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Büro von morgen: Weshalb der eigene Schreibtisch an Bedeutung verliert
Microsoft

Kein persönlicher Sitzplatz mehr, stattdessen Schließfächer. So geht's in der neuen Deutschlandzentrale von Microsoft zu. Klingt furchtbar, ist es aber nicht - sagt zumindest Arbeitsforscher Udo-Ernst Haner.

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Freier.Buerger 12.10.2016, 08:18
1. grins

Wie kreativ und frei Mitarbeiter arbeiten (können) hängt von der Führung ab, nicht von der Büroarchitektur.

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nurmeinsenf 12.10.2016, 08:24
2. Paßt

Aus eigener Erfahrung in einem anderen Unternehmen - anfänglich sind die Vorbehalte groß, wenn man sich von "seinem" persönlichen Schreibtisch mit individueller Gestaltung trennen soll. Andererseits kann auch der individuellste Arbeitsplatz nicht das Gefühl ersetzen, von zu Hause arbeiten zu können. Das wiegt den Verlust der eigenen Zimmerpflanze mehr als auf. Daß man einen "clean desk" hinterläßt und seine Habe im Schließfach verstaut, ist sehr bald gewohnt. Die für mich größte Herausforderung ist unangepaßte Lautstärke beim Telefonieren. Das kann schon stark ablenkend wirken.

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nwz86 12.10.2016, 08:39
3. Produktivität wegrationalisieren

Das ist der nächste logische Schritt, nachdem man Einzelbüros abgeschafft und die Angestellten in laute, unproduktive, gesundheitsschädliche Großraumbüros gepfercht hat. Am besten, man hat immer ein paar Schreibtische weniger als Angestellte. So erhöht sich auch die Pünktlichkeit am Morgen. Und wenn das die Mitarbeiter in den Burnout treibt, die nächste Kohorte der Generation Praktikum steht bereit. Die arbeitet dann umsonst und mietet ihren Schreibtisch, und evtl. kann man sie noch überreden, eine Taschenlampe mitzubringen, so kann man sich auch noch die Beleuchtung sparen.

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Nachdenken_erlaubt! 12.10.2016, 08:39
4. Austauschbarkeit und höhere Kosteneffizienz

Natürlich klingen die altbekannten Buzzwords wie Flexibilität und Share and Discuss erst einmal unglaublich fortschrittlich. Nur darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es einen anderen Aspekt gibt: Das Fehlen eines individuellen Arbeitsplatzes sendet das Signal: Du bist hier nur provisorisch, du bist 100% austauschbar.

Davon abgesehen, dass ein solches Konzept wirklich nur im papierfreien Büro und mit Vertrauensarbeitszeit und-Ort funktionieren kann, sind andere Dinge einfach schon vorausgesetzt, zum Beispiel die BYOD-Regel ("Bring your own device") - jeder Mitarbeiter hat seinen Laptop, den er natürlich nicht im Schließfach lässt, wie hier impliziert, sondern abends mit nach Hause nimmt und damit die Trennung von Beruf und Privatleben entgültig einreißt.

Die bekannten Nachteile des konventionellen Großraumbüros werden hier entgegen des ersten Anscheins nicht beseitigt. Die Suche nach einem Arbeitsort wird zum zusätzlichen Stressfaktor (Verteilungskämpfe inbegriffen, wenn zur Abwechslung mal mehr Mitarbeiter im Gebäude sind).

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Theya 12.10.2016, 08:42
5.

Andere erfolgreiche Unternehmen verfolgen andere Strategien, die mir auch intuitiv mehr einleuchten. Beispiel StackExchange (ebenfalls IT-Branche): hier setzt man auf große Einzelbüros, die bestmögliche Ausstattung, die sich der jeweilige Mitarbeiter wünscht, und vor allem: Ruhe am Arbeitsplatz.

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b.quach 12.10.2016, 08:47
6.

Ich denke die Umgebung spielt eine große Rolle, wenn man sich konzentrieren will. Ein schon bekannter, eventuell auch noch unaufgeräumter Arbeitsplatz kann einen viel mehr ablenken als wenn man sich von Raum zu Raum quasi bewegt. Ich bin auf jeden Fall gespannt ob sich diese Art Büro in den kommenden Jahren durchsetzen wird oder man doch lieber bei der klassischen Variante bleibt.

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BruceWayne 12.10.2016, 09:09
7.

Das hört sich alles sehr, sehr "frei" an, ist es aber in Wirklichkeit nicht. Es ist wie bei dem Märchen "Des Kleiders neue Kleider" - es ist ein Fake von moderner Arbeitswelt. Es ist in der Wissenschaft unbestritten, dass zum Arbeitsplatz auch gehört, dass er subjektiv vom Arbeitnehmer als "sein Platz in der Arbeitswelt" wahrgenommen wird. Stichwort Identifikation. Was die "jungen Professionals" nicht erkennen (sollen) ist, dass sie mittlerweile mehr ausgebeutet werden, als zu Beginn der Industrialisierung. Keine Individualierung mehr, nur noch Funktionieren - in dem Modell ja theoretisch auch jeden Tag "anders" - allein für die Produktivität. Jeder, der in einer Firma schon mal gesehen hat, wie jemand schaut dessen "Arbeitsplatz" von einem Anderen "eingenommen" wurde, weiß wie wichtig der eigene Platz ist. Aber ein eigener Platz kostet die Firma mehr, als in diesem Modell. Verräterisch finde ich übrigens die Reihenfolge der Funktionalitäten der Arbeitszonen: zuerst kommt Kaffeezone.... Augenwischerei....

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spellbound 12.10.2016, 09:16
8. Hängt natürlich stark vom Beruf ab...

... wer in einem Umfeld arbeitet, in dem ein Laptop als Arbeitsgerät reicht und wo man Themen nach ein paar Stunden abschliessen und den Platz wechseln kann, für den ist das vll in Ordnung.
Ich persönlich schätze mein eigenes Büro, in dem sich alle benötigten Unterlagen, Telefon, Flipchart/Whiteboard, 3 Monitore und meine persönliche Note (viele große Pflanzen) befinden. Ich sitze hier im Schnitt 10-12h täglich an einem Themenbereich, d.h. ich würde nach dem MS-Konzept nie den Platz verlassen.
Dass das Büro nicht das eigene Wohnzimmer ist -schon klar. Im Wohnzimmer verbringe ich weit weniger Zeit... Nein, aber ernsthaft- jeden Abend Clean Desk, um am nächsten Tag wieder alles herauszuholen und an so einem Mini-Tischen in schmuckem Grau anzuordnen?

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pitstop 12.10.2016, 09:17
9. Gewollt?

Ist das nicht merkwürdig, dass ein Frauenhofer-Berater die schöne, neue und progressive Arbeitswelt anbietet aus einem nahezu privat gestaltetem 2-er Büro heraus. Sehr lustig, wenn so jemand (auch noch als Consultant, der häufiger beim Kunden als im eigenen office sein sollte) dann Ratschläge erteilt. Kühle Arbeitsatmosphäre, kein Privatraum, Austauschbarkeit, Drang zum home office ....wie soll sich ein/e Mitarbeiter/in mit diesem Arbeitsplatz ..besser= mit diesem seinen Unternehmen identifizieren? Wo bleibt der emotionale Bezug zu "do more and exceed expectations" ? Sinn solcher anonymer Büroburgen ist die Einsparung von Infrastrukturkosten wie Getränke, Essenzuschüsse, geringere zu bewirtschaftende Bürofläche, weniger PKW-Stellplätze usw. Billigend in Kauf genommen wird die Ent-Emotionalisierung zwischen Arbeits- und Privatwelt.

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