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"Der traumhafte Weg" von Angela Schanelec: Draufeinlassen oder es sein lassen
Piffl

Angela Schanelecs Filme polarisieren, weil sie ihrer ganz eigenen, freien Erzähllogik folgen - ihr neuester "Der traumhafte Weg" sogar noch radikaler als frühere Werke. Gerade deshalb ist er auch beglückend.

cristofori 01.05.2017, 23:10
1. Leider zu phlegmatisch und monochrom

Leider muss ich gestehen, dass ich das Kino verlassen musste. Und das seit vielleicht 10 Jahren zum ersten Mal. Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten. Und dabei bin ich ein Liebhaber anspruchsvoller und künstlerisch gestalteter Filme. "Der traumhafte Weg" ist einfach todlangweilig. Das Hauptproblem ist der absolut monochrome Charakter des Films, die immergleiche Art und Weise, wie Szenen gestaltet werden. Alle Personen scheinen den gleichen depressiven Charakter, die gleiche schildkrötenhafte Bewegungsweise, den gleichen traurigen Blick, das gleiche extrem langsame Reaktionsvermögen, die gleiche einsilbige Redeweise (wenn sie überhaupt zur Formulierung von zusammenhängenden Wörtern in der Lage sind) zu besitzen. Es gibt keinen Tempowechsel, kein Spiel mit Humor oder Leichtigkeit. Und daher auch nur eine scheinbare Hintergründigkeit. Denn immer traurig gucken und dem langsamen Ticken der Zeit zu lauschen: Das bildet Tiefe in Denken und Fühlen nicht ab! Dazu gehörten auch Brüche und Überraschungen. Wer ist schon so krankhaft gleichmäßig langsam und bedacht wie die hier dargestellten Figuren? Sie sind wie holzgeschnitzt und ferngesteuert. Am schlimmsten wird es, wenn auch Kinder so dargestellt werden, als steckten sie gerade in der tiefsten Depression. Sie sprechen kaum, sie bewegen sich langsam, sie schauen traurig in eine Richtung. Aber es gibt immerhin einen Lichtblick: Die Musik. Sie ist extrem sparsam eingesetzt und sehr magisch. Ansonsten eine Schlaftablette.

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