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Psychotherapie: Das beste Mittel gegen Phobien wird kaum genutzt
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Sich seinen Ängsten zu stellen, gilt nicht nur im Volksmund als sinnvolles Heilmittel: Die Konfrontation zählt zu den wirksamsten Methoden der Psychotherapie. Doch sie wird zu selten angewendet.

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blacky.fuchsberger 05.10.2018, 10:21
1. Der Hauptgrund liegt im Terminplan

Der Beitrag deutet es bereits an: der wesentliche Grund für die zögerliche Verwendung von Expositions- oder Konfrontationstherapie liegt in der Unvereinbarkeit mit dem Terminkalender des Therapeuten oder der Therapeutin. Konfrontationen dauern nicht selten weit länger als 2 Stunden, sodass im häufig sehr vollen und in aller Regel nicht flexiblen Terminkalender typischer Therapiepraxen einfach kein Platz für solche Behandlungen ist.

Dieses Problem ist vor allem struktureller Natur, und wird mit der Reform der Psychotherapeuten Richtlinie nur noch kritischer, die noch weniger Raum für flexible Gestaltung der Behandlungstermine lässt.

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lift_off 05.10.2018, 10:47
2. Ohne Konfrontation geht es nicht, jedoch...

...kommt es auf das Wie an. Wenn ich dabei versuche, meine Ängste unter Kontrolle zu bekommen, werde ich immer scheitern. Könnte ich dies, hätte ich kein Angstproblem. Der Sinn der Übung besteht für mich darin, die Empfindungen anzunehmen und zuzulassen und dabei zu lernen, dennoch die Dinge zu tun, die mir wichtig sind.

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manno18 05.10.2018, 10:55
3. Bei allen Erkenntnissen sinnvoler, erfolgversprechender

Behandlungstherapien bei Menschen mit Phobien oder Zwangshandlungen nützen diese Therapien garnichts, wenn die Patienten vor, während der Therapie stets das letzte Wort haben eine sich einer angeratenen Therapie erst garnicht stellen zu wollen oder mittendrin jedezeit abbrechen zu können.
Gegen den Willen des Patienten dürfen im deutschen Rechtsstaat ohne dessen Einwilligung keine medizinischen Behandlungen - Therapien durchgeführt werden.
Da können Verhaltenstherapeuten noch soviel klagen, jammern. Ohne ausdrückliche Bereitschaft, wie schriftliche Willenserklärung mit rechtlicher Belehrung wird auch weiterhin kein Therapeut eine Therapie wegen Angststörungen - Phobien - Zwangshandlungen vornehmen dürfen.
Da diese Therapien meist sehr langwierig, meist über viele Monate bis Jahre sich hinziehen ist der Unmut der Verhaltenstherapeuten verständlich diese Patienten nicht zwangsbehandeln zu dürfen um sich damit eine langwierige sichere Einahmaquelle über die Krankenkassen sichern zu können.
Was unsere Gesundheitssysteme - Ausgaben der Kassen nur noch weiter belasten, überlasten, für die Beitragszahler verteuern würde und die Kassenbeiträge weiter steigen lassen täten.
Wenn Patienten mit Phobien - Zwanghandlungen, wie auch bei anderen Krankheiten, wie Krebs Therapien ablehnen haben Ärzte - Phychologen - Therapeuten die Pflicht den Willen der Patienten zu respektieren.

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collermann 05.10.2018, 11:07
4. Propranolol + Konfrontationstherapie hilft sehr gut!

Vom US-Militär wird der Betablocker Propranolol zusammen mit einer Konfrontationstherapie gegen Ängste bei Soldaten angewendet. Holländische Forscher haben nachgewiesen, dass Propranolol direkt auf bestimmte Gehirnzentren wirkt und Angst/Panik direkt im Gehirn auslöschen kann.

Mein Eigenversuch gegen extreme Flugangst, weil ich von Ärzten keine Hilfe bekam: Habe mir Propranolol in Spanien gekauft (Sumial 40mg) und 2 Std. vor jedem Flug 1/2 Tablette (20mg) eingenommen. Meine Flugangst ist weg; nehme allerdings bei jedem Flug weiterhin 1/4 Tablette (10mg) "aus Angst", die Flugangst könnte wiederkommen. Ängste sind etwas Grausames! Das können sich Menschen, die keine Ängste haben, gar nicht vorstellen!

Für genauere Informationen verweise ich auf einen ähnlichen Beitrag von mir:

http://www.spiegel.de/forum/gesundheit/panikstoerung-wenn-angst-das-leben-beherrscht-thread-80013-6.html#postbit_11752759

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precilla 05.10.2018, 11:18
5. Konfrontation ist viel Arbeit

Ob Zwangsbehandlung sinnvol ist, bezweifle ich. Wenn der Patient innerlich abschaltet oder nicht bereit ist, bringt die Exposition gar nichts. Meiner Ansicht nach gibt es für Therapeuten einfach zu wenige äußere Anreize, Expositionsbehandlungen durchzuführen. Möglicherweise werden zwar die Anfahrtskosten in einem engen Radius erstattet, nicht aber die Zeit der Anfahrt. Außerdem ist die Exposition zeitlich oft nicht ganz genau planbar. Es kann dauern, bis sich jemand traut, oder es gibt zusätzlichen Gesprächsbedarf. Wenn man einen genau getakteten Alltag hat, ist das nicht problemlos einzuplanen. Auf der anderen Seite gibt es nichts schöneres, als genau diesen Erfolg: daß das Undekbare auf einmal möglich ist, und zwar ganz handwerklich, beflügelt Patient und Therapeut gleichermaßen.
Wer monatelang auf einen Therapieplatz warten muß, nimmt dann aber doch lieber Beruhigungstabletten, mit den bekannten Folgen.

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dasfred 05.10.2018, 11:34
6. Zuerst muss der Patient zum Therapeuten passen

Auch wenn viele Therapeuten immer noch meinen, wenn sie keinen Zugang zum Patienten finden, liegt es am Patienten, das Gegenteil ist meistens der Fall. Ein Poster verwies hier auf Medikamente. Das kann durchaus in bestimmten Fällen wirksam sein. Ebenso, wie eine geringe Menge Alkohol bei einigen Ängsten kurzfristig wirkt. Von daher ist immer der Einzelfall genau zu betrachten. Je größer das Vertrauen, dass der Patient dem Therapeuten entgegen bringt, um so größer ist der Behandlungserfolg. Es muss auch längst nicht jede Angst behandelt werden.

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kelten.island 05.10.2018, 11:40
7. Zu kurz

Zu kurz ist ein gutes Stichwort. Meines Wissens nach muss die Konfrontation mindestens 1 Stunde dauern. Außerdem muss die Schwelle richtig gesetzt sein, d.h. es sollte währenddessen keine Panikattacke aufkommen. Außerdem muss, wie es im Artikel richtig erwähnt wird, tatsächlich in die Situation reingegangen werden. Bei Flugangst muss man tatsächlich fliegen, bei Angst vorm Schwimmen im offenen Wasser, muss man in einen See, bei Höhenangst tatsächlich in immer höhere Gebäude etc. pp. Eine richtig durchgeführte Konfrontationstherapie ist meiner Meinung nach ambulant in irgendeinem Zimmer daher gar nicht möglich, schon gar nicht in einer insgesamt 45min dauernden Sitzung ! Therapeuten die das behaupten, haben schlichtweg keine Ahnung .

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spon-facebook-10000012354 05.10.2018, 11:51
8. Komorbidität

Das Problem solcher Studien besteht darin dass sie in der Regel die Komorbidtät ausblenden: Vor allem im Bereich der psychischen Störungen nach DSM-5 kommen Mehrfachdiagnosen oft vor. So zeigt sich, dass bei einem problematischen Substanzgebrauch (bzw. Abhängigkeitserkrankungen) gehäuft eine Depression, Angst- und Panikstörung sowie eine Dysthymie nachgewiesen werden kann. Auch hier gilt wieder, dass damit keine Aussage getroffen wird, ob und wie welche Störung für das Auftreten der anderen verantwortlich zu machen ist. Dabei wird so weit gegangen zu betonen, dass die (häufige) Vernachlässigung dieser Tatsachen aufgrund ihrer verheerenden Konsequenzen an einen ärztlichen Kunstfehler grenze. Das gleichzeitige Vorkommen von körperlichen und psychischen Erkrankungen führt zu schlechteren Behandlungsergebnissen, verschlechtert die Prognose der jeweils einzelnen Erkrankungen und beeinflusst die Lebensqualität insgesamt erheblich. Der isolierte Einsatz solcher Methoden ist deshalb theoretisch wirksam, aber in der Praxis selten anzuwenden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Komorbidität

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4kalidanze 05.10.2018, 12:51
9.

Ich war wegen einer Angststörung mit Panik im UKE in Hamburg stationär.
Dauernd hatte ich zuvor Angst einen Herzinfarkt zu erleiden, bzw. eine tödliche Herzschwäche zu haben, die die Ärzte einfach nicht entdecken wollen.
Therapie: Vollkonfrontation!
Ich musste im Treppenhaus des Hochhauses im UKE immer wieder vom Keller zum 7. Stock rennen, mit dem Fahrstuhl wieder nach unten usw.... bis mein Herz so richtig raste und ich kaum Luft bekam.
Danach wurde ich in einem Tagesklinischen Bereich der um die Uhrzeit leer war, in eine Abstellkammer gebracht und eingeschlossen.
Der Arzt verließ dann den leeren Flügel und ich war allein auf 3m² eingeschlossen.
HÄTTE ich wirklich einen Infakrt bekommen, hätte mir niemand helfen können, weil der ganze Flügel menschenfrei war und niemand mich hätte schreien können.
Nach einer Stunde wurde ich wieder rausgelassen.
Währenddessen hatte ich furchtbare Angst, mein Herz hämmerte in der Brust und ich war Schweißnass, und ALLEIN in einer kleinen Kammer, eingeschlossen, für eine Stunde ohne Möglichkeit echter Hilfe.
Der Arzt meinte das "Risiko" muss ich eingehen, man ist immer wieder irgendwo wo es keine Hilfe gibt im Leben, z B. Wandern in der Lüneburger Heide allein usw.

Kurzum: Die Therapie war so hart das ich sie abgebrochen habe. Der Arzt hat gesagt so kann keine volle Heilung geschehen.
Allerdings ist das jetzt 4 Jahre her und wie war NIE WIEDER im Krankenhaus weil ich glaubte einen Herzinfarkt zu erleiden.
Vor der Therapie war es sicher 5-10 Mal im Monat.
Manchmal jedoch bin ich nachts aufgewacht und hatte die "Idee" doch genau jetzt Herzbeschwerden zu haben, dann erinne ich mich an die Kammer... und die Beschwerden sind fast sodort weg.
Ich bin Mitte 30 und nichts anderes als diese Hardcoretherapie hat gewirkt!

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