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Deutscher Filmpreis 2017: Unter uns
X-Verleih

Am Freitagabend wird in der Berlin der Deutsche Filmpreis vergeben. Wofür der Preis steht, ist jedoch unklarer denn je - für eine europäische Perspektive auf Deutschland und das Kino jedenfalls nicht.

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.patou 28.04.2017, 13:41
1.

Ich bin ja schon dankbar, dass Wim Wenders' letzter Film nicht unter den Nominierten ist (oder gilt der als französische Produktion?). Denn wie schlimm die diesjährige Liste auch immer sein mag - keiner der Filme kann so grauenhaft öde sein wie das larmoyante und seelenlose Gequatsche aus "Die schönen Tage von Aranjuez". Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal im Kino so gelangweilt habe und bedaure noch immer, dass ich mich zu diesem Film habe überreden lassen, obwohl der Name Wenders normalerweise bei mir einen Alarm auslöst. Da konnte auch Nick Cave nichts mehr retten.

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sabinaz 28.04.2017, 15:27
2. Hmm, diesen Artikel verstehe ich nicht ganz

Ich habe kein Problem mit einem dotierten Filmpreis, und dass den nur einheimische Filme bekommen sollen, geht für mich auch vollkommen in Ordnung (der César belohnt ja auch nur französische Produktionen). ”Frantz” fand ich verdienstvoll, sehr schön gefilmt und sensibel inszeniert, aber tatsächlich nicht so außergewöhnlich, dass ich ihn bei dieser Veranstaltung fürchterlich vermissen würde. Zum Thema Europa ohne Grenzen: Ein skandinavischer Thriller bleibt für mich norwegisch, schwedisch oder isländisch, völlig egal, wieviel Geld Deutsche da eventuell reingepumpt haben (das sie - by the way - den einheimischen Produktionen häufig vorenthalten). ”Die Blumen von gestern” habe ich noch nicht gesehen, allerdings mein halbes soziales Umfeld und die waren ausnahmslos begeistert. Was an der Mischung der Wettbewerber auszusetzen ist, verstehe ich ebenfalls nicht. Es gibt halt nicht soo viele deutsche Filme, die bemerkenswert sind, und die waren es alle, wenn auch auf unterschiedliche Weise - ist doch gut! Oder hab ich irgendwas wesentliches nicht mitbekommen?

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hypervasquez 28.04.2017, 17:05
3. Sollen sie sich selbst feiern...

...die wirklich aufregenden Projekte und überraschenden Geschichten findet man seit einigen Jahren nur noch in den TV-Serien (zumeist in den US, britischen oder nordischen Serien). Deutschland hat hier rein gar nichts zu bieten. Es bleiben nur die üblichen grausamen Verdächtigen wie Schweiger, Schweighöfer, Liefers & Co. Was für ein Armutszeugnis. Selbst Amazons Serie mit Schweighöfer ist so furchtbar schlecht gespielt das es einen gruselt.

Jedes mal wenn ich durch Zufall mal deutsche Schauspieler sehe fällt mir die grosse Kluft auf zwischen US-Schauspielern und den hiesigen - da sind Welten zwischen. Warum ist das so?

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m.breitkopf 28.04.2017, 17:48
4. Typisch deutsch

Klar hätte man Frantz zulassen können. Aber dann müsste man weltweit alle Länder mit einbeziehen (man will ja niemanden ausgrenzen). Und in manchen Jahren wäre gar kein deutscher Film dabei, weil viele bessere eben aus anderen Ländern kommen. Was soll diese Beliebigkeit? Wenn überall auf der Welt bei jeder Preisverleihung immer die besten Filme ausgezeichnet würden, egal woher sie kommen, dann würden immer die gleichen Filme ausgezeichnet werden. Wie langweilig. Ich finde es spannend zu erfahren, welchen französischen Film die Franzosen als ihren besten küren. Ich will gar nicht, dass das ein Film aus Deutschland, USA oder China oder sonst woher ist. Beim deutschen Filmpreis wieder Deutschtümelei zu wittern, das ist...

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.patou 28.04.2017, 19:04
5.

Zitat von hypervasquez
...die wirklich aufregenden Projekte und überraschenden Geschichten findet man seit einigen Jahren nur noch in den TV-Serien (zumeist in den US, britischen oder nordischen Serien). Deutschland hat hier rein gar nichts zu bieten. Es bleiben nur die üblichen grausamen Verdächtigen wie Schweiger, Schweighöfer, Liefers & Co. Was für ein Armutszeugnis. Selbst Amazons Serie mit Schweighöfer ist so furchtbar schlecht gespielt das es einen gruselt. Jedes mal wenn ich durch Zufall mal deutsche Schauspieler sehe fällt mir die grosse Kluft auf zwischen US-Schauspielern und den hiesigen - da sind Welten zwischen. Warum ist das so?
Gute deutsche Schauspieler gibt es schon. Wenn beispielsweise Lars Eidinger in Großbritannien für seine deutsche (!) Fassung von Richard III gefeiert oder in der britischen Presse als das Beste der BBC-Serie "SS-GB" gelobt wird („one of Europe’s finest young actors“), muss er schon was richtig gemacht haben.
Auch Tom Schilling oder einige andere sind sehr gut. Das Problem ist nur, dass bei uns Schweighöfer, Schweiger etc. überall dominieren. Und die gehören nun mal definitiv nicht zu Europe’s finest actors.

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spon_2042022 29.04.2017, 10:35
6. Alle Jahre wieder...

...wird der Filmpreis gedisst, weil hier 1600 Filmschaffende über den aus ihrer Sicht besten Film abstimmen und nicht eine Jury unter dem Vorsitz von Hannah Pilarcyk. Diesmal ist der alljährliche Filmpreis-Bash besonders unredlich: Da wird die Filmkultur mit der Autoindustrie gleichgestellt und das Ganze wird mit Superlativen ("exorbitante Dotierungen") und verschwörerischen Mutmaßungen ("undurchsichtige Auswahlkriterien") in die Nähe von Korruption gerückt. Dabei ist das Auswahlverfahren überaus sichtbar auf der Homepage der Filmakademie, auch für Hannah Pilarcyk: https://www.deutsche-filmakademie.de/deutscher-filmpreis/auswahlverfahren.html

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wallaceby 29.04.2017, 20:01
7. In einem Land...

...in dem die "erfolgreichsten Filme" schon seit vielen Jahren von "Könnern" vom Schlage eines Till Schweigers und auch "Fack ju Göhte Teil 1 bis 9" ins schenkelklopfende Volk gepresst werden, wo Schweigers Bruder und "Ziehsohn im Geiste" M. Schweighöfer da auch schon mitmischt, kann am Ende eben nichts Anderes als reine Nabelschau und gegenseitiges Schulterklopfen dabei herauskommen! Diese Preisverleihung gestern war wieder so gnadenlos selbstreferentiell und hochnotpeinlich, mit gegenseitigem sich Anfeuern und Feiern, dass man als Zuschauer aus dem Fremdschämmodus nur schwer herauskam. Ich frage mich schon seit fünfzehn Jahren, was die ständigen Bekundungen "dem deutschen Film geht es doch nicht schlecht", wenn die Anteile der deutschen Erfolgsfilme an den Kinokassen wieder mal sehr hoch waren, eigentlich sollen, wenn so wenig Substanz dabei übrig bleibt?! Mich interessiert so ein Käse einfach nicht. Filme in wirklich interessanten Genres in hoher Qualität zu produzieren, um sich dazu auch möglichst vom üblichen deutschen Betroffenheits-Kino abzugrenzen, ist für Deutsche anscheinend eine unendlich schwere Herausforderung. Dann doch lieber Amazon und Netflix...! Und Guardians of the Galaxy..., weil die Macher dort ihr Handwerk, zum Riesenbudget dazu, auch noch beherrschen.

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sekundo 29.04.2017, 20:50
8. Ich teile Ihre

Zitat von wallaceby
...in dem die "erfolgreichsten Filme" schon seit vielen Jahren von "Könnern" vom Schlage eines Till Schweigers und auch "Fack ju Göhte Teil 1 bis 9" ins schenkelklopfende Volk gepresst werden, wo Schweigers Bruder und "Ziehsohn im Geiste" M. Schweighöfer da auch schon mitmischt, kann am Ende eben nichts Anderes als reine Nabelschau und gegenseitiges Schulterklopfen dabei herauskommen! Diese Preisverleihung gestern war wieder so gnadenlos selbstreferentiell und hochnotpeinlich, mit gegenseitigem sich Anfeuern und Feiern, dass man als Zuschauer aus dem Fremdschämmodus nur schwer herauskam. Ich frage mich schon seit fünfzehn Jahren, was die ständigen Bekundungen "dem deutschen Film geht es doch nicht schlecht", wenn die Anteile der deutschen Erfolgsfilme an den Kinokassen wieder mal sehr hoch waren, eigentlich sollen, wenn so wenig Substanz dabei übrig bleibt?! Mich interessiert so ein Käse einfach nicht. Filme in wirklich interessanten Genres in hoher Qualität zu produzieren, um sich dazu auch möglichst vom üblichen deutschen Betroffenheits-Kino abzugrenzen, ist für Deutsche anscheinend eine unendlich schwere Herausforderung. Dann doch lieber Amazon und Netflix...! Und Guardians of the Galaxy..., weil die Macher dort ihr Handwerk, zum Riesenbudget dazu, auch noch beherrschen.
Meinung zu 100%!!

Nur haben Sie vergessen, dass ein
Knallcharge wie W.W. Möhring zum
"besten" deutschen "Schauspieler"
gewählt wurde. Der hat es ganz locker
geschafft, eine Trivial-Literatur-Figur wie
Winnetou mimisch quasi hinzurichten.

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JoachimFranz 01.05.2017, 14:26
9.

Zitat von sekundo
Nur haben Sie vergessen, dass ein Knallcharge wie W.W. Möhring zum "besten" deutschen "Schauspieler" gewählt wurde. Der hat es ganz locker geschafft, eine Trivial-Literatur-Figur wie Winnetou mimisch quasi hinzurichten.
Schlecht möglich, da er Winnetou nicht mal gespielt hat. WWM spielte den Blutsbruder. Als Shatterhand war er wirklich miserabel, als deutscher Auswanderer namens Karl May aber unnachahmlich ("Deutscher, hm?" - "Jawoll!").
Winnetou war der Albaner. Der war als Apache zwar auch miserabel, als Sioux-Indianer ging er aber gut durch.
Wie man also sieht, zumindest in Sachen künstlerischer Freiheit und Missachtung authentischer Darstellung, kann dem deutschen Film keiner das Wasser reichen ;-)

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