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Weltweite Analyse: Ärzte haben nur wenige Minuten pro Patient
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Empathisches Zuhören, Zeit für den Menschen? Schön wär's. Eine aktuelle Erhebung zeigt: In Deutschland nehmen sich Ärzte knapp acht Minuten Zeit für die Behandlung, in Schweden oder den USA dagegen rund 20 Minuten.

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Ein_denkender_Querulant 08.11.2017, 12:59
1. Krankmeldungen für die Firma

Die überwiegende Anzahl der Patienten benötigen nur eine Krnkschreibung für den Arbeitgeber. So etwas gibt es in den USA oder Schweden nicht und entfällt in den Ländern. Das sind Gespräche von nur einer Minute mit der Frage "Sonst geht es ihnen aber gut?"Das bejaht man, lässt die Nase triefen und geht wieder ins Bett.

Statistieken sind wichtig, verglichen werden sollten aber immer gleiche Umfänge. Ich kann mich über Beratung durch Ärzte nicht beklagen. Stellt man sinnvolle Fragen, erzählte man im Zusammenhang wichtiges, hört jeder Arzt zu.

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sv74 08.11.2017, 13:00
2. haben Sie schon mal beim Arzt in Schweden gewartet?

die Kehrseite ist dass man in Schweden in der Notfallambulanz gerne 10 Stunden warten kann und empfohlen wird, ausreichend Lebensmittel mitzubringen wenn man ohne Termin zum Arzt kommt in dringenden Fällen...

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Nordstadtbewohner 08.11.2017, 13:01
3. Ein Blick über den Tellerrand tut immer gut

Wer so wie ich mal in den USA beim Arzt bzw. in einem Krankenhaus war, wird feststellen, dass das amerikanische Gesundheitssystem von Behandlungsqualität deutlich besser ist als das deutsche. Die Ausstattung und die Behandlung sind top, die Bettenstationen der Krankenhäuser sehr gut ausgestattet. Woran mag das wohl liegen? Wer in den USA in einem Krankenhaus behandelt werden will, der muss auch dafür zahlen. Entweder mittels einer Versicherung oder als Selbstzahler. Und nicht wie in Deutschland, wo Menschen aus der gesetzlichen Krankenversicherung Leistungen abgreifen, obwohl sie nicht einzahlen. Das macht dann auch die Unterschiede in der Behandlungsqualität aus.

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skeptiker53 08.11.2017, 13:05
4. You get what you pay for...

Es gibt kein Zaubermittel zur Lösung. Entweder bezahlt man die Mitarbeiter (u.a. Ärzte) einen festen Gehalt, damit sie sich mehr Zeit nehmen (aber dann braucht man die doppelte Zahl an Ärzte, weil 38-Stunden-Woche), oder man zahlt (in ein System mit selbstständigen Praxen) mehr pro Konsultation, mit dem gleichen Ziel.
Auch der größte Idealist kann einfach nicht auf Dauer unbezahlte Arbeitszeit leisten...

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valmel 08.11.2017, 13:10
5. Menschenverachtend...

...war die politische Entscheidung, dass Krankenhäuser wie ein Wirtschaftsunternehmen agieren müssen.
Das führt nicht nur zu diesen kurzen Arztbesuchen und langen Wartezeiten, sondern auch zu unnötigen Operationen und das wenig lukrative Behandlungsfelder stiefmütterlich behandelt werden.

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shardan 08.11.2017, 13:10
6. Wenig überraschend

Deutschland hat ein etwas merkwürdiges Abrechnungssystem, was diese Beratungszeiten erheblich beeinflussen dürfte. Der Kassenpatiend wird einmal im Quartal abgerechnet - mit einem Pauschalsatz. Danach müsste ein Arzt also am besten sehr viele Patienten haben, die einmal im Quartal mit einem Schnupfen kommen - Bagatellmedikamente müssen Kassenpatienten selbst zahlen und die Behandlungszeit ist minimal. Ob ein Arzt irgendwo in der "jugendlichen" Vorstadt (weniger Erkrankungen) oder in einem Quartier mit einem sehr hohen Anteil alter Menschen (mehr Erkrankungen, häufig chronisch, viele Medikamente) sitzt, bleibt bei diesem System schlicht unberücksichtigt. Weite Anfahrtstrecken zum Patienten ("Landarzt") - interessiert ebenso wenig. Kein Wunder, dass junge Mediziner nicht dazu zu überreden sind, sich als Hausarzt auf dem Land niederzulassen. Kein Wunder, dass für den Kassenpatienten Termine in Monatsferne liegen, die ein Privatpatient am nächsten Tag bekommt. Die wenigen Maßnahmen wie "Facharztvermittlung" sind eher vorgeschobene Papiertiger, sie doktern an Symptomen anstatt an Ursachen. Es geht bei Kassenpatienten in dieser Republik eben eher um "möglichst lange produktiv halten und dann schnell weg" als um echte Versorgung. Ob das effektiv ist, darf bezweifelt werden. Das dahinter stehende, sehr mechanistische Weltbild vom menschlichen Roboter hat nie funktioniert. Ein Hausarzt, der sich die Zeit nimmt, mit dem Patienten zu sprechen und herauszufinden, ob hinter den ständigen Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden nicht noch was ganz anderes steckt, ist weder durch eine "Äpp" noch durch irgendwelche farbikmäsigen Fließbandbehandlungen zu ersetzen.

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victoria101 08.11.2017, 13:17
7. Naja...

... in den USA bekommen die Allgemeinärzte auch rund 100 $ für einen Besuch, da kann man sich auch Zeit nehmen.
Davon mal abgesehen, ich arbeite als angestellte Hausärztin, somit kann mir die Vergütung egal sein, aber wir haben so viele Patienten, dass wir der Flut gar nicht mehr Herr werden. Nehme ich mir Zeit für 2 Patienten, sitzen in der Zwischenzeit 10 im Wartezimmer. Man sitzt wie auf Kohlen, keine gute Voraussetzung für ein entspanntes zugewendetes Gespräch.

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olli08 08.11.2017, 13:17
8. Details bitte!

Aufschlussreicher wäre diese Studie gewesen, wenn Unterschiede in den Behandlungszeiten bei Kassenpatienten und Privatpatienten herausgestellt würden. Aber dafür müsste man vermutlich die Daten aus Deutschland, die dieser Metastudie zugrunde liegen, genauer analysieren. Und wenn man dann nach wüsste, wie hoch (bzw. niedrig) der Anteil der gesetzlich versicherten Bundesparlamentarier (vor allem der häufig regierenden Parteien) ist, könnte man Vermutungen anstellen, warum die Lage so ist, wie sie ist.

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quark2@mailinator.com 08.11.2017, 13:17
9.

Tja, auch so eine Errungenschaft der Schröderschen Sozialreformen. Nicht nur der Wahnsinn mit den Medikamenten (seither bekommt man nicht mehr das Medikament, welches man schon immer hatte, sondern nur noch den "Wirkstoff" ... könnte ich jetzt meterweise dazu schreiben), sondern wir haben eine Ärzteabwanderung ohne Ende, u.a. wg. der Bürokratie rund um die Abrechnung. Hier in der Gegend haben ziemlich viele gute, alteingesessene Ärzte mit einer Art innerer Kündigung reagiert, z.T. total verzeifelt und öffentlich per Zeitungsinterview. Wir haben nach wie vor pro Kopf international sehr hohe Gesundheitsausgaben und Medikamentenpreise (was die Hersteller bekommen, nicht was man persönlich in der Apotheke zahlt), aber für die Patienten sieht es anders aus. Effektiv ist es seit Jahren ein Rückbau.

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