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"Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki": Da bist du wieder, Murakami-Mädchen!
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Ein weltweit konkurrenzloser Schriftsteller liefert den verdichteten Beweis seiner Kunst: In "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" erzählt Haruki Murakami die Geschichte einer Selbstfindung - und von einer Frau, die alles entscheidet.

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kannstemachen 09.01.2014, 08:44
10. Konkurrenzlos?

Murakamis Erzählungen haben Kraft und können einen Leser in angenehm verträumte Zustände versetzen, keine Frage. Man kann sich auch daran freuen, dass er immer wieder Fragen aufwirft, die letztlich nicht beantwortet werden. Manche halten das auch für Kitsch. In jedem Fall: Ein interessanter und herausragender Autor. Aber warum muss der Spiegel hier die dicke Wumme rausholen und Murakami für "konkurrenzlos" erklären? Und, wenn schon per Dekret entschieden wird, konkurrenzlos in Bezug auf was? Verkaufszahlen (wohl kaum)? Lesegenuss? Bücher pro U-Bahnabteil? Es ist schlicht albern, Literatur mit derlei Sensationsbegriffen kategorisieren zu wollen. Zumal mir spontan eine Reihe von Autoren einfallen, die dieses Attribut auf ihre Weise genauso verdient hätten (zuallererst der unbeschreibliche D.F. Wallace, aber auch J. Franzen, Roberto Bolano...).

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BlakesWort 09.01.2014, 17:40
11.

Bei der Aufzählung sollte nicht unerwähnt bleiben, Murakami schreibt für die Massen und er kann etwas, wovon Leute wie Franzen meiner Meinung nach nur träumen: Nichtleser für das Lesen zu interessieren. Ich bin vielleicht kein Bücherwurm, aber ich lese gerne und wenn mir ein Buch gefällt, sind auch 1.000 Seiten schnell durch. Bei Franzen benötige ich vier Anläufe für das erste Kapitel, weil er mich einfach nicht mitnimmt.

Da ist Murakami ganz anders. Selbst die seltsamsten Geschichten verwandelt er verständlich in aussagekräftige Bilder. Dieser "Magische Realismus", der nicht umsonst einige Nobelpreisträger hervorgebracht hat, ist aber vielleicht auch für Leute gemacht, die nicht ganz so technokratisch denken, die sich gern an ihre Kindheit und die Leichtigkeit des Treibenlasses in Phantasie erinnern.

"Konkurrenzlos" ist vielleicht übertrieben, jedoch muss man Murakami zugestehen, die führende Feder dieser Richtung im asiatischen Raum zu sein. So wie ich von Márquez gelernt habe, wie man in Lateinamerika tickt, so habe ich von Murakami gelernt, wie man in Japan so denkt. Das sollte Literatur leisten, belegt man sie mit der Auszeichnung des Feuilletons "Hochliteratur".

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kannstemachen 10.01.2014, 14:36
12.

@BlakesWort: Danke, eine nachvollziehbare und geradezu wohltuende Differenzierung. Fehlt in dem Spiegel-Artikel leider völlig - den hätten Sie schreiben sollen, dann hätte ich mir meine kleine Empörung sparen können.

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robert.dietermann 29.03.2014, 23:25
13.

Es heißt hier in einem Kommentar, dass Muralkmami, beschreibe, wie "Japaner so denken". Ich empfinde das nicht so.Murakami ist für mich ein Beispiel globaler "existenzialitischer" Popkultur.Diese Form von gleichartiger Empfindunsweise ist vielleicht der Schlüssel zum globalen Erfolg seiner Romane.Das kann man gruselig finden,im Sinne einer Normierung des Geschmacks oder man kann sich darüber freuen, dass es so etwas wie eine global emfpundene (Popkultur-) Denkweise gibt.

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