Forum: Gesundheit
TK-Umfrage: Wie Deutsche mit der Pflege ihrer Angehörigen umgehen
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Die Pflege des Partners, der Eltern ist kräftezehrend und gefährdet auch die eigene Gesundheit. Vielleicht überraschend zeigt eine Umfrage: Viele Menschen schöpfen auch Kraft aus dem Wissen, ihren Angehörigen zu helfen.

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cola79 11.09.2014, 18:07
1. Qualität kostet nichts

Interessant, dass Pflegekonzerne pro Heimplatz zwischen 3500 und 5000€ pro Monat einkassieren, wohlgemerkt für Prekärpflege, echte Pflege kostet natürlich noch mehr.

Dabei kann man offenkundig für einen Bruchteil dessen eine menschenwürdigere Pflege in den eigenen vier Wänden hinbekommen.

Es muss sich was ändern!

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lindenbast 11.09.2014, 18:12
2.

Der Ehrlichkeit halber muss man aber auch sagen, dass es nicht nur die sozialen Bindungen sind, die Menschen zur heimischen Pflege bewegen, sondern auch die Tatsache, dass ein Pflegeheim den finanziellen Ruin bedeuten würde. Wohlgemerkt, ich bringe diesen Gesichtspunkt nicht, um den Pflegenden irgendwie unlautere Motive zu unterstellen, ganz gewiss nicht. Ich habe große Hochachtung vor denjenigen, die es tun, und bin überzeugt, dass die allermeisten ihr Bestes geben und Erstaunliches leisten. Ich will damit nur sagen, dass manch einer nicht so lange pflegen (und an die Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit - oder auch darüber hinaus) gehen würde, wenn man nicht - beispielsweise, wenn der Mann erkrankt und die Frau Hausfrau war und über keine eigene Rente verfügt - vor der Wahl stünde, selbst zu pflegen oder sein Heim verkaufen und fortan dauerhaft auf Grundsicherungsniveau leben zu müssen. Ich bin übrigens auch nicht sicher, ob Pflege zu Hause immer und in jedem Fall die beste Lösung für den zu Pflegenden ist. Man glaubt z. B. gar nicht, wie viele Gefahren in einem ganz normalen Haushalt lauern, wenn jemand nur hinreichend dement ist.

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lindenbast 11.09.2014, 18:22
3.

Zitat von cola79
Interessant, dass Pflegekonzerne pro Heimplatz zwischen 3500 und 5000€ pro Monat einkassieren, wohlgemerkt für Prekärpflege, echte Pflege kostet natürlich noch mehr. Dabei kann man offenkundig für einen Bruchteil dessen eine menschenwürdigere Pflege in den eigenen vier Wänden hinbekommen. Es muss sich was ändern!
Ja, mittels Raubbau an der Gesundheit der Pflegenden.

Für einen Dementen muss rund um die Uhr jemand da sein, das sind 168 Stunden pro Woche. Natürlich nicht ein Pfleger für jeden Demenzkranken, und natürlich muss ein Pfleger nachts nicht dauernd arbeiten, es genügt Bereitschaftsdienst. Aber trotzdem - wenn man sich einmal überlegt, was da allein an Personalkosten anfällt (und Pfleger verdienen ja nun wahrlich keine Reichtümer), wird schnell klar, dass es mit 1500 Euro nicht getan sein kann.

Zumal bei häuslicher Pflege ja auch vieles gar nicht berechnet wird. "Aufwand für Wäsche? Haben Sie doch gar nicht!" wird da der pflegenden Ehefrau schnell mal gesagt. "Sie waschen ja auch Ihre eigene Wäsche, da können Sie doch die Ihres Mannes einfach mit hineinschmeißen!" Dass natürlich der demenzkranke Ehemann dreimal so viel Schmutzwäsche produziert wie seine Frau, interessiert in dem Zusammenhang nicht.

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cola79 11.09.2014, 18:24
4. Panikmache

Zitat von lindenbast
Man glaubt z. B. gar nicht, wie viele Gefahren in einem ganz normalen Haushalt lauern, wenn jemand nur hinreichend dement ist.
Auch keine anderen, als man bei Kleinkindern beachten müsste. Das ist eben letztlich die Frage, die man sich stellen muss-ob man im hohen Alter (die meisten pflegenden Personen sind keine 30 mehr) nochmal ein Kind "betreuen" will, eben ein oft chronisch krankes, behindertes Kind!

Das bedeutet ja Altenpflege salopp gesagt. Nicht jedermanns Sache, aber das kostet eben auch bei weitem nicht das, was Pflegekonzerne dafür verlangen.

Deutschland hat die Tendenz, einfachste Sachzwänge zu verkomplizieren. So traut sich irgendwann keiner mehr irgendwas zu, weil man hat ja die Ausbildung nicht...

Altenpflege ist weder Hexenwerk, noch übermenschliche Tat.

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vitalik 11.09.2014, 19:32
5.

Zitat von cola79
Auch keine anderen, als man bei Kleinkindern beachten müsste. Das ist eben letztlich die Frage, die man sich stellen muss-ob man im hohen Alter (die meisten pflegenden Personen sind keine 30 mehr) nochmal ein Kind "betreuen" will, eben ein oft chronisch krankes, behindertes Kind! Das bedeutet ja Altenpflege salopp gesagt. Nicht jedermanns Sache, aber das kostet eben auch bei weitem nicht das, was Pflegekonzerne dafür verlangen. Deutschland hat die Tendenz, einfachste Sachzwänge zu verkomplizieren. So traut sich irgendwann keiner mehr irgendwas zu, weil man hat ja die Ausbildung nicht... Altenpflege ist weder Hexenwerk, noch übermenschliche Tat.
Naja, ein Kind ist es eben nicht. Mag sein, dass die Menschen im alter abbauen und weniger wiegen, aber immer noch mehr als ein Kind. Außerdem, wenn zB die Frau den eigenen Mann pflegt, dann ist diese ja auch im gewissen Alter und da wird es noch schwieriger.

Die anderen haben es bereits angemerkt: die Pflege ist auch eine Belastung für den Pfleger. Arbeiten ist nicht möglich und Ferien kann man sich auch eher schwer gönnen.

Ich kann es nachvollziehen, wenn jemand den einfachen Weg gehen will und sich für ein Pflegeheim entscheidet.

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helisara 11.09.2014, 20:06
6.

Zitat von cola79
Auch keine anderen, als man bei Kleinkindern beachten müsste. Das ist eben letztlich die Frage, die man sich stellen muss-ob man im hohen Alter (die meisten pflegenden Personen sind keine 30 mehr) nochmal ein Kind "betreuen" will, eben ein oft chronisch krankes, behindertes Kind!
Bei einem Kind das nicht chronisch krank oder behindert ist (das trifft ja doch auf die allermeisten Kinder zu), weiß man, daß es irgendwann vorbei ist. Die Kinder werden älter und vernünftiger, mehr oder weniger, können ab einem bestimmten Alter allein essen, sich waschen, auf die Toilette gehen usw. Solange die Kinder noch so klein ist, daß sie dies nicht können, sind sie dennoch pflegeleichter als ein voll dementer Mensch, können leicht hochgehoben und auch mal in ein Laufställchen gesteckt werden, das ist bei erwachsenen Menschen nicht möglich. Auch das Waschen und Windelwechseln ist bei Erwachsenen eine enorme körperliche Anstrengung, auch für gelernte Pflegekräfte und den meisten ist es auch äußerst unangenehm so etwas bei den eigenen Eltern machen zu müssen (vielen Pflegebedürftigen ist es auch unangenehm von den Kindern gewickelt zu werden).

Hinzu kommt, daß viele Demente auch bockig und boshaft werden. Sie können natürlich nichts dafür, aber es zehrt enorm an den Nerven, wenn sie sich einfach weigern zu essen, oder herumschreien, auch nachts, daß die Nachbarn sich beklagen. Oder anderen gegenüber behaupten, sie bekämen nichts zu essen, obwohl sie eine Stunde vorher zu Mittag gegessen haben. Oder die Angehörigen nicht mehr erkennen, und herumschreien, weil sie Angst vor den vermeintlich Fremden haben.

Ein Altenpfleger hat irgendwann Feierabend, freie Tage und Urlaub, ein pflegender Angehöriger hat das nicht und das von der Kasse gezahlte Pflegegeld reicht eigentlich kaum aus. Es ist furchtbar schwer zu arbeiten und nebenbei zu pflegen (vor allem, wenn man nachts wieder einmal nicht schlafen konnte, weil Mutter oder Vater herumgeschriehen haben. Den Beruf aufzugeben ist auch keine Alternative, mit dem Pflegegeld kommt man kaum über die Runden.

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quak_quak 11.09.2014, 20:58
7. Lasse Sie mich raten...

Zitat von cola79
Auch keine anderen, als man bei Kleinkindern beachten müsste. Das ist eben letztlich die Frage, die man sich stellen muss-ob man im hohen Alter (die meisten pflegenden Personen sind keine 30 mehr) nochmal ein Kind "betreuen" will, eben ein oft chronisch krankes, behindertes Kind! Das bedeutet ja Altenpflege salopp gesagt. Nicht jedermanns Sache, aber das kostet eben auch bei weitem nicht das, was Pflegekonzerne dafür verlangen. ... Altenpflege ist weder Hexenwerk, noch übermenschliche Tat.
... Sie haben weder das Eine noch das Andere getan?

Ich habe nur die Erfahrung mit den Kindern - und wenn das Schicksal nicht hammerhart und hinterhältig zuschlägt, bleibt es dabei.

Kinder sind bezaubernd. Der pflegerische Teil tritt eigentlich völlig in den Hintergrund, es ist ein Privileg, sie begleiten und ihnen die Welt zeigen zu können, man ist auch mit Kindern immer noch relativ mobil, freut sich an ihrer Entwicklung und last not least steht man als Mutter voll ´unter Hormonen`. Der letzte Teil fehlt nun völlig bei der Beziehung zu älteren Menschen, nicht nur bei Schwiegertigers von vornherein, sogar zwischen Eheleuten soll es vollkommen, dass die Beziehung sich mit den Jahren versachlicht.

Die Rund-um-die-Uhr-Betreuung eines dementen Menschen, der ja, selbst wenn man eine gute Beziehung hatte, oft nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Menschen zu tun hat, stelle ich mir als permanente horrormäßige Überforderung vor, selbst einem verurteilten Mörder mutet man nicht soviel zu an Freiheitsentzug, Demütigungen und Gewaltausbrüchen, dazu die ständige Unsicherheit: "Was kommt als Nächstes?" Für kein Geld der Welt könnte ich mir das vorstellen.

Wenn es um das eigene Heim geht, ist die Situation natürlich bitter. Trotz der berechtigten Frage nach der Finanzierbarkeit müsste da m.E. die Sozialversicherung mehr leisten - wenn jemand eine teure Operation oder Medikamente benötigt, verlangt doch auch niemand, dass derjenige mit Haus und Sparbüchern dafür einsteht.

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totorota 11.09.2014, 22:08
8.

Ich habe meine Schwiegermutter durch 2 Jahren bis zum ihren Tod betreut, nachdem wir sie von ihrem Gefängnis in einem Psychiatryschen Krankenhaus befreit hatten, wo sie 5 Monate lebte von ihrer "liebevolle Familie" eingesperrt wurde. Sie war nicht nur Demenzerkrankt aber auch wegen die schlechte Erfahrungen mit der Familie total IRRE! Ich habe gesehen wie das Gesundheitssystem (Krankenhäuser) jedes Mal sich mit ihr verhalten hat, ich musste für sie kämpfen um ein bisschen menschliche Würde zu schaffen. Was ich erlebt habe kann man nicht mit Wörter erzählen. Ich sage nur, dass wenn es mir im Zukunft Alzheimerdemenz prognostiziert würde, ich bringe mich um ohne weiteres zu erwarten.

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emporda 12.09.2014, 04:52
9. einige Aspekte fehlen ganz

Mit zunehmender Demenz verändern sich Charakter und Verhalten alter Menschen, nicht jede Familie hält das aus

Unsere bis dahin verträgliche Schwiegermutter entwickelte mit 87 Jahren Medikamentensucht, zumal hier fast alles frei käuflich ist. Sie hatte jede Krankheit, die im Fernsehen beworben wird und hat Pillen wie Popcorn geschluckt.

In Absprache mit dem Sozialdienst der Stadt haben wir ihren Ausgang zur Aphotheke verhindert, es geht 150 Stufen rauf und sie ist oft zusammengebrochen

Dann wurde sie agressiv. Bekam sie ihren Willen nicht, schlug sie mit der Stahlkrücke biind um sich. Gemeinsame Mahlzeiten wurden unmöglich, da sie mehrfach ihre behinderte Tochter (65) geschlagen hat

Dann hat sie an Parlamente und Botschaften geschrieben, sie werde als Sklave gehalten und finanziell bestohlen. Ihre Haushaltsbetrag einschließlich 60 qm Wohnung war 480 €. Eines Tages hatten wir das schwer bewafftnete Überfallkommando im Haus plus 7 Polizisten aus dem Ort. Am nächsten Tag hat die Botschaft angerufen und sich entschuldigt, die alte Frrau wäre total ga-ga

Dann ist sie bei Nacht übern Zaun geklettert und wollte 1500 km zu ihrer Schwägerin nach Amsterdam trampen um dort zu wohnen, mit 27 € in der Tasche. Die Schwägerin ist 90 und blind.

Da hat ein Gericht sie teilentmündigt und in ein geschlossenes Heim eingewiesen. Verträglich war sie nur noch mit Neuroleptika. Nach 2 Jahren ist sie gestorben.

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