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Säurehemmer: Mediziner kritisieren sorglosen Einsatz von Magenschutzmitteln
Corbis

Trotz Stress und Medikamenten soll die Magenschleimhaut nicht bluten: Dafür bekommen viele Klinikpatienten vorsorglich einen Magenschutz. Doch Kritiker fürchten, dass die Säurehemmer häufig unnötigerweise zum Einsatz kommen. Jetzt haben Mediziner herausgefunden, für wen sich die Mittel lohnen.

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mauli.01 09.01.2013, 14:42
1. Metamizol, magenschädlich?

Spiegel Online und seine Qualität, was die Beiträge betrifft. Seit wann ist Metamizol genauso magenschädlich wie beispielsweise ASS bzw. überhaupt schädlich. Erst werden die Nebenwirkungen angesprochen(weniger saures Milieu=optimal für Bakterien), um dann nicht versierte Nutzer, die evtl. Novalgin oder ähnliches schlucken, zum Konsum von Protonenpumpenhemmer motivieren. Ein bisschen weniger gefährliches Halbwissen wäre schön!

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dennisballwieser 09.01.2013, 15:42
2. Metamizol

Zitat von mauli.01
Spiegel Online und seine Qualität, was die Beiträge betrifft. Seit wann ist Metamizol genauso magenschädlich wie beispielsweise ASS bzw. überhaupt schädlich. Erst werden die Nebenwirkungen angesprochen(weniger saures Milieu=optimal für Bakterien), um dann nicht versierte Nutzer, die evtl. Novalgin oder ähnliches schlucken, zum Konsum von Protonenpumpenhemmer motivieren. Ein bisschen weniger gefährliches Halbwissen wäre schön!
Sie haben völlig Recht, Metamizol gehört nicht in die Liste, das war ein Versehen von mir. Wir werden den Fehler ausbessern und eine entsprechende Anmerkung anhängen.

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dennisballwieser 09.01.2013, 16:34
3. Nachtrag zu Metamizol

Zitat von mauli.01
Spiegel Online und seine Qualität, was die Beiträge betrifft. Seit wann ist Metamizol genauso magenschädlich wie beispielsweise ASS bzw. überhaupt schädlich. Erst werden die Nebenwirkungen angesprochen(weniger saures Milieu=optimal für Bakterien), um dann nicht versierte Nutzer, die evtl. Novalgin oder ähnliches schlucken, zum Konsum von Protonenpumpenhemmer motivieren. Ein bisschen weniger gefährliches Halbwissen wäre schön!
Metamizol ist aus der Liste heraus und die Anmerkung eingefügt. zwar ist Metamizol als nichtsaures Schmerzmittel nicht "genauso magenschädlich" wie die sauren, also zum Beispiel ASS oder Ibuprofen. Einen Freibrief für Metamizol gibt es allerdings auch nicht.

Man findet zwar in vielen Veröffentlichungen den Hinweis, Metamizol erhöhe das Ulcusrisiko nicht bzw. nur "sehr gering" (z. B. hier: [Non-opioid analgesics for perioperative pain t... [Anaesthesist. 2004] - PubMed - NCBI, Übersichtsarbeit auf deutsch), aus der gleichen Arbeit stammt aber auch das Zitat "Zur Metamizoltherapie gibt es lediglich eine kleinere Untersuchung
mit einer Therapiedauer von 14 Tagen: 3 von 12 Probanden hatten endoskopisch nachweisbare Ulzera [22].", das sich wiederum auf diese Arbeit bezieht: Endoscopic assessment of the effects of dipyrone (... [Digestion. 1996] - PubMed - NCBI.

Auch wenn es keine klinisch relevanten Probleme zu mit Ulzera durch Metamizol zu geben scheint (und darauf kommt es für die Aufzählung im Text an), könnte es also ein Risiko für zumindest endoskopisch nachweisbare Blutungen der Magenschleimhaut auch durch Metamizol geben.

Und wo wir über Metamizol diskutieren, sollte ein anderer Aspekt nicht fehlen. Dazu ein Zitat aus dem Arzneiverordnungsreport 2012: "Es ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dass die Gefahr der Sensibilisierung und Auslösung von Agranulozytosen und Schockreaktionen (nach i.v. Gabe) zu einer Einschränkung der Indikation für die Verwendung von Metamizol führen muss. Die zuverlässige schmerzstillende Wirkung von Metamizol durch intravenöse Anwendung z. B. bei Steinkoliken wäre sicherer, wenn nicht durch Einsatz bei leichten Schmerz- und Fieberzuständen die Sensibilisierungsrate gegenüber Pyrazolanalgetika kritiklos gesteigert würde. Obwohl das Anwendungsgebiet von Metamizol aus diesem Grunde erheblich eingeschränkt und die Rezeptpflicht angeordnet wurde (Arzneimittelkommission 1986), und obwohl das damalige Bundesgesundheitsamt 1987 für alle metamizolhaltigen Kombinationspräparate die Zulassung widerrufen hat, hält der Trend zur Mehrverordnung dieser Substanz über die letzten zehn Jahre kontinuierlich an."

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Medienkenner 09.01.2013, 17:17
4. optional

Immer das gleiche Spiel: 20 Jahre lang kriegen Patienten von einigen ein Medikament aufgedrückt, dann kommen andere -manchmal auch die gleichen- und raten davon ab. Dann kommen die Nächsten und haben wieder eine 'neue Erfindung' in petto. Kranke als Versuchskaninchen.

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epigone 09.01.2013, 17:44
5. Ich bin verblüfft ...

Zitat von dennisballwieser
Sie haben völlig Recht, Metamizol gehört nicht in die Liste, das war ein Versehen von mir. Wir werden den Fehler ausbessern und eine entsprechende Anmerkung anhängen.
... wenn wir schon über NSAR reden, wo ist dann Diclofenac? Ist als potenter COX 1 (& COX 2) Hemmer ein leider sehr bekannter Kandidat für Magen-/Darmblutungen.

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doc 123 09.01.2013, 17:48
6. Schade...

Zitat von sysop
Trotz Stress und Medikamenten soll die Magenschleimhaut nicht bluten: Dafür bekommen viele Klinikpatienten vorsorglich einen Magenschutz. Doch Kritiker fürchten, dass die Säurehemmer häufig unnötigerweise zum Einsatz kommen. Jetzt haben Mediziner herausgefunden, für wen sich die Mittel lohnen.
... dass durch einzelne fachliche Mängel hier nicht über das tatsächliche Statement dieses Artikels diskutiert wird, nämlich dass die Protonenpumper-Hemmer tatsächich viel zu oft und zu lange verordnet werden.

Zu Beginn der Zulassung war die Verschreibung noch auf Monate begrenzt, heute hört man von Internisten, dass diese Medikamente "bedenkenlos" auch über Jahre verschrieben werden könnten. Ich kann dies jedenfalls nicht glauben. Die Magensäurebildung wird weitgehend bis vollständig unterdrückt, nach meiner Auffassung mit der Folge einer atrophischen Gastritis.

Welcher "normale" Arzt weist zudem den Patienten bei der ASS-Verordnung tatsächlich auf eine gleichzeitige Protonenpumpenhemmer-Einnahme hin, wieviele Magenblutungen gibt es denn bei der Massenhaften Selbstverordung tatsächlich? Ich halte dieses Problem eher für nicht relevant. Dagegen wird z.B. bei der Cortison-Einnahme in jeder Hautklinik, wegen angebliche magenschädigender Wirkung des Cortison, auf eine Säurehemmung geradezu gepocht wird. Das ist einfach nur absurd, denn Cortison hat längstens nicht die mangenschädigende Wirkung wie ASS und selbst die halte ich für allenfalls für marginal.

Bekannt jedoch ist zudem aus allergologischer Sicht, dass die Protonenpumpenhemmer durch Unterdrückung der Magensäure, die dann für die entsprechende "Verarbeitung" der Allergene im Magen nicht mehr zur Verfügung steht, gehäuft als Ursache und Mit-Auslöser bei allergologischen Reaktionen gesehen werden.

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Newspeak 09.01.2013, 19:34
7.

Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich meine vor einigen Jahren noch gelesen zu haben, daß die dauerhafte Einnahme von Protonenpumpenhemmern zu einem erhöhten Herzinfarktrisiko führt. Weiß da jemand Genaueres? Ich habe damals Omeprazol jedenfalls nur sehr beschränkt auf Rezept bekommen und inzwischen wird einem das in der Apotheke nachgeschmissen. Seltsam, oder? Wieso macht man dann nicht gleich bei allen Menschen vorsorglich eine kurzfristige aber intensive Anti-Helicobacter-pylori Kombinationstherapie? Das wäre sicher zielführender als ständige Protonenpumpenhemmereinnahme. Die Kombitherapie aber gibt es nur nach umfangreichen Voruntersuchungen, dabei sehe ich hier auch ein hohes Nutzen zu geringen Kostenverhältnis...relativ zu Spätfolgen wie Magenkrebs.

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Methados 09.01.2013, 20:10
8.

Zitat von sysop
Trotz Stress und Medikamenten soll die Magenschleimhaut nicht bluten: Dafür bekommen viele Klinikpatienten vorsorglich einen Magenschutz. Doch Kritiker fürchten, dass die Säurehemmer häufig unnötigerweise zum Einsatz kommen. Jetzt haben Mediziner herausgefunden, für wen sich die Mittel lohnen.
ich nehme Omep nun ca 2 Jahre täglich ein, da es eine absolut fantastische wirkung gegen das krasse sodbrennen unter dem ich leide hat. (vorherige gewichtsreduktion und ernährungsumstellung brachten leider garnichts)

Über Nebenwirkungen oder Risiken wurde ich von keinem der Ärzte informiert, welche mir das verschrieben haben. (das sind mittlerweile 6 Ärzte wegen oftmaligen Umzugs)

Muss ich mir denn nun Sorgen machen ? Bzw was kann denn wirklich passieren ? Tenor der Ärzte war bisher "istn Wundermittel, kann nur gut sein"

Bin jetzt wirklich verunsichert, was schade ist, denn mein Leben hat sich dank Omep & Co wirklich erheblich verbessert!

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krumar 09.01.2013, 21:31
9.

Durch einen ganz langsamen Entzug (Dosisverringerung über Monate) kommt man von den PPI auch wieder runter, ohne dass es zu dem gefürchteten rebound effect kommt (noch mehr Säure nach dem Absetzen). Wer also einen Reflux hat, sollte mit seinem Arzt mal über diese Option sprechen, anstatt Jahre lang PPI zu schlucken.

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