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Personalmangel in Notaufnahmen: "Es war nur ein Arzt da"
Privat

In Hamburg mussten kürzlich Notaufnahmen großer Krankenhäuser schließen, weil es nicht genug Ärzte und Pfleger gab. Eine Ausnahme? Nein, sagt Notfallärztin Christine Löber und schildert ihren Alltag.

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ohne_mich 10.08.2018, 12:40
1. Sowas kommt von sowas

Das kommt davon, wenn man die Gesundheitsversorgung in die Hände von profitorientierten Konzernen verkauft.
Infrastruktur (Wasser, Strom und auch Gesundheit) gehört nicht in private Hände.

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oranje-web 10.08.2018, 13:24
2. die fallpauschale

Es gibt keine interdisziplinäre Behandlung mehr. Weil der kranke nicht nach notwendigen med. Behandlungen versorgt wird sondern als fallpauschale gesehen wird. Das Krankenhaus bekommt nicht wie früher seine erbrachten Leistungen bezahlt sondern eine fallpauschale. Somit muss der Patient so schnell wie möglich aus dem Krankenhaus entlassen werden. Dazu kommt ein personalmangel der der ökoomischen effizenz geschuldet ist. Dieser personalmangel ist hausgemacht ist von der Politik hausgemacht.

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interstitial 10.08.2018, 13:43
3. ganz genau!

Zitat von ohne_mich
Das kommt davon, wenn man die Gesundheitsversorgung in die Hände von profitorientierten Konzernen verkauft. Infrastruktur (Wasser, Strom und auch Gesundheit) gehört nicht in private Hände.
Japp.
Genau das ist es.
Und eigentlich auch klar, wenn man drüber nachdenkt.
Aber der Markt richtet´s ja bekanntlich...als ob man sich aussuchen könnte, das man kein Notfall wird, weil das Angebot grade nicht stimmt....so ein Unfug. Wieviel Prozent Verlust sind wirtschaftlich optimal?? Es geht hier um Schicksale und Menschenleben, zementnochmal, da wird doch sonst bei jeder Gelegenheit ein riesen Bohei gemacht.
Während meiner Zivi-Zeit wurde das Krankenhaus, an dem ich arbeitete (Innere Medizin), vom städtischen Klinikum zur GmbH umgeformt. Eine sehr lehrreiche Zeit. Seitdem kann ich immer, wenn ich solche Artikel lese, nur nicken. Überraschen tut mich da nichts mehr. Meine Erfahrung aus der Zeit: Außerhalb WILL überhaupt niemand wissen, was und wie da tatsächlich abläuft, wie es aussieht, nach welchen Prioritäten welche Entscheidungen getroffen werden. Und innerhalb niemand darüber reden.
Letztlich hat mich die Zeit dazu gebracht, nicht Medizin zu studieren, weil ich wusste, dass ich der psychischen Belastung gegenüber den Patienten, unter diesen Bedingungen so arbeiten zu müssen, nicht gewachsen gewesen wäre, und absolut nichts hätte tun können, um irgendetwas für Kollegen, Pflegekräfte oder Patienten zu verbessern.
Meine Hochachtung gilt allen, die diesen enorm wichtigen Job trotz allem immer noch machen.

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wut62 10.08.2018, 13:47
4. Zusammenbruch

Das ist ein Thema. Gesundheitsversorgung gehört nicht in die Hände von profitorientierten Unternehmen. Die Argumentation, dass es der Staat auch nicht besser macht, ist scheinheilig. Ich bezweifele das. Sollte es aber doch so sein, so hätte der Staat die Möglichkeit, dort zu agieren und Fehler zu korrigieren. Bei Firmen in privater Hand, ist der Staat erpressbar und Fehler lassen sich kaum korrigieren.
Auch gehört eine objektive und sachliche Betrachtung darüber, warum die Notaufnahmen überfüllt sind, welche Bevölkerungsteile verstärkt die Notaufnahmen in Anspruch nehmen. Ich komme aus diesem Bereich und ich könnte ihnen eine Antwort geben.
Das ganze System, und nicht nur dieses, wird wegen Fehleinschätzungen und ideologischer Betrachtungsweise, an die Wand gefahren. Leidtragende sind unser alten und armen Mitbürgern, die für mich nur solche sind, die ausschl. die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Vor die Wand fahren, heißt Zusammenbruch unseres Systems.

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frank_le 10.08.2018, 13:58
5. Alternative zur Fallpauschale?

Zitat von oranje-web
Es gibt keine interdisziplinäre Behandlung mehr. Weil der kranke nicht nach notwendigen med. Behandlungen versorgt wird sondern als fallpauschale gesehen wird. Das Krankenhaus bekommt nicht wie früher seine erbrachten Leistungen bezahlt sondern eine fallpauschale. Somit muss der Patient so schnell wie möglich aus dem Krankenhaus entlassen werden. Dazu kommt ein personalmangel der der ökoomischen effizenz geschuldet ist. Dieser personalmangel ist hausgemacht ist von der Politik hausgemacht.
was ist die Alternative zur Fallpauschale? Wieder alles unbegrenzt bezahlen wie früher? - Sicher nicht!

Das war unbezahlbar.

Ich war dieses Jahr leider fast 30 Tage im Krankenhaus. In den Notfallaufnahmen stapeln sich Migranten welche auf diesem Weg einen Termin beim Facharzt bekommen wollen. Dazu viele leichte Fälle welche durch eine Hausarztpraxis erledigt werden können - also vermietet Räume an die Kassenärztliche Vereinigung und lass alle offensichtlich nicht schweren Fälle über den Weg behandeln. Dann ist wieder Platz für echte Notfälle...

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giovanni22 10.08.2018, 14:00
6. Profit

Es wird kaputtgespart wie fast ūberall , immer mehr verdienen immer mehr der Mensch zählt nicht mehr, Profit ist alles.

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dborrmann 10.08.2018, 14:16
7. Ohne Moos nix los...

Es fließt viel zu wenig Geld in die Medizin, um alle von den Patienten angeforderten Aufgaben erfüllen zu können. Entweder brauchen wir deutlich mehr Geld oder die Anzahl der Behandlungsfälle muss bei gleichbleibenden Mitteln drastisch reduziert werden. Sonst wird die ALDIisierung der Medizin weiter fortschreiten.

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backundweg 10.08.2018, 14:17
8. Welche Gehaltsvorstellungen führen denn zu ökonomischem Druck?

Zitat von ohne_mich
Das kommt davon, wenn man die Gesundheitsversorgung in die Hände von profitorientierten Konzernen verkauft. Infrastruktur (Wasser, Strom und auch Gesundheit) gehört nicht in private Hände.
Lustig,wie die PR aufgeht und gleich wieder die böse Ökonomisierung der Grund ist. Da sollte sich die Ärztelobby doch mal was anderes ausdenken, ist es doch schließlich ihre Gehaltssteigerungsübung,die das alles befeuert.

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interessierter Laie 10.08.2018, 14:41
9. wollen Sie nicht auch Geld bekommen?

für ihre Leistung. Ärzte und Pfleger stehen auch nachts und an Sonn- und Feiertagen für Sie bereit. Aber es ist nunmal ein Dienstleistungsbetrieb. Keiner kann vorgesehen, ob 10 oder 1000 Patienten in dieser Nacht Hilfe brauchen. Die Klinik bekommt diese Bereitschaft aber nicht angemessen bezahlt - von den Behandlungssätzen ganz zu schweigen.
Hier macht sich niemand die Taschen voll, sondern kämpft darum, den (unterbesetzten) Betrieb noch einigermaßen kostendeckend zu gestalten.

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