Forum: Kultur
"Anne Will" zum Thema Sozialstaat: "Wer bezahlt das?"
NDR/ Wolfgang Borrs

Anne Will diskutiert mit ihren Gästen über die Zukunft des Sozialstaats. Jens Spahn zeigt sich am ehesten einverstanden mit dem Status Quo - und lässt Sahra Wagenknecht in die Falle tappen.

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mfey 26.11.2018, 02:19
1. Unfaires nicht repräsentatives Beispiel, neoliberale Propaganda

Leider ist Frau Wagenknecht in die Falle von Herrn Spahn getappt.
Schon heute gibt es trotz fehlenden Berufsschutzes eine Art sozialen Bestandsschutz für gut Verdienende, der zumindest 40% des letzten Nettoverdienste nach 7 Monaten nicht unterschreiten darf.
Bin mir da nicht ganz sicher.
M.W. kann ein gut verdienender Ingenieur daher entgegen den Beispiel von Herrn Spahn nicht mit Tätigkeiten eines angelernten Bäckereigehilfen abgespeist werden.

Abgesehen davon ist es eine Unverschämtheit und beleidigend für die Masse der Hartz 4 Empfänger, solche Einzelfälle aufzubauschen, wo angeblich ein junger Arbeitsloser nicht bereit war, eine mit 12 Euro schlecht bezahlte Stelle anzunehmen.
In vielen anderen EU Ländern ist das der Mindestlohn, der noch nicht einmal für einen Rentenanspruch oberhalb des Sozialhilfeniveaus ausreichen würde.
Nur 3% sind von Sanktionen betroffen, ? erfreulich!
Nur 10% davon betreffen Fälle wo man angeblich Arbeitsverweigerung vermuten kann?
Warum wird dann genau so ein Beispiel gezeigt?
Welche Botschaft will Frau Will damit transportieren?
Warum wird nicht ein einziger der Hunderttausenden gezeigt, der vergeblich Dutzende von Bewerbungen geschrieben hat, dann frustriert und depressiv wird, keine Kraft mehr für frustrane Bewerbungen hat und sanktioniert wird?

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Kastner64 26.11.2018, 03:57
2. Da scheint generelle Ahnungslosigkeit zu herrschen

Spahn haut in die "Jede Arbeit ist richtig"-Kerbe und scheint damit "Sieger" zu bleiben. Aber wer einmal erlebt hat, wie schrecklich Unterforderung ist, der wird das sicher differenzierter sehen. Ja, für einen Ingenieur kann die Arbeit als Bäcker absolut unzumutbar sein. Das in Frage zu stellen, bedeutet nur, dass Spahn auch seit seiner desaströsen Hartz IV-Bemerkung die Problematik der Arbeitslosigkeit nicht wirklich verstanden hat. (Es klingt allerdings auch nicht so, als ob die Diskussionspartner da besser seien.)

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dasfred 26.11.2018, 04:04
3. Ein Thema zum Entspannen

Alles tausend mal wiederholt. Die üblichen Verdächtigen in der Runde, deren Texte der aufmerksame Zuschauer schon mitsprechen kann. Natürlich hat fast jeder eine Meinung dazu und achtet in erster Linie aus "seinen" Vertreter. Allerdings eignet sich Hartz iv mittlerweile nicht mehr als Talkshow Thema. Dazu sind die Standpunkte zu festgefahren, ohne dass das System mal Punkt für Punkt in seine Bestandteile zerlegt wird, die positiven Aspekte den Auswüchsen und dem Missbrauch, auch durch die Sozialindustrie, gegenüber gestellt werden. Reformbedarf besteht, aber dazu muss dann alles auf den Tisch, nicht nur Interessengeleitet.

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larsmach 26.11.2018, 04:08
4. Wir WOLLEN Arbeitsplätze abbauen - das ist doch Programm!

Seit der Erfindung von Steinwerkzeugen zur bequemeren Jagd und für die (Frei-)Zeit zum Bemalen von Höhlenwänden arbeitet der Mensch hart daran, das Bruttoinlandsprodukt seines Stamms, seines Königreichs, seines Staats möglichst ohne den Zwang menschlicher Arbeit zu generieren. Dabei ist der Mensch nicht faul: Auch ein noch so langer Arbeitstag hindert ihn nicht, noch als Kassierer im Dackelzuchtverein tätig zu sein. Derweil wird das Bruttoinlandsprodukt - wunschgemäß und mit voller Absicht - zunehmend ohne den Faktor menschliche Arbeit erzeugt. Qualifizierte Berufe fallen weg oder werden zu Assistenzstellen für intelligente Maschinen. Diese sind produktiv, werden aber - ebenso wie unproduktiver Handel mit Optionsscheinen zu reinen Spekulationszwecken - kaum oder gar nicht besteuert. Dank Mustererkennung (anstelle sturer Algorithmen) in einer exponentiell verlaufenden technologischen Entwicklung und Digitalsierung stehen bald auch Berufe in Medizin und Verwaltung zur Debatte (der Verband der Internetmediziner - gestandene Medizin-Professoren darunter - weist darauf hin). Fortschritte bei Sprachschnittstellen werden heute belächelt wie einst die ersten Autos durch Pferdekutscher. Kräne, denen laienhafte Anweisungen genügen, brauchen keine Krankführer; Anamnese-Datenbanken, die geduldig unpräzise Sprache verarbeiten, ersetzen den Hausarzt. Und es gibt im Gegenzug keine "neuen" Jobs anstelle dieser ja gezielt wegrationalisierten Arbeit: Das ist nicht die Agenda! Natürlich entstehen immer wieder (wenige) neue Berufsfelder, die jedoch mit immer weniger Menschen auskommen; einer immer kleineren Zahl Personen mit immer höherer Qualifikation... denn das ist die Agenda! Diese Entwicklung geschieht nicht heimlich: Ein wachsendes Prekariat und ein Mittelstand, der selbstbetrügerisch Vermögen durch Leasingschulden ersetzt... sie beide sind der Beleg für die unaufhaltsame und sich beschleunigende Entwicklung - denn das Bruttoinlandsprodukt gehört uns: Den Erben und Unternehmern! - Ändern wird sich an dieser Entwicklung ...NICHTS! Denn ihre Opfer sind Meister im nach oben Buckeln und nach unten Treten; Neid und Missgunst sind stärkere Reflexe als Einsicht und nüchterne Analysen - und Sündenböcke finden sich zudem. Die Opfer fordern für sich, für ihre Kinder das unausweichliche Schicksal in eine zweigeteilte Welt zu geraten. Wir Unternehmer (Selfmade-Milliardäre unter uns!) denken über Mehrwertsteuern auf Spekulationsumsätze und schrittweise Einführung von Grundeinkommen nach, und ein gewisser Warren Buffet warnt vor dem Sieg seiner reichen Klasse gegen die Armen (sprich: Alle nicht-Millionäre und Milliardäre).

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maxbee 26.11.2018, 04:44
5.

Da muss ich einmal Sarah Wagenknecht vehement widersprechen. Wenn ein Akademiker in seinem Beruf keine Anstellung findet - aus welchen Gründen auch immer -, dann hat er sich auch mit einem handwerklichen Beruf abzufinden. Schliesslich dient die Sozialhilfe nicht dazu einen sozialen Status abzusichern.

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kleinsteminderheit 26.11.2018, 06:06
6. Weltfremde Idealisten

Aktuell werden 3% der Bezieher von H4 sanktioniert. Die meisten davon, weil sie ihre Vermittler bei Terminen versetzen, Bildungsmaßnahmen schwänzen oder sich über längere Zeit nicht am Meldeort aufhalten.

Staatsknete ist ein besonderer Saft. Und diejenigen, die H4 bezahlen, müssen täglich eine Vielzahl von Verpflichtungen erfüllen um in der Lage zu sein, Steuern und Sozialabgaben zu bezahlen. Ich denke schon, dass man von jenen, die Grundsicherung beziehen, eine regelkonforme Kooperation erwarten darf.

Dabei sollte es für junge Menschen keinen Welpenschutz geben. Gerade bei Teilnehmern unter 25 ist mit Bildungsangeboten und individueller Förderung noch vieles machbar. Schwänzen, darf da nicht noch mit Geld belohnt werden.

Für mich spricht nichts gegen erhöhte Fördersätze. Aber bitte für jene, die beispielsweise Bildungsmaßnahmen ohne unentschuldigte Fehlzeiten beenden und die sich aktiv um Ausbildung und Arbeit bemühen.

H4 muss reformiert werden , denn es gibt unerträgliche Auswüchse. Dazu zählt die unsägliche Leiharbeit und der soziale Abstieg von Menschen, die im Alter nach jahrzehntelanger Arbeit in den Sozialbezug rutschen.

Was derzeit von SPD und Linke angestrebt wird, ist ein weltfremder Idealismus, der uns das Geld kostet, das wir für die Schaffung von menschenwürdigen Verhältnissen in Rente und Pflege sowie für ein besseres Bildungssystem dringend brauchen.

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imlattig 26.11.2018, 06:21
7. da hatte..

jens recht: er ist tatsaechlich ein langweiliger typ. das kann man von frau wagenknecht nicht sagen. warum sollte denn ein ingenieur als baecker arbeiten?
er hat den beruf in aller regel nicht gelernt und wuerde nur einen mindestlohnjob
in der baeckerei bekommen. da wuerde auch der liebe jens dankend abwinken. man studiert doch nicht um dann als hilfsarbeiter zu arbeiten . ausserdem ist diese art von argumentation voellig an den haare herbeigezogen. in der praxis wird wohl kaum ein akademiker mit solchen jobangeboten betroffen sein. siehe
fachkraeftemangel.

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mgrevenstein 26.11.2018, 06:43
8. Dann

werden Sie ja sicher Herr Spahn, im Falle einer Niederlage bei der Wahl des Parteivorsitzenden, ihren A8 mit Wahlplakaten beladen und diese gemäß den Richtlinien in der BRD gut sichtbar an Verkehrsschilder binden.
Ein gelernter Ingenieur, Arzt, Anwalt oder was auch immer wird sich mit angehender Sicherheit unendlich wohl in einer Backstube fühlen und bemerken das er eigentlich nie etwas anderes machen wollte. Vor allem bei einer übertariflichen Entlohnung die er als eben Studierter hätte nie erwarten können. Was für ein Blödsinn. Merken Sie eigentlich noch Irgend etwas? Sie und ihre Parteimitglieder haben es in den letzten Jahren versäumt der Wirtschaft die Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen um genau diese so wichtigen Arbeitsplätze zu schaffen. Stattdessen muss man sich von Herrn Laschet anhören das das nicht Abholzen von ca 70 ha Wald tausende von Arbeitsplätzen gefährdet obwohl meines Erachtens die Politik zuständig gewesen wäre, den Konzern darauf aufmerksam zu machen, das bis zum Kohle Ausstieg genau diese zu sichern sind. Es wird immer schlimmer. Die innovativen Ideen der CDU Mitglieder werden immer abstruser und damit auch die Bereitschaft der Wähler ihnen weiterhin das Vertrauen auszusprechen. Das geilste ist das diese akademischen Titelträger genau die sind, die ihnen jahrelang die Stange gehalten haben.

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pigonthewing 26.11.2018, 06:44
9. Nicht kurios

>Am ehesten auf seiner Seite befindet sich kurioserweise Simone Menne.<

Das ist nur für die kurios, die entweder das Problem oder die Lösung oder beides nicht verstanden haben.
Es ist allerdings verständlich dass sich gerade die SPD als auch die Linke ideologisch dagegen aussprechen, kratzt das Grundeinkommen doch empfindlich an ihrer Existenzberechtigung.

Das wurde vor allem in dem Punkt deutlich als Wagenknecht gegen Ende meinte mit dem Grundeinkommen wäre der Mindestlohn obsolet und packte den Schrecken deutlich geringerer Löhne aus. Gerade in Kombination mit den Sanktionen spricht sie hier bewusst oder nicht widersprüchlich. Im Gegenteil ist das Grundeinkommen genau das was von der Linken oder der SPD oder der Gewerkschaft zumindest vom Ansinnen her hätte kommen können weil es genau das bedeutet: Ein Abbau der Sanktionen und der Joker in der Hand der Arbeitnehmer: Wer das Grundeinkommen bezieht muss eben nicht mehr jeden Job annehmen was die Bezahlung der "ungeliebten Jobs" deutlich durcheinander wirbeln dürfte.

Ich finde diese Dinge sollten einmal lösungs- und nicht problemorientiert und ideologisiert diskutiert werden, da ist aber mit Personen die schon als Kind ein Greis waren kaum ein Start zu machen.

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