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Doku-Soap "Der Arbeitsbeschaffer": "Nu aber"-Beratung im Plattenbau

Er geht dahin, wo es weh tut: in die Realität. "Der Arbeitsbeschaffer" versucht Unterschichtlern einen Job zu verschaffen. Schön anzusehen ist die neue RTL-Doku-Soap nicht, aber sie entlarvt die deutsche Vollkasko-Mentalität: Ihr könnt mich mal, ich muss gar nix!

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Musikdvdfreund 03.01.2008, 11:44
1. Leider nur Populismus von Herrn Mohr...

Das Auftreten des Vaters bei seinen Bewerbungen in der gestrigen Sendung war auf neudeutsch natürlich "suboptimal".

Allerdings ist die Darstellung von RTL und Herrn Mohr genauso suboptimal.

Da besorgt der Herr Arbeitsvermittler der Mutter einen Job im Heimatort, dann der Tochter einen Ausbildungsplatz im Heimatort, um anschließend zu verlangen, das Vater für ein Bruttogehalt von 1.600 Euro mit den beiden 100 Kilometer wegzieht. Wie soll das gehen bitteschön ? Tocher ne eigene Bude und Mama fährt jeden Tag 200 Kilometer ?
Und dafür soll die Familie ihr gesamtes soziales Umfeld aufgeben ? Was passiert, wenn der Arbeitsgeber ihn dann doch nach 1 Jahr entlässt ? Was ist das für ein Hansel von Arbeitsvermittler ?

Ich wette, keiner von denen, die die Sendung produzieren, und erst recht Herr Mohr als Kommentator, würden das tun, was Sie von diesem Vater da verlangen.
Für mich die ganze Show reine Meinungsmache, Herr Mohr macht leider unkritisch mit.
Gibt genug Paradebeispiele für "Sozialschmarotzer", das gestern war aber nur wirklich keins.

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derblödi 03.01.2008, 11:45
2. Antwort

Und wenn die Kamera dabei ist, taucht plötzlich auch in der dunkelsten Ecke ein Jobangebot auf.....

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The_Dude 03.01.2008, 11:52
3. Kein Wunder

2000€ von der Stütze? Viel mehr verdienen die meisten Familien, bei denen nur ein Elternteil arbeitet auch nicht. Da wunderts mich nicht, daß sich diese Leute nicht gerade um Arbeit bemühen.

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kleinbürger 03.01.2008, 11:54
4. bescheuert !?

Zitat von Musikdvdfreund
Tocher ne eigene Bude und Mama fährt jeden Tag 200 Kilometer ?
nein, das geht ja nun wirklich nicht !
den arsch hochbekommen und sich bewegen ?
nicht auszudenken !

2000 euro im monat reichen doch vollkommen, und das ohne einen handschlag zu bekommen.
ich kenne einige, die fahren jeden tag von kiel richtung hamburg zur arbeit (das sind hin und zurück ca. 200 km).
sind die nun total bescheuert, oder werden die unter androhung von zuchthaus dazu gezwungen ?
das machen die freiwillig !

allerdings, wenn man sich das leben einiger nichtsnutze so anschaut könnte man fast zu dem schluß kommen : total bescheuert !

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Sezer 03.01.2008, 11:54
5. ja, es gibt sie tatsächlich

die Menschen die NICHT arbeiten wollen. Was mich so nachdenklich stimmt, ist die einseitige Berichterstattung seit einigen Jahren. Man kann seinen warmen Bürostuhl darauf verwetten das die "Exemplare" in Fernsehen und Zeitungen präsentiert werden die tatsächlich zu stumpf und zu faul sind um ihren Lebensunterhalt selber zu erarbeiten. Auf das Volkes Groll wachse und sich auf diesem Wege so etwas wie stillschweigende Akzeptanz für Hartz4 und Agenda 2010 im ARBEITENDEN Volke einschleicht.So ist in den letzten Jahren langsam, aber dennoch ganz sicher, ein Heer von Millionen Menschen stigmatisiert worden. Der latente unterschwellige Makel des faulen Sozialschmarotzers hat es über die Kante des Stammtisches hinauf in das gesellschaftliche Bewusstsein geschafft. Dank Politikern und Medien, ich denke das wird kaum jemand bestreiten können. Der Sinn des Ganzen erschließt sich von selbst und muss hier nicht erörtert werden. Bleibt die Tatsache, das der unfassbaren Zahl von nahezu 7 Millionen Bezugsempfängern eine geradezu lächerlich anmutende Anzahl freier Stellen gegenüber steht. Aber wo Zahlen und Fakten nicht passen muss die Akzeptanz halt auf anderem Wege generiert werden.

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Christoph 03.01.2008, 11:58
6. Leben

Sicher muss man als zahlender Bürger im Sozialstaat nicht jede Passivität bei der Arbeitssuche empfangender Bürger widerspruchslos hinnehmen. Trotzdem stößt mir ein Satz aus dem Artikel auf und nur den möchte ich hier kommentieren:

"Die Wohnung, das soziale Umfeld, die Freunde sind wichtiger als die Chance, "wieder ins Leben zurückzukehren", wie Lars Naundorf sagt."

Wie bitte? Die Wohnung, das soziale Umfeld, die Freunde, das alles IST das Leben! ARBEIT ist NICHT das Leben! Sie dient nur dazu, das Leben zu finanzieren. Wenn aber gerade die Arbeit z.B. durch den Zwang zum Umzug das Leben zerstört, dann wird sie zum Gegenteil ihres eigentlichen Sinns pervertiert.

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VorwaertsImmer 03.01.2008, 11:58
7. Ein Tabu-Thema

Der Autor spricht ein Tabu-Thema an. Mögen die unzähligen Sendungen des Reality TVs die Äußerungen gutgläubiger Mitmenschen ad absurdum führen - es wird nicht sehr lange dauern und man wird über den Autor herfallen!

Es schickt sich eben nicht auf "Arme" einzuprügeln. Und deren gibt es ja so viele, wie der "Armutsbericht" beweist.
Interesannterweise gibt es in Deutschland keinen "Faulheitsbericht". Faulheit scheint es nicht zu geben. Alle sind immer stets ganz fleissig beim arbeiten oder auf Arbeitssuche. Alle sind lieb - ach ist unsere Welt nicht schön?

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derblödi 03.01.2008, 12:02
8. Lalala

Zitat von Musikdvdfreund
Was ist das für ein Hansel von Arbeitsvermittler ?
Das ist kein Arbeitsvermittler, das ist ein Showmaster. Und der muss nur zusehen, dass der Erfolg solange vorhält, wie die Sendung dauert. Ich wette, nach Ende der Sendung haben die ganzen Firmen eh wieder bei der Familie angerufen und alles wieder abgesagt ( wenn überhaupt wirklich irgendwas reales in der Sendung abgemacht wurde oder alles sowieso nur Show war ).

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Friedrich G. Alte 03.01.2008, 12:02
9. Versatzstücke

Der Autor hat zwar sicherlich recht, aber seinen Artikel hat er aus Versatzstücken aufgebaut, die manchmal einfach nicht passen. So muss es natürlich der "konfektionierte Dreiteiler" sein (flotte Spiegel-Schreibe!), der aber auf dem Foto des Arbeitsbeschaffers nicht zu sehen ist.

Ausserdem wundert es mich, wie ein Mottenloch in ein T-Shirt reinkommt. Oder trägt der Familienvater reinseidene T-Shirts oder solche aus Wolle? Tierisch muss es schon sein, Baumwolle bringt nämlich Motten nichts (kein Keratin drin).

Trägheit ist offenbar nicht nur eine Verhaltensweise von Arbeitslosen.

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