Forum: Gesundheit
Überfüllte Kliniken: Ärztepräsident will Notaufnahmen entlasten
DPA

Die Notaufnahmen sind voll mit Patienten, die eigentlich beim Hausarzt gut aufgehoben wären. Ärztepräsident Montgomery setzt jetzt auf eine bessere Zusammenarbeit von Kliniken und Praxen.

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mwroer 06.05.2018, 13:22
50.

Zitat von Drachenfels
Erst die Flatratementalität fördern und sich dann wundern, daß immer mehr Freibier verlangt wird. Ein sozial verträglicher Eigenanteil würde fast alle Probleme unseres Sachleistungsgesundheitssystemes von überfüllten KH Ambulanzen bis zur guten Versorgung der Patienten in den Praxen, zusammen mit dem Ärztemangel, schlagartig abbauen. Aber Arzt und Geld - das geht ja nun mal garnicht. In Holland kostet jeder Besuch einer Notaufnahme 360 Euro - think!
Kann man nicht vergleichen. Wir haben hier einen Eigenanteil von 385,-- Euro im Jahr an allen Behandlungskosten und bekommen dafür eine Basiskrankenversicherung (also wirklich sehr Basis) für 120 Euro im Monat.

Deswegen zahlt man die Notaufnahme hier selber. Wir haben hier allerdings auch Hausarztposten direkt in oder zumindest unmittelbar an den meisten Krankenhäusern - das ist, würde ich sagen, sowas wie Euer ärztlicher Notdienst. Nur eben zentral. Der verweist dann im Bedarfsfall an die Notaufnahme bzw. die Aufnahme der Notaufnahme schickt Sie eh erst dahin (soweit kein Notfall vorliegt).

Das neuere Konzept geht dahin das Hausarztposten und Notaufnahme sowieso im gleichen Gebäude sitzen und Sie elegant an der Aufnahme verteilt werden :)

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GerdHolzmacher 06.05.2018, 13:23
51. Eigene Erfahrung

Lange ist es her, war damals ca. 30 Jahre alt.
"Starke Erkältung" sagte mein Hausarzt.
Nach ca. 4 Wochen keine Besserung.
Da er keine Erklärung hatte, ich schon (hab es aber für mich behalten, bin ja kein Mediziner) bin ich auf Empfehlung zu einem
alten, polnischen Artzt gegangen.
Der steckte mich sofort in eine Klinik unter Quarantäne.
TBC, verursacht durch Publikumsverkehr. ( Sie wissen ja nicht wem die Hand gegeben wird, oder wer bei einem leichten Niessen den
ganzen Umkreis gefährdet.

Hätte der Hausarzt nicht 4 Wochen "rumgedoktert" , wäre mir einiges erspart geblieben. Z.B. die Aufsicht durch das Ges-Amt.
Mag sein das es heute besser ist, aber ich denke das Ges.-Wesen ist zu sehr Monetär gesteuert.

MfG,
Holzmacher

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Nania 06.05.2018, 13:25
52.

Zitat von Nordstadtbewohner
Viele Menschen benutzen die Notaufnahmen der Krankenhäuser als Vollzeitarztpraxis mit vollem Service. Dagegen sollte endlich eingeschritten werden. Dass Montgomerys Vorschläge ausreichen, glaube ich nicht. Vielmehr sollten die Kassenpatienten solche Notaufnahmebesuche grundsätzlich selbst zahlen. Das würde die Gesundheitskosten senken und die Krankenhäuser entlasten.
Blöde Idee. Dann gehen Menschen, die richtig krank sind, nicht mehr in die Notaufnahme um Geld zu sparen. Das ist genau der falsche Ansatz.
Praxen, die gut erreichbar sind, vielleicht direkt am Krankhaus - wie diese Portalpraxen - sind da ein guter Zwischenweg.

Ich bringe gerne immer folgendes Beispiel:
Ein Freund von mir fiel beim Skateboarden auf sein Knie und schlug sich dieses recht heftig auf. Es blutete recht stark, ich konnte es zuhause nicht mehr verbinden. Es war Sonntagsmittags, Hausärzte und Apotheken hatten in Reichweite natürlich nicht auf. Uns führte der Weg dann zu einer Notfallpraxis - nicht in die Notaufnahme - direkt bei einem Krankenhaus. Der dortige Arzt sagte uns, er könne die Wunde kleben - für's Nähen müssten wir aber in die Notaufnahme. Da besagter Freund aber mit Kleben zufrieden war, haben wir das dort gemacht.
Hätte es eine solche gut mit dem ÖPNV erreichbare Praxis nicht gegeben, dann wären wir auch in die nächstgelegene Notaufnahme gefahren. Wohin denn sonst?

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Nania 06.05.2018, 13:32
53.

Zitat von so-long
Die erwähnte Kopfverletzung ist ein "wirklicher" Notfall; dagegen spricht niemand. Es geht um die "Pseudonotfälle", bzw. "jetzt habe ich mal Zeit"-Notfälle. Ein Beitrag aus der eigenen Brieftasche würde Wunder bewirken. Ich höre schon die unsäglichen "Zweiklassen-Aufschreie".
Wer entscheidet denn, was ein "wirklicher" Notfall ist?
Als Beispiel:
Vor ein paar Jahren hatte ich einmal so heftige Kopfschmerzen, dass ich weder wach sein noch schlafen konnte, das einzige Schmerzmittel, das ich aufgrund einer Schmerzmittelintoleranz gegen quasi alles andere nehmen konnte, habe ich zweimal erbrochen. Mir ging es richtig scheiße. Ich bin Migränepatientin, ich weiß also durchaus, was Kopfschmerzen sind - so nebenbei.
Irgendwann fragte mein Mitbewohner, ob er mich ins Krankenhaus bringen sollte. Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten und "ja" gesagt. Der anwesende Arzt war zuerst der Ansicht, dass das schon okay wäre, dass ich gekommen sei, aber eigentlich wohl nur ein Migräneanfall vorliegen würde. Er hat dann doch noch den Neurologen dazugeholt, der sagte, dass es durchaus richtig war, das ich gekommen bin, weil ich erstens meine Kopfschmerzen am besten einschätzen könnte und wohl auch in der Lage schien zu bewerten, welche Heftigkeit sie hätten und zweitens weil ich als junge Frau mit hormoneller Verhütung durchaus auch Gefahr laufen könnte, ein Problem mit Gefäßen im Gehirn zu haben. Im Endeffekt war es dann nicht so dramatisch, nach gefühlt zwei Stunden am Tropf mit Schmerzmitteln konnte ich wieder nach Hause.
Aber: war das jetzt ein Notfall oder war es keiner? Je nach Arzt wäre das wohl anders bewertet worden. Und zuhause als Patient kann man die Entscheidung nicht immer treffen.

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sicks 06.05.2018, 13:34
54. Sie verkennen wohl die Realität

Zitat von Flugzeugfreak1
Niedergelassene Ärzte arbeiten viel, generell haben alle Ärzte die ich kenne (und das sind viele, ich komme aus einem Medizinerhaushalt und werde selber einer) arbeiten mehr als 50 Stunden in der Woche. Darunter auch meine beiden niedergelassenen Eltern. Warum sollen sie jetzt noch mehr arbeiten? Arbeiten Sie auch mehr, ihr Studium, sofern Sie eines haben, wurde auch von der Allgemeinheit finanziert. Abgesehen davon sind Öffnungszeiten nicht unbedingt die Arbeitszeiten. Zu den Arbeitszeiten gehört auch die Verwaltung, die mittlerweile ein Drittel der Arbeitszeit einnimmt da die Kassen alles dokumentieren wollen und alles auf dem Papier getippt werden will. Wenn ein Arzt eine Sprechstunde von 8-14 Uhr hat, dann können Sie davon ausgehen, dass dazu noch ein paar Stunden Dokumentation kommen. Ärzte sollen helfen, das ist richtig, aber auch Ärzte haben ein Recht auf ein Privatleben. Sie sind schlussendlich Dienstleister die für ihre Arbeit vernünftig bezahlt werden wollen und nicht 24/7 auf Abruf sein sollen. Außerdem zahlen die Selbstständigen die Kosten ihres Studiums innerhalb von 5 Jahren über höhere Steuern zurück.
,wenn Sie glauben,dass irgendwelche Vorgaben etwas regeln und gleichzeitig von "Medizinerfamilien",wie in der Schwarzwaldklinik plaudern. Natürlich werden die 20 Stunden bald fallen- auch durch die neu zugewiesene Rolle des Arztes. Die Lüge des besten Gesundheitssystems der Welt ist auch glänzend widerlegt. Man wäre froh ,wenn sich Ärzte 30 zusätzliche Stunden,um die Qualität der Behandlung kümmerten. Der Gesetzgeber sollte über die Berufsordnung und ApproO auch schnellstmöglich die ständige Drohung der Flucht aus Deutschland regeln. Hier böten sich einfachste Möglichkeiten.

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Frittenbude 06.05.2018, 13:44
55. @mirage, #32

Zitat von mirage122
Ich bin aktuell absolut im Thema, weil ich einen längeren Krankenhaus-Aufenthalt hinter mir habe. Wer da alles in der Notaufnahme erscheint, das kann man gar nicht fassen: Kinder die Bauchschmerzen haben und sich gleich vor Ort übergeben. Sowas haben wir früher mit Tee und einer Wärmflasche kuriert. Oftmals sind auch ganze Großfamilien am Start, bei denen eine Person ein Leiden hat, aber alle anderen unbedingt dabei sein müssen. ......
Ich habe gerade ein wenig Zweifel an der Plausibilität Ihrer Erzählung; Sie haben also gerade einen längeren Krankenhausaufenthalt hinter sich und wollen dabei beobachtet haben, dass sich in der Notaufnahme lauter grundlose Fälle häufen. Wie darf man sich das vorstellen - Haben Sie sich während ihres Krankenhausaufenthaltes vor lauter Langeweile den ganzen Tag in die Notaufnahme gesetzt und das Treiben dort anaylsiert? Wirklich krank scheinen Sie dann ja nicht gewesen zu sein. Oder ist eventuell gerade Märchenstunde?

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CancunMM 06.05.2018, 13:57
56. @klaus.

gestern war Samstag. Bis auf wenige Ausnahmen haben Arztpraxen am Samstag geschlossen. Ist wahrscheinlich seit 100 Jahren so. Auch in Baden-Würtemberg gibt es den den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117. Und Rückenschmerz ist bis auf wenige Ausfälle nie ein Notfall. Einfach mal 3x tgl. ein Schmerzmittel nehmen und bis Montag warten. Aber wahrscheinlich war Ihr Vater die Ausnahme. Diese Egomanie ist unerträglich.

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Hamberliner 06.05.2018, 14:06
57. Re: Als seit 35 Jahren tätiger Hausarzt

Zitat von Ranus
kann ich den vielen Meckerern hier im Forum nur raten, doch mal für eine Weile in andere EU-Länder, oder noch besser in außereuropäische Länder zu ziehen. Dann würden sie erkennen, wie unser Gesundheitssystem tatsächlich beschaffen ist. Natürlich nicht perfekt, aber im vergleichsweise verdammt gut.
So? In Spanien, wo ich in den 1960ern und 70ern aufgewachsen bin, hatte man überall, auch in größeren Dörfern, ein Dispensario in erreichbarer Nähe. Eine rund um die Uhr besetzte Notfallstation in einem kleinen Ladenlokal, ohne teures Krankenhaus dahinter. Wegen der hohen Dichte an Dispensarios gab es keinen Andrang. Den eiligen Transport dahin konnte und durfte jeder mit dem privaten Auto bewerkstelligen, einfach Taschentuch 'raushalten und viel hupen, dann hatte man Sonderrechte wie die Feuerwehr. Es war so einfach und perfekt. Kirche, Bahnhof, Rathaus, Kneipe, Dispensario, das gab's in jedem kleinen Ort. Und wenn Humor eine medizinische heilende Wirkung hat, sogar daran haperte es nicht. Ich erlebte mal in einem Dispensario, dass hinter der Milchglaswand, aus dem Behandlungsbereich, markerschütternde Schreie und ein Wimmern zu hören waren, aber das Personal blieb ganz ruhig und locker. Es stellte sich heraus: das war ein Papagei.

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Flugzeugfreak1 06.05.2018, 14:24
58.

Zitat von sicks
,wenn Sie glauben,dass irgendwelche Vorgaben etwas regeln und gleichzeitig von "Medizinerfamilien",wie in der Schwarzwaldklinik plaudern. Natürlich werden die 20 Stunden bald fallen- auch durch die neu zugewiesene Rolle des Arztes. Die Lüge des besten Gesundheitssystems der Welt ist auch glänzend widerlegt. Man wäre froh ,wenn sich Ärzte 30 zusätzliche Stunden,um die Qualität der Behandlung kümmerten. Der Gesetzgeber sollte über die Berufsordnung und ApproO auch schnellstmöglich die ständige Drohung der Flucht aus Deutschland regeln. Hier böten sich einfachste Möglichkeiten.
Wo rede ich denn bitte über Vorgaben? 20 Stunden die Woche für Kassenpatienten sind es doch eh, trotzdem kann man Leute nicht zwingen mehr zu arbeiten. Das wäre zynisch wenn die GroKo jetzt das Recht aus Teilzeit ausbauen will. Ich habe außerdem nie behauptet, dieses Land hätte das beste Gesundheitssystem, trotzdem ist es eines der besten überhaupt.

Bezüglich ÄApprO, da kann man tatsächlich was regeln. Wenn 1/3 aller ausgebildeten Mediziner nicht in der Medizin landen sondern sonstwo braucht man sie nicht auszubilden. Dann wäre a) der Bewerberdruck weniger und b) mehr Ärzte. Leider dauert das 6 Jahre wenn man es sofort einführen würde.

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rational_bleiben 06.05.2018, 14:30
59.

Zitat von Capetonian
Zynischer kann man Realitätsverweigerung nicht mehr betreiben. Monty & Co. tun so, als hätten die meisten Patienten kein Zuhause und würden aus Zeitvertreib in die Notaufnahme gehen. Er verschweigt zudem den bestehenden Personal- und(!!!) Qualitätsmangel in den Notaufnahmen und Krankenhäusern. Nein, Herr Montgomery, entgegen ihren Vorstellungen, ist es kein Vergügen, eine Notaufnahme aufzusuchen. Eine Erfolgsgarantie schon gar nicht. Das letzte Mal als ich mit einem Patienten die Notaufnahme aufgesucht habe, hätte ich einen Arzt mitbringen müssen. Der Patient verließ das Krankenhaus am nächsten Tag ... im Sarg. Die Aufnahmeuntersuchung war grottenschlecht, Betreuung nicht vorhanden, die Station lediglich ein Aufbewahrungsort. Und nochmals nein, Herr Montgomery. Die Notaufnahme war nicht überlastet. Es waren keine Menschenmassen vor Notaufnahme und Station feststellbar. Es hat schlicht am Personal gefehlt. Und das Personal, das vorhanden war, war schon mit einer Gehirnerschütterung überfordert.
Bei solch heftigen Anschuldigungen müssen Sie schon genauer werden. Ist der Patient aufgrund der Inkompetenz des behandelnden Arztes gestorben? Oder hatte er ohnehin eine schwere Erkrankung, mit der er sehr wahrscheinlich selbst in der Notaufnahme des Charite gestorben wäre? Und wer genau hatte eine Gehirnerschütterung? Der Patient, der gestorben ist? Dann hatte er auch mindestens eine Hirnblutung - hat man die erkannt oder nicht? Hat man sie richtig behandelt oder nicht?

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