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Schwangerschaft und Geburt: Eine Ode an unsere Hebamme
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Schreie, Schmerzen und Blut gehören ebenso zu ihrem Alltag wie Freudentaumel und Glückstränen: Hebammen, wenngleich schlecht bezahlt, begleiten Menschen in ihren wichtigsten Stunden. Zeit für ein Loblied.

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strixaluco 06.04.2018, 17:13
1. So haben wir Hebammen auch erlebt

So haben wir Hebammen auch erlebt und sind dankbar für ihren Einsatz und ihre wohltuende Gelassenheit. Ich habe jetzt schon mindestens drei verschiedene Petitionen unterschrieben, um sie zu unterstützen, gerade in der Versicherungsfrage. Ich hoffe, es hört mal endlich jemand zu, bevor noch mehr ihren Beruf aufgeben müssen.
Es ist mehr als unfair, dass das allgemeine Lebensrisiko Geburt auf die abgewälzt wird, die den größten Beitrag dazu leisten, es zu minimieren - neben den Hebammen auch die Ärzte.
Genauso schrecklich ist, dass, wenn tatsächlich etwas schief geht, Eltern oft Jahre bis Jahrzehnte prozessieren müssen, bevor sie einen angemessenen finanziellen Lastenausgleich erhalten, falls überhaupt. Wer in eine solche Situation gerät, braucht SOFORT Hilfe. Wir täten als Gesellschaft gut daran, sie auch sofort bereitzustellen. Die unendlichen Prozesse kosten nur noch mehr Geld, das in Hilfe, die auch Schäden minimieren kann, deutlich besser investiert wäre.
Wenn man diese Hilfe gewährt hat, ist eine Klärung immer noch wichtig - aber bitte unter der Voraussetzung, dass, wo Menschen arbeiten, immer Fehler passieren. Persönliche Schuldzuweisungen und Strafen sollte es nur dann geben, wenn jemand eindeutig wider besseres Wissen gehandelt hat.
Es ist nicht schön, dass Ärzte - besonders diese, aber auch manche Hebammen - bei Geburten so oft danach entscheiden, was rechtssicher ist, und nicht danach, was für Eltern und Kind wirklich das Beste wäre.

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man-o-war 06.04.2018, 17:55
2. Da kann man als ärztlicher Geburtshelfer schon ein wenig neidisch...

...werden, wie gut die Hebammen in den Medien wegkommen. Es scheint sich in den letzten 20 Jahren ein Anspruch etabliert zu haben, in der ganzen Schwangerschaft und Stillzeit von einer allzeit bereiten Hebamme betreut zu werden. Die Schwangeren fühlen sich dadurch besser, objektiv hat sich deren Gesundheitszustand in diesem Zeitraum jedoch nicht gebessert, doch die Betreuung sei ihnen vergönnt... Frauenärztinnen /-ärzte bekommen pro Schwangere viel weniger Geld als eine Hebamme und müssen daher alles so organisieren, dass sie in der Praxis 80-100 Schwangere gleichzeitig betreuen (Bundesdurchschnitt). Dann haben sie aber viel weniger Zeit und werden nicht so positiv wahrgenommen. Zur Klarstellung: wir brauchen Hebammen! Wir brauchen aber noch mehr: einerseits einen gesellschaftlichen Konsens, dass für den Nachwuchs viel mehr getan werden muss von der Kinderwunschtherapie bis zur Kita, andererseits aber auch mehr Mut und Zuversicht bei den verunsicherten Müttern, die immer mehr von der Seuche des Bedenkenträgertums infiziert werden.

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Tante_Frieda 06.04.2018, 18:25
3. Schön,aber...

Ein Loblied auf die Hebammen ist schön und kostet nichts,hilft ihnen aber kein Stück weiter.Der Beruf der Hebamme,der bisher ein Ausbildungsberuf war,seit einiger Zeit aber auch per Studium erlernt werden kann,wird miserabel bezahlt.Solange man nach einer qualifizierten Ausbildung bzw. Studium ein Einkommen hat,das dem einer ungelernten Fließbandarbeiterin nahekommt,können sich Eltern und Politiker ihre wohlfeilen Lobeshymnen sparen.Diejenigen Eltern,die Hebammen wirklich dankbar sind,sollten lieber Briefe an ihre Abgeordneten schreiben,in denen sie eine - deutlich - bessere Bezahlung für Hebammen fordern.

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Nordstadtbewohner 06.04.2018, 18:38
4. Ansichtssache

Zitat von Tante_Frieda
Der Beruf der Hebamme,der bisher ein Ausbildungsberuf war,seit einiger Zeit aber auch per Studium erlernt werden kann,wird miserabel bezahlt.Solange man nach einer qualifizierten Ausbildung bzw. Studium ein Einkommen hat,das dem einer ungelernten Fließbandarbeiterin nahekommt,können sich Eltern und Politiker ihre wohlfeilen Lobeshymnen sparen.Diejenigen Eltern,die Hebammen wirklich dankbar sind,sollten lieber Briefe an ihre Abgeordneten schreiben,in denen sie eine - deutlich - bessere Bezahlung für Hebammen fordern.
Hier bei Spon war vor einigen Tagen in einem Artikel zu lesen, dass eine Hebamme etwa 2700 Euro/ Monat verdient. Das ist deutlich mehr, als eine ungelernte Fließbandmitarbeiterin verdient.

Und was die bessere Bezahlung angeht: Es steht jeder freiberuflichen Hebamme frei, die Preise zu erhöhen. Wenn die gesetzliche Krankenkasse nicht alles zahlt, können ja jene, die die Leistung der Hebamme in Anspruch nehmen, die entsprechende Differenz begleichen.

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radioactiveman80 06.04.2018, 18:38
5. Schönen Dank!

Hebamme im Krankenhaus (Erste Besichtigung der Entbindungsstation) : „Aber warum denn ein Kaiserschnitt?“ - Wir „Weil unsere Frauenärztin das aufgrund des Blutdrucks so entschieden hat.“ - Hebamme (macht erfahrenes Gesicht): „Ein bisschen Bluthochdruck ist völlig normal!“ - Wir: „Kennen Sie denn die aktuellen Werte und wieviel Semester Gynäkologie haben Sie denn so studiert?“ - Hebamme (beleidigt): „Ich kenne sie nicht, aber ein bisschen Blutdruck ist völlig blablabla...“ —- 5 Minuten mach dem Kaiserschnitt, Baby auf dem Arm, überglücklich - andere Hebamme: „Aber warum wollen Sie denn jetzt nicht stillen...?“- Wir: „Isso!“ (Sie dampft beleidigt ab, während die Ärzte ihren Job anständig zuende bringen). Verlegen zur Kinderstation, selbige Hebamme schreit quer über den Flur: „Also die Frau X möchte nicht stillen. NICHT STILLEN!! (hängt sie höher...)!!!“ - Einmal pro Tag kommen weitere Hebammen rein, Klemmbrett zur Unterschrift bereit. Einmal abzeichnen, Geld kassieren, nicht einmal gefragt wie es der Mama denn so geht. 3 Wochen später zuhause. Nachsorgehebamme: „Schmerzen am Bauch? Das ist normal, da ist nichts...“ - 3 Tage später erneut Krankenhaus, Nabelbruch, nur durch Eigeninitiative erkannt. Auch wir sagen danke - für Nichts.

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fairplay24 06.04.2018, 18:44
6. leider anders erlebt

Die Hebammen die wir bei der Geburt hatten waren super und sind m. E. unerlässlich. Unsere Erfahrung mit den Nachsorge Hebammen war allerdings so schlecht, dass ich diese Leistung als komplett überflüssig erachte, bzw sollte sie nicht mehr von den Kassen übernommen werden. Unsere Kinder haben es trotz katastrophaler Beratung in der Nachsorge gut geschafft...

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winterwoods 06.04.2018, 18:58
7. Sorry, aber...

Ich weiß nicht, ob das hier gesagt werden darf... aber: Wir haben Hebammen durchweg leider nur als relativ unkompetent erlebt. Entweder bekamen sie Termine nicht auf die Reihe, ja vergaßen sogar, ließen meine Frau schwanger umsonst mit dem Bus durch die Stadt fahren, nur um sie dann vergessen vor verschlossener Türe stehen zu lassen, wahren fahrig und nervös, sagten andere Termine ab oder waren pampig und unfreundlich, führten eine absolut wirkungslose Akupunktur durch, rieten zu wirkungslosen Mittelchen wie Himbeerteer etc. etc. - wir waren immer und jedesmal froh, wenn ein "richtiger" Arzt im Raum war! Nichts gegen Hebammen an sich - aber bei uns: Bitte nie wieder! Allemal lieber ist mir ein Arzt!
Mir ist es ein Rätsel, warum Hebammen in den Medien so gut wegkommen, meine Erfahrungen sind leider andere.

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Tante_Frieda 06.04.2018, 19:20
8. Unterschiedlich

Zitat von Nordstadtbewohner
Hier bei Spon war vor einigen Tagen in einem Artikel zu lesen, dass eine Hebamme etwa 2700 Euro/ Monat verdient. Das ist deutlich mehr, als eine ungelernte Fließbandmitarbeiterin verdient. Und was die bessere Bezahlung angeht: Es steht jeder freiberuflichen Hebamme frei, die Preise zu erhöhen. Wenn die gesetzliche Krankenkasse nicht alles zahlt, können ja jene, die die Leistung der Hebamme in Anspruch nehmen, die entsprechende Differenz begleichen.
Nun,wir haben da eben unterschiedliche Informationsquellen.Sie haben natürlich auch schon die Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen einberechnet,die gerade mal den läppischen Betrag von etwa 7000 Euro jährlich ausmacht und gesetzlich vorgeschrieben ist?Aber dazu fällt Ihnen sicher auch etwas Passendes ein...
Belassen wir es einfach bei diesem Statement.Sie haben Ihre Informationen,denen zufolge Hebammen gut verdienen,ich habe andere Infos.Schönes Wochenende!

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strixaluco 06.04.2018, 21:39
9. @radioactiveman - ernst nehmen

Eine Hebamme kann Ihnen nur helfen, wenn sie ihre Fachkompetenz ernst nehmen und ihre Ratschläge nicht als dummes Geschwätz abtun.
Die Kaiserschnittrate beträgt bei uns mehr als das doppelte dessen, was die WHO für medizinisch notwendig hält. Da ist ein Hinterfragen durchaus nicht abwegig, zumal Kliniken ein starkes finanzielles Eigeninteresse in dieser Sache haben. Ich hätte bei zwei verschiedenen Meinungen eine dritte eingeholt. Ein Kaiserschnitt ist im Übrigen für die Mutter riskanter und für das Kind nachteilig (meines Wissens nach höhere Asthmarate, z.B ).
Wenn Ihre Frau nicht stillen wollte, gar nicht, nicht einmal in den ersten Tagen, widerspricht das einer Menge wohlbegründeter medizinischer Empfehlungen. Gerade das Stillen in dieser Zeit ist ein sehr wichtiger Infektionsschutz für Neugeborene, der überall empfohlen wird, unter anderem wiederum von der WHO. Wenn man sich an so etwas nicht halten will, will man eben nicht, aber man muss sich auch nicht wundern, wenn fachlich ausgebildete Leute das nicht besonders vernünftig finden.
Wie gesagt, Hilfe wird eben nur etwas, wenn man auch bereit ist, sie anzunehmen.

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