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Achtundsechzigerfressers: Sie sind wieder da
picture alliance/ Manfred Rehm

Sie waren post-faktisch lange vor post-truth. Und gerade verspüren sie wieder ein Hoch: Man findet sie in den verschiedensten Branchen und in den unterschiedlichsten Ausprägungen.

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jan07 13.05.2018, 10:26
1. Achtundsechzigverklärer

Ich bin Abi-Jahrgang 68, habe die damalige Zeit also hautnah erlebt, bin also auch weit entfernt, als Achtundsechzigfresser zu gelten. In meiner Generation erlebe ich heute viel Selbstzufriedenheit, viele selbsternannte '68er', die glauben, damals die Gesellschaft verändert zu haben. Dabei war die größte damalige Veränderung die Westintegration der BRD. Sie hat diese Gesellschaft entscheidend verändert. Die '68er' waren nur die Folge dieser Veränderung, nicht ihre Ursache. 'Ihr hat nicht verändert, Ihr wurdet verändert, der wahre Revolutionär war Adenauer', sage ich immer, wenn ich Freunde aus dieser Generation ein wenig necken will. Abgesehen davon waren die Protagonisten der 68er-Unruhen alles andere als Anhänger einer Demokratie, wie wir sie heute verstehen. Mit dem demokratischen Rechtsstaat hatten sie nichts am Hut, was man auch an ihrer weiteren Entwicklung sehen kann. Die führte nämlich zunächst in unterschiedliche sektenhafte K-Gruppen, wenn nicht sogar in die RAF. Auch die Grünen brauchten einige Jahre, um mit dem heutigen Staat ihren Frieden zu schließen. Die Anfangsjahre der Partei waren nicht so nett, demokratisch und fortschrittlich, wie das heute gerne dargestellt wird. Darum: nicht die Achtundsechzigfresser sind das Problem, sondern viel mehr die Achtundsechzigverklärer.

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Timothy Martin 13.05.2018, 10:34
2. Das scheint mir...

...wie ein Soziogramm von Jan Fleischauer.
Ich kenne da auch einige Kandidaten. Als mitglied der JU immer in der defensive. Die Argumente abgegriffen, die Informationsbasis dürftig. Rhetorisch schwach, mit dem hang zur selektiven Wahrnehmung - aber Helmut (kohl) ist der größte. ..
Man könnte dabei natürlich auch an die frühe Merkel denken...und siehe, es gab sie auf beiden seiten der Grenze. Die '68er' sind ihnen nur Symbol, es geht ihnen um den Kampf gegen den Weltenwandel - immer, überall.
Vielleicht sind Geburtstraumat die ursache, der Wunsch nie die Gebärmutter verlassen zu haben. Das mag erklären warum es diesen menschentyp überall gibt und in allen zeiten.

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Das dazu 13.05.2018, 10:44
3. Seltsame Diagnose

Von jemanden, der genausowenig dabei war, wie die zitierten "Achtundsechsigerfresser".
Also kommt diese Deutung genauso aus halbgelesenen Büchern und halbgelebten Leben.
Es klingt aber nachder ultimativen Wahrheit, wie so vieles, was heutzutage veröffentlicht wird.
Wie soll man sowas Ernst nehmen?

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dirk.resuehr 13.05.2018, 10:44
4. Interpretationen

Sehr amüsant, auch der Kommentator hat die 68iger wohl gar nicht persönlich erlebt.Schon gar nicht die Spiegel-Affäre. Die 68iger haben sich also durch polizeistaatliche Repressionen erledigt. Kühnherbeigedichtet, das war viel simpler, man nennt diese Erscheinungsform auch Examen. Danach kamen Beruf, Familie, Realität. Was war denn bitte an Revolte gegen die Autoritäten so falsch? Gegen Biid und Springer und Strauß?Gut, auch die RAF kam aus der Veränderungsecke, da kam der Polizeistaat, vorher war er eher durch Überwachung von Sprayern gekennzeichnet, die "Scheiß-Uni " ans Audi-Max sprayten oder an viele Verkehrsschilder "Killroy was here". Die, die nicht dabei waren wollen die Interpretationshoheit haben? Bitte, jeder macht sich irgendwann lächerlich.

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citizen01 13.05.2018, 11:00
5. Soll das ein Plädoyer für die Jugend sein? Voll daneben.

Die frühe kritikfreie Begeisterung, fast Euphorie über die 68er Bewegung ist inzwischen verständlicherweise einer rationalen Betrachtung gewichen. Letzteres ist allerdings nicht Herrn Diez' Stärke. Inzwischen kann man es als eine der großen Leistungen der Gesellschaft sehen, in den vergangenen 35 Jahren die 68er durch Besonnenheit in vernünftige Strukturen hineinzuführen. Onkel Ho, Mao und andere Idole der 68er spielen zu recht keine Rolle mehr. Und man wagt sich nicht auszudenken, was andernfalls unter Onkel Ho passiert wäre, vorrangig der Revoluzzer-Generation, die es als erste erwischt hätte.

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dulcineadeltoboso 13.05.2018, 11:22
6.

Sie schreiben von Inversion, aber wie ist Ihr eigener Artikel: inversiv. Oder gar noch schlimmer, er ist mimetisch bis zur Paranoia. Die eigene Ideologie an der Wirklichkeit krachend gescheitert. Das kann natürlich nur an all den ungebildeten, halbbelesenen Feinden liegen. Feinde, Feinde, überall Feinde. Und wenn diese gar nicht existieren (de facto gibt es gar keine 68er Fresser, das Thema interessiert einfach nur keinen mehr), dann baut man sich einfach welche.

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B.Krittler 13.05.2018, 11:25
7. G. Dietz: Einer der letzten Aufklärer im Spiegel

Ja, es ist ein Psychogramm J. Fleischhauers. Das Traurige dabei ist, dass dessen Ein-oder eher "Ablassungen"
ebenfalls im Spiegel stehen. Ein (leider!) schönes Beispiel für diese neue Beliebigkeit ist die Vorstellung der neuen Spiegelausgabe vom stellv. Chefredakteur D: Kurbjuweit. "Alle finden etwas, was ihnen gefällt! Alle werden bedient!"

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charlybird 13.05.2018, 12:12
8. Eine sehr richtige Kolumne

und so was von auf'm Punkt, Chapeau Herr Diez.
Vor allem die vielfach gleichmütig hingenommene heutige Reaktion auf den Rechtsschub aus der Mitte und die politisch so vollkommen blödsinnige Gleichstellung von Rechts und Links gehören da wirklich zum Markenzeichen.
Und ich habe festgestellt, dass es in der Regel exakt die ''68er-Fresser'' sind, die auch den soziokulturellen ''Impact'' der 60er Jahre als marginal, überflüssig und in keiner Weise die damalig festgefahrene Demokratie beeinflussend, abtun.

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t2c 13.05.2018, 12:27
9. Das tat weh

Danke Georg Diez, besser kann man es nicht beschreiben. Die Reaktionen (besonders die offensichtlich erbosten) bestätigen die Ausführungen m.E., denn es scheint sich doch jemand auf schmerzhafte Weise angesprochen zu fühlen.

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