Forum: Gesundheit
Transplantationen: Zahl der Organspenden weiter eingebrochen
DPA

Der Organspendeskandal hat das Vertrauen in die gerechte Vergabe von Spenderorganen anscheinend nachhaltig erschüttert. 2013 konnten Ärzte in Deutschland noch weniger Transplantationen durchführen als im Jahr zuvor.

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anja-boettcher1 15.01.2014, 11:30
1. Mehr Auslöser als Ursache

Der Organspendeskandal ist wohl mehr ein Auslöser als die Ursache des Misstrauens gegenüber der Erklärung einer pauschalen Spendegenehmigung eigner Organe. Grund vielmehr ist die fortschreitende Verdinglichung des Menschen durch die als gewaltsam erfahrene brutale Neoliberalisierung seit den 90er Jahren, die auch mit einer immensen Kommerzialisierung des medizinischen Sektors einherging (-die wohl noch weiter zunehmen wird). Inzwischen ist alles Ware. Und Organe sind eben auch etwas, das international höchst lukrativ gehandelt wird. Vorstellungen von Gemeinwohl lösen sich auf, Profitgier allein scheint bestimmend zu sein. Wer vertraut da in dem so sensiblen Bereich zwischen Leben und Tod unbedingt auf die Integrität professioneller Akteure, die ganz andere Motive haben könnten als unser Wohl? Ein Mensch ist schließlich ein Mensch, auch im Moment des Sterbens, und kein Ersatzteillager. Und auch ein würdevoller Abschied, der den Angehörigen Zeit zum Abschied lässt, gehört zu einem intakten Leben dazu. Wer verfasst denn da eine Blanko-Erlaubnis zum Ausschlachten? Ich vertraue in solchen Fragen wirklich auch nur meiner Familie. Wenn die meinen Körper freigeben möchten im Falle des Falles, ist das vollkommen in Ordnung. Aber Funktionäre einer profitorientierten Maschinerie sollen das nicht eigenmächtig entscheiden dürfen.

Und auch nicht der Staat!
Ich glaube, so empfinden viele.

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rbuge 15.01.2014, 11:31
2. Vertrauen ?

Wir haben leider in den letzten 3 Jahren feststellen müssen, dass
a) im Gesundheitswesen nun auch der Kommerz regiert;
b) sich für vermurkste OP´s niemand interessiert;
c) med. Probleme von Sachbbearbeitern der Krankenkasse gelöst werden (siehe a).
Spende nur, wenn in dem Moment der Arzt meines
Vertrauens anwesend ist, ansonsten, danke nein.

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FerrisBueller 15.01.2014, 12:03
3. Das ist nur ein Symptom

Wie schon von meinen Vorpostern gesagt, sind dank Fallpauschalen und Co Menschen nur noch eine Ware in einem System. Wenn ein Mensch in einem Krankenhaus liegt und lebt, kostet er Geld. Stirbt er, kann man seine Organe gewinnbringend verkaufen. Auch wenn das in der Realität anders aussieht so ist das doch der Eindruck, den das gewinnoptimierte Gesundheitssystem auf die Bürger macht. Dazu kommen dann noch Mauscheleien bei der Vergabe, unnötige Operationen und so weiter. Ein Skandal jagt den nächsten. Da fällt es wirklich schwer dem System dahin gehend zu vertrauen, dass man im Zweifelsfall für den Bürger handelt und nicht für die Shareholder der Klinik oder das Golfhandicap des Chefarztes.

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Olaf 15.01.2014, 12:11
4.

Zitat von sysop
Der Organspendeskandal hat das Vertrauen in die gerechte Vergabe von Spenderorganen anscheinend nachhaltig erschüttert. 2013 konnten Ärzte in Deutschland noch weniger Transplantationen durchführen als im Jahr zuvor.
Will man mehr Menschen als Organspender gewinnen, wird man wohl die Bedenken der Menschen ernst nehmen und auf sie eingehen müssen.

Einen anderen Weg sehe ich da nicht.

Es sterben Menschen, während sie auf ein Organ warten, das sollte man bedenken, bevor man moralische und ethische Bedenken erhebt.

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Europa! 15.01.2014, 12:42
5. Moralisieren fehl am Platz

Zitat von sysop
Der Organspendeskandal hat das Vertrauen in die gerechte Vergabe von Spenderorganen anscheinend nachhaltig erschüttert. 2013 konnten Ärzte in Deutschland noch weniger Transplantationen durchführen als im Jahr zuvor.
Die Bundesregierung sollte keine fehlgeleiteten, teuren Werbekampagnen bezahlen, sondern Forschung. In den USA wir es demnächst Leberzellen aus dem 3-D-Drucker geben, und hier wird wg. "Organspenden" lamentiert. Wenn man für die Gesundheit was tun will, soll man lieber die Alkoholsteuern erhöhen, die Schnaps-Werbung verbieten und den Jugendschutz durchsetzen.

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engelbachm 15.01.2014, 13:04
6. alles soweit richtig

(kommerzialisierung, gier, sorge um fehler bei der feststellung des hirntodes...) aber:

ich frage mal all die, die nicht spenden wollen, wie ihre erwartungshaltung an die medizinische versorgung ist, wenn sie selbst mal dringend ein spenderorgan benötigen??

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feuercaro1 15.01.2014, 13:04
7. Trotzdem

Wie die meisten Menschen hänge auch ich an meinem Leben. Sollte es aber zu Ende sein, so finde ich es das Beste, den Körper, der mich durch das Leben trug, frei zu geben. Bei allen Skandalen - wenn meine Organspende jemand anderen von Todesangst befreien kann, so ist das für denjenigen das größte Geschenk - und mich kostet es nichts. Klar habe ich einen Organspendeausweis. Ich wünsche mir, das viel mehr Menschen sich einen zulegten. Vielleicht hilft es ja, wenn man sich einfach mal vorstellt, wie es einem selbst zumute sein könnte, wenn man irgendwo liegt, den Tod vor Augen und es gibt einfach kein Spenderorgan.

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Mattes77 15.01.2014, 14:27
8. Nur wenn mehr Leute spenden...

... wird es weniger Mauscheleien geben. Die ganze Sache ist gerade eine regelrechter Teufelskreis: Leute Misstrauen dem Organspende-System, weniger spenden, die Organe werden noch knapper, der Anreiz zu Korruption steigt enorm!

Nur wenn es nicht mehr so schwierig ist Organe zu bekommen wird das System weniger korrupt.

Jeder der keinen Spendeausweis hat, macht sich an der derzeitigen Schieflage mitschuldig!

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Waffelbäcker 15.01.2014, 14:50
9. Interessante Moral

Schon interessant, wozu Menschen fähig sind. Da wird bewusst der unnötige Tod von Menschen, die dringend ein Spenderorgan brauchen, in Kauf genommen, nur um seinen Unmut gegen... wieviele?... zwei oder drei Ärzte kund zu tun, die das noch nichtmal aus Profitgier gemacht haben, sondern um "ihren" Patienten die Chancen zu verbessern.

Dass durch weniger Spenderorgane der illegale Organhandel begünstigt wird scheint da auch nicht mehr ins Gewicht zu fallen. Um "denen" eins auszuwischen gehen die Leute fast wortwörtlich über Leichen.

Es tut mir Leid das so drastisch zu sagen, aber wer seine toten Überreste lieber unter der Erde vergammeln lassen will als Menschenleben damit zu retten widert mich an. In einer vernünftigen Welt stünde das als fahrlässige Tötung oder zumindest unterlassene Hilfeleistung unter Strafe.

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