Forum: Karriere
Diplomatie als Beruf: "Bleibt denn da noch Zeit zum Leben?"
Kendra Stenzel

Diplomat - das klingt nach weiter Welt und hohem Ansehen. Doch der Nachwuchs hat Sorgen wegen der Work-Life-Balance. Ein Ortstermin beim Infotag des Auswärtigen Amts.

Seite 1 von 2
linoberlin 17.02.2017, 10:32
1. Nicht richtig

Natürlich gibt es eine Altersbeschränkung. Wer die Ausbildung erst nach Abschluss des 50. Lebensjahres abschließt, kann nicht verbeamtet werden und ist daher über der Altersgrenze.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nofreemen 17.02.2017, 10:47
2. sorry Eliten

Klingt nach weiter Welt und hohem Ansehen. Das glauben diese Leute wohl selbst nicht. Es klingt eher nach Abschottung und bedingungsloser ideologisierung. Ein moderner Sklave.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Kendra 17.02.2017, 11:11
3. Altershöchstgrenze

Lieber linoberlin, seit 2009 gilt die Höchstgrenze nicht mehr. Kandidaten ab 50 können mit Genehmigung des BMF verbeamtet werden, müssen dafür jedoch spezielle Qualifikationen mitbringen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dickebank 17.02.2017, 11:35
4. Fdgo

Zitat von nofreemen
Klingt nach weiter Welt und hohem Ansehen. Das glauben diese Leute wohl selbst nicht. Es klingt eher nach Abschottung und bedingungsloser ideologisierung. Ein moderner Sklave.
Genau, die vorherrschende Ideologie wird durch die FDGO grundlegend bestimmt. Also gang, ganz schlimm.
Dass die einzelnen Ausbildungsjahrgänge einen Corpsgeist entwickeln und der auch noch vom Dienstherrn gefördert wird, unglaublich. Einen solchen Corpsgeist würden Trainees und Auszubildende beim Daimler niemals entwickeln, die werden ja auch nur auf die corporate identity des Unternehmens eingeschworen.

Fragen Sie doch einmal, was Leiharbeiter in einzelnen Unternehmen der deutschen Wirtschaft von den afcharbeiter-Eliten dieser Unternehmen halten.
Der Begriff "Elite" wird mittlerweile inflationär gebraucht, um ihn zu diskreditieren bzw. ins gegenteil des eigentlichen Wortsinnes zu pervertieren.
Jede Gruppe, die sich von anderen abgrenzt oder abgegrenzt wird, ist elitär Die Profikicker jedes Bundeslegisten sind demnach eine Vereinselite. Ihrer Denke folgend sind alle anderen Vereinsmitglieder folglich gewöhnlich bzw. proletenhaft.

Das Adjektiv „elitär“ leitet sich ab vom lateinischen Wort für „Auslese“ (electus). Ja, das AA wählt seinen nachwuchs aus. Nur das tut der Chef einer Pommesbude in Herne-Wanne auch, wenn er eine Aushilfe einstellt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
brux 17.02.2017, 11:48
5. Nun ja

Ich habe 20 Jahre im diplomatischen Umfeld verbracht. Das ständige Umziehen ist sicherlich ein Problem, vor allem für die Kinder.

Aber irgendeine Form von Arbeitsüberlastung habe ich bei Diplomaten nicht feststellen können. Stress gibt es eigentlich nur bei grossen Krisen oder wenn das eigene Staatsoberhaupt zu Besuch kommt. Ansonsten herrscht gepflegte Langeweile und das grösste Risiko ist der Alkoholismus wegen der ständigen Empfänge. Die deutschen Botschaften innerhalb der EU kann man getrost abschaffen, da ist ausser Konsulararbeit gar nichts zu tun. Die bilateralen Beziehungen zwischen EU-Mitgliedsstaaten sind fast vollständig verschwunden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
RainerCologne 17.02.2017, 12:12
6.

"Auch wer fünf Jahre Chinesisch und Politik studiert hat, muss vielleicht drei Jahre als Pressereferent nach Helsinki oder sich in Riad mit dem Thema Umwelt befassen."

Und genau aus diesem Grund, läuft beim Staat einiges schief.
Wie kann jemand ohne Ahnung von Geld und Co. Finanzminister werden? Wieso wird ein Arzt Wirtschaftsminister und eine Physikerin Bundeskanzlerin?

Wenn jemand Chinesisch studiert hat, soll es auch nach China geschickt werden. Was soll so jemand in Helsinki? Oder Japan?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
akmsu74 17.02.2017, 13:36
7. genau SO MUSS es aber sein...

Zitat von RainerCologne
"Auch wer fünf Jahre Chinesisch und Politik studiert hat, muss vielleicht drei Jahre als Pressereferent nach Helsinki oder sich in Riad mit dem Thema Umwelt befassen." Und genau aus diesem Grund, läuft beim Staat .....
Es hat schon seinen Grund, warum es - bei aller Spezialisierung - ein paar Bereiche gibt, in denen per Definition "Generalisten" zum Einsatz kommen.
Gerade Politik aber auch Presse sind Bereiche, in denen es aus guten gründen eben KEIN festes Berufsbild gibt. Damit gibt es nämlich auch keine Zugangsbeschränkung! JEDER darf Politiker oder Journalist werden und das ist auch gut so. Ob aus einem Dachdecker ein guter Politiker wird, ist eine andere Sache (hat ja schon mindestens ein Mal nicht geklappt) - aber sowas regelt in einer Demokratie der "Markt", als die Wahl.

Bei den Diplomaten kommt noch ein anderer Aspekt dazu - Loyalität bzw. Korruption. Wer 10 oder gar 20 Jahre lang im selben Land denselben Job macht, arbeitet nicht mehr für "sein" Land und kommt den "Einheimischen" in jeder Hinsicht viel zu nahe, als dass Loyalitätskonflikte und auch Korruption zu vermeiden wären.
Der Fachwechsel ist kein Problem - Diplomaten sind a) eben Diplomaten (amtseigene Ausbildung) und DER Teil des Jobs ist überall sehr ähnlich. Und b) sind sie Verwaltungsbeamte. Und Gesetze funktionieren immer nach demselben Aufbau. Kultur in Helsinki und Kultur in Riad liegen näher beieinander, als Klempner in Berlin-Mitte und Elektriker im Friedrichshain.

Beim Politik- und Presse-Bashing bin ich ja immer gerne mit dabei - aber HIER passt es schlicht nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
akmsu74 17.02.2017, 13:44
8. vor 20 Jahren ... vielleicht

Zitat von brux
Ich habe 20 Jahre im diplomatischen Umfeld verbracht. Das ständige Umziehen ist sicherlich ein Problem, vor allem für die Kinder. Aber irgendeine Form von Arbeitsüberlastung habe ich bei Diplomaten nicht feststellen können. Stress gibt es eigentlich nur bei grossen Krisen oder wenn das eigene Staatsoberhaupt zu Besuch kommt. Ansonsten herrscht gepflegte Langeweile und das grösste Risiko ist der Alkoholismus wegen der ständigen Empfänge. Die deutschen Botschaften innerhalb der EU kann man getrost abschaffen, da ist ausser Konsulararbeit gar nichts zu tun. Die bilateralen Beziehungen zwischen EU-Mitgliedsstaaten sind fast vollständig verschwunden.
Das kommt doch SEHR auf den posten und auch auf die betrachtete Zeit an, denke ich.
Als Kulturreferent in Helsinki mag man sicher eine "ruhige Kugel" schieben. Visa-Entscheider in Istanbul ist Stress pur - zumindest heute. Und für einen Europäer ist alleine der Aufenthalt z.B. irgendwo in Zentralafrika harte Arbeit. Die sind ja nicht zum Spaß da...

Auch bei den Diplomaten haben die diversen Umbauarbeiten in der Verwaltung ihre Spuren. Vorsichtig gesagt - zu viele Häuptlinge (höherer Dienst) und zu wenig Indianer (gehobener Dienst). Aber das ist noch mal ein anderes Thema.

Letztlich wechseln sich im Laufe der Dienst-Zeit A-, B- und C-Stellen (von Paris bis Kabul) ab und unterm Strich arbeiten (heutige) Diplomaten definitiv nicht weniger, als Andere.

Davon abgesehen und nur als Anmerkung - im Auslandseinsatz gibts keine Überstunden und de facto auch keinen Feierabend. "Private" Diplomaten gibts nicht - wer im Ausland ist, ist IMMER im Dienst und immer auf Abruf...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lachina 17.02.2017, 14:38
9. Ergänzung

Die "Neuen" werden besonders gerne in eher ungemütliche Länder geschickt, wer denkt, er kann bereits die ersten Jahre in Rom, London oder Paris arbeiten , der irrt sich. Und: Mittlerer und gehobener Dienst sind nicht sonderlich gut bezahlt, was die Lebenskosten in vielen Ländern angeht!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2