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Umstrittene Psychotherapie-Reform: "Patienten sind in einer Schleife gefangen"
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Seit 2017 können Menschen in psychischen Krisen schneller ein Gespräch beim Psychotherapeuten führen. Doch die Wartezeiten für eine Behandlung haben sich mitunter deutlich verlängert.

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schumbitrus 11.02.2018, 19:02
1. Anfang Januar saß ich in einem Zug, ..

Anfang Januar saß ich abends in einem Zug, bei dem sich wegen eines "Personenschadens" 5 Stunden Verspätung ergaben.

Vielleicht hätte auch diese Seele mit einem Therapeutischen Angebot gerettet werden können. Und abgesehen davon ist der Gesamtzusammenhang extrem zynisch: Erst fordert eine Angst-gesteuerte Gesellschaft mit neoliberal-menschenfeindlich organisierten Leistungszielen, dass sich die Menschen für die Erwerbsarbeit selbst ausbeuten und den Gewinn an irgendwelche Kapitalbesitzer abtreten. Und wenn sie dann so weit ausgebrannt sind, dass sie Hilfe brauchen, dann versagt ihnen eine neolberal-zerstörte 2-Klassen-Medizin die Leistungen.

Vielen Dank an die FDP samt ihren Geistigen Brüdern und Schwestern in den anderen Parteien: "Neoliberal" zu sein, bedeutet an so einer Stelle ganz real, über Leichen gehen zu wollen.

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grommeck 11.02.2018, 19:04
2. Was wird hier noch lamentiert?

Gesund ernähren - Geld, gesund leben - Geld, gesund werden - Geld! In diesem Land geht’s nur noch um eines, der Rubel muß rollen. Die Bürger sind Konten, keine Individuen, sie sollen konsumieren und wenn sie sich dem Ende nähern besser abkratzen und nicht den arbeitsfähigen auf der Tasche liegen.

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holy ghost 11.02.2018, 19:04
3. Wartezeit ohne Ende

Ich bin selbst betroffen und warte seit August 2017 auf einen Termin. Die meisten Therapeuten nehmen gar keine Patienten mehr auf oder haben Wartezeiten von einem Jahr oder länger. Was für ein "krankes" Gesundheitssystem haben wir denn? Habe damals Tabletten verordnet bekommen, die nicht wirkten, andere Präparate auch nicht. Stehe nun auf der Warteliste einer Therapeutischen Praxis, rufe regelmäßig an und warte, warte, warte...

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mens 11.02.2018, 19:08
4. Eigene Gesetze

Nichts Neues. So lange man fleissig einzahlt und nur einen Schnupfen hat, ist die Welt (bei der TK) in Ordnung. Wenn nicht, werden alle Register gezogen und der Laden zeigt sich von einer ganz anderen Seit. z.B. HARMLOSE Anrufe beim Kranken mit Fragen nach dem Befinden und nach einer Heilungs-Selbstprognose (die dann vom aufgebrachten behandelnden Arzt persönlich unterbunden werden). Ein ganz anderes Thema, dass zeigt wessen Geistes Kind die Kassen sind: zu viel gezahlte Beiträge von Selbständigen werden nicht erstattet (bei abweichend geringerem Einkommen als der Schätzung). Umgekehrt wird aber selbstverständlich nachgefordert. Welche Politiker winken diesen Mist durch? Hier liegt einiges im Argen. Und die Kassen spielen Gott.

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kika2012 11.02.2018, 19:14
5. bis zu 12 Monate Wartezeit..

bis dahin kann man sich schon etwas angetan haben...
Also muss man alleine da durch.

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Spiegelansgar 11.02.2018, 19:38
6. Einfach Nachbarschaftshilfe abrechnen !

Sie hier klagenden Psychotherapeuten haben offensichtlich ein gemeinsames Problem : Sie verfügen nicht über die erforderliche Kassenzulassung, um Psychotherapie auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen zu dürfen.
Also müssen sie für ihren Patienten eine absolute Notlage konstruieren, die eine sofortige Hilfe auch beim unqualifizierten Möchtegerntherapeuten erforderlich macht. Dies ist aber nicht immer einfach, weil es überall zugelassene Therapeuten gibt, die den Patienten kurzfristig geordnet auf die richtige Spur bringen.
Im Rahmen von reiner Nachbarschaftshilfe dürfte Psychotherapie ohnehin nicht abrechenbar sein, auch wenn sich der Rechtsanwalt noch so sehr bemüht.

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DasKlaus 11.02.2018, 19:44
7. Kann das sein?

Ich bin seit vielen Jahren psychotherapeutisch tätig und kann die Klagen der Kollegen/innen nicht nachvollziehen. Seit dem 1. April 2017 haben sich aus meiner Sicht die Rahmenbedingungen für eine Verhaltenstherapie durch die unkomplizierte Beantragung (und Genehmigung) der Akut- und der Kurzzeittherapie 1 und 2 (12 Therapiestunden bzw. 12 und 12 Stunden - bei Kindern und Jugendlichen 15 und 15 Stunden) deutlich verbessert. Bei den tiefenpsychologischen/ analytischen Verfahren gilt dies ebenfalls.
Nicht einer meiner Anträge ist in all den Jahren von einer Kasse abgelehnt worden. Sehr, sehr selten kommt das bei einem der Kollegen der Supervisionsgruppe vor. Vielleicht schallt es auch für den einen oder anderen Psychotherapeuten so aus dem Wald heraus, wie hinein gerufen wird?

Richtig ist, das viele interessierte, potentielle Patienten keinen Platz finden. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Ein Grund ist leider auch, das viele Kollegen/innen erbärmlich wenig (Therapie-)Stunden pro Woche arbeiten. Ein Umstand, der sich sehr leicht für jedermann aus den Honorarberichten der KBV ableiten lässt. Für die Patienten wäre viel getan, wenn die Kolleginnen und Kollegen, die nur wenig leisten können oder wollen, ihre Zulassung mit den jungen und hervorragend ausgebildeten Absolventen der Ausbildungsinstitute teilen würden.

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keine-#-ahnung 11.02.2018, 20:11
8. Es war ein Kardinalfehler der Gesundheitspolitik ...

... nichtärztliche Psychotherapeuten in die kassenärztliche Versorgung zu integrieren. Seit dem Inkrafttreten des PsychThG und der damit verbundenen Möglichkeit, jeden familiären oder beruflichen Stress respektive dem Ärger mit dem Prüfungsamt auf Kosten der Solidargemeinschaft glätten zu lassen, steht der tatsächlich Bedürftige im Regen ...

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horstnorbert 11.02.2018, 20:19
9. Sicherstellungsauftrag

Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind zuständig, die ärztliche Behandlung in Deutschland sicherzustellen http://www.kbv.de/html/436.php . Seit einigen Jahren auch im Bereich der psychotherapeutischen Behandlung. Das Kostenerstattungsverfahren ist noch ein Relikt aus der Zeit, als die Kassenärztlichen Vereinigungen in diesem Bereich keinen Sicherstellungsauftrag hatten. Weil dieser Sicherstellungsauftrag in vielen Bereichen nicht mehr funktioniert (bzw. im Bereich der psychotherapeutischen Behandlung noch nie funktioniert hat und die Kassen weiterhin im Kostenerstattungsverfahren bewilligten), wurden die Kassenärztlichen Vereinigungen vom Gesetzgeber gezwungen, Terminservicstellen einzurichten, Termine zu vermitteln und wenn sie das nicht schaffen, geht der Patient auf Kosten der Ärzteschaft ambulant ins Krankenhaus. Nicht nur für die psychotherapeutische Sprechstunden und die Aktutermine gilt der Sicherstellungsauftrag (§ 75 SGB V), sondern auch für Psychotherapien. Allerdings hat der Gesetzgeber versäumt, für die Psychotherapie Terminservicestellen und als letzte Konsequenz die Behandlung im Krankenhaus zulasten der Ärzteschaft einzuführen. Also wird weiterhin versucht, die Gelder auf dem Umweg des Kostenerstattungsverfahrens von den Kassen und damit den Versicherten zusätzlich zu erhalten. Und da stellt sich mir die Frage: Warum kommen die Kassenärztlichen Vereinigungen ihrem Sicherstellungsauftrag nicht nach? Sind auch im Bereich PT in einigen Gebieten Überkapazitäten vorhanden, in anderen fehlen dann die Therapeuten? Bieten die Kassentherapeuten überhaupt genügend Stunden für Kassenpatienten an? Und geben sie nicht besser den Sicherstellungsauftrag ab, wenn es ihnen nach der Reform noch schlechter gelingt, die Patienten zu versorgen?

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