Forum: Kultur
Abgehört - neue Musik: Milchsuppe, Mod-Großvater, milde Bestie

Paul Weller findet den inneren Druiden auf seinem neuen Album "True Meanings", Soundterrorist Yves Tumor entdeckt den Stadionrock, Low den experimentellen Noise. Außerdem: Weißbrot-Funk von Jungle.

ambulans 11.09.2018, 15:26
1. schnarch -

dieses aktuelle werk vom godfather of mod, ex-jam-paule, zu auch nur irgendwas hochzujubeln, nervt definitiv. als ich wieder aufgewacht bin und mich erinnert habe, dass sich die hier (?) allseits bekannte gazette namens "mojo" bereits darum publizistisch gekümmert hatte (noch mal kurz vorm brexit richtig zuschlagen), fiels mir buchstäblich wie schuppen von den ... dr. ambulans (alle kassen), definitively not amused ...

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popeypope 11.09.2018, 16:41
2. #5music

The GTL, eine anonym bleibende Künstlerin, die unter ähnlichen Pseudonymen seit 2011 einige digitale Alben herausbrachte, produzierte 2017 bzw. 2018 erstmals eines auf Vinyl. Früher waren es vage, minimalistisch gehaltene Rhythmus-Strukturen und -Experimente, überlaufend zu ambient-endlosen, etwas neben der Spurlaufenden House-Tracks, bis hin zu einer Art repetitivem Funk-Techno, im Grunde alles nur zusammengehalten von Katzen-Fotos. Wie verlautbart, handelt es sich allesamt um Katzen aus dem Haushalt der Künstlerin.

Letztendlich setzt "Future In The Sky" am Vorgänger-Album "Night Madness" nahtlos an. Nichts von den neun Tracks klingt sonderlich exaltiert, fremd- oder neuartig. Die eigentliche Grundlage bilden flächig-idiosynkratische Synthesizer-Sounds oder Sample-Zusammenstellungen, montiert zu Akkordfolgen fernab von komplizierten Melodien, die dann irgendwann von pumpenden Moog- oder E-Bässen und diversen Bass-Drums, immer wieder neu angeschoben werden. Dazu gesellen sich eine Reihe klassischer Disco- und Funk-Elemente wie Cowbells, Handclaps sowie seltene Vocal-Samples, die im Groove-Raum herumschweben. Allen Tracks gemein ist die Repetition, die wohl selbst für Club-Verhältnisse mitunter zu wenig Abwechslung bietet, und die absichtlich altmodisch gehaltene Produktion. Jedes einzelne Stück ist ein "Simple Piece Of Art", ein irgendwie mehr oder weniger weicher, an manchen Stellen unbearbeiteter Klotz an Rhythmus und Sound, dem man wohl nur aus der eigenen Erfahrung heraus eine Verwandtschaft zu House und Funk ansehen kann. Dabei ist das Ganze hintersinniger, als man auf den ersten Blick glauben mag. Selbst das Motto "Future In The Sky" scheint bezogen auf eine glänzende Zukunft im Himmel verführerisch zu sein, wie die fünf Katzen auf dem Frontcover
andeuten, deren Blick nach oben voller Erwartungen zu sein scheint. Aber am Ende lautet der Titel des letzten Tracks "Humble Earthiness" (das beste Stück auf der Platte), und auf der Rückseite werden die Katzen entspannt herumliegend gezeigt: Die Erwartung ist dann doch einer entspannten Ernüchterung gewichen - falls die Zukunft eben nicht im Himmel liegt, dann doch eher in einer bescheidenen Erdverbundenheit.

Insofern liegt das Beste an dem Album an der feinen Ironie, der innewohnenden Ambivalenz, der Möglichkeit, es abtun zu können als irrelevant, als etwas minimal-bizarr-groovige Clubmusik, oder eben als Werk jener Ambivalenz ausdruckverleihenden Künstlerin, die sich selbiger bewußt ist. Es gibt dazu von ihr an keiner Stelle konkrete Aussagen, und so wird es wohl auch bleiben. Das einzig Persönliche sind die Danksagungen an die Cover-Modelle.
6.5. Vertrieb via Bandcamp.

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