Forum: Karriere Bewerberfang im Internet: Auf der Jagd nach den Sahnestücken
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Fast alle Studenten und Absolventen suchen inzwischen im Netz nach Jobs. Aber*werden sie dort gut bedient? Eine aktuelle Studie zeigt, welche Firmen die*jungen Talente mit ihren Webseiten überzeugen - und was Interessenten an Online-Verfahren am meisten nervt. zum Artikel Antworten
#1 24.03.2011, 10:02 von Das Auge des Betrachters

Was wirklich gesucht wird.

Die sogenannten fehlenden Fachkräfte, die wirklich gesucht werden, sind die Geheimnissverräter. Leute die in anderen Firmen Know How zu bestimmten Themen gesammelt haben und Entwicklungsarbeit beschleunigen.
Nur die sind gesucht und beim "Fachkräftemangel" gemeint, vor allem wenn es um den Wettbewerb am internationalen Arbeitsmarkt geht.
Leider ist man in D nicht einmal bereit die richtig zu bezahlen, deshalb soll die Einstiegsgrenze für qualifizierte Zuwanderung auf 40.000 € gesenkt werden.
Der Judas des Arbeitsmarktes wird gesucht, für ein paar Silberlinge soll er seinen Arbeitgeber verraten.
Absolventen braucht man höchstens für Praktika oder Zeitverträge.

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#2 24.03.2011, 10:54 von ostseestern

Lug und Trug

Hinter vorgehaltener Hand spricht jeder in Verbänden, Bhörden, NGO's usw. darüber: das Schönen von Zahlen im ach so arg von Fachkräftemangel gebeutelten Deutschland. Und die Arbeitslosenzahlen stehen in einem - angeblich - ungesunden Verhältnis zu unbesetzten Stellen.

Aktuell erlebt: Eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, an mehreren Standorten in Deutschland strategisch gut aufgestellt, sucht (nachweislich) händeringend zur zeitnahen Einstellung Fachkräfte im Steuerrecht, vorzugsweise Gemeinnützigkeit. In einem dann folgenden Gespräch stellt sich heraus, dass es eigentlich keine freie zu besetzende Stelle gibt. Es gäbe eine "Warteliste" und man werde sehen, wie die Auftragslage sich auf die Personalpolitik auswirkt und man könne dann über eine temporär begrenzte Mitarbeit nachdenken.

Das sind Phantom-Stellen! Und das Ganze hat durchaus System und wird von vielen (großen) Unternehmen mit politischem Druck auch gefordert. So können die z. B. Forderungen nach mehr ausländischen Fachkräften besser begründet werden.

Und um Sahnestücken, wie der Artikel es beschreibt, geht es überhaupt nicht. Angestrebt wird seit den letzten Jahren das amerikanische Arbeitsmodell. Sehr wenige Fachkräfte, dafür viele (wenig Personalkosten verursachende) angelernte, unterdurchschnittlich ausgebildete Mitarbeiter, denen nur zusammenhanglose, standardisierte Teilaufgaben zugeordet/zugewiesen werden. Somit senkt man kontinuierlich Personal- und Lohnnebenkosten und steigert die Flexibilität durch unkomplizierte Austauschbarkeit fast aller Mitarbeiter. Im Zusammenspiel mit der weiteren Aufweichung der Arbeitnehmerrechte und andererseits Gründung unternehmenstreuen Arbeitnehmervertretungen zerstört man bewußt Gehalts-, Tarif- und Sozial- und Solidarstrukturen - postmoderner Liverpool-Kapitalismus in Perfektion.

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#3 24.03.2011, 10:57 von ostseestern

Lug und Trug

Hinter vorgehaltener Hand spricht jeder in Verbänden, Bhörden, NGO's usw. darüber: das Schönen von Zahlen im ach so arg von Fachkräftemangel gebeutelten Deutschland. Und die Arbeitslosenzahlen stehen in einem - angeblich - ungesunden Verhältnis zu unbesetzten Stellen.

Aktuell erlebt: Eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, an mehreren Standorten in Deutschland strategisch gut aufgestellt, sucht (nachweislich) händeringend zur zeitnahen Einstellung Fachkräfte im Steuerrecht, vorzugsweise Gemeinnützigkeit. In einem dann folgenden Gespräch stellt sich heraus, dass es eigentlich keine freie zu besetzende Stelle gibt. Es gäbe eine "Warteliste" und man werde sehen, wie die Auftragslage sich auf die Personalpolitik auswirkt und man könne dann über eine temporär begrenzte Mitarbeit nachdenken.

Das sind Phantom-Stellen! Und das Ganze hat durchaus System und wird von vielen (großen) Unternehmen mit politischem Druck auch gefordert. So können die z. B. Forderungen nach mehr ausländischen Fachkräften besser begründet werden.

Und um Sahnestücken, wie der Artikel es beschreibt, geht es überhaupt nicht. Angestrebt wird seit den letzten Jahren das amerikanische Arbeitsmodell. Sehr wenige Fachkräfte, dafür viele (wenig Personalkosten verursachende) angelernte, unterdurchschnittlich ausgebildete Mitarbeiter, denen nur zusammenhanglose, standardisierte Teilaufgaben zugeordet/zugewiesen werden. Somit senkt man kontinuierlich Personal- und Lohnnebenkosten und steigert die Flexibilität durch unkomplizierte Austauschbarkeit fast aller Mitarbeiter. Im Zusammenspiel mit der weiteren Aufweichung der Arbeitnehmerrechte und andererseits Gründung unternehmenstreuen Arbeitnehmervertretungen zerstört man bewußt Gehalts-, Tarif- und Sozial- und Solidarstrukturen - postmoderner Liverpool-Kapitalismus in Perfektion.

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#4 24.03.2011, 11:18 von Michael Giertz

Fachkräfte wollen auch bezahlt werden

Zitat von Das Auge des Betrachters
Die sogenannten fehlenden Fachkräfte, die wirklich gesucht werden, sind die Geheimnissverräter. Leute die in anderen Firmen Know How zu bestimmten Themen gesammelt haben und Entwicklungsarbeit beschleunigen. Nur die sind gesucht und beim "Fachkräftemangel" gemeint, vor allem wenn es um den Wettbewerb am internationalen Arbeitsmarkt geht. Leider ist man in D nicht einmal bereit die richtig zu bezahlen, deshalb soll die Einstiegsgrenze für qualifizierte Zuwanderung auf 40.000 € gesenkt werden. Der Judas des Arbeitsmarktes wird gesucht, für ein paar Silberlinge soll er seinen Arbeitgeber verraten. Absolventen braucht man höchstens für Praktika oder Zeitverträge.
Stimmt nicht unbedingt, aber ist auch nicht falsch.

Wenn ein Unternehmen Fachkräfte sucht, meinen die Personalmanager, dass man solche sucht, die möglichst bescheidene Lohnvorstellungen haben.

Beispiel? Ich selbst stamme aus Sachsen. Dort habe ich als Techniker (gehört wohl schon zu den Fachkräften) das Spiel gehabt, dass mir Jobs angeboten worden sind für 1500,- bis 1800,- Euro. Brutto, wohlgemerkt. Zuvor hab' ich bei AMD gearbeitet für etwa 1400,- Euro (inkl. Zuschläge) - netto!

Warum sollte ich also, mit 8000 Euro Schulden wegen Meister-BaföG und zwei Jahren Einkommenseinbußen dann für weniger arbeiten, als ich als Facharbeiter bekommen habe?

Als ich in diversen Gehaltsverhandlungen meine Vorstellungen (ca 2200,- brutto Einstiegsgehalt) vorgelegt hab, gab's nur zu oft die Antwort, ich sei zu teuer.

Tja. Bin ich halt aus meiner Heimat (die ich wirklich vermisse) weggezogen, verdien' etwa zweieinhalbtausend brutto (als Zeitarbeiter!) - ohne dass, mit Ausnahme der Miete, meine Lebenshaltungskosten wesentlich höher wären als in der Heimat.

Und in der Heimat jammern die Unternehmer, keine Fachkräfte zu kriegen - woran das wohl liegt? Wenn die keine Fachkräfte bezahlen wollen, dann kriegen sie keine Fachkräfte. Selbst die Polen wollen lieber ein Stück weiter fahren und arbeiten in den alten Bundesländern. Sollte doch einem zu Denken geben, oder?

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