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Schmerzkrankheit Morbus Sudeck: "Stellen Sie sich vor, Sie würden den Fuß am liebsten
TMN

Nach einer Fuß-OP leidet Manager Frank Bergs unter unerträglichen Schmerzen, die nicht mehr verschwinden. Er hat eine seltene Krankheit, Morbus Sudeck. Die beste Therapie ist eine, die früh beginnt.

logel 18.11.2016, 17:42
1. Soo selten ist der Sudeck gar nicht

und als ich ihn hatte, lernte ich zahllos viele Patienten in einem elendigen Zustand damit kennen. Ausschlaggebend wichtig wäre eine sofortige, umgehende Behandlung, sobald sich auch nur ein Verdacht zeigt. Aber das wird von der Schulmedizin kräftig hinausgezögert und verschlampt, zum einen, dass sie das Problem viel zu spät erkennt und zum zweiten, dass der Patient dann obendrein auf einen weitergehenden Diagnosetermin noch 6 (sechs!) Wochen lang warten muss, und zum dritten, dass eine dringend notwendige Behandlung zur Vermeidung von Spätfolgen von den Krankenkassen nicht bezahlt und abgelehnt wird.
Damit sind dann nahezu alle Chancen auf Ausheilung verspielt.
Mich hat nur die Akupunktur gerade noch rechtzeitig gerettet (selbst bezahlt), es waren sofortige Behandlungen, ein paar Mal. Durch die Akupunktur konnten dann auch meine sich im limbischen System verankerten Schmerzen (das ist das, wenn der Körper diesen heftigen Dauerschmerz bei Sudeck schließlich wie einen Normalzustand immer wieder selbst produziert) dauerhaft unterbrochen werden. Heute bin ich, außer den Spätfolgen (u.a. große Körper- und Muskelschwäche), gesund.

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hape2412 18.11.2016, 22:09
2. Die Diagnose von Morbus Sudeck

- wie die heute übliche Bezeichnung komplexes regionales Schmezsyndrom - ist nicht sehr einfach, weil die zu Beginn relativ unspezifischen Symptome nicht zwangsläufig auf die Erkrankung hinweisen. Die Diagnostik und Behandlung der Wahl sollte in einer Universitätsklinik in Form einer multimodalen Schmerztherapie erfolgen. Multimodale Schmerztherapie bedutet, dass ein mehrschichtiger Therapieanstz verfolgt wird. Sie besteht aus Krankengymnastik, um einer Bewegungseinschränkung entgegenzuwirken, Ergotherapie, um der gefährlichen Fokussierung auf den Schmerz entgegenzuwirken, aus dem selben Grund ist eine Psychotherapie angezeigt. Schließlich wird eine Kombinationsmedikation eines Entzündungshemmers (wie etwa Diclofenac) in Verbindung mit Opiaten (sehr schnelle effektive Schmerzlinderung) durchgeführt. Schließlich werden Antidepressiva als unterstützende Medikation verordnet.

Eine Behandlung des CPRS gehört in jedem Fall in die Hände eines erfahrenen Schmerztherapeuten. Das alleinige Verlassen auf die Wirkung von Akupunktur, wie vor geschildert, sehe ich als gefährlich an. Ihre "Wirkung" dürfte auf einem Plazeboeffekt beruhen. Gefährlich deswegen, weil bei einer Nichtwirkung wertvolle Zeit vergangen ist, in der sich die Erkrankung weiter manifestiert hat und die Schmerzversorgung schwieriger geworden ist. Heute vermutet man, dass CPRS - ähnlich wie Phantomschmerz- auf einer gestörten Schmerzverarbeitung beruht. Man empfindet Schmerz wo auf Grund der körperlichen Befunde eigentlich keiner sein dürfte.

Es stimmt schlicht und einfach nicht, dass die Kosten einer multimodalen Schmerztherapie nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Ich finde es fatal, wenn die einzig nachweisbar erfolgreiche Behandlungsmethode und damit die - ach so ignorante und arrogannte - Schulmedizin verteufelt wird. Aber: jedem Tierchen sein Pläsierchen. Jeder hat das Recht, die seiner Meinung nach adäquate Behandlungsmethode zu wählen. Wenn diese nicht von Erfolg gekrönt ist - jeder muss dann auch mit den Konsequenzen seiner Entscheidung leben.

Ich leide glücklicherweise nicht an CPRS, bin auf Grund einer inoperablen massiven Schädigung der Wirbelsäule ein Jahrzehnt von Arzt zu Arzt "gerannt". Durch die lange Zeit ohne adäquate Schmerzversorgung hat sich mein Schmerzgedächtnis derart manifestiert, dass eine halbwegs gute Schmerzlinderung nur durch den Einsatz relativ hochdosierte Morphine erreicht werden kann. Durch die GAbe von Diclofenac und Amitryptillin tritt eine weitere Schmerzlinderung ein. Den Zustand halbwegs erträglicher Schmerzen habe ich erst durch die Ärzte einer hiesigen Universitätsklinik und deren Behandlung der oben erwähnten multimodalen Schmerztherapie erreichen können Vielen Dank dafür!

Auch wenn sich das folgende sehr platt anhören mag: am wichtigsten ist: man darf sich auf keinen Fall vom Schmerz besiegen lassen.

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hape2412 18.11.2016, 22:25
3. Ergänzend noch folgendes

CPRS ist nicht heilbar und jemand, der / die unter CPRS leidet, ist nicht gesund. Ich erwähne dies, weil zu hohe Hoffnungen in den Erfolg einer Behandlung und die daraus folgende Frustration die höchsten Hindernisse darstellen.

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Seppiforever... 19.11.2016, 00:48
4. Müssen es denn immer...

...diese Anglizismen sein welche früher hierzulande wirklich Null komma Null verwandt wurden ??
Als ich meinen Pathologieunterricht hatte- vor 34 Jahren- hiess Sudeck noch Sudeck und allenfalls Alternativ in Romanischsprachigen Ländern "AlgoNeuroDystrophie" d.h. Schmerzhafte, durchs Deregulierte Vegetative Nervensystem herbeigeführte Gewebsfehlernährung weil die Gefässregulation austickt, und zwar in Richtung "Sympathicus beständig auf dem Gaspedal und Parasympathicus beständig schmollend" !... SO ist das zu erklären !
Einer von sehr vielen möglichkeiten ist, dass ein Implantat wie etwa eine Metallplatte nach Frakturen, von benachbarten vegetativen Nervenendigungen als "Beläsitigung" empfunden wird- wird nach Monaten das Implantat entfernt so schwindet der Sudeck fast im Handumdrehen- so selbst gesehen bei einem 20 Jährigen Mann mit Knöchelfraktur nach Motorradunfall ! In anderen, häufigeren, Fällen ist Primärtraumatisch das periphere Vegetative Nervensystem "geknautscht" worden usw...
Grundregel ist: Thermische Reize SANFT, nämlich in der akuten überwärmungsphase sanfte Kälte, und später in der Kühlen Unterversorgungsphase sanfte Wärme ! - , Bewgung unbedingt, JA, aber dabei anfänglich nicht gegen die Schwerkraft geschweige denn gegen zusätzliche Kräfte anarbeiten lassen- eine Frage der Lagerung beim üben und daher ein Fall für den Physiotherapeuten, und - sehr Wichtig !- Elektrotherapie sanft beginnend und NUR Parasympathkoton stimulierend !!! Über 30 Berufsjahre Erfahrung als Physiotherapeut stehen meinerseits hinter diesen Empfehlungen !

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Estrup 22.11.2016, 11:30
5.

Als Betroffene danke ich Euch für den Artikel, denn Aufklärung ist extrem wichtig. Ich selbst bin Franks Vorbild gefolgt und habe in Berlin die Selbsthilfe gegründet (www.sudeck-berlin.de). Generell ist der Artikel gut recherchiert. Zwei Dinge stimmen allerdings so nicht ganz: es ist weder bisher klar, dass CRPS autoimmun ist, noch vererblich. das sind bisher nur Vermutungen. Leider wird nur wenig auf dem Gebiet geforscht und es gibt viel zu wenig Ärzte, die sich auf dem Gebiet auskennen. Statt dessen müssen Betroffene mit Vorurteilen kämpfen, denn immernoch hält sich die (überholte) These, CRPS wäre auch psychisch! Besonders Kinder und Jugendliche leiden darunter auch noch heute. Richtig ist, psychische Probleme bekommt man durch die Krankheit und den Schmerz.
Meinen Vorrednern kann ich dagegen sagen, ich persönlich habe einen Fall erlebt, bei dem Akkupunktur extrem gewirkt hat - leider nur in diesem einen Fall, aber es kann wirken. Gegen Multimodal und Schulmedizin spricht auch nichts, aber es gibt auch gute Kliniken, die keine Uniklinik sind und trotzdem gut (z.B. Rommel Klinik) sind. Grundsätzlich muss jeder für sich das richtige Konzept finden, denn nur der Betroffene kann entscheiden, was ihm gut tut. Alles, was hilft, den Schmerz zu lindern, ist richtig - schulmedizinisch genau wie alternativ. Bis die genaue Ursache für CRPS feststeht - leider ist die komplex.
Abschließend muss ich mich im Namen aller Betroffenen bei Frank bedanken, denn er hat viel zum Thema Aufklärung getan und so uns allen damit geholfen - trotz eigener Krankheit. Schön, dass es Dich gibt Frank.

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logel 23.11.2016, 18:55
6. @hape2412

möglicherweise haben Sie meinen Kommentar nicht verstanden.
Hier also noch mal, auch für einen schulmedizinisch Gebildeten nun hoffentlich verständlich:
"multimodale Schmerztherapie" wurde mir nicht verordnet. Ich wollte in eine Klinik, die auf Sudeck-Patienten spezialisiert ist, aber die Krankenkasse hat das aber nicht bewilligt (Absage nach vier! Wochen Wartezeit) und nach einem Einspruch kam die zweite Absage nach weiteren sechs (!) Wochen. Dann wollte ich eine Physiotherapie, aber der Arzt hatte "kein Budget" dafür.
Die Akupunktur hatte ich also durchaus nicht als die einzigste Therapie in einer Entweder-Oder-Auswahl zu den möglichen Schulmedizin-Therapien favorisiert, sondern diese Behandlung einfach in die ewigen Wartezeiten zwischen den erweiterten Schulmedizin-Untersuchungsterminen eingeschoben, direkt unmittelbar nach der Diagnose.
Was soll also bitte gefährlich sein an der Akupunktur? Dass man sie ohne Wartezeiten unmittelbar gleich bekommt (wie es sogar die Schulmediziner empfehlen) im Gegensatz zu den Behandlungen aus der Schulmedizin, die ich in meinem Fall überhaupt nicht bekommen habe? Oder dass die Akupunktur tatsächlich ganz großartig helfen kann? Und wenn es "nur" ein Placebo-Effekt ist, den sie bewirkt, das ist mir egal, dann soll doch die Schulmedizin auch mal so ein Placebo erfinden, mit dem solche Alptraum-Dauerschmerzen nachhaltig verschwinden, ohne dabei den Körper mit chemischen Medikamenten zu vergiften, und so ein Placebo-Mittel dann auch schnellstmöglich beim Patienten einsetzen, ohne wochenlange Wartezeiten.

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nadinepa 10.05.2017, 10:34
7. alternative Schmerzbehandlung bei Morbus Sudeck & Co.

ich bin selber von Fibromyalgie betroffen. Als Schmerzpatientin weiß ich, wie leidvoll es ist, wenn einem die Ärzte zunächst gar nicht glauben wollen, wenn man über undefinierbare Muskelschmerzen in Händen und Füßen klagt, Hinzu kommt dann noch das Diagnoseverfahren, das nach dem Ausschlussprinizp funktioniert. Das bedeutet, bis man eine wirkliche Behandlung erfährt, muss man sich lange gedulden. Ich habe beinahe ein Jahr warten müssen und habe eine Odyssee von Arztbesuchen hinter mir, bis man sich mit der Diagnose einig war. Eine allgemein größere Akzeptanz solcher Schmerzkrankheiten und ein überarbeitetes Diagnoseverfahren seitens der Ärzte würde Menschen wie mir vieles erleichtern. Das einzige, was ich allen Schmerzpatienten die sich noch im Zustand der Diagnosefindung befinden, raten kann, ist: sucht euch alternative Schmerzbehandlung, bis die Diagnose steht! Ich habe meine Schmerzen sehr gut mit einer Reizstromtherapie unter Kontrolle bekommen. Nachdem ich das ganze mit meinem zuständigen Arzt abgesprochen habe, habe ich mir hier https://www.tensgeraet.ch/17-TENS-Schmerzlinderung den omron tens bestellt. Ich verwende das Gerät täglich für eine Viertelstunde und es ist mein heiliger Gral gegen meine Fibro. Es ist auch ein anerkanntes Therapiegerät bei Morbus Sudeck, das habe ich zumindest von meinem Therapueten erfahren.
Alles Gute allen Mitleidenden ....

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