Forum: Kultur
Begeisterung für Le Pen: Die Illusion, sichtbar zu sein
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Von Front-National-Wählern umgeben: Der Autor Édouard Louis schreibt über Frankreichs vergessene Arbeiterklasse. Er wuchs selbst in ihr auf.

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albertusseba 22.04.2017, 11:27
1. Besser kann man die Situation nicht beschreiben.

Genau so ist es: Der Kampf für die Linke im Sinne des Kampfes für die Zurückgelassenen und Entrechteten findet nicht mehr statt. Stattdessen wird vom etablierten und saturierten linken etablierten Lager und deren angeblichen Eliten in Politik und Medien eine ominöse Ideologie verfochten, in der Weltrettungsphantasien und eine angeblich linke Kultur im Vordergrund stehen, die mit den Interessen und Bedürfnissen der eigentlichen eigenen Klientel nichts mehr gemein haben. Jetzt endet vermutlich alles in einem rechts orientierten Chaos und das Gejammere und Geheule ist groß, aber von Einsicht in das eigene Versagen ist keine Spur zu finden.

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imo27 22.04.2017, 12:10
2.

Nicht nur in Frankreich haben die Linken die Arbeiter verloren. Die Linken kümmern sich nur ideologisch und theoretisch um die Probleme kleinen Leute, nicht um ihre wirklichen Sorgen.
Die Quittung erhalten sie an der Wahlurne, europaweit

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horstenporst 22.04.2017, 12:12
3.

Sehr guter Beitrag. Einer der wenigen Politiker, die das Problem erkannt haben ist Bernie Sanders: “One of the reasons for Brexit, for Trump’s victory, for the rise of ultra-nationalist rightwing candidates all over Europe, is the fact that the global economy has been very good for large multinational corporations, has in many ways been a positive thing for well-educated people, but there are millions of people in this country and all over the world who have been left behind.”
https://www.theguardian.com/us-news/2017/mar/10/bernie-sanders-interview-trump-democratic-party-resistance

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tullrich 22.04.2017, 12:13
4. Ich bin überrascht!

Ein Artikel im SPIEGEL, in dem ganz offen geschildert wird, dass die Linken nur reden und heiße Luft produzieren, aber kein Interesse besteht, den Menschen zu helfen, während die Presse in Person des erwähnten Verlags als weltfremde Institution geoffenbart wird, die in ihrer Hauptstadt-Blase lebt. Schreiben, was ist :-)

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GinaBe 22.04.2017, 12:18
5. Eine sehr gute Analyse der Verhältnisse beschreibt

Édouard Louis in diesem Artikel und sicherlich auch in seinen Romanen. Es ist original dasselbe wie hier im Ruhrgebiet, wo erst vorgestern ein Kollege von früheren Krupp -Werk beschrieb, wie sie abgefertigt wurden bei der Schließung damals und wie alle Politiker versuchten, die Sache schön zu reden, indem sie einen Strukturwandel priesen, der temporär einfach notwendig sei. Für die Kumpels von den Zechen und den Stahlkochern schlug das letzte Stündchen. Ihre Nachkommen werden etwa als Schweißer maximal als Zeitarbeiter und schlecht bezahlt und in unsicheren Arbeitsverhältnissen noch benötigt. Sie alle werden ebenfalls die AfD wählen, um ...es denen mal zu zeigen... oder, wie der Autor hier schreibt: um endlich doch gesehen zu werden. Das Leben und Schicksal derer, die im errichteten Niedriglohnsektor arbeiten, oder in Berufen, die wenig anerkannt werden, aber sooo bitter benötigt werden für den Erhalt einer Gesellschaft, sind real uninteressant für jene, denen es halt besser geht, denen am Monatsende nicht nur etwas übrig geblieben ist, sondern die sich auch selbstverständlich einen Urlaub leisten können und nicht immer nur die billigsten Produkte einkaufen müssen, Lebensmittel und Kleidung.
Die Zukunft lockt dann auch nicht rosarot mit drohender Altersarmut, wenn jetzt schon das Amt das Einkommen aufstocken muss.
Zwar trumft die Linke auf mit gerechtigkeitsorientierten Wahlkampf, und auch die SPD erzählt von guten Renten nach 45 Beitragjahren. WER soll die denn erreichen?

Keine Nationalgesellschaft , auch nicht in Europa, muss sich wundern, wenn Rechte Gunst erstarkt...
Wenn Grundsicherungsabhängige willkürlich und brutal sanktioniert werden dürfen, ...wenn um Existenzen gepokert und Boni an jene Sachbearbeiter vergeben werden, die wieder jemanden am Hungerhaken zappeln haben.

Da ist die Verrohung im Umgang nicht fern, wenn nach politischem Slogan mit gutem Recht der stärkere gewinnen muss und jene überflüssig sind, die fast gar nichts mehr können oder krank sind.
Wer verdient denn, arm oder krank zu werden? Und warum?
The winner takes it all...

So bleibt die Idee der Gleichheit, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit auf der Strecke.
Der gesellschaftliche Aufbau selbst soll ja Werk Gottes sein.....

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Butenkieler 22.04.2017, 12:30
6. Das sind die Gleichen die die NPD wählen würden

Das Gerede vom einem starken Mann/Frau, die das arbeitende Volk verstehen würden. Alles bestehende zerschlagen und von Grund auf neu aufbauen. Da werden goldene Berge versprochen, die dann doch nie eingehalten werden. Wie will Frau le Pen denn das machen: alle Muslime, alle Algerier und ihre Nachkommen, alle Homosexuelle und andersartigen sollen aus dem Land, der Grande Nation, hinausgeworfen werden. Doch wer will diese aufnehmen. Die Grenzen schließen, die EU zerschlagen, den Franc wieder einführen, das alle angrenzenden Staaten französische Waren einführen und so die französische Wirtschaft ankurbeln solle. Frankreich zuerst. Hören wir doch es überall schallen, das das eigene Land zuerst kommen solle. Mal sehen was daraus wird.

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Freidenker10 22.04.2017, 12:30
7.

Kann mich den anderen kommentaren von "albertusseba" und "mpitt" nur anschließen. Die Linke versagt aufgrund ihrer Minderheiten - Themen europaweit auf ganzer Linie! Es war wichtig für die Reche der Homosexuellen usw. zu kämpfen, aber nun wird es auch ernsthaft wieder Zeit sich um den Rest der Bevölkerungen zu kümmern und das verschlafen die Linksliberalen Medien wie auch große teile der Politik völlig. Das letzte Beispiel war doch in den USA zu bestaunen. Da gehts vielen um die nackte Existens, aber Medien und Politik stritten um Minderheitenrechte, das Ergebnis ist bekannt....

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Dio_genes 22.04.2017, 12:38
8. Verrat

Zitat von mpitt
...Die Linke ignoriert alle Probleme im Zusammenhang mit Einwanderung und dem öffentlichen Erscheinungsbild des Islam. ...
Der alte Ausspruch, dass uns Sozialdemokraten verraten haben, war früher falsch, denn der erste Weltkrieg war ohnehin verloren. Es gab keinen Dolchstoß!

In der Neuzeit ist das anders. Zwar werden wir permanent von Christ- und Freidemokraten verraten (und gegen Parteispenden) verkauft, aber von denen erwartet man es ja nicht anders.

Dass aber die SPD vor 12 Jahren Arbeitslose entrechtet und gedemütigt hat (unzumutbare Sklavenjobs trotz höherer Qualifikation annehmen, Ein-Euro-Jobs, keine Flankierung der Hartz-IV-Reform durch Mindestlohn...) war ein Schlag ins Gesicht der sozial Schwachen. Zudem die Forderung, dass alte, gebrechlichere Menschen nur deshalb länger schuften müssen, weil sie auch älter (aber gebrechlich) werden und andere Sauereien. Als größte Schweinerei die Riester-Rente (die nur den Drückerkolonnenkönig Maschmeyer reich machte) und die Enthemmung der Finanzmärkte (Wegfall der Kontrolle). Was also sollte man von einer Partei erwarten, die nur noch auf die Wählerschaft der bürgerlichen Mitte schielt?

Die Grünen haben Frauen, Homosexuelle und Atheisten verraten, weil sie eine gefährliche, menschenverachtende rückständige (nicht aufgeklärte) religiöse Ideologie (die Homosexuelle steinigen, Atheisten vernichten und Frauen unterdrücken will - unter Berufung auf deren Schrifen und viele ihrer Religionsführer) als höchste Priorität entdeckt hat und mit Pro-Migration dafür kämpft, dass jeder in unser Land kommen soll. Wenn man das als Gefahr benennt, wird man undemokratisch niedergebrüllt (es ist - auch von den Medien - nur eine Einheitsmeinung zugelassen) und verhetzt.

Die einige Linke im Land wird nach 26 Jahren noch immer wie ein Schmuddelkind behandelt, obwohl sie eine Politik vertreten, wie sie früher die SPD gemacht hat.

Solange die Medien gegen Frau Wagenknecht hetzen, hat die Linke in unserem Land keine Chance (nur in Form von Merkel, die aber gleichzeitig neoliberale Kapitalistin ist und die Demokratie für die Wirtschaft opfert).

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pecos 22.04.2017, 12:47
9. alleine?

Zitat von mpitt
Sowohl Louis als auch Eribon betrachten gesellschaftliche Entwicklungen allein aus dem Blickwinkel ihrer Homosexualität.
Das ist, gelinde gesagt, Unfug. Beide gehen natürlich von der eigenen Lage aus (würden Sie, lieber Mitforist, bei einem Schreiber, der die Not der Kleinfamilien beklagt, schreiben, er sehe das "allein" aus seiner heterosexuellen Perpektive"?), aber sie verbleiben nicht dabei sondern zeichnen ein klares Bild von den Verhältnissen, mit denen sich auch Heterosexuelle identifizieren können. Wenn dem nicht so wäre, hätten weder Eribon noch Louis einen so grossen Erfolg auf dem Buchmarkt und die Kommentare hier im Forum werden sicherlich auch nicht bloss von Schwulen verfasst. Vielleicht ist es so, dass die eigene gesellschaftliche Marginalisierung manchmal (Achtung! nicht immer!) einen klareren Blick auf die Verhältnisse zulässt. Wer am Rand sitzt hat das Zentrum immer im Blick, ob er will oder nicht. Wer im Zentrum sitzt, kann es sich eher leisten (muss es natürlich nicht), den Rand nicht wahrzunehmen.

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