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Aufwachsen ohne Liebe: Zuneigung? Nur vom Schäferhund
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Was passiert, wenn die Liebe fehlt? Augustin Erba erzählt im breit angelegten Familienroman "Die auffällige Merkwürdigkeit des Lebens" von einer Jugend unter Extrembedingungen - und deren Nachwirkungen.

GinaBe 12.08.2018, 06:59
1. Großer Stoff für eine Verfilmung?

Ohne Liebe aufgewachsen sind so viele, aus gutbürgerlichen sowie prekären Schichten, der Vor- Kriegs und Nachkriegszeit, dem Hunger, der Flucht, den eigenen Eltern bzw. Großeletern geschuldet.
Es wurde höchste Zeit, daß ein solches Buch als edler Wälzer veröffentlicht wird und auf den Nachttischen unserer Haushalte landet. Niemand ist alleine mit dieser Leere in sich. Sie wird vererbt wie manch ein materielles Kapital. Wenn das allerdingszur lieblosen Kindheit dazu gekommen ist, besteht für ein Leben wenigstens wirtschaftlich nicht auch noch ein Manko. Doch: wie können sich Menschen von ihrem emotionalen Trauma befreien? Es wäre sehr schön, wüsste der Autor darauf auch eine Antwort.

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stoffi 12.08.2018, 07:38
2. Jetzt habe ich einen Kloss im Hals, denn

So war auch meine Kindheit. Vieles habe ich verdrängt, aber ab und an tuts dann wieder weh und ich bin inzwischen selber Grossmutter. Mein Vater prügelte und wenn ich seine Schritte hörte, machte ich mir schon in die Hose. Meiner Mutter war ich egal. Manchmal, ich weiss nicht warum, kam sie, erzählte mir schlimmes wie: Ich geh von dir weg und dann hast du keine Mutti mehr und du bist so hässlich, dich will dann keiner haben. Als ich grösser war, sagte , ich komme in ein Heim wo ich von früh bis spät arbeiten muss. Wenn ich dann weinte, ging sie zufrieden weg. An die Hand nehmen kannte ich auch nicht und auch kein streicheln. Als ich sah, wie eine andere Mutter ihrer Tochter über die Wange streichelte ( ich war so um die 5 Jahre ) bekam ich ein komisches Gefühl, das ich das auch gern hätte und ich drückte mich ans Bein meiner Mutter, die mich gleich auf Abstand weg schob. Das machte mich eifersüchtig und ich habe dann später das Mädchen verhauen, weil ich ihr die Streicheleinheiten ihrer Mutter nicht gönnte.Mit 12 Jahren war ich im Krankenhaus und vor mir lag ein Mädchen in meinem Alter das Besuch von ihrer Mutter hatte. Auch meine Mutter sass an meinem Bett und machte mich mit Worten mal wieder fertig. Dann ging sie. Die andere Mutter kam an mein Bett, nahm mich in den Arm und sagte:,, du armes Kind, was hast du denn für eine Mutter." Das war das erste mal, das mich jemand in den Arm nahm und das Gefühl war so schön, das ich es nie vergessen habe.Auch ich könnte ein Buch schreiben, aber damit kann ich auch nichts ändern.Mir sind so viele schlimme Dinge passiert, die ich auch gar nicht schreiben möchte.Meinen Kindern später habe ich versucht eine Mutter zu sein, wie ich gern eine gehabt hätte. Ist mir wohl auch gelungen. Wir haben ein gutes Verhältnis und meine Zwillingsenkel sagen, sie haben die beste Oma der Welt. Da kann ich wohl nicht viel falsch gemacht haben.

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cherrypicker 12.08.2018, 08:21
3. Warum?

Warum hat der SPON-Autor Angst davor, dass der Roman autobiografisch sein könnte? Sich in Form eines Romans mit dem eigenen erlittenen Schicksal auseinanderzusetzen, ist ein häufig gebrauchter Kniff. Die Frage ist doch nicht, ob eine Geschichte so passiert ist, wie sie dasteht (das weiß nur der Autor), sondern ob sie gut erzählt ist. Und wer als Rezensent schlimme Geschichten nicht aushält, der sollte vielleicht lieber Arztromane lesen -- oder Liebesgeschichten.

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Knossos 12.08.2018, 14:44
4. Martyrium der Unnatürlichkeit

Gewichtiger als die Frage, wie sich Narben solcher Kindheit glätten lassen, scheint mir jene nach Ursache, um dieser entgegentreten und vorbeugen zu können.

Eine Ursache denaturalisierender Kultur. Also welcher, die Natürlichkeit als ungeschlacht und Profanität als zweitrangig erachtet.

Bezüglich mütterlichen Teils kann der Karst mit Rückständigkeit von Humanmedizin beginnen, wo nach weit über 60 Jahren immer noch nicht erkannt ist, daß sich bei entsprechender Vorbereitung schmerzfrei gebären läßt. Gleichwohl nicht, daß Kinder nicht nach vorbestimmtem Termin mit Gewalt auf die Welt geholt werden sollten. Bedingungen, die den Nachwuchs zur schlechten / leidvollen Erfahrung für Mütter machen. Wenn dann Säuglinge nach der Geburt von Müttern getrennt werden und die natürliche Bindung über Haut und Duft / Oxytozin keinen Anfang nehmen kann, setzt von Ambivalenz und Schuldgefühl geprägte Beziehung ein.

Hinsichtlich Väter beginnt das Drama oft mit traditionellem Umfeld, dessen Patriarchat, (nicht selten durch Tierquälerei dekorierter) maskuliner Kaltblütigkeit und Bedeutungslosigkeit des Zöglings unterm Vater geflohen wird, in dem man frühzeitig eigene Familie gründet, um sich selbst Relevanz des Paschas und Entscheiders zu verleihen.

Verwurzelt ist die vermeintliche Tugend und Unterdrückung der Empathie für gewöhnlich in abrahamitischem Weltbild von unterworfenem Lebensraum und Geschöpf, Urschuld, Selbstgeißelung und 'diabolischer Versuchung' durch Sinnlichkeit. Eine Kinderstube des Rigorosums und der Prüderie als heimischer Kadettenschule, der wiederum herzlos sterile Elternschaft folgt.

Zudem Mission der Perfidie, wonach z.B. niemand hinter einem stünde, außer des Allmächtigen. Zusammen mit Verlagerung von Züchtigkeit und Legitimation auf äußere Instanz heiliger Figuren und Göttlichkeit, eine Anleitung zur Asozialität für hilflose und zugleich tyrannische Blätter im Wind.

Realitäts- / Wissenschaftsfeindliches, das den Menschen davon abhält, sich und sein Umfeld zu erkennen und unverstellt zu umarmen, ist Quell des Unmenschen und Opfers.

Um Schicksale obiger Art zu meiden, muß geächtet und untersagt sein, Kinder unter 18 Jahren mit metaphysischen Konstrukten zu indoktrinieren. Das Verbietet schon der Anstand / nicht erst Martyrium natur- und wesensfeindlicher Tradition und Kultur.

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GinaBe 12.08.2018, 15:13
5. #4. Ergänzung

Meisterhaft die Aufzählung psychologischer Codes unter Einbezug der metaphysik. Gilt der Idealismus und seine Folgen auch als solcher? Sind nur die Besten, Schönsten, Klügsten und heute eben Skupellosesten wert, geliebt zu werden?

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Knossos 12.08.2018, 17:00
6.

Zitat von GinaBe
Meisterhaft die Aufzählung psychologischer Codes unter Einbezug der metaphysik. Gilt der Idealismus und seine Folgen auch als solcher? Sind nur die Besten, Schönsten, Klügsten und heute eben Skupellosesten wert, geliebt zu werden?
Nur "lieben" zu können, was idealisiert ist, entspringt gleichwohl synkretischem Moralismus als Realitäts-/ Naturfremde.

"Sind nur die Besten, Schönsten, Klügsten und heute eben Skupellosesten wert, geliebt zu werden?" In denaturalisierter / moralistischer Soziologie: Offenbar.

Der Vorschlag bedingungslosen Grundeinkommens z.B. hätte als "Utopie" keine Chance auf Zurechnungsfähigkeit gehabt, wäre dieser nicht von einem Milliardär vorgetragen worden. Liebe zum Erfolgreichen (und damit Schönem) ließ ansonsten Unerhörtes aufs Parkett.

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