Forum: Kultur
Abgehört - neue Musik: Taka-taka-taka, blingblingbling!

Neues Jahr, neue Pop-Heldinnen: Haiyti aus Hamburg macht aus Trap-Rap Gold, Charli XCX kuratiert den Charts-Sound der Zukunft. Außerdem: Neue Indierocker aus England und ein EBM-Nostalgiker.

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steppenrocker 09.01.2018, 19:41
1. Neues Jahr ...

… altes Leid. Letztes Jahr versuchte uns SPON Balbina als relevant anzudrehen, im neuen Jahr geht’s mit Haiyti weiter. Die ist noch talentloser als Balbina ist (man glaubt’s kaum), sie hat keinen Flow, sie kann nicht singen (was sie erfolglos mit Vocodereinsatz zu kaschieren versucht) und sie reimt auf dem Niveau von Achtklässlern. Auch an Charli XCX wird sich in zehn Jahren keiner mehr erinnern. Aber wie relevant diese Kolumne inzwischen ist, lässt sich an Folgendem sehen: Die (zugebenermaßen großartigen) Maurice und die Familie Summen wurden mit 9.0 Punkten besprochen, das kurz darauf anberaumte Konzert in Frankfurt wurde wegen Zuschauermangel abgesagt, am darauffolgenden Tag in Stuttgart (in Schorndorf, um genau zu sein) waren nicht mal zehn Besucher da. Liest Abgehört! inzwischen noch jemand?

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popeypope 09.01.2018, 19:42
2.

"Ich bin ganz anders und speziell/ Ich bin ein Serienmodell" und "Go fuck your prototype/ I'm an upgrade on your stereotype". Aha, beides von 16jährigen Autotune-Krawallschachteln. Das reicht also heutzutage aus, um eine "durchaus kluge Dialektik" bescheinigt zu bekommen. Na, wenn das so ist.
Die (für mich) auf dem Papier interessanteste Platte von Profligate ist dann auch eher minder interessant: Vielleicht kann man da so ein bisschen Suicide heraushören, aber Cabaret Voltaire und Throbbing Gristle? Nee, eher Coil oder Attrition für Arme. Ist auch irgendwie leicht schwülstig wie Jay Jay Johanson. Nichts wirklich Bemerkenswertes also. Falls man sowas will: Die ungleich spröderen Beta Brains haben ein Album auf bandcamp, das wirklich echt kaputt ist. Aber: Kein großes Label, Folge: wird ignoriert.

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iggyp. 09.01.2018, 19:57
3. Zugegeben, ...

Zitat von Onkel Drops
Laibach - Geburt einer Nation als Klingelton nutzen, herrlich wenn es klingelt und den umher stehenden die Kinnlade entgleist
... Laibach als Klingelton hat schon was. Aber man muss nicht dreißig Jahre zurückgehen um Spaß zu haben:
https://www.youtube.com/watch?v=w1maewD9zu8

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Motorpsycho 09.01.2018, 21:59
4.

The electric guitar is dead, dead, dead... Oder doch nicht? Interessante Besetzung: 4 Gitarren und ein Bass machen natürlich schon optisch was her.

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aysnvaust 09.01.2018, 22:33
5. schon beeindruckend...

...wie hier immer mal wieder K-K-Künstler (das Wort will mir einfach nicht aus der Tastatur kommen) angeboten werden, die mich mit Macht daran erinnern, dass es so etwas wie Fremdschämen tatsächlich gibt. Wie der forist "steppenrocker" schon richtig feststellte, erinnert der Hype (?) um Hayiti stark an einen ebensolchen um die seinerzeit hier hochgejazzte Balbina (danke an steppenrocker, hatte den Namen schon gelöscht, fühlte mich aber auch sofort an diese erinnert). Unterirdische Texte, null Charisma, Vocoder bis der Arzt kommt, schlampig produziert - und das soll man nun gut finden? Da macht meine achtjährige Nichte bessere Songs - und das meine ich ernst.

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Japhyryder 09.01.2018, 22:48
6. Sorry, ich kann mit dieser Musik nichts anfangen

Dazu bin ich zu analog. Bei der Musik weiß ich nicht ob die Stimmen echt sind, ob überhaupt Musiker im Studio waren.

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Kurt Vile 10.01.2018, 13:05
7. Bravo?

Haiyti? Charlie XCX? Herr Borcholte, ich glaube Leute die solche Musik gut finden, werden sich kaum auf Spiegel Online verirren. Ich dachte immer hier gibt es Musik für Erwachsene und nicht für Berufsjugendliche. Früher konnte man hier mal gute Musik entdecken, ich sage nur Jan Wigger...

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aborcholte 10.01.2018, 13:27
8.

Zitat von steppenrocker
… altes Leid. Letztes Jahr versuchte uns SPON Balbina als relevant anzudrehen, im neuen Jahr geht’s mit Haiyti weiter. Die ist noch talentloser als Balbina ist (man glaubt’s kaum), sie hat keinen Flow, sie kann nicht singen (was sie erfolglos mit Vocodereinsatz zu kaschieren versucht) und sie reimt auf dem Niveau von Achtklässlern. Auch an Charli XCX wird sich in zehn Jahren keiner mehr erinnern. Aber wie relevant diese Kolumne inzwischen ist, lässt sich an Folgendem sehen: Die (zugebenermaßen großartigen) Maurice und die Familie Summen wurden mit 9.0 Punkten besprochen, das kurz darauf anberaumte Konzert in Frankfurt wurde wegen Zuschauermangel abgesagt, am darauffolgenden Tag in Stuttgart (in Schorndorf, um genau zu sein) waren nicht mal zehn Besucher da. Liest Abgehört! inzwischen noch jemand?
Lieber "Steppenrocker", zunächst danke fürs Lesen der Kolumne. Wie relevant Abgehört ist, kann ich natürlich nicht wissen, die Leserzahlen sind jedoch glücklicherweise stabil bis steigend. Was mich sehr freut. Gefreut hätte ich mich auch, wenn mein Text zu Maurice und die Familie Summen für vollere Konzerte abseits von Berlin gesorgt hätte (wo es ganz ordentlich gefüllt war). Aber so viel Macht mag ich uns dann doch nicht zuschreiben. Oder, anders gesagt: Der Umkehrschluss, dass interessante neue Musik auch gleich exorbitant erfolgreich sein muss, ist leider nicht immer möglich. Wenn es sich so ergibt, ist es toll. Die Charts sprechen aber leider eine andere Sprache. Was uns nicht davon abhalten wird, hier weiterhin neue Pop-Phänomene vorzustellen, die vielleicht auch mal Hörgewohnheiten aufbrechen oder aus Genres stammen, die Ihnen nicht liegen.
Dass Sie mit Haiyti und Balbina (schwer zu vergleichen, btw) nichts anfangen können, ist daher in Ordnung, aber natürlich schade. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, talentlos sind nun beide aber wirklich nicht. Herzliche Grüße!

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aborcholte 10.01.2018, 13:35
9.

Zitat von Kurt Vile
Haiyti? Charlie XCX? Herr Borcholte, ich glaube Leute die solche Musik gut finden, werden sich kaum auf Spiegel Online verirren. Ich dachte immer hier gibt es Musik für Erwachsene und nicht für Berufsjugendliche. Früher konnte man hier mal gute Musik entdecken, ich sage nur Jan Wigger...
Hallo "Kurt Vile"! Der Forums-Moniker verrät ja bereits den Musikgeschmack. Ich mag Kurt Vile und Konsorten auch, aber hier geht (und ging) es immer darum, neue und interessante, vielleicht auch mal unbequeme oder abseitige Pop-Phänomene vorzustellen. Übrigens auch, als mein lieber Freund Jan Wigger noch mitgemacht hat. Unter "Musik für Erwachsene" kann ich mir nicht so recht etwas vorstellen. Wenn darunter zu verstehen ist, dass man irgendwann aufhört, sich für Neues zu interessieren, dann fände ich das zu konservativ für eine Pop-Kolumne und Pop-Kritik generell, also geradezu widersprüchlich. Gute Musik gibt es hier m.E. noch immer zu entdecken, aber von gut oder schlecht hat ja jeder so seine eigene Vorstellung. Und das ist auch in Ordnung. Wir machen ja nur Angebote und öffnen - im besten Fall - ein paar Perspektiven abseits des Mainstream-Pops. Danke fürs Lesen!

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