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Transparenz-Datenbank: Nur jeder vierte Arzt legt Pharma-Zahlungen offen
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2016 hat die Pharmaindustrie 562 Millionen Euro an Mediziner und Kliniken gezahlt - nur ein Viertel aller Ärzte weist solche Einnahmen offen aus. Suchen Sie Ihren Arzt in der Datenbank von SPIEGEL ONLINE und "Correctiv".

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i.dietz 14.07.2017, 10:36
1. Wie

sieht es eigentlich mit der Transparenz und Offenlegung der vielen Nebenbezüge unserer Politiker aus ?

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rrro 14.07.2017, 10:51
2. Gipfel der Verlogenheit

Zitat aus dem Artikel: "Anders als bei Medizinern steht bei den Firmen jedoch nicht allein das Wohl der Patienten im Mittelpunkt, sondern auch das Streben nach einem möglichst großen Gewinn."
Das bei Ärzten ausnahmslos allein das Wohl der Patienten im Mittelpunkt stehe und kein Arzt jemals den eigenen finanziellen Gewinn suche, ist blühender Unfug. An anderer Stelle steht sogar, dass nicht jeder Kontakt zwischen Arzt und Pharmaindustrie zu verteufeln wäre, was im Kontext mit dem obigen Zitat wohl sinngemäß bedeutet, dass die Mehrzahl dieser Kontakte sehr wohl zu verteufeln wäre. Diese schwarz-weiß Malerei, hier der Halbgott in weiß der sich pausenlos grämt wie er die Menschheit retten könnte, dort die böse Pharmaindustrie, die diesen Heiland mit dem schnöden Mammon zu korrumpieren versucht, ist unterste Schublade.

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AvD 14.07.2017, 22:33
3. Transparenz

Wie steht es eigentlich mit der Transparenz von Journalisten? Wird bei Zeitungen auch offen gelegt, welches Parteibuch der Verlagsbesitzer hat und welche Artikel er zum Druck freigibt und was unter den Tisch fällt? Und wie die Relation der Anzahl von kritischen Berichten über Unternehmen zu der steht, wie viele Anzeigen sie in der betreffenden Zeitung schalten? Werden Journalisten nie von Lobbyisten und Firmen zu Veranstaltungen eingeladen? Erhalten sie nie Produkte kostenlos zum Test in der Hoffnung, dass ein werbewirksamer Artikel dabei rausspringt? Was ist dann der Bundespresseball und wie viele Journalisten dürfen bei Auslandsreisen kostenlos in den Regierungsfliegern mitreisen und andere Politiker bei PR-Spritztouren begleiten? Aber Journalisten sind natürlich die offiziellen Gralshüter der Objektivität und würden sich niemals von so etwas beeinflussen lassen, im Gegensatz zu den dummen, geldgierigen und schlimmen Ärzten.....Hust.....

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Take it or leave it 15.07.2017, 02:20
4. Vorhersehbar

Es war vorauszusehen, dass Ärzte, die unvorsichtigerweise ihre Daten bzgl. absolvierter und von der Pharmaindustrie teilweise gesponsorten Fortbildungen freigegeben haben, jetzt an einem Internetpranger landen. Diese dürften in Zukunft vorsichtiger sein.
Es war ebenso voraussehbar, dass unbedarfte, aber sensationsgierige Journalisten eines ominösen, von u.a.. G. Soros gesponsorten Vereins diese Daten missbrauchen, um daraus das Bild eines durch und durch korrumpierten Berufsstandes zu konstruieren (Ärzte, nicht Journalisten).
Voraussehbar ist auch, dass daraus u.U. eine Stagnation des wissenschaftlichen Fortschritts erwächst, da der Informationsfluss zwischen forschender Industrie und Ärzteschaft ausgebremst wird.

Ich möchte an dieser Stelle meinen Patienten nochmals versichern, dass ich mich nach dem aktuellen Kenntnisstand der Medizin mit ganzer Kraft für ihr gesundheitliches Wohlergehen einsetze.
Und ich möchte der gesamte Journalistenzunft versichern, dass es sie einen feuchten Kehricht angeht, wie ich mich fortbilde, wie ich mein Geld verdiene - und mit wem ich ins Bett gehe.

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antispon 15.07.2017, 12:38
5. Wenn kann es verwundern...

dass Ärzte, die leichtgläubig für Transparenz gesorgt haben, dann Ihre Namen mit Karte zum Auffinden bei SPON wiederfanden, diesen Fehler kein zweites Mal begehen. Die journalistische Hexenjagd und das Andenprangerstellen im letzten Jahr all derer, die Ihre Einnahmen teils zur Finanzierung von Forschung offenlegten war bodenlos. Wenn Journalisten Ihre Rabatte und Vergünstigungen auch offenlegen und Ihren Wohnort in einer Karte darstellen, finden sich vielleicht auch wieder mehr Ärzte, die dazu bereit sind.

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knollo 15.07.2017, 12:54
6. Guter Wille wird zum Eigentor

Ich bin hauptsächlich wissenschaftlich tätiger Arzt, der noch nie im Leben ein Medikamentenrezept ausgestellt hat und daher offenkundig von der Pharmaindustrie unabhängig ist.
Vor zwei Jahren habe ich mir ein Wochenende um die Ohren gehauen, um einen Grundlagen-Vortrag auf einer von einer Pharmafirma unterstützten Tagung zu halten, und dafür wohlverdiente 1200 Euro bekommen. Dazu stehe ich; unterschiedsloses Industrie-Bashing ist völlig daneben.
Weil ich Transparenz-Initiativen grundsätzlich gut finde, habe ich daraufhin dies alles öffentlich angegeben - und finde mich jetzt auf der Seite der "Bösen" wieder:
Im letzten Jahr habe ich keinen gesponserten Vortrag gehalten, was dazu führt, dass ich genauso mit "keine Angabe" gelistet werde wie diejenigen, die sich geweigert haben, sich zu äußern.
Schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass diejenigen, die sich hier freiwillig outen, gerade nicht diejenigen sein dürften, die wirklich etwas zu verbergen.
Mein Fazit: So nicht, Transparenz muss für alle verpflichtend her.

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J.Piscator 15.07.2017, 13:48
7. Typisch Deutsch: Erst Zwangsweiterbildung gesetzlich festlegen und ...

... dann jammern wenn Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten sich bilden und neue Erkenntnisse anwenden.
Und wie das immer so schön ist, haben die Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten die Kosten dafür selbst zu tragen. Es handelt sich da um immerhin 50 Unterrichtseinheiten á 45 min pro Jahr. Und die Strukturen, um ca. 460.000 Personen 50 Stunden lang im Jahr zu "bebilden" hat der Gesetzgeber auch nicht geschaffen ("Macht ihr das mal")
Als Niedergelassener darf ich das dann wenigstens als Betriebsausgaben absetzen. Wobei die Aufwendungen für meine Arbeitszeit (Stunden *100,00 € [kalkulatorischer Arztlohn] = 3750 € / Jahr) nicht einfließen. Auch der Verdienstausfall, wenn Kongresse unter der Woche stattfinden, wird mir nicht erstattet. - Wenn dann Flüge oder Unterkunft von Sponsoren bezahlt werden, ist das auch keine Korruption, da solche Dinge als "geldwerter Vorteil" versteuert werden müssen! - Übrigens wäre man als Unternehmer ja blöd, wenn man etwas animmt, daß man hinterher als Einkünfte versteuern muß, wenn man es sonst als Betriebsausgaben deklarieren kann!!
Anwendungsstudien: Mache ich nie. Nicht weil ich sie für sinnlos halte. Nein, mein zeitlicher Aufwand steht da in keinem wirtschaftlichen Verhältnis mehr zu den Einkünften.
Andererseits muß man auch sehen, daß die geamte Forschung, bis auf die Grundlagenforschung, vom Staat in den privatwirtschaftlichen Bereich "outgesourct" wurde. Und natürlich müssen z.B. Universitäten bezahlt werden, wenn sie Forschung im Auftrag der Industrie betreiben.
Wie man an diesem kleinen Ausschnitt sehen kann, es ist nicht einfach, es ist kompliziert!
Wenn ihr Transparenz haben wollt, müßt ihr eigentlich die Offenlegung der Steuererklärungen verlangen. - Hab ich kein Problem mit. Dann aber auch Offenlegung für alle gewählten Volksvertreter, Regierungsvertreter, Journalisten usw.
Wollt ihr das!!!

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kwasi 15.07.2017, 14:27
8. total wichtig!

Und jetzt mal endlich wirklich investigativ: Wer findet mal raus, wieviel die Journaille für Reisen, Produkttests und als Artikel getarnte Werbung kassiert?
Wieviel läßt sich denn Bertelsmann und Co. diese monatlichen Ärztehasskampagnen kosten?
In meinen Augen wird dabei systematisch auch Vertrauen in die Ärzte zerstört. Wem nützt das?

In der Realität (=Praxis) ist das Thema zu lächerlich, um darauf einzugehen. Das Thema wird 20 Jahre zu spät aufgegriffen. Soll ich 3 Kulis und 2 Kalender angeben? Wir Ärzte sind mit Arbeit zugeschüttet, damit wir unsere Praxen und Mitarbeiter bezahlen können, aber zusätzlich Medienpower diesen Schmutz-, Neid und Mißgunstkampagnen entgegenzusetzen, das gelingt natürlich nicht.

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471148 15.07.2017, 15:18
9. Unerträglich

sind einige Foristen, die Lobbyismus für in Ordnung halten.
Scheinbar sind wieder einmal Under Cover Lohnschreiber unterwegs und die Mediatoren bei SPON winken alles durch.
Es sind seit Jahren immer die Gleichen, die in eine bestimmte Richtung tönen, ob im VW Abgasskandal oder hier im Pharmabereich.

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