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Chuck Berry: Outlaw wider Willen
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Als der schwarze Entertainer Chuck Berry Country und R&B zu Rock'n'Roll verschmolz, schien eine von Rassenfragen freie Popkultur möglich. Aber dann kamen Elvis, die Beatles und die Rolling Stones.

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vor.morgen 19.03.2017, 19:17
0. Immer mehr scheint heute möglich, dass die Wissenschaft noch vor ein paar Jahrzehnten höchstens als unseriösen Schabernack bezeichnet hätte.

Einige Theoretischen Physiker halten Parallele Universen nicht für eine Passage aus "Star Treck", sondern eine Möglichkeit. Und wie Zeit wirklich aufgebaut ist (als "Ding an sich" betrachtet, um Kant zu zitieren), ist noch lange nicht geklärt. Laufen mehrere Zeiten "in Wirklichkeit" parallel ab? Sind Geburt und Tod, Anfang und Ende vielschichtiger miteinander verknüpft, als wir es heute verstehen?

Und sind einige Künstler, die Speerspitze der theoretischen Physik? Weil sie intuitiv ahnen, dass große Taten der Menschen zeitlich anders Wirken als wir es mit unseren Sinnen heute aufnehmen und intellektuell begreifen können?

Vielleicht Chuck Berry, bist du heute noch unter uns am Beeinflussen? Aktiv und eben nicht nur passiv, durch dein Vermächtnis.

Und ahnen Theoretische Physiker unbewußt, dass manche Künstler intuitiv schreiben oder verfilmen, was sie selber noch am Entdecken sind? Und manifestiert sich diese unbewußte Ahnung der Theoretischen Physiker in ihrer Affinität zu Science Fiktion? Die bei ihnen Prozentuell viel höher ist, als beim Durchschnitt. Eine schöne Szene als Gedenken an einen strahlenden Künstler und die Möglichkeit seiner Transzendenz. R.I.P. und werke weiter., großer Mann.

https://tinyurl.com/al8jusn

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gibmichdiekirsche 19.03.2017, 19:55
1. Chuck B. Goode

Ich hatte das große Vergnügen, Chuck Berry 1979 live bei einem OpenAir-Festival in London erleben zu können.
Hinter ihm stand die starke Band des irischen Blues-Rockers Rory Gallagher.
Chuck war in Höchstform, spielte alles, was ihn groß gemacht hat, scherzte unentwegt mit dem Publikum, baute auch ein paar "versaute" Verse in manche Lieder ein und brachte das Festival zum Kochen.
RIP, Chuck. You "could play the guitar just like a ringing a bell".

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kleinbürger 19.03.2017, 20:51
2. chuck

Zitat von vor.morgen
Vielleicht Chuck Berry, bist du heute noch unter uns am Beeinflussen? Aktiv und eben nicht nur passiv, durch dein Vermächtnis. Und ahnen Theoretische Physiker unbewußt, dass manche Künstler intuitiv schreiben oder verfilmen, was sie selber noch am Entdecken sind? Und manifestiert sich diese unbewußte Ahnung der Theoretischen Physiker in ihrer Affinität zu Science Fiktion? Die bei ihnen Prozentuell viel höher ist, als beim Durchschnitt. Eine schöne Szene als Gedenken an einen strahlenden Künstler und die Möglichkeit seiner Transzendenz. R.I.P. und werke weiter., großer Mann.
chuck berry :

"what this fuckin` man want, i want the money for my show "

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blurbs 19.03.2017, 22:23
3. Probe von

Tatsächlich ist es noch schlimmer als vom Autor geschildert: Chuck Berry übernimmt das kurze Riff, an dem Keith Richards scheitert, schließlich selbst, erst gegen Ende des Songs darf es Richards auch spielen. Für ihn um so demütigender, als die Stones den Song selbst oft genug gespielt haben und auf der Live-LP "Get Yer Ya-Yas Out" schon Anfang/Mitte der 70er Jahre veröffentlicht haben.

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99Augustus 20.03.2017, 23:25
4. Traurig

Ich habe Berry 2005 in der Hamburger "Fabrik" live gesehen und war traurig, wie wenige Zuschauer gekommen waren. Auch wenn das nicht mehr die Musik der jungen Leute ist, die Chance, einmal eine große Legende des Rock'n'Roll zu sehen, hätten sie nicht verpassen sollen.

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Aberlour A ' Bunadh 20.03.2017, 00:08
5. Chuck Berry und Keith Richards

Meine Güte. Der Autor interpretiert da etwas in eine Szene in einem Übungsraum hinein, die man auch ganz anders deuten kann. Klar ist, dass Keith Richards und Ron Wood keine Gitarren-Götter sind. Einen fähigen Blues-Gitarristen haben die Stones mit Mick Taylor bereits in den frühem 70er Jahren wieder verloren. Danach kam für Gitarrenenthusiasten an der Stones-Front nichts mehr. Die Qualitäten der Stones liegen eher im rhythmischen Bereich. Das wissen sie selbst am besten. Warum soll Chuck Berry also Keith Richards nicht zeigen wie es geht? Schließlich sind wir im PROBENRAUM. Und was macht man da? Genau: ÜBEN! Ich glaube eher, dass es Chuck Berry genießt Keith Richards auf die Palme zu bringen. So kommt Chucks unberechenbarer Charakter viel eher bei einem Ausschnitt vom tatsächlichen Konzertmittschnitt des Taylor Hackford-Films zum Ausdruck. Als Chuck Berry nämlich im Live-Konzert kurz vor dem nächsten Song Keith Richards ins Ohr flüstert, dass er den Song in einer anderen Tonart gespielt haben will. Was Keith Richards aber mit einem heftigen Kopfschütteln ablehnt. In der dazugehörigen Interview-Sequenz kommentiert Richards die Szene mit einem verständnislosen "wing it". Also Proben bis die Finger bluten, um dann im Konzert zu sagen: "wing it". Chuck Berry wie er leibt und lebt(e). Damit wird keine "Verbitterung" über Keith Richards oder gar weiße Bluesmusiker zum Ausdruck gebracht. Denn Chuck Berry war intelligent genug um zu wissen, dass ohne weiße (Blues-)Musiker und ihr weißes Publikum der Blues bereits in den 80er Jahren ausgestorben wäre. Denn die schwarze Jugend hatte sich gänzlich Rap und Hip-Hop verschrieben. Blues und Rock'n'Roll, das waren "Grandma's Music". Also das uncoolste was es gab auf der Welt.

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Karbonator 20.03.2017, 00:33
6.

Zitat von
Chuck Berry betonte immer wieder, dass es keinen Konflikt zwischen ihm und dem bald ungleich populäreren Presley gegeben hat, es herrschte gegenseitiger Respekt und Bewunderung. Aber es war die Zeit, in der vor allem im Süden der USA auf Flugblättern gewarnt wurde, keine "Negro records" zu kaufen, deren "screaming, idiotic words, and savage music" unterminiere die Moral der weißen Jugend. Doch je verfemter die sexualisierten Hüftzuckungen der Rock'n'Roller und deren zweideutige Texte über Teenie-Gelüste in der Erwachsenwelt wurden, desto attraktiver wurden sie auch. Der Stein war im Rollen und konnte nicht mehr aufgehalten werden. Doch viele der schwarzen Künstler, die ihm den entscheidenden Kick gegeben hatten, blieben auf der Strecke. Es ist signifikant, dass bis heute Elvis als "King of Rock" zelebriert wird, ein Titel, der in einer besseren Welt Chuck Berry zustünde.
Ich weiß nicht ganz, was dieser Absatz bezweckt. Berry selbst sagte, daß er keinerlei Probleme mit Elvis hatte.
B.B. King etwa sage: "'If anyone says Elvis Presley was a racist [...] Then they don't know a thing about Elvis Presley or music history."
(Quelle: http://www.elvis.com.au/presley/the-definitive-truth-about-elvis-presley-and-racism-according-to-b-b-king.shtml )

Elvis Presley hat seinen (mMn großen) Teil dazu beigetragen, daß die Grenzen zwischen "weißer" und "schwarzer" Musik überhaupt erst ins Wanken gerieten und einstürzten. Denn gerade dadurch, daß ein weißer Sänger diese verpönte schwarze Musik spielte, war ein Erfolg in den rassistischen USA überhaupt erst möglich.
Insofern finde ich es befremdlich, wie im zitierten Absatz irgendwie der Eindruck erweckt wird, daß Elvis etwas damit zu tun hätte, wie Chuck Berry letztlich in der Welt gesehen wurde.

Was die Bezeichnung "King of Rock" angeht: Der lautet "King of Rock'n'Roll" und gehört meines Erachtens zurecht Elvis Presley. Wie schon woanders geschrieben (wenn der Kommentar überhaupt veröffentlicht wird): Elvis hat vor allem mit seiner Stimme, seinem Charisma und seiner Bühnenpräsenz, aber auch mit seinem Humor begeistert - und auch mit seinem blendenden Aussehen (selbst kurz vor seinem Tod, obschon übergewichtig und aufgedunsen). Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum ihm dieser Titel - den er sich nicht selbst zugelegt hat - jetzt mit dem Tod von Chuck Berry streitig gemacht wird... nicht nur hier in diesem Artikel, sondern auch in den Kommentaren von Lesern.

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liedzeit 20.03.2017, 00:34
7. My Ding-A-Ling

war 1972 seine Nummer Eins. Und auch sein bestes Stück. Was jetzt gar kein Wortspiel sein sollte.

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rorschachrevisited 20.03.2017, 00:36
8. Ain´t Nobody Black (unless he sing blues)

Warum bleiben in Herr Borcholtes Nachruf die originären musikalischen und textlichen Qualtäten Chuck Berrys unerwähnt? Warum wird keine These zu dem extrem spannenden Dilemma entwickelt, dass Mr. Berry ursprünglich (auch) ein weißes Publkum erreichen wollte und dann plötzlich nur noch vor einem solchen spielte? Sind wirklich die epigonalen Rolling Stones seine Vorzeigeschüler und nicht Jimi Hendrix oder Prince? Und warum zum Teufel, wird allerorten so getan, als wäre alles, was Mr. Berry nach 1959 aufgenommen hat, bestenfalls C-Ware?
Zumindest meine letzte Frage kann ich mir selbst beantworten: Weil vieles nach ´59 nicht in die feuilletonistische Authentizitäts-Erzählung passt. Wer selber Ohren hat, darf sich gerne Mr. Berrys Live-Auftritte mit der Motown-Band (1963), ´Two Great Guitars´ (1964) oder ´Concerto In B Goode´ (1969) anhören. Be ready to be blown away.
2007 hatte ich das Vergnügen Mr. Berry im Rahmen einer deutschen TV-Gala live zu sehen. Nach einem kurzen unspektakulären Set mit den, ähem... Scorpions ergriff Berry das Mikrophon und beglückte das zunehmend konsternierte Publikum mit einem gefühlt 15-minütigen mäandernden Rap über seine Herkunft und die US-Südstaaten. Klar, dass dieses absolute Highlight des Abends in keiner Ausstrahlung zu sehen war. Passte auch nicht in die Erzählung.
q.e.d.

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