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Wirkung im Bewerbungsgespräch: Was glauben Sie eigentlich, wer ich bin?
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Wie wir im Bewerbungsgespräch rüberkommen, haben wir nur teilweise in der Hand. Psychologische Effekte und unbewusste Vorurteile verzerren das Bild. Ein Problem - aber es lässt sich lösen.

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gutes_essen 05.07.2016, 10:08
1. Kompliziert

Das ist mir echt zu kompliziert.
Ich bin so wie ich auch im Job wäre und gut.

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nickleby 05.07.2016, 10:13
2. Persönlichkeit

Wer den Raum lächelnd betritt, gewinnt die Herzen. Den Verstand muss er / sie selbst mitbringen.
Gepflegtes Äußeres, verbindliche Umgangsformen und absolute Sachkenntnis sind die besten Türöffner.
Dazu gehören Humor, umfassende Allgemeinbildung, Schlagfertigkeit Hintergrundwissen über die Firma/Stadt/Region.
Es muss deutlich werden, dass er/sie nicht kein kognitives Gerüst ist, sondern voller Leben und Leidenschaft.

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byll01 05.07.2016, 10:13
3. Die Gör-Karte

Was wäre denn das männliche Equivalent zur "Gör-Karte"? Die "Ganzer Kerl" Karte? Die "Cooler-Typ" Karte?
Gibt es für Männer eigentlich auch ein abwertendes Wort für selbstbewusstes Auftreten? Oder ist das Frauen vorbehalten? Hat schon mal jemand einen erwachsenen Mann als vorlaut oder frech beschrieben...?
Großmaul oder Angeber vielleicht - aber da fehlt die charmant-belächelnde Qualität des Wortes "Gör"...

Unconcious Bias (auch und gerade bei bei Frauen, auch bei Männern, die keine bewusste Bias haben und sich dagegen aussprechen) versteckt sich eben gerne in wohlwollenden Kommentaren und witzigen Randbemerkungen.

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Yoroshii 05.07.2016, 10:20
4. Glauben Sie ja nicht, wen Sie vor sich haben!!!!

Zitat von byll01
Was wäre denn das männliche Equivalent zur "Gör-Karte"? Die "Ganzer Kerl" Karte? Die "Cooler-Typ" Karte? Gibt es für Männer eigentlich auch ein abwertendes Wort für selbstbewusstes Auftreten? Oder ist das Frauen vorbehalten? Hat schon mal jemand einen erwachsenen Mann als vorlaut oder frech beschrieben...? Großmaul oder Angeber vielleicht - aber da fehlt die charmant-belächelnde Qualität des Wortes "Gör"... Unconcious Bias (auch und gerade bei bei Frauen, auch bei Männern, die keine bewusste Bias haben und sich dagegen aussprechen) versteckt sich eben gerne in wohlwollenden Kommentaren und witzigen Randbemerkungen.
Oder hat schon mal jemand einen unerwachsenen Mann als vorlaut beschrieben?

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eulenspiegel1979 05.07.2016, 10:22
5. Personalwesen - eine Wissenschaft für sich

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da ist man zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden und hat den Chef und Gruppenleiter angetroffen. Man hat ein lockeres Gespräch geführt und sich gegenseitig herangetastet, um zu schauen, passt der / die Neue zu uns oder nicht.

Heute gibt es Personalreferenten, Assessment-Center, mehrstufige Auswahlverfahren und tonnenweise Tipps im Netz, wie man eine Bewerbung am besten formuliert, wie ein Lebenslauf aussehen muss und wie man sich auf einem Foto in Szene setzt. Im Bewerbungsgespräch sitzt man dann vor einem / einer blutjungen studierten Personalerin (selbst wenig Berufserfahrung) und muss sich teilweise skurrilen Fragen stellen. Am Ende wundert sich das Unternehmen, dass man so wenig geeignete Bewerber findet, weil die Idealvorstellungen eben kaum erfüllbar sind. Menschen werden eben nicht auf einen Job hin gezüchtet, sondern entwickeln sich individuell.

Eine Freundin von mir hat privat ein großes Selbstbewusstsein, ist sportlich, intelligent und auch im Job unglaublich effizient, fleißig und engagiert. Woher ich das weiß? Ich habe Sie damals eingestellt, als wir noch zusammen in einer anderen Firma arbeiteten. Sie findet aktuell keinen neuen Job, weil Sie in Bewerbungsgesprächen unglaubliches Lampenfieber hat und unsicher wirkt. Sie kassiert eine Absage nach der anderen. Wenn die Arbeitgeber wüssten, was denen an Power bei dem Mädel entgeht. Was rät man hier? Die Ratschläge der studierten Personaler sind genauso nutzlos wie deren Fragen im Gespräch: Sie soll ein Seminar besuchen, wo diese Schwäche behandelt wird oder zum Psychologen gehen. Da würde ich gern den einen oder anderen Personaler hinschicken mit seinen theoretischen Kenntnissen und seinem völlig praxisfernem Blick auf und um den Job.

Was will ich eigentlich sagen? Wir leben in einer Zeit, wo sich wirklich jeder profilieren will und muss. Man schmeißt mit Begriffen um sich, wie auch hier im Artikel "unconscious bias" um gebildet zu wirken. Ich verachte diese Unart, die Sprache mit unzähligen Anglizismen anzureichern, nur um den Eindruck zu erwecken, den Durchblick zu haben. Dann wird sich tot geschwafelt, gefachsimpelt und Maßnahmen an Flipcharts entwickelt, die dazu führen sollen, dass die Mitarbeiter effizienter arbeiten, gesund bleiben und so weiter und so fort. Work Life Balance ... bla bla bla. Alles Käse, wenn man den Mitarbeiter und seine Art nicht respektiert und seine Arbeitskraft nicht schätzt. Und das fängt schon im Bewerbungsgespräch an. Meiner Meinung nach sollte das alle viel lockerer gestaltet werden. Zwanglose Atmosphäre, von mir aus bei einem leckeren Getränk in einem Café, auf neutralem Boden sozusagen. Da bekommt man schneller einen viel besseren und ehrlicheren Eindruck vom Gegenüber als in einem faden Besprechungsraum, in dem man dann 2, 3 oder 4 fremden Krawatten gegenübersitzt, die nichts anderes wollen, als überlegen zu wirken.

Ekelhafte Kultur, ekelhaftes Thema.

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Knack5401 05.07.2016, 10:25
6. Schrecklich,

aus einem simplen Prozess "Bewerbung" ist ein Spielplatz für abgehobene unproduktive BWL-Theoretiker entstanden, die mit möglichst vielen Anglizismen verschleiern wollen, dass sie alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen. Fehlt noch, dass zu ein bis zwei Semestern Schauspielschule geraten wird. Noch mal zur Erinnerung: es geht primär um Menschen, erst sekundär um Bewerber.

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upalatus 05.07.2016, 10:34
7.

Klar, und eben durch diese hochgeschossenen Superauswahlverfahren, extremgecoacht und mit immer neuen Superklingbezeichungen fast bis zum Erbrechen ausgefeilt, teilweise ausgeführt von bereits gut trainierten krampfigen Leerphrasendreschern, kommt gar tolle Mitarbeiterqualität in die Firma -lach-. Um solche Checks zu bestehen, mutieren viele Bewerber zu Schauspielern, legen sich eine möglichst allgemeingültige Schale zu oder versuchen gleich den absolut effektivsten Weg über Persönlichkontakte ausserhalb des konventionellen Bewerbungsprocederes.

Der AG (besser gesagt: eine von irgendwelchen blauäugigen und von der Realität entfleuchten Firmenkulturdefinierern wahnsinnig gutklingend ausformulierte offizielle Anforderungsliste) wünscht sich dies, wünscht sich das vom Bewerber. Spätestens als AN erkennt man die allgemeine Unwichtigkeit/Substanzlosigkeit der vorgeblich erfüllten Kriterien. So wird zb aus einem fetzigen "Vorsprungs"versprechen ein schlichtes graues Schnarch.

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cs01 05.07.2016, 10:36
8.

@byll01
Gör ist doch geschlechtsneutral für unerzogenes Kind. Icch bezeichne auch die beiden Söhne eines Freundes auch mal als Rotzgören. Natürlich im Spaß, die wissen wie es gemeint ist.

Als speziell weiblicher Begriff ist mir das noch nicht untergekommen.

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gutes_essen 05.07.2016, 10:45
9.

Zitat von Yoroshii
Oder hat schon mal jemand einen unerwachsenen Mann als vorlaut beschrieben?
Äh, ja? So ziemlich jeder pubertiernde Jugendliche ?!

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