Forum: Karriere
Plan B für Studienabbrecher: Beinahe-Akademiker, fangfrisch von der Uni

Sie vergeigen Prüfungen, haben große Geldsorgen oder Überdruss an Theorie. Wenn Studienabbrecher anklopfen, fragen sich Personaler: Wollen wir sie reinlassen? Viele Firmen experimentieren nicht gern, vertrauen lieber Zeugnissen. Dennoch finden auch Uni-Deserteure mit etwas Anlauf in den Beruf.

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lizard_of_oz 23.09.2011, 10:00
20. Dennoch finden auch Uni-Deserteure mit etwas Anlauf in den Beruf.

Hmm, klar im Dienstleistungssektor solange der Staat mit der hemmungslosen Ausplünderung der abnehmenden Zahl der Leistungsträger in der Industrie fortfährt.

So liegt, hauptsächlich aufgrund der sadistischen Fledderei der Arbeiter und Angestellten der freien Wirtschaft, das Durchschnittsalter in den Konstruktionsbüros, denen wir einen Großteil unseres Wohlstandes verdanken, bei Mitte 50.

Was da in zehn Jahren fehlen wird, ist unermesslich und dank der, abgesehen vom Sozialen, totalen fachlichen Inkompetenz der Regierungen wird das auch keiner von diesen Merkbefreiten kommen sehen und somit auch keinerlei Abwehrmaßnahmen einleiten, außer anzukündigen, die wenigen jungen fähigen Konstrukteure durch Ausländer zu ersetzen.

Schön zu wissen, dass ich überflüssig und abgesehen vom Bestehlen unerwünscht bin.

So überflüssig, dass man mich finanziell derart zusammentritt, dass ich selbst im armen Ägypten mindestens den doppelten Lebensstandard hätte, auch wenn ich dort nur die Hälfte verdienen sollte.

Ich höre und gehorche.

Den Idioten in der Regierung fällt gerade bei Tempo 250 auf der Bahn ein Rad ab und die sorgen sich um Windgeräusche...

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underdog 23.09.2011, 10:14
21. Zu pauschal

Zitat von PIrot
Das Studium bringt in sehr vielen Fällen nicht den gewünschten "Lerneffekt", d.h. ein Software Entwickler wird weniger durch das Studium als durch Praxis geschult (Beispiel wurde auch genannt). Das ist schade (auch wenn es Ausnahmen gibt), aber für den Einstellenden weniger wichtig -- es geht um was anderes; Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die ein Studium abgeschlossen, egal ob gut oder schlecht, eher in der Lage sind, Durststrecken im Job (die es ohne Ende gibt) besser durchzustehen. Und ich als Einstellender habe ich ein Interesse, dass ein Mitarbeiter lange bleibt. Studienabbrecher sind eigentlich spätestens nach 12 Monaten vom Arbeitsalltag und der Büropolitik so demotiviert, dass sie abspringen. Ame Ende ist das Studium ein Stresstest. Wenn man zu denen gehört, die an renommierten Universitäten eine Handvoll Examensprüfungen in ein bis zwei Semestern bestanden hat, der weiß was echter Stress ist -- das Berufsleben ist was Herausforderungen angehet danach ein Witz.
Stress ist nicht gleich Stress. Jemand, der mit Prüfungsstress an der Uni/Schule nicht klarkommt, kann in anderen Bereichen durchaus sehr stressresistent und ausdauernd sein.

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friedi234 23.09.2011, 10:21
22. Titel Thesen Abstürze

[QUOTE=sysop;8777282]Sie vergeigen Prüfungen, haben große Geldsorgen oder Überdruss an Theorie. Wenn Studienabbrecher anklopfen, fragen sich Personaler: Wollen wir sie reinlassen? Viele Firmen experimentieren nicht gern, vertrauen lieber Zeugnissen. Dennoch finden auch Uni-Deserteure mit etwas Anlauf in den Beruf.

Vor 20 Jahren waren 10 Semester bis zum Vordiplom keine Seltenheit.
Ein Mensch muss im Leben eben auch Zeit haben sich zu entwickeln. Das Erkennen hierzu erfolgt oft während des Studiums. Dann dauert ein Studium eben 6 Semester länger. Es gibt dann oft den Gebärdruck aufgrund der verlorenen Semester. Dafür ist der Mensch dann oft in der Lage später Projekte unter Druck zu leiten.
Die Hochschulen haben mittlerweile eher rigide Prüfungsordnungen.Damit wird der Studienabbrecher in einem noch jungem Alter entlassen und könnte natürlich auch die Fachinformatikerausbildung nachholen.
So ein Abschluss ist gut für den jungen Menschen und gut für die Firma. Die Firma siebt mittels "Diploma" die "freien Künstler" aus.
Ein Konzern geht das Risiko nicht ein in seinen Reihen MA ohne offizielle Ausbildungsbescheinigung zu haben. Wie soll da z.B der Personalentwicklungsplan aussehen? Entlohnungsstrukturen? Stellung zu anderen MA?
Der Mittelständler arbeitet mittels hire und fire. Kannste was bist du gefragt, dafür gibt es dann nur einen projektgebundenen Arbeitsvertrag.
Fazit: Durchbeissen. Die Bösen sind nicht die deutschen Firmen oder die deutsche Verwaltung sondern die durchaus gut ausgebildeten Kollegen mit Diplom aus dem EU Raum und zukünftig dem fernen Osten (ni hau).

Grüße vom Main

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Mrs. Figgs 23.09.2011, 10:42
23. ...

Das erste Problem für einen "Studienabbrecher" ist zunächst selbst das Wissen wertzuschätzen, daß er in seinem Studium erworben hat. Selbst Teilwissen kann viel wert sein, man kann es aber nur "vermarkten", wenn man sich dessen auch bewußt ist.

Das zweite Problem, ist zu lernen, die Arbeitsmarkt- und Vorstellungsgesprächspolitik nicht für das A und O zu halten. Firmen brauchen eben eine Strategie, mit der sie möglichst schnell möglichst gute Mitarbeiter einstellen können. Wenn ich das erstmal begriffen habe, dann kann ich auch eher abschätzen, wo meine Bewerbung sinnvoll investierte Zeit ist und wo ich meine Zeit (und die der Firma) sowie Geld verschwende.

Ich habe meinen Diplomstudiengang in klin. Psychologie abgebrochen. Damals hat man mit solch einem Diplom nicht viel anderes gemacht, außer eben Therapeut zu werden und mir war damals klar, daß dies kein Beruf für mich ist (obwohl ich das Studium sehr geliebt habe und gut war), da mir das Leid der Mnschen viel zu nah ging, als daß ich als Therapeutin eine große Hilfe hätte sein können. Ich wollte keine Zeit mehr für etwas verschwenden, das ich letztlich sowieso nicht ausüben will/kann.

Ich habe die Entscheidung in meinem Arbeitsleben nie bereut, weil ich sie bewußt getroffen hatte und meine Gründe stets zweifelsfrei darlegen konnte. Die Diskussion darüber hat selten mehr als zwei Minuten in Anspruch genommen. Und in überraschend vielen Vorstellungsgesprächen war der künftige Arbeitgeber positiv überrascht jemanden ohne Verlegenheit über seine "Schwäche" reden zu hören.

Ich hatte "nur" einen Magister mit dem man damals in diesem Bereich nichts anfangen konnte, aber das Wissen haben einige Arbeitgeber trotzdem geschätzt und für sich genutzt. Auf der anderen Seite habe ich auch Firmen kennengelernt, wo man sogar als "Akademiker" scheel angesehen wird - ja, sowas gibt es eben auch. Von kleinen Krauterjobs über Zeitarbeit bis zu recht gut bezahlten Jobs mit Verantwortung habe ich mehr als nur eine Dimension des Arbeitsmarktes kennengelernt.

In den letzten Jahren hat sich der Arbeitsmarkt stark gewandelt und vielen neuen Ideen geöffnet. Jetzt habe ich die Gelegenheit mein Wissen und meine Lebenserfahrung neu aufzuarbeiten - nicht als Therapeutin sondern als Coach/psych. Beraterin mit einem bestimmten Ziel vor Augen. Ich kann mir sozusagen meinen Beruf selbst auf den Leib schneidern - und bis ich soweit bin, verdiene ich mein Geld als selbstständige Übersetzerin.

Es gibt immer Mittel und Wege, solange man weiß, was man im Leben beruflich erreichen will.

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trackerdog 23.09.2011, 10:50
24. Plan B für Studienabbrecher

Zu meiner Zeit gab es ca. 10% Abiturienten und davon hat etwa die Hälfte studiert.
Ging auch! Deutschland war der Bildungs- und Technologiestandort der Welt.
Heute haben wir 50% Abiturienten, deren Niveau knapp über dem Realschulabschluß liegt, wie er vor 20 Jahren gängig war. Mit einem Wort: die Jugendlichen sind schlicht nicht studienfähig!
In meiner Studienzeit haben auch viele das Handtuch geworfen, was sicherlich an den extremen Anforderungen und dem gnadenlosen Druck lag. Bei den geburtenstarken Jahrgängen hatte man die Wahl. Friß oder stirb!

Zum Thema Studienabbrecher.
Ich denke, da hat sich seit meiner Zeit auch nicht viel geändert: Studienabbrecher sollten sich ein Parteibuch zulegen und sich ein Plätzchen im öffentlichen Dienst sichern.

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papayu 23.09.2011, 10:53
25. Herr Personalchef , oder?

Zitat von winterfichte
der dicke, den sie so verachten, hat ebenfalls diese prüfung gemacht und bestanden. sie können sich an äußerlichkeiten festhalten und das als ausrede nehmen. oder sie lernen. schuld am vermasseln sind weder bäuche noch bild - sondern einzig sie! und die bewerbergespräche haben durchaus sinn. sie sind nämlich genauso aufgebaut, dass man hinter die fassdae des berwerbers .....
Also ich hab in meinen 43jaherigen Berufsleben,solche Leute kennengelernt die sich in diese Positionen "gearbeitet " hatten, die beruehmten Radfahrer. Am Besten waren noch die kleine Betriebe, wo der Chef selbst die Einstellung vornahm.
Nein, ich bin kein Akademiker, dazu hat es nicht gereicht.
War nur ein Mitarbeiter am Puls.

Und jetzt will uns Frau Schawan die Grund-und Hauptschule verbieten und da muessen ja alle Abitur machen, selbst als "Mittelschueler" hat man keine Chance mehr, ebenso wie wenn man unsympatisch ist.

Eine Frage noch: Was ergibt drei mal sieben??

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Hans Blafoo 23.09.2011, 11:57
26. Kein Titel

Zitat von trackerdog
Zu meiner Zeit gab es ca. 10% Abiturienten und davon hat etwa die Hälfte studiert. Ging auch! Deutschland war der Bildungs- und Technologiestandort der Welt. Heute haben wir 50% Abiturienten, deren Niveau knapp über dem Realschulabschluß liegt, wie er vor 20 Jahren gängig war. Mit einem Wort: die Jugendlichen sind schlicht nicht studienfähig! In meiner Studienzeit haben auch viele das Handtuch geworfen, was sicherlich an den extremen Anforderungen und dem gnadenlosen Druck lag. Bei den geburtenstarken Jahrgängen hatte man die Wahl. Friß oder stirb!
Und jemand der damals in ihrem heutigen Alter war, hat genau das gleiche über seine Studienzeit gesagt.

Ich finds immer erstaunlich, dass alle immer das härteste, mörderischste und extremste Studium hatten, quasi das Navy Seal Studium. Alle anderen dagegen, vor allem die heutige Jugend, waren, um in der Metapher zu bleiben, bei der Bundeswehr, haben nur rumgesoffen und haben es ja sooo einfach gehabt.

Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen und auch heutige Abiturprüfungen oder Studiengänge können entweder einfach oder schwer sein. Bloß die Objektivität, um sinnvolle Vergleiche anzustellen, hat niemand.

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ochsefisch 23.09.2011, 12:18
27. Titel

Zitat von papayu
Eine Frage noch: Was ergibt drei mal sieben??
Feinen Sand :)

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daggibaba 23.09.2011, 14:23
28. Vorsicht...

Klar gibt es viele Beispiele von Leuten, die es ohen Abschluß doch geschafft haben. Aber das dicke Ende kann trotzdem noch kommen. Zu besichtigen im Freundeskreis: ohne Abschluß in den Beruf eingestiegen, tolle Jobs gekriegt - und plötzlich geht es nicht mehr weiter. Warum?
Es klappte mit den Jobs, die sich durch den Nebenjob beim Studium ergaben oder allem, was sich daraus weiterentwickelt hat. Aber ab dem Moment, wenn man das erste Mal "normale" Bewerbungsverfahren durchläuft, fliegt man raus. Weil sich kein Chef die Mühe macht, alle Bewerbungen nach interessanten Leuten durchzuforsten. 100 Mappen auf dem Tisch? Da muß die Sekretärin vorsortieren, und da ist "schmeißen Sie mal alle ohne Abschluß raus" eine einfache Möglichkeit.
Was schon eher geht, ist der Weg über eine Personalvermittlung, weil die Leute schmackhaft machen, die zu einer ausgeschriebenen Stelle passen.
Berufspraxis wird wirklich zu wenig geschätzt. Ich arbeite mit abgeschlossenen Studium seit über 10 Jahren im Medienbereich und staunte nicht schlecht, als mir jetzt nahegelegt wurde, mein Volontariat nachzumachen. Arbeiten in Bonn, Berlin, auf EU-Veranstaltungen - solche Berufspraxis reicht nicht, um formale Hürden zu nehmen...

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firoforo 23.09.2011, 15:29
29. Genereationenkonflikt

Zitat von winterfichte
1982 uni hamburg. rappelvoll, wir saßen auf den stufen. bwl ist trocken, also wurde sich in lerngruppen mit studienfreunden gegenseitig motiviert. nebenbei in einer kneipe gejobbt oder im baumarkt. 9 semester, ferig. und es war die phase mit der meisten freizeit in meinen leben. dennoch!
Diese Beschreibung des Studierendenalltags könnte doch sehr gut auch aus der heutigen Zeit stammen. Was jedoch nicht in unserer Zeit passt sind Fixanstellung, Frühpension und andere Sicherheiten und Privilegien am Arbeitsplatz. Ihre Generation ist wohl die letzte die davon profitiert hat.

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