Forum: Gesundheit
Tupfer im Bauch: Patientenschützer sprechen von Hunderten Todesfällen
DPA

Dass OP-Besteck im Körper von Patienten vergessen wird, kommt immer wieder vor. Laut einer Schätzung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit führt das in Deutschland zu 600 bis 700 Todesfällen pro Jahr.

eigene_meinung 16.04.2015, 14:55
1. Verhältnismäßigkeit

Das sind ja wohl ein paar mehr Tote als an Masern gestorbene Personen (was zu großem Wehgeschrei und Ruf nach Impfpflicht führt). Aber gegen derartige Missstände anzugehen, würde der Medizinindustrie ja keinen zusätzlichen Gewinn bringen - im Gegenteil!

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JaguarCat 16.04.2015, 15:07
2. Medizinunfallstatistik

Unfälle passieren leider. Deswegen haben wir in Deutschland Statistiken für Verkehrs- und Arbeitsunfälle. Doch eine "Medizinunfallstatisik" fehlt komplett. Die Leute haben Angst, in das Flugzeug zu steigen, wo die Gefahr eines Absturzes im Bereich von 1 : 10.000.000 liegt. Aber sie gehen wegen Rückenschmerzen zur Bandscheiben-OP, wo die Gefahr eines tödlichen OP-Fehlers mit Sicherheit vielfach höher liegt. Aber mangels Statistik kann man das individuelle Risiko überhaupt nicht einschätzen!

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rot 16.04.2015, 17:17
3. Unter Berücksichtigung aller Umstände?

Bei einer normalen geplanten OP passiert das Vergessen von Tupfern, Instrumenten wohl kaum. Bei einer Notfall- mäßigen OP, um 3h nachts, wenn nur spärlich und völlig unausgeschlafenes Personal vorhanden ist, kann das passieren. Besonders dann, wenn der Operateur sich selbst mit den Instrumenten versorgen muss, weil zB. an zwei Stellen operiert wird, aber nur ein Instrumenteur (oder keiner) vorhanden ist.Wer wird da einen Stein werfen wenn's ums nackte Überleben geht? Es gibt, nebenbei angemerkt Operationsmethoden, bei denen bewusst Bauchtücher, Kompressen oder Tamponmaterial ect mit eingenäht werden um zB. eine Druckeffekt zur Blutstillung zu erreichen oder ein Organ in einer bestimmten Lage zu halten.

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Titanus 16.04.2015, 19:36
4. Schwachsinn!

Bei einem Risiko im Promillebereich ist die ganze Diskussion lachhaft. Zudem würde eine Statistik ja nicht aussagen, ob der meist ohnehin totkranke Patient nicht auch ohne das im Situs vergessene Instrument verstorben wäre.

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bartsuisse 17.04.2015, 02:50
5. alles macht nur Sinn mit Vergleichszahlen

wie immer. Gibt es mehr oder weniger Fälle in Deutschland als anderswo und falls ja wie sind wo welche Kontrollen. Richtige Zahlen fehlen

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koenigludwigiivonbayern 17.04.2015, 08:49
6. Persönliche Beobachtungen

ersetzen keine repräsentativen Statistiken,sind aber immer noch besser, als die von Ihnen zitierten "anderen Schätzungen", bei denen niemand weiß "wer", "was" und "warum" schätzt. Wenn diese geschätzte Häufigkeit von 1 :1000 auch nur annähernd zutreffend wäre, müßte ich in meinen 30 Jahren OP-Tätigkeit (als Anästhesist, ich habe keinerlei Grund, die Chirurgen unberechtigterweise in Schutz zu nehmen) in einem Kreis-, einem Bezirks-, einer Privat- und einer Universitätsklinik sowie auf deren Intensiv- und Wachstationen mindestens 30 Fälle selbst gesehen haben. Die Realität: nicht einen einzigen. Dafür habe ich 500 Mal den alten Chirurgenwitz anhören müssen, während die OP-Schwester die Tupfer zählt ("Wenn es einer zuviel ist, müssen wir einen wieder hineinwerfen") und auf dem bayerischen Land brachte eine Familie ihren Großvater eine Woche nach dessen Entlassung in die Ambulanz, "man habe ein paar Nadeln in Opas Brustkorb vergessen, deren Enden herausschauen würden". Das waren 2 EKG-Kleber, die man vergessen hatte, abzumachen, und deren metallischer Anschluss an die Elektroden für das Ende von 2 Nadeln gehalten worden war. Alles in allem scheint sich mir hier eine Organisation wichtig zu machen um Gelder für die Lösung eines Problemes zu erhalten, das es in dieser Form oder in dieser Schwere überhaupt nicht gibt.

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daemmm1 17.04.2015, 16:39
7.

Eine Bekannte meiner Mutter, die sehr gebrechlich ist, hatte ein geplante OP. Dort ist das ebenfalls passiert. Sie plagte über Bauchschmerzen und meiner Mutter ist das aufgefallen. Sonst wär sie tot.

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jj.ll. 17.04.2015, 20:42
8. @bartsuisse

Zitat von bartsuisse
wie immer. Gibt es mehr oder weniger Fälle in Deutschland als anderswo und falls ja wie sind wo welche Kontrollen. Richtige Zahlen fehlen
In den letzten 10 Jahren hat Italien 30% mehr fuer Infrastrukturmassnahmen wie Frankreich, mit sicherlich 30% weniger Erfolg. Warum? Klaeren Sie uns bitte auf!

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1bc 20.04.2015, 14:23
9. 100% Vermeidbar

In den USA ist eine Liste von 26 Behandlungskomplikationen/Fehlern (Never Events) erstellt worden. Dazu gehört auch das Hinterlassen von Instrumenten, OPlappen, Tupfer etc. So etwas darf nicht passieren. Es kann vollständig vermieden werden durch standardisierte Zählprotokolle im Rahmen von operativen Checklisten (vor, während und nach der OP).
Die Liste in den USA hat diese Folgen: Pflicht zur vollständigen Aufklärung des betroffenen Patienten und seinen Angehörigen, und sämtliche Kosten für zusätzliche Behandlung notwendig wegen des "never Events" müssen vom Krankenhaus und dem beteiligten Arzt/Ärzte getragen werden.

Ausserdem sind die im Artikel berichteten Zahlen wenig aussagekräftig. Sind die pro Jahr oder in welchem Zeitraum?

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