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David-Lynch-Biografie: Der Mann, der lacht

Der Künstler David Lynch ist nicht weniger rätselhaft als sein Werk. Der ersten autorisierten Biografie gelingt es zwar nicht, ihn als Person zu entschlüsseln. Viel zu entdecken gibt es trotzdem.

monoman 04.07.2018, 20:57
1.

Bei Lynch weiss man ja tatsächlich nie, woran man ist. Einerseits können seine Werke einen total beeindrucken, andererseits greift man sich manchmal an den Kopf und kann das gesehene auch nicht mehr als Ironie oder dergleichen auffassen.
Als ich das erste Mal davon hörte, dass Lynch Anhänger der transzendentalen Meditation nach dem Yogi der Beatles ist, war das für mich nicht weit davon entfernt, als hätte er sich als Scientologe geoutet, ok, nicht ganz so schlimm.
Am Ende werden jedenfalls einige Meisterwerke übrigbleiben und ein weiteres Mal ein Abschied von der Vorstellung, dass Künstler in irgendeiner Form bessere Menschen sind.

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chuckal 04.07.2018, 22:43
2. Künstler

Lynch ist ein wahrer Künstler und hat eine klare Vorstellung von dem, was er von seinen Schauspielern erwartet, ohne das Ergebnis konkret zu können. Er öffnet einen Prozeß, eine ganz eigene Kommunikation zwischen den Mimen, dem Team , ihm selbst und dem Thema was zu spielen ist. Greift das alles in einander und wird zu etwas Neuem, was er noch nicht vorhersehen konnte, lacht er vor Freude darüber, dass die Szene gelingt. Er lacht nicht über eine Vergewaltigung. Wer seine Bemerkungen über Trump und seine Anrede an ihn gelesen hat, kann doch nicht ernsthaft glauben er sei für Trump! So verblendet kann man doch nicht sein.

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Charlie Whiting 05.07.2018, 07:31
3. Kino

muss nicht immer einfach sein. Gut, dass es Filmemacher gibt die neue Wege beschreiten. Allerdings ist Verwirrung nur als Selbstzweck auch nicht so toll. Der schlimmste dieser Art (den ich gesehen habe) ist allerdings von jmd anderem (Vanilla Sky). Über Mullholland Drive denke ich manchmal jetzt noch nach und weiss nicht ob das gut oder schlecht ist. Es werden ja überhaupt keine Auflösungen geboten. Trotzdem wirkt er.

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Aberlour A ' Bunadh 05.07.2018, 09:34
4. Lynch is all over the map

Vielleicht wäre es besser gewesen, das Trump-Zitat in den Gesamtzusammenhang zu stellen: Also nochmal: He is undecided about Donald Trump. "He could go down as one of the greatest presidents in history because he has disrupted the thing so much. No one is able to counter this guy in an intelligent way." While Trump may not be doing a good job himself, Lynch thinks, he is opening up a space where other outsiders might. "Our so-called leaders can’t take the country forward, can’t get anything done. Like children, they are. Trump has shown all this." (https://www.theguardian.com/film/2018/jun/23/david-lynch-gotta-be-selfish-twin-peaks). Gemeinhin gilt Lynch in der politischen Ausrichtung als "Libertarian" in der amerikanischen Bedeutung des Wortes. Was sich allerdings nicht in seinen Filmen zeigt. Die sind und waren immer ein beliebtes Analyseobjekt für Abschlussarbeiten von Filmstudenten. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob es überhaupt sinnvoll ist, Lynch-Filme zu analysieren, d.h. Sinn zu suchen, wo es keinen Sinn gibt. Er dreht einfach drauf los, weil ihn irgendeine Imagination fasziniert - und sei es nur ein perfekt gemähter Vorstadtrasen - allerdings weiß er wohl bei Beginn seiner Filme selber nicht, wohin das alles führen soll. Zum Glück konnte ihn Hauptdarsteller John Hurt bei The Elephant Man überreden, den Hauptprotagonisten zunächst nur maskiert zu zeigen. Der Dramaturgie wegen.

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