Forum: Gesundheit
Organspende-Vorstoß von Jens Spahn: Widerspruchslösung ist keine Lösung
DPA

Dass in Deutschland so wenige Organe gespendet werden, liegt vor allem an den Kliniken. Trotzdem will Gesundheitsminister Spahn, dass jeder, der nicht widerspricht, automatisch Spender wird. Was soll das?

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Fuscipes 03.09.2018, 16:50
190.

"Persönlich würde ich sogar vorschlagen, dass bei der Ausstellung des Personalsausweises grundsätzlich abgefragt wird, ob man möchte oder nicht. Eintrag ins Spenderregister bzw. Nichtspenderregister und fertig. Für den Bürger unterm Strich kein großer Aufwand, weder pro noch contra."
Was jemand möchte oder nicht, da fällt mir das Thema Datenschutz ein, und das ist auch im Zusammenhang mit Patientendaten und Organspende eine äußerst heikle Angelegenheit, weil die damit verbundenen Gefahren sollte man schon sehen.

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wolframbernhardt 03.09.2018, 16:51
191.

Die erste gute Initiative von Spahn als Gesundheitsminister, die ich wahrnehme.
Mit Organen kann doch nur so schäbig gehandelt werden, weil zu wenig da sind. Durhc Opt-out werden diejenigen, denen es egal ist, zu Spendern und das ist vermutlich ein ziemlich hoher Prozentsatz.

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fountainebleau 03.09.2018, 16:53
192. Alternativer Vorschlag No. 2:

Lieber Herr Spahn,
In meinem Todesfall darf nur dann ein Organ entnommen werden, wenn der Staat seinen Bürgern wieder Sterbegeld zahlt bzw wenn der Staat meine Beerdigungskosten übernimmt. Nichts ist umsonst, alles hat seinen Preis.
Der Staat greift uns eh’ ständig ungefragt in die Tasche und gibt nichts mehr zurück, zB den Solidaritätszuschlag von 5,5% auf Kapitalerträge, dessen Rückzahlung an uns Bürger versprochen wurde.

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111ich111 03.09.2018, 16:54
193. Nein, der Vergleich ist Quatsch

Zitat von Juro vom Koselbruch
Der Verglich klingt zunächst abenteuerlich. Aber so unterschiedlich die Fragestellung auf den ersten Blick ist, so gleich ist sie von der Grundaussage, vom Grundrecht her: "Mein Körper gehört mir!" OHNE meine aktive Zusage hat man die Finger von mir zu lassen. Das gilt auch über den Tod hinaus bezüglich meiner Leiche.
Denn Ihre "Leiche" hat keinesfalls soviel Rechte, wie Ihr "lebendiger" Körper.

Sie haben auch nur noch begrenzte Grundrechte nach GG, nämlich die der Menschenwürde (lustig, ne, aber wahr). Sogar mit Religionsfreiheit is nichts mehr - gibt es z.B. keinen erreichbaren jüdischen/muslimischen or whatever Friedhof in der Nähe, dann werden Sie halt auf einem sonstigen Grabfeld beerdigt.

Versuchen Sie z.B. mal als Leiche in ein anderes EU-Land eingeführt zu werden (ohne den vorher notwendigen Papierkram).

Und nein, man lässt nicht die Finger von Ihnen, wenn Sie tot sind, da werden Sie auch nicht um Erlaubnis gefragt. Fragen Sie mal die Leichenbestatter. Sie dürfen auch nicht einfach so 15 Tage rumliegen und vor sich hin verwesen. Sie dürfen auch nur an bestimmten Orten bestattet werden.

Also erzählen Sie nicht, "meine Leiche gehört mir". Ist nämlich Unfug.

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cobaea 03.09.2018, 16:57
194.

Zitat von Postskriptum
ist eine Ohrfeige für jeden der auf eine Organspende angewiesen ist und offenbart die absolute Unwissenheit der Autorin. 36 % haben mittlerweile einen Organspendeausweis. Das sind nach der Wahrscheinlichkeit eines passenden Organs einfach 74% zu wenig. Natürlich haben wir in den Krankenhäusern strukturelle Probleme. Aber auch diese zu beheben reicht nicht aus. Wir brauchen die allgemeine Organspende Option um alle erreichen zu können. Hier den Eingriff in die Freiheit vor Menschenleben zustellen ist Menschenleben verachtend.
Mathematik ist nicht Ihre starke Seite - 34 plus 76 sind nicht 100 sondern 110%. Das wäre dann ja wohl die Einforderung eines Wunders. Abgesehen davon: Es können nicht alle Menschen Organspender sein Nur ein paar Beispiele: 1. gibt es Kinder, die nicht selbst entscheiden und deshalb auch keinen Spenderausweis benatragen können. 2. gibt es Menschen, die mit Krankheiten belastet sind, die eine Spende verhindern (HIV- und/oder Hepatitis-Infizierte, Kranke mit MS oder Parkinson etc.) 3. gibt es eine immer grössere Zahl Hochbetagter, deren Organe eben auch hochbetagt sind.

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dabu38300 03.09.2018, 16:58
195. Unverschämt

Mein Körper gehört mir und ich finde es befremdlich, wenn der Staat sich anmaßt darüber zu entscheiden. Ich muss also künftig widersprechen, wenn ich nicht will, das meine Organe anderweitig verbaut werden? Der Staat wird immer mehr zur Krake und dringt jetzt schon in meinen Körper vor.

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cobaea 03.09.2018, 16:59
196.

Zitat von karlsiegfried
... zur Finanzierung einer Verfassungsklage für den Fall, dass die gesetzliche Widerspruchslösung des Herrn Maas Realität werden sollte. Grund: Mein Körper gehört mir!
Was hat Maas damit zu tun? Oder: Wie kann man Spahn mit Mass verwechseln? Zuviel Feindbild im Kopf?

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gantenbein3 03.09.2018, 17:00
197. Und was nichts daran ändert

Zitat von Pickle__Rick
Sorry aber Sie haben offensichtlich keine Ahnung wie hier Transplantationen ablaufen. Die Horrorstory mit dem reichen Empfänger klappt nicht. Kein Arzt kann einen Patienten, der es noch schaffen könnte, sterben lassen weil er auf der anderen Station jemanden auf der Warteliste hat. Egal ob es da emotionale oder finanzielle Motivationen gibt. Die Vergabe erfolgt unabhängig über Eurotransplant, nachdem der Hirntot eines Patienten gemeldet wurde. Man hat als Arzt des potentiellen Spenders keinen Einfluss darauf wer Empfänger wird. Da müssten schon sehr viele Leute gleichzeitig bestochen werden. Bei den bisherigen Zwischenfällen wurden Patienten auf dem Papier schlechter gemacht und sind somit ein paar Plätze höher gerutscht. Das erhöht die Chance auf eine Spende aber nicht den Druck auf den Arzt des Spenders. Ich finde es einigermaßen erschreckend, wie bereitwillig diese Märchen verbreitet und geglaubt werden. Die Bereitschaft den Zugang zum Internet zu nutzen und sich die Infos in Sekunden zu holen, ist dagegen nur schwach ausgeprägt.
dass sowohl die Organentnahme als auch die Transplantation von relativ langer Hand vorbereitet werden. Eurotransplant weiß genau, wer für eine Organspende in Betracht kommt und wer das Organ bekommen kann. Dabei liegt der Konflikt auf der Hand: Hier hat man einen geeigneten Empfänger, der nicht mehr lange warten kann, und dort einen geeigneten Spender - und dann stirbt der nicht. Meinen Sie, da würde noch alles getan, um den Spender am Leben zu erhalten? Ich denke das nicht. Aber darüber breitet man den Mantel des Schweigens, denn es wäre zur Verunsicherung potenzieller SpenderInnen hervorragend geeignet.

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ignazpietsch 03.09.2018, 17:02
198. Gäbe es eine Bürgerversicherung

Gäbe es eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen, gäbe es keine Zweiklassen-Medizin und diese ungesunde Profitorientiertheit im Gesundheitswesen, dann wäre ich sofort dabei. So bleibt der ewige Zweifel, dass einige Menschen mehr wert sind als andere. Und da gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass Kliniken, die im Besitz von Aktiengesellschaften sind, auch "über Leichen gehen", um Gewinn zu machen. (siehe VW-Konzern u.a.) Schuld daran ist die neoliberale Politik der CDU, die für ein Auseinanderdriften von Reich und Arm erfolgreich gesorgt hat und für das ätzende gesellschaftliche Klima im Land verantwortlich ist. Atomisierung des Individuums in der Gesellschaft und Armut fördern, für Egoismus sorgen und dann beklagen, dass viele nicht mehr bereit sind zu spenden. Und dann diese perfide Art und Weise, Pfui!

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Ottokar 03.09.2018, 17:04
199. Eigene Erfahrungen zum Thema Organspenden

Nach dem meiner Tochter, 32 , eine Ader im Gehirn geplatzt war, wurde sie mit Apparaten am Leben erhalten. Die Stationsärztin bat uns, die Familie in einen Besprechungsraum und fragte uns ob wir mit einer Organspende von unserer Tochter einverstanden wären. Dabei erklärte sie uns, der Familie die noch unter Schock stand, im Detail was man so alles gebrauchen könnte. In einem Ton der an das Ausschlachten eines alten Autos erinnert. Nachdem wir, die Familie eine Organspende abgelehnt hatten, kam der Spruch dieser Ärztin, dann schalten wir ab was auch postwendend gemacht wurde. Uns, der Familie blieben noch nicht einmal die fünf Minuten um Abschied zu nehmen.

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