Forum: Karriere Burnout-Kliniken: Mit der Ruhe kommt die Kraft
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Mit neuen Therapiekonzepten versprechen exklusive Häuser ausgebrannten Führungskräften schnelle Heilung. Die Manager sollen zu einer gesunden Balance zwischen Arbeit und Privatleben finden - und lernen, sich von den Unwägbarkeiten des Berufsalltags nicht an die Wand drücken zu lassen. zum Artikel Antworten
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#1 09.12.2011, 16:42 von JaIchBinEs

Überforderung im System

Es mag ja sein, das diese Klinik den Leuten helfen kann und sie gestärkt aus der Kur zurückkehren.

Was ist aber, wenn die Ursache der Überforderung im System ihrer Wirkungsstätte liegt?
Wenn die Unternehmungen und Einrichtungen, wo sie her kommen keine anderen Bedingungen zulassen?

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#2 09.12.2011, 17:32 von hohenzoller987

Burn Out ist nicht Überforderung!

Das Burn Out Syndrom bedeutet nicht, dass der/die Betroffene mit den Aufgaben aus Job und Privatleben überfordert ist!
Die Ursachen liegen im Umgang miteinander, dass Menschen nicht mehr respektiert werden. Es immer mehr und noch schneller gefordert wird und gerade die Hochproduktiven den Zeitpunkt verpassen "Halt" zu sagen. Viele Vorgesetzten haben niemals gelernt, wie Führung und Verantwortung geht. Die Zeiten von Befehl und Gehorsam sind in der modernen Arbeitswelt vorbei - es sind intelligente und selbstbestimmte Menschen, die selbständig denken wollen und können.
Nur - dies ist bei vielen Vorgesetzten noch nicht angekommen...


Zitat von JaIchBinEs
Es mag ja sein, das diese Klinik den Leuten helfen kann und sie gestärkt aus der Kur zurückkehren. Was ist aber, wenn die Ursache der Überforderung im System ihrer Wirkungsstätte liegt? Wenn die Unternehmungen und Einrichtungen, wo sie her kommen keine anderen Bedingungen zulassen?

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#3 09.12.2011, 20:51 von Scheidungskind

...

Interssante Halbwahrheit in dem Artikel: Die Autobahn München - Salzburg verläuft kaum 50m von der Klinik "Chiemseeblick" entfernt - tolle Landschaft!

Der sog. Burnout wird weiter zunehmen und das nicht hauptsächlich weil die Anforderungen im Beruf immer höher werden.

Die erhöhte Anfälligkeit für Stress rührt von den früh-kindlichen Biographien, die immer häufiger den Verlust von Bezugspersonen wie Vätern oder Erziehern vor dem 36 Monat enthalten oder in denen Kinder neben der Karriere der Eltern zu Nebensachen degradiert werden.

So geprägte Menschen leiden unter geringem oder brüchigem Selbstwertgefühl und in der Folge unter der Angst, abgelehnt zu werden, wenn sie nicht stets perfekte Ergebnisse vorweisen können oder gar mal "nein" sagen.

Einen Euro in die - den Bedürfnissen eines Kleinkindes angemessene - Erziehung zu investieren, spart im späteren Leben 80 Euro an krankheitsbedingten Kosten.

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#4 09.12.2011, 21:26 von scharfrichter1

Nee, nee...

.. mag ja sein, das dann für teuer Geld die Balance wiederhergestellt werden kann. Aber ist das auf diese Art und Weise erforderlich?

Aufgrund eigener Erfahrung hinterfrage ich nun, ob es richtig ist, Maßnahmen zu treffen, die lediglich den "Funktions"-Status des Betroffenen ex ante wiederherstellen sollen - hier "Balance wieder finden" genannt.

Wichtig für mich war (Plan-Be), den Blick wieder auf das eigene "LEBEN" zu richten, auf das eigene (nicht fremd- und geldbestimmte) ERLEBEN, und nicht, sich lediglich als betriebswirtschaftlcher Kosten-/ Nutzenfaktor rekonvalesziert zu erleben.

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#5 10.12.2011, 13:17 von miss maik franz

jaja

Zitat von Scheidungskind
Einen Euro in die - den Bedürfnissen eines Kleinkindes angemessene - Erziehung zu investieren, spart im späteren Leben 80 Euro an krankheitsbedingten Kosten.
Hier kann ich ja noch zustimmen, aber bei dem hier
Zitat von Scheidungskind
Die erhöhte Anfälligkeit für Stress rührt von den früh-kindlichen Biographien, die immer häufiger den Verlust von Bezugspersonen wie Vätern oder Erziehern vor dem 36 Monat enthalten oder in denen Kinder neben der Karriere der Eltern zu Nebensachen degradiert werden. So geprägte Menschen leiden unter geringem oder brüchigem Selbstwertgefühl und in der Folge unter der Angst, abgelehnt zu werden, wenn sie nicht stets perfekte Ergebnisse vorweisen können oder gar mal "nein" sagen.
hab ich dann doch so meine Probleme. Mangelndes Selbstwertgefühl, ok, aber ich kenne diverse Menschen, die keinen Verlust von Bezugspersonen in den ersten 36 Monaten ihres Lebens verzeichen mußten, keine karrierebdingt abwesenden Eltern hatten und dennoch unter geringem Selbstwertgefühl leiden.

Da gibt es wohl doch noch noch den ein oder anderen Faktor mehr, den es zu bedenken gibt.
So ist das definitiv zu simpel gedacht.

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#6 10.12.2011, 14:13 von Scheidungskind

Stimmt...

Zitat von miss maik franz
Hier kann ich ja noch zustimmen, aber bei dem hier hab ich dann doch so meine Probleme. Mangelndes Selbstwertgefühl, ok, aber ich kenne diverse Menschen, die keinen Verlust von Bezugspersonen in den ersten 36 Monaten ihres Lebens verzeichen mußten, keine karrierebdingt abwesenden Eltern hatten und dennoch unter geringem Selbstwertgefühl leiden. Da gibt es wohl doch noch noch den ein oder anderen Faktor mehr, den es zu bedenken gibt. So ist das definitiv zu simpel gedacht.
...ich hatte auch nur die wichtigsten Veränderungen der letzten Jahrzehnte aufgeführt, die die aktuelle Zunahme der Burn-Out-Fälle mit zu verantworten haben.

Vielleicht muss man den Verlust eines Elternteils bis zum 12. Lebensjahr hinzunehmen - oft auch zusätzlich abhängig davon, wie gut das Kind in einer Nachfolgefamilie integriert werden konnte.

Gewalttätige, demütigende, gefühlskalte, vernachlässigende, etc. Erziehungsberechtigte gabs ebenso schon immer, wie angeborene Temperamente, die durch eine gelungene Erziehung jedoch teilweise korrigiert werden können.

Die waren aber nicht mein Punkt.

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#7 10.12.2011, 14:22 von shredderbert

Solche Angebote sind (leider) nötig ...

Eins vorneweg: Burnout / Depression ist ein sehr komplexes Thema; genetische Disposition, Erziehung, berufliches Umfeld, alles kann eine Rolle spielen. Von daher ist eine individuelle Behandlung so wichtig ...

Jetzt aber zum eigentlichen Artikel: ein Klinikaufenthalt kann nur ein erster, aber absolut notwendiger Schritt im Heilungsprozess sein. Ich habe die Aussagen nicht so verstanden, dass Leistungsträger innerhalb weniger Wochen wieder fürs Hamsterrad fit gemacht werden sollen. Es ist vielmehr dringend nötig, aus dem Hamsterrad herauszukommen und mit einer gewissen Distanz seine Situation betrachten zu können. In der akuten Phase eines Burnouts bzw. in depressiven Phasen ist dies einfach nicht möglich, weil absout alles einen negativen Bias bekommt ... in der subjektiven Wahrnehmung, auch wenn's objektiv gar nicht so ist - der Betroffene nimmt aber alles negativ wahr. Aus dieser Betrachtungsweise herauszukommen, muss das Ziel eines solchen Aufenthaltes sein.

In Burnout / Depressionen verändern sich Stoffwechselprozesse im Gehirn. Diese Veränderung zumindest teilweise rückgängig zu machen, ist ein wichtiger Schritt. Alles weitere, die weitere Lebensgestaltung, die zu ziehenden Konsequenzen, kommen als weitere Schritte.

Und wenn sich das angestammte (berufliche) Umfeld nicht verändern lässt, dann bleibt nur als Konsequenz, sich ein neues Umfeld zu suchen ... und da gibt's bereits viele Beispiele von Burnout-Betroffenen, die was ganz Neues gemacht haben ...

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#8 10.12.2011, 16:03 von rechnernetzstecker

... und mit dem alltäglichen Lärm schwindet sie wieder...

Zitat von SPON
Burnout-Kliniken - Mit der Ruhe kommt die Kraft
Super - und dann kommt man aus der Klinik heim, und die Nachbarn trampeln wie gewohnt durch die Wohnung, die Einflugschneise wurde in der letzten Zeit auch nicht verlegt, und im Job herrschen nach wie vor kapitalistische Leistungsvorstellungen... ;-) .
So einen Klinikaufenthalt könnte man sich und dem Krankenversicherungsbeitragszahler glatt sparen. Nur die Kliniken selbst haben ein gewisses Interesse *g*

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#9 11.12.2011, 22:17 von albert schulz

modische Luxuskrankheit

Klingt irgendwie nach Urlaub. Eine Weile nicht mehr diese ignoranten Mitarbeiter, Kollegen, Vorgesetzten ansehen und anhören müssen, die lästigen Blagen und die nervende Henne ertragen. Und sonst ? Einfach nichts tun dürfen, nicht gebraucht werden. Keinen fertigmachen dürfen ? Nicht mehr glänzen mit sinnfreien Vorträgen und Vorlagen ? Pennen und spazieren, irgendwie Urlaub, aber eben alleine. Also doch Klinik ? Mit akuter Langeweile erfüllte Zwischenlagerung ? Langeweile pur ? Runtergeregelt und ruhig gestellt mit aberhübschen Mittelchen ?

"Sinnliche Wahrnehmung, Genuß, Wohlfühlangebote, Rückbesinnung auf das Sinnliche." Biofeedback heißt also nichts anderes als Luxusbordell. Bei Pi mal Daumen zweitausend Eiern am Tag sind wir nach sechs Wochen gleich vierzig Tage bei achtzigtausend Euronen. Ohne persönliche Prämien und Trinkgelder. Ob sich Spiegel – Leser das Vergnügen leisten können wage ich zu bezweifeln. Oder gar die SPONisten.

Allgemein bekannt ist, daß Ärzte nicht genau definieren können oder wollen, was eine Depression ist, möglicherweise eine Vorform des Burnout, oder nur Motivations- und Interesselosigkeit. Ebenso bekannt ist, daß ein Burnout ein vollständiger Zusammenbruch ist, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine irreparable organische Verletzung im Gehirn. Der Mensch vegetiert hernach. Streß kann aber auch ganz andere Organe verletzen oder zerstören, wie und warum genau ist noch nicht geklärt (oder doch ?), der Kreislauf oder die Verdauung können durch Streß angegriffen werden, auch die Haut oder die Wirbelsäule, und Krebs wird auch dadurch ausgelöst. Der Körper versagt, er wehrt sich nicht mehr. In allen diesen Fällen ist es aber zu spät für ein gesundes Leben, die Symptome werden kuriert oder weggeschnitten. Das Dumme an der Sache ist, daß Ärzte keinen Pfifferling für die Prophylaxe erhalten, aber ein kleines Vermögen für das Herumkurieren.

Mit der Ruhe kommt gar keine Kraft, das heißt man Dahinsiechen. Kraft kommt durch körperliche Bewegung und positiven Streß. Es müssen als positiv empfundene Anforderungen gestellt werden. Genau das fehlt beispielsweise vielen Rentnern, und die bekommen garantiert keinen Klinikaufenthalt spendiert.

Und noch ein winziger Nachtrag zu Unternehmungen. Es gibt garantiert fundiertes Fachwissen, wie man Leute demoliert. Es geht extern und intern um Macht, und es geht um Gehorsam. Mit dem Verunsichern von Menschen kann man gutes Geld verdienen. Es geht nicht um Verständnis, sondern darum Leistung oder Geld zu erpressen. Das ist ein ökonomisches Prinzip. Menschen sind Kanonenfutter.

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