Forum: Karriere
Anonyme Bewerbung: "Bitte schicken Sie keine Zeugnisse"

Kandidaten ohne Foto, Alter und Geschlecht - finden Unternehmen so wirklich die Mitarbeiter, die sie suchen? Konzerne wie Telekom oder L'Oreal testen derzeit, wie sie Bewerbungen fairer gestalten können. Erste Ergebnisse des Experiments sind vage, große Begeisterung bricht bei Bewerbern nicht aus.

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billger 16.06.2011, 14:38
1. Merkwürdig

Zitat von sysop
Der Fokus liegt nun wirklich ausschließlich auf den einzelnen Qualifikationen.
Zitat von sysop
...die Anzahl der Kinder gehen in diesem Fall keinen etwas an ...
Das ist ein lustiger Widerspruch. Einerseits wollen die Bewerber ausschließlich nach ihren Kenntnissen und Leistungen bewertet werden, andererseits wird dann betrieblicherseits bzw. von den neuen Kollegen eine Unterstützung und Verständnis erwartet, wenn z.B. noch kleine Kinder da und zu betreuen sind. Was denn nun?

Wenn ich so einen "anonymen Bewerber" einstelle, weil er offenbar gut ist und dann erzählt er mir am ersten Arbeitstag, dass er aber zwei kleine Kinder hat, die er jeden Tag um 16:00 Uhr aus der Kita abholen muss und natürlich könne er deshalb nicht an den Nachmittagsmeetings teilnehmen und Dienstreisen sind auch nicht drin ...

Wem ist damit gedient?

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Denseman 16.06.2011, 15:08
2. unfair bleibts sowieso immer

Grundsätzlich halte ich das - was name, foto und alter angeht- für ne gute sache, die 33% die dagegen sind, sind halt die verlierer. aber was zum beispiel zeugnisse angeht halte ich es nach einem normalen akademischen bildungsweg und nun ein paar jahren berufserfahrung ja für äußerst fragwürdig, ob zeugnisse, insbesondere schulzeugnisse, aber auch ausbildungs- und uni-abschlüsse, tatsächlich eine derart genaue analyse der qualifikation von bewerbern für viele jobs sind, wie getan wird. und das wird jetzt natürlich noch vertsärkt. ob man damit aber die mitarbeiterschaft heterogenisiert sei mal dahin gestellt..

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sponner_hoch2 16.06.2011, 15:12
3. Titel

Zitat von
"doch Hobbys [...] gehen in diesem Fall keinen etwas an."
Ach nein? Es sagt doch schon eine Menge über die Persönlichkeit eines Bewerbers aus, ob er nun eher der Typ "Bücherwurm & Couchpotato" oder "Surfen, Snowboard, Trendsport" ist.

Zitat von
"doch [...] gar die Anzahl der Kinder gehen in diesem Fall keinen etwas an."
Aber auch nur, wenn der Chef dann im Arbeitsalltag ebenfalls sagen kann "Ihr Status als Alleinerziehende und Ihre zwei (kranken, zum Fußball gefahren werden wollende, ...) Kinder gehen mich nichts an".

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semper fi 16.06.2011, 15:12
4. -

Zitat von sysop
Kandidaten ohne Foto, Alter und Geschlecht - finden Unternehmen so wirklich die Mitarbeiter, die sie suchen? Konzerne wie Telekom oder L'Oreal testen derzeit, wie sie Bewerbungen fairer gestalten können. Erste Ergebnisse des Experiments sind vage, große Begeisterung bricht bei Bewerbern nicht aus.
Ein weiteres Opfer auf dem Altar des politischen Zeitgeistes = Geldverschwendung.
Bei den Jobs, über die wir hier reden, sind doch nicht "die Personaler" die, die das letzte Wort haben; sondern die Chefs in spè. Wie läuft denn so etwas ab? So:

- Auf ein Stellenangebot gibt es mehrere Bewerbungen.
- Dann erfolgt der Profilvergleich. Wenn das Profil - ohne Wenn und Aber - einen Wirtschaftsingenieur verlangt, dann haben Theologen keine Chance. Die landen gleich im Absage-Karton.
- Die "Personaler" machen dann die "Long List" der Bewer ber. Die geht zum Chef in spè.
- Der Chef verfeinert noch einmal die Auswahl. Wägt beispielsweise ab, ob ein Abschluss beim MIT höher zu bewerten ist, als ein solcher von der Kath. Universität in Pusemuckel. Da kommt dann die Short List raus.
- Alle, die auf der Shortlist stehen, werden interviewed. Spätestens dann werden Alter, Geschlecht und Aknepickel sichtbar.

Ich werde dieses PC-Sch***ss nicht mitmachen. Derzeit gehen alle schriftlichen Bewerbungen, die die Ergebnisse der Arbeitsgruppe vorwegnehmen, also Geschlecht und Alter verschweigen, ganz automatisch in den Absage-Karton. Begründung: Potentielle Troublemaker.

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muwe6161 16.06.2011, 15:13
5. Ich bin speptisch...

Wen ich die Wahl hätte zwischen;

- einer jungen, männlichen aggressiven Jobmaschine
- einem älteren Work/Live Balance Theoretiker
- einer vierfachen Mutter kleiner Kinder
mit der gleichen Qualifikation müsste ich keine Sekunde nachdenken.
Aber netter Versuch

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libertarian 16.06.2011, 15:27
6. das geht

Sinnvolle Idee - auch wenn ich vorsichtig waere, sowas gesetzlich zu verankern und dabei evtl. mal wieder uebers Ziel hinauszuschiessen.
Im amerikanischen Arbeitsmarkt kenne ich das seit langer Zeit so und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Einige Reaktionen hier, die alle moeglichen Einwaende bringen, sind eigentlich kalter Kaffee. Ich finds immer merkwuerdig, wenn sowas als voellige (evtl. "unmoegliche") Innovation betrachtet wird, waehrend andere Leute damit seit Jahrzehnten gute Erfahrungen machen. Nicht alles ist immer und ueberall hin uebertragbar oder schlicht nicht gewuenscht, aber das ist was anderes, als immer gleich zu sagen "ja, aber, das eght doch gar nicht...". Geht eben doch.

Das gute alte Bewerbungsschreiben in Deutschland ist eben tatsaechlich nicht mehr angemessen und stammt aus einer Zeit, als ueberwiegend um ganz andere Dinge ging. Fotos und Beruf der Eltern sind doch wirklich Quatsch. Natuerlich ist eine moderne Bewerbung mehr Arbeit - aber auch eine Chance, wirklich auf Qualifiaktionen und Erfahrungen abzuzielen oder diese darzustellen. Wenn da die Vorauswahl erst einmal daran orientiert ist, gewinnen alle dabei. Vor allem werden so die Arbeitgeber auch gezwungen, ihre Anforderungsprofile etwas schaerfer zu beschreiben, wenn eine vermeintliche Vorauswahl anhand des Schnellhefters (gipps sowas noch?) und der Haarfarbe entfaellt.

Alles weitere kann man dann beim Vorstellungsgespraech klaeren - wobei es auch da angenehm ist, wenn es da primaer um Fachfragen geht und nicht darum, ob man gerne skifaehrt oder wieviele Kinder man hat. Zwischen den Zeilen kommt das sowieso durch.

Und die, die gefragt haben, was dann der AG machen soll, wenn die alleinerziehende Mutter um 16h gehen muss: auch das ist eine Frage, wie das Anforderungsprofil gestaltet ist. Wenn da gleich geklaert ist, wie die Arbeitszeiten sind, wieviel % Reisetaetigkeit erwartet wird oder ob Ueberstunden neotig sind, dann weiss jeder gleich, wo er dran ist, ohne dass der AG da im Vorfeld irgendwelche merkwuerdigen Schluesse ziehen muss, so nach dem Motto, "Leute mit Kinder stell ich nicht ein". Keiner weiss, wie Leute ihre Angelegenheiten organisiert haben und bei solchen Kriterien bleibt sonst ganz viel Potential auf der Strecke.

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sponner_hoch2 16.06.2011, 15:30
7. Titel

Zitat von muwe6161
Wen ich die Wahl hätte zwischen; - einer jungen, männlichen aggressiven Jobmaschine - einem älteren Work/Live Balance Theoretiker - einer vierfachen Mutter kleiner Kinder mit der gleichen Qualifikation müsste ich keine Sekunde nachdenken. Aber netter Versuch
Aber Sie glauben doch nicht, dass man sich in der öffentlichen Verwaltung tatsächlich Gedanken zur Effektivität, Effizienz und dem Ergebnis macht.

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shine31 16.06.2011, 15:30
8. Re: Couchpotato vs Trendsportler

Zitat von sponner_hoch2
Ach nein? Es sagt doch schon eine Menge über die Persönlichkeit eines Bewerbers aus, ob er nun eher der Typ "Bücherwurm & Couchpotato" oder "Surfen, Snowboard, Trendsport" ist.
Und was sagt und das dann genau? Ok, der Couchpotato könnte vielleicht einiges an Gewicht angelegt haben. Aber als Bücherwurm könnte er sich in manche Materie sehr gut eingelesen haben und ggf. beherrschen. Und der Sportler? Hmm, der würde ggf. viel Urlaub brauchen, weil er zum Surfen nach Hawaii will und sogar mehrere Tage wegen Krankheit fehlen, weil er im letzten Skiurlaub sich einige Knochen gebrochen hat. Und Trendsport? Das sagt doch nur, daß er jedem neuen Mist hinterher rennt und keine eigene Persönlichkeit hat. Wenn würden Sie jetzt einstellen?

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libertarian 16.06.2011, 15:35
9. trouble maker

Zitat von semper fi
Ein weiteres Opfer auf dem Altar des politischen Zeitgeistes = Geldverschwendung. Bei den Jobs, über die wir hier reden, sind doch nicht "die Personaler" die, die das letzte Wort haben; sondern die Chefs in spè. Wie läuft .....
Kann meiner Meinung nach jeder halten, wie er oder sie (hoffe das war ncith zu PC...) will. Verraten Sie mir nochmal Ihren Wohnort? War das nicht auch westlich des Atlantiks? Falls ja, machen Sie sich evtl. strafbar.

Ansonsten ist sowas immer auch eine Frage, was gerade so der uebliche Stil ist. Geschlecht erkennt man am Namen. Alter meist grob an der Vorefahrung, Zeitpunkt der Schulabschluesse usw.
Ich persoebnlich wuesste gar nicht, wie und wo ich auf meinem Lebenslauf das Alter unterbrungen sollte. Ist hier einfach unueblich, bzw., wer das macht (und dann noch schoen nach deutschem Muster ein Foto dranklebt), landet hier eigentlich viel eher im Papierkorb, da Arbeitgeber das alles nicht fragen duerfen und an der Stelle sicher lieber uebervorsichtig waeren.

Und "trouble" konnte ich nach Bedarf sowohl mit 25 als auch jetzt mit 41. Meine Arbeitgeber haben das bisher ueberwiegend geschaetzt...

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