dok*tern am Abrechnungsmodell auch nicht weiter.

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oidahund 20.04.2017, 11:53
2.

Was soll denn der Arzt in den 2 Minuten sonst tun? - Er kann nur die Diagnose rechtssicher stellen - und hier liegt doch bereits die Krux! - Fürher haben die Ärzte in den Krankenhäusern die Diagnosestellung abrechnen können und dann ggf zu einer Weiterbehandlung an den Hausarzt verweisen können. Die Kliniken sind doch durch diesen Blödsinn gezwungen bei der Diagnose erst einnmal zu übertreiben, damit eine notwendige (Kurz-)Behanlung gezahlt wird. - Das Gesundheitsministerium soll erst einmal erklären, wie ein Norfallarzt in 2 Minuten bei dem Symptombild "Bauchschmerzen" in sicher erkennen soll, was die Ursache dafür ist und innerhalb von 2 Minuten entscheiden soll, ob es sich um einen hartnäckigen Flatus, Bilnddarmentzündung, Darmverschluß usw. handelt.

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rstevens 20.04.2017, 11:58
3. Wieder mal eine Fehlleistung der KVen

Diese Wasserköpfe sollte man abschaffen. Sie kosten nur Geld und erzeugen Intransparenz.

Ich kann die Argumentation der DKG hier sehr gut verstehen. Der bisherige Zustand ist keine Lösung. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser werden regelrecht überlaufen. Zunehmend werden auch leichte Fälle vorsorglich vom Hausarzt ins Krankenhaus eingewiesen. Zunehmend kommen Menschen mit Minimalbeschwerden in die Notaufnahmen oder sie leiden schon eine Woche unter z.B. Kopfschmerz, es muss dann aber unbedingt Nachts die Notaufnahme aufgesucht werden. In Seniorenheimen scheint es zum Standard zu werden, auch leicht erkrankte einfach vom RTW ins Krankenhaus abholen zu lassen, anstatt dass ein Arzt vorbei kommt und sich die Sache vor Ort anschaut und dann entscheidet, ob KKH nötig ist.

Ping-Pong passiert viel zu häufig. Das heißt, Patient geht zum Hausarzt, der überweist (zu) schnell ins Krankenhaus, dort wird dann sehr schnell klar, dass die Behandlung auch ambulant erfolgen kann.

All das führt in der Tat zu Abläufen, die äußerst schlecht für die Patienten sind. Es entstehen hohe Kosten für die Versorgung und hoher Zeitaufwand für die Patienten. Die Krankenhäuser übernehmen Aufgaben, die in vielen Fällen vollständig durch die Hausärzte abgedeckt werden können und sollten.

Warum bin ich dafür, dass die Aufwände für eine Erstbewertung auch sauber abgerechnet werden können sollten? Weil nur dann eine vernünftige Notfallversorgung in einer überrannten Notaufnahme machbar wird. Nur dann kann es sich ein Krankenhaus leisten, die Notaufnahme mit ausreichend Personal zu bestücken, dem Andrang gerecht zu werden. Vernünftige Vergütung kann aber nur der erste Schritt sein. Vielleicht müssen wir auch vom unsäglichen Hausarztmodell weg.

Wie bereits geschrieben, schieben Hausärzte Patienten immer schneller in die Krankenhäuser ab. Das ist zum Teil nachvollziehbar, da es Hausärzten an Möglichkeiten der Diagnostik fehlt. Während in Krankenhäusern teilweise ein Labor im Haus ist, dauert schon eine einfache Blutuntersuchung beim Hausarzt viele Stunden oder gar Tage bis zum Ergebnis. Vielleicht ist hier eine Zentralisierung in den Krankenhäusern durch eine angebundene Praxis mit Zugriff auf die diagnostischen Möglichkeiten des Krankenhauses der bessere Weg. Durch die Integration der IT-Systeme könnten auch mehrfach durchgeführte Anamnesen verhindert werden.

Dagegen wehren sich natürlich die KVen, die wiederum die Pfründe der Niedergelassenen verteidigen.

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SvenausRbeiHH 20.04.2017, 12:17
4. typisch Deutsch...

das Problem ist doch, dass die Notaufnahmen völlig überfüllt sind. Warum? Weil Patienten die Notaufnahmen in den Krankenhäusern verstopfen, die keine Notfälle sind/haben.

Daher stellen sich 2 Fragen:

1. Warum müssen Ärzte eine solche Einschätzung abgeben ob es ein Notfall ist oder nicht (der Begriff der Diagnose halte ich für fehlleitend), und nicht etwa z.b (speziell Ausgebildete) Krankenschwestern?

2. Warum werden diejenigen die sich am Donnerstag mit dem Hammer aufn Finger hauen und Sonntag in die Notaufnahme gehen, weil der Finger weh tut etc. nicht konsequent nach Hause geschickt? Zur Not muss das Hausrecht durchgesetzt werden.

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rstevens 20.04.2017, 12:41
5.

Zitat von SvenausRbeiHH
2. Warum werden diejenigen die sich am Donnerstag mit dem Hammer aufn Finger hauen und Sonntag in die Notaufnahme gehen, weil der Finger weh tut etc. nicht konsequent nach Hause geschickt? Zur Not muss das Hausrecht durchgesetzt werden.
Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach. Das haben wir den lieben Juristen zu verdanken. Wenn derjenige im besagten Fall nach Hause geschickt wird und irgendetwas schief geht, dann kann das Krankenhaus leicht juristisch belangt werden und Schadensersatzpflichtig werden. Also schaut man es sich auch Sonntags genau an, obwohl das auch gut bereits Freitags hätte passieren können, der Patient es aber verschleppt hat.

Dort liegt im übrigen insgesamt die Krux. Ähnliches gilt nämlich auch für die Hausärzte. Auch die schicken heute deutlich mehr Patienten vorsorglich noch mal ins Krankenhaus zur Abklärung, Patienten, die sie früher vermutlich erst noch mal nach Hause geschickt hätten, mit der Aufforderung, sich zu melden, wenn es schlimmer wird. Gleiches gilt für Altenpflegeeinrichtungen. Lieber den RTW rufen und die Leute ins Krankenhaus verschiffen, als einmal etwas zu übersehen und dafür belangt zu werden, dass man der 95jährigen Oma die "Chance" verwehrt hat, mit allen medizinischen Mitteln am Leben gehalten zu werden, weitere Monate dahinsiechen zu "dürfen".

Im Krankenhaus setzt sich das dann fort, da das Haus zunächst für alle verantwortlich ist, die es geschafft haben, sich über die Türschwelle zu schleppen.

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Ge-spiegelt 20.04.2017, 12:41
6. tagsüber mit 4,74 Euro honoriert und nachts mit 8,42 Euro

Da ist keine Diagnose möglich.
Ein Familienmitglied war über Ostern in der Notaufnahme der Uni Augenklinik. Hat zwar knapp 2h gedauert, aber der Arzt hat Alles abgecheckt, von Erkrankungen, Garten Arbeit, Sehleistung und Augendruck. Selbst damit war die Diagnose der Pupillen Vergrößerung nicht ganz sicher. Das hat ca. 20 Minuten gedauert, die Klinik verliert also Geld.
Ich finde auch, dass das Gesundheitswesen nicht privatisiert werden darf. Gegen den Kosten Druck müssen Innovationen her. Zum Beispiel eine Arzt oder IBM Watson gestützte Erst Diagnose im Internet oder über eine App. Wir haben zwar eine Telefonnummer für medizinische Notfälle gefunden, aber die Antwort war wir dürfen am Telefon keine Diagnose stellen und wir sollen zum Notdienst gehen, Dankeschön.
Es muß auch trotz Datenschutz möglich sein, dass der Arzt Zugriff auf die Krankheitsgeschichte hat. Was ist wenn der Patient gar nicht mehr antworten kann? Wer führt schon seinen Notfall Medikamenten Ausweis, Allergien und Patienten Verfügung mit?

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keine-#-ahnung 20.04.2017, 12:43
7. Da hat aber Jemand ...

... eine ausgesprochene Expertise.
Erstens ist das keine "Fehlleistung der KV'en", dies ist im Bewertungsausschuss Ärzte so beschlossen wurden, da sitzen Ärzte und Kassen paritätisch am Tisch.
Zweitens ist der Umstand bemerkenswert, dass sich die Notaufnahmen der Kliniken besonders zum späten Nachmittag, zur Nacht und an den Wochenenden und Feiertagen hin füllen, weil unzählige Kassenpatienten für ihre Wehwehchen zu bequem sind, sich Terminen und Wartezeiten in den Praxen auszusetzen.
Drittens wäre einer Überfüllung der klinischen Notaufnahmen politisch einfach zu begegnen: Einführung eines zwingenden Primärarztsystems auch im organisierten Notdienst -> Patient kann nur mit einer Überweisung eine Notaufnahme an der Klinik in Anspruch nehmen --> und schwupps wären 90 Prozent der "Notfälle" aus den Notaufnahmen verschwunden und die Kliniker hätten wieder mehr Zeit für die stationäre Versorgung.
Und wenn dann viertens noch schmerzhafte Gebühren für eine bewusst völlig unnötige Inanspruchnahme von Notfall- oder Notdiensten vom Kassenpatienten erhoben werden könnten, wären auch die Notdienste des niedergelassenen Versorgungssektors keiner Überlastung mehr aus´gesetzt.
Es könnte so einfach sein ... aber mal im Ernst: welcher Politiker in Deutschland würde beruflichen Harakiri begehen und solche Massnahmen auch nur leise vorschlagen wollen?

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keine-#-ahnung 20.04.2017, 12:44
8. Da hat aber Jemand ...

... eine ausgesprochene Expertise.
Erstens ist das keine "Fehlleistung der KV'en", dies ist im Bewertungsausschuss Ärzte so beschlossen wurden, da sitzen Ärzte und Kassen paritätisch am Tisch.
Zweitens ist der Umstand bemerkenswert, dass sich die Notaufnahmen der Kliniken besonders zum späten Nachmittag, zur Nacht und an den Wochenenden und Feiertagen hin füllen, weil unzählige Kassenpatienten für ihre Wehwehchen zu bequem sind, sich Terminen und Wartezeiten in den Praxen auszusetzen.
Drittens wäre einer Überfüllung der klinischen Notaufnahmen politisch einfach zu begegnen: Einführung eines zwingenden Primärarztsystems auch im organisierten Notdienst -> Patient kann nur mit einer Überweisung eine Notaufnahme an der Klinik in Anspruch nehmen --> und schwupps wären 90 Prozent der "Notfälle" aus den Notaufnahmen verschwunden und die Kliniker hätten wieder mehr Zeit für die stationäre Versorgung.
Und wenn dann viertens noch schmerzhafte Gebühren für eine bewusst völlig unnötige Inanspruchnahme von Notfall- oder Notdiensten vom Kassenpatienten erhoben werden könnten, wären auch die Notdienste des niedergelassenen Versorgungssektors keiner Überlastung mehr aus´gesetzt.
Es könnte so einfach sein ... aber mal im Ernst: welcher Politiker in Deutschland würde beruflichen Harakiri begehen und solche Massnahmen auch nur leise vorschlagen wollen?

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Nordstadtbewohner 20.04.2017, 12:48
9. Das sehe ich anders.

Zitat von meister_proper
Allein die Prämisse, dass eine Klinik eine Rendite erwirtschaften soll ist eine gravierende Fehlentwicklung. Krankenversorgung ist eine gesellschaftliche Aufgabe und sollte wenn möglich nicht privatisiert werden.
Ein Arztbesuch ist eine Dienstleistung, die auch bezahlt werden muss, da dem Arzt und den Kliniken Kosten entstehen. Mit einer "gesellschaftlichen Aufgabe" hat das nichts zu tun.

Ich denke, die Patienten, die über die gesetzliche Krankenversicherung Leistungen empfangen, sollten diese erst einmal in Vorkasse zahlen, so dass Krankenhäuser nicht mehr unnötig belastet werden.

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