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Beziehungen: Verbindlichkeit als Abenteuer
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Was, wenn doch noch die größere Liebe kommt? Tinder und Co fördern die Unverbindlichkeit von Beziehungen. Der Journalist Maximilian Probst erklärt, warum wir wieder verlässlicher werden müssen - im Privaten, aber auch im Politischen.

cave100 03.04.2017, 14:46
1. Meinung

Wieder einer bei SPON der uns sagt wie wir Leben und Denken sollen. Endlich verständlich? JA!

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yshitake 03.04.2017, 15:14
2. Was noch fehlt

Ein Plädoyer dafür, das nicht jeder aus seinem persönlichem Befinden einen Ratgeber für den Rest der Welt machen sollte. Ich hab so das starke Empfinden, die echt alberne "V wie Vendetta"- Persiflage ist noch das gehaltvollste an dem ganzen Buch und würde evtl. sogar kleinere Beträge darauf wetten, das dies der ganze Grund war dieses Werk überhaupt zu produzieren. Wahrscheinlich steht da auf 245 Seiten nur Lorum Ipsum Fülltext und niemand wird es je bemerken.

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spon-facebook-10000042488 03.04.2017, 15:29
3. Maximilian Probst

Lieber Herr Probst,
könne sie anstatt für "Uns" nicht einfach für "Sich selbst" Sprechen?
Das würde das ganze persönlich und auch etwas spannender machen, aber ich verstehe schon,
generation Smartphone ist ungern alleine.

Selbst Schuld.
Aber komisch: Eine "Studie" sagte doch erst vor kurzem, das die "Millenials" wie "wir" gerne abwertend genannt werden, viel weniger Sex haben, weil wir uns wieder auf konstanten zurück besinnen... steht das nicht irgendwie im widerspruch zu allen anderen "Studien" die sich mit BAuchgefühlen auseinandersetzen?

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coyote38 03.04.2017, 16:10
4. Die Unverbindlichkeit als Folge fehlender Maßstäbe ...

Wenn man "Vaterland" als "komisch" und "Liebe" nur noch als eine "Variante von Harndrang" klassifiziert, dann wird man freilich von der Möglichkeit entbunden, als Amöbe enttarnt zu werden. Setzt man Maßstäbe allerdings wieder ein, dann werden sie - bedauerlicherweise gnadenlos immer zuerst an einem selbst - zur unerbittlichen Messlatte.
Die gesellschaftliche und politische Unverbindlichkeit ist eine Folge fehlender Maßstäbe und Werte. Im Moment, da "alles egal ist", wird auch niemand mehr einer Bewertung unterworfen. "Deutscher" ...? Egal ... Grenzen auf. "Partnerschaft" ...? Egal ... "warum kaufen, wenn Leasing doch so einfach ist". "Mann und Frau als Keimzelle des Staates" ...? Egal ... der "besondere Schutz der Ehe" durch das Grundgesetz ist sowieso veraltet ...^^ --- Nein, liebe Leute ... "so" geht's nicht. Allein schon die Tatsache, dass der Autor die Konzepte "Deutscher" und "Mann" als "völkisch" charakterisiert, entlarvt ihn. --- Ich bin ein Mann ... und ich bin Deutscher. Auf der ganzen Welt haben diese Begriffe - allemal wenn sie zusammen verwendet werden - die Konnotation von Verlässlichkeit und Stärke ... nur in Deutschland selbst nicht. Sonderbar. --- Meine letzte Freundin konnte mit meiner meiner finanziellen, menschlichen und charakterlichen Verlässlichkeit nun aber wirklich GAR NICHTS anfangen, sondern hätte es vorgezogen, wenn ich Beruf und soziale Sicherheit aufgegeben hätte, um mit ihr am Ende der Welt ein "alternatives Einsiedler-Leben von der Hand in den Mund" zu beginnen. Gleichzeitig hat sie mir die Ohren vollgeheult, dass sie unbedingt eine Familie gründen und ein Zuhause haben möchte. Schlussendlich hat sie sich von mir getrennt, weil ihr meine Verbindlichkeit nicht als Maßstab oder als "Wert an sich" erschien ... allerdings hat sie jetzt weder ein "Zuhause" noch eine Familie.

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edhomme 03.04.2017, 16:51
5. Verbindlich konservativ

Er ist wieder da: der konservative bis reaktionäre Zeitgeist. Jetzt also nach der politischen Offensive der Angriff auf das Verhalten. Vorschriften getarnt als Forderung "nach mehr Verbindlichkeit". Mit jämmerlichen Argumenten und durchschaubaren Zielen. Von mir ein verbindliches NEIN.

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unky 03.04.2017, 17:42
6. Unverbindlichkeit ...

... ist ein Lebenskonzept, das spätestens im Alter einsam macht. Ein erfülltes Leben kann nur erringen, wer sich festlegt: auf Menschen, Aufgaben, Ziele und einem ganz individuellen Sinn seines Lebens. Die atemlose Jagd nach dem immer Mehr, Schöner, Größer, Schneller erzeugt nur Leere.

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ahemi 03.04.2017, 18:08
7. Verbindlichkeit ist essentiell

Jeder, der hier reflexartig "nein" sagt, sollte sich mal überlegen, wie sein Leben funktionieren würde ohne Verbindlichkeit. Z.B. ohne die Verbindlichkeit, dass Autos bei Rot halten, wenn man über die Straße geht. Ohne die Verbindlichkeit, dass Zusagen eingehalten, Termine wahrgenommen werden und und und. Verbindlichkeit wird gerne genommen, aber auch hier gilt: Wenn jeder sich so verhält, wie er es sich von anderen wünscht, gibt's keine Probleme.
Und Verbindlichkeit bedeutet manchmal Nichtwissen und trotzdem dabei bleiben. Nicht auf den erstbesten opportunen Zug aufzuspringen, sondern auszuhalten, dass eine vermeintliche Gelegenheit verpasst wird. Und darauf zu vertrauen, dass sich alles zu jeder Zeit verändern kann, wenn wir dafür offen und bereit sind. Jeder, der Pläne macht sollte wissen, dass es keinerlei Sicherheit gibt. Also kann man genauso gut von Moment zu Moment schauen, was gerade stimmt. Und dabei integer, verläßlich und verantwortlich zu handeln.

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vera gehlkiel 03.04.2017, 18:16
8.

Jedenfalls, soweit es aus dem Interview hervorgeht, ist es ein wichtiger Beitrag in die Richtung, dass sogenannte "Essentials" nicht einfach abzuschaffen sind, nur weil man eine neue praktische kleine Maschine mit einem App dazu hat. Ich selbst habe "offene Beziehung" und sowas alles früher (naja, so lange ist es auch noch nicht her!) ohne Hilfe von Tinder gut hingekriegt und weiss, dass auch der One-Nite-Stand, soll er entsprechend gehaltvoll sein, Verbindlichkeit erfordert. Er ist eine kleine, in sich abgeschlossene Liebesbeziehung. Und wenn man sich um vier Uhr morgens wegschleicht, weil man das gemeinsame Frühstück danach nicht so schätzt, hat es nichts mit gewissenloser Flucht ins "anything goes" zu tun. Sondern damit, dass man die Vollkommenheit nicht wieder kaputt machen will, die gerade im Unvollkommenen oft liegt. Keine Paradoxie, dass gerade Menschen wie ich, die länger prinzipiell sogenannte alternative Konzeptionen ausagierten, umso mehr zur Treue, sprich Verbindlichkeit, befähigt sind. Denn es liegt ja auch hier ein Prinzip zugrunde: weniger kann mehr sein, etwas auslassen, nicht in Erfahrung bringen, auf etwas verzichten kann sich lohnen. Für einen selbst, für die Distanz zum geliebten Wesen, das man, gerade durch den aktiven Akt des freien Willens darauf zu, innerlich vollständig bejaht und akzeptiert, in klarer Einbeziehung aller seiner Unzulänglichkeiten und Unvollständigkeiten. Immer neben demselben Hintern einschlafen, weil man es genau so haben will, und man sich auf sich selbst auch verlassen kann, das ist etwas köstlich Bereicherndes. Sex, der auf solcher Art von Verbindlichkeit beruht, hat überhaupt nichts Reaktionäres an sich. Wie die ganze Konzeption wohl das Gegenteil eines reaktionären Backlash ist, den wir momentan im Bezug auf Werte, angestossen von der Neuen Rechten, erleben. Hier wird ja eine alter "linker Weg" wieder freigehauen, scheint mir, derjenige der persönlichen Verantwortlichkeit aus dem Denken heraus, dass Freiheit haben Subjekt sein bedeuten muss. Dass ich nachzudenken habe, und meinen Weg wählen muss, und nicht behaupten kann, die Verantwortung (sprich Verbindlichkeit, es meint ja ganz genau dasselbe) hätten meine Gene, oder so etwas.

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