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Anne Frank-Film: Womit Schulklassen in Zukunft gelangweilt werden
Universal Pictures

Die immer gleiche deutsche Zeitgeschichtsverwurstung geht weiter: In Hans Steinbichlers Filmadaption von "Das Tagebuch der Anne Frank" wird hinlänglich Bekanntes uninspiriert bebildert.

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kunibertus 03.03.2016, 16:43
1. Das ist so nicht ganz richtig

Die erste deutsche Verfilmung von "Das Tagebuch der Anne Frank"
In der DDR gab es 1958 eine TV-Adaption des Theaterstücks „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Emil Stöhr. Ein Jahr später wurde, ebenfalls in der DDR, der Dokumentarfilm „Ein Tagebuch für Anne Frank“ veröffentlicht, der zeigen sollte, was aus den Personen, die am Tode Annes schuldig waren, geworden ist.

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christiewarwel 03.03.2016, 16:53
2. Verwurschtelung

Es schleicht sich in der Tat der Eindruck der Verwurschtelung ein, vor allem, wenn es um den Unterschied zwischen Schauspieler und Rolle geht.

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Newspeak 03.03.2016, 17:35
3. ...

Das, was dem Autor der Kritik da Bauchschmerzen bereitet, ist meiner Meinung nach vermutlich schlicht der Unterschied zwischen Kunst und Kommerz. Epische Historienstoffe, zumal aus dem Dritten Reich, sind immer gut für den deutschen Markt. Und dann kommt eben genau der Kommerzkitsch heraus, der auch bestellt wurde. Wobei früher ja das Format Fernsehfilm gereicht hat, und oft sogar sehr gut ausgefüllt wurde, ich denke z.B. an ein Fernsehspiel zur deutschen Kernforschung in den 30ern, mit Udo Samel und, ich glaube, Ulrich Tukur und jeder Menge anderer guter Schauspieler. Das sind so Produktionen, die im Rückblick manchmal dröge wirken, aber dadurch auch sehr viel realistischer sind, als die deutschen Versuche an großes Hollywoodkino angelegte Historienfilme zu drehen, was meistens im falschen Pathos und sinnlosem Aktionismus endet. Ausnahme: Das Boot, Ausnahme: Der Untergang. Wobei die Doku "Im toten Winkel" den letzten Film eigentlich noch schlägt, indem sie die Geschehnisse zwar nicht so eindrucksvoll bebildert, aber dafür sehr viel tiefgründiger erforscht.

Was "Anne Frank" betrifft. Vielleicht ist Film das falsche Medium dafür? Vielleicht sollte man sich damit begnügen, das Tagebuch zu lesen? Ganz altmodisch und unspektakulär.

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matthias.dell 03.03.2016, 18:42
4. Re ...

Ich seh dann bloß nicht, wo die angesichts des permanenten Geschichtebebilderns die interessanten Kunstkinoarbeiten entstünden. Und "Der Untergang" wäre, in gewisser Weise logisch, natürlich der kommerziellste aller kommerziellen deutschen Geschichtsfilme

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Phenix 03.03.2016, 20:38
5. Abgenuddelt

Ich bin es langsam leid.

Ich mag Anne Frank nicht mehr sehen.

Ich stehe voll zur Verantwortung des deutschen Volks am Holocaust und am 2. Weltkrieg mit seinen vielen Millionen Toten. Das ist eine Schuld, die wir auf uns gerade haben und die wir nie abtragen koennen.

Ich bin auch immer wieder an Dokumentationen aus der betroffenen Zeit interessiert, weil man immer wieder neue Details erfährt, die so noch nicht bekannt waren.

Aber ich mag Dinge über Anne Frank nicht mehr sehen und hören. Gefühlt alle halbe Jahr wird das Thema vermarktet. So sehr das Einzelschicksal auch nahe geht, erscheint die Überhöhung dieser einzelnen Person absurd. Millionen anderer haben dasselbe Schicksal erlitten und so sehr man das Tagebuch auch ausschlachten mag, man wird aus ihm nichts Neues mehr erfahren. Die Sache ist abgenuddelt.

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TomTheViking 04.03.2016, 23:06
6. der Kinokritiker von Spree Radio

hat diesen Film als einfühlsames Kunstwerk in den cineastischen Himmel gelobt.

Wer ihn nicht gesehen hat der sollte hier nicht urteilen.

Und wenn der Filmemacher Leni Riefenstahl als Thema nimmt, ja warum nicht - man jeh was sich nichtsnutzige Fuzzies auf Spon so aufplustern dürfen.

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mausebeenchen40 04.03.2016, 06:41
7. Haben Sie den Film überhaupt gesehen?

Mal ehrlich, da schafft es ein Regisseur endlich einmal Anne als normale, moderne Pubertierende darzustellen und dann wird von Sexualisierung gesprochen. Welches Mädchen in dem Alter setzt sich denn nicht damit auseinander? Dieser Film ist der erste, von all den vielen Tagebuch -Verfilmungen, in dem Anne keinen Heiligenschein verpasst bekommt, in dem die Mutter genauso dargestellt wird, wie Anne sie beschreibt und in dem Margot so äußerlich hässlich ist, wie ein Mädchen mit schwerster Akne nunmal ist.
Da der gesamte Film fast ausschließlich mit Buchzitaten arbeitet, ist er erfrischend nah an Anne. Kommentare der Jugendlichen in meinem Umfeld nach vollständiger Ansicht des Films waren derart, dass sie zum ersten Mal das Gefühl hatten, Anne hätte eine ganz normale Klassenkameradin/Freundin sein können. Und darum sollte es doch auch gehen...

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pauschaltourist 04.03.2016, 07:31
8.

"Unfähigkeit" - in der Tat umschreibt dies den Zustand und die Ergebnisse der deutschen Filmlandschaft. Ein Milieu, das ohne millionenteure Subventionsprogramme der fragwürdigen Filmförderung gar nicht überlebensfähig wäre. Zurechtgemacht in diesem Steuergelderparadies haben sich alle Profiteure - die unkreative Autoren, innovationslose Techniker, hölzerne "Schauspieler".
Selbst 2000-$-Billigproduktionen aus den USA wirken professioneller als gähnend langweilig inszenierte millionenteure Profilierungsprojekte der deutschen Filmschaffenden. Das Geld fließt ja trotzdem und muss ausgegeben werden. Sonst müssten sich ja selbst die bürokratischen Verwalter der dutzenden "Filmförderfonds" richtige Jobs suchen...

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jhea 04.03.2016, 07:32
9.

Zitat von Phenix
Ich bin es langsam leid. Ich mag Anne Frank nicht mehr sehen. Ich stehe voll zur Verantwortung des deutschen Volks am Holocaust und am 2. Weltkrieg mit seinen vielen Millionen Toten. Das ist eine Schuld, die wir auf uns gerade haben und die wir nie abtragen koennen. .......
Ich bin das ganze Thema langsam leid.

Ich habe niemanden umgebracht, und werde es auch nicht tun (jedenfalls nicht dass ich es planen würde).
Daher habe ich keine Schuld am Holocaust.
Man soll denen gedenken, aber aufhören 'den deutschen' heute Schuld zu geben.

Der letzte der daran schuld hat, ist bestenfalls der Mensch der da grad in Paderborn, bzw Lüneburg vor Gericht steht.

Wenn die verurteilt sind (oder Frei gesprochen, je nachdem) ist das Thema erledigt.
Stellt irgendwo ein paar Denkmale auf, und unterrichtet es in der Schule im Rahmen des Geschichtsunterrichts.

Aber was ich damals auch in der Schule nicht brauchte war, dass mich der Lehrer in der siebten, achten, neunten, zehnten, elften und xten Klasse damit nervte.

Es gibt mehr (deutsche) Geschichte als von 1933 bis 45.

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