Forum: Kultur
Doku über Motivationstraining: Wie Kapitalismus zur Religion wird
NDR

Die Teilnehmer brüllen Bob-der-Baumeister-Sätze und zahlen dafür Tausende Euro: Ein Dokumentarfilm über Jürgen Höller untersucht den Reiz von Motivationsseminaren - und findet eine überraschende Erklärung.

Seite 2 von 3
Koda 05.09.2018, 09:47
10. Hat es dazhu wirklich den Höller gebraucht?

Zitat von MaxWhy
Ich für meinen Teil habe weit mehr als 10.000€ investiert....sondern dank des Vermittelten Wissens und vor allem durch genau jene laut dem Autor „schwer erträgliche“ Art ein lukratives Geschäft aufgebaut. Meine Investition hat sich schon heute locker 10-Fach wieder amortisiert. All das hätte ich in dieser Dimension mit diesem Erfolg nie geschafft ohne Herrn Höller. Mein denken war vorher viel zu begrenzt, viel zu klein und viel zu zweifelnd.
Vielleicht hätten Sie das auch geschafft, wenn Sie eine Therapie gemacht hätten.
Denn das Einzige was fehlte, war wohl das Selbstbewußtsein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Laska 05.09.2018, 10:24
11. Es geht auch anders.

Ich habe ein sehr spannendes Buch zu diesem Tschaka Thema gelesen. Totmotiviert von Steffen Kirchner. In diesem Buch wird eben genau mit solchen "Du schaffst alles" Methoden aufgeräumt! Es gibt viele tolle Trainer, die ihr Wissen kostenlos weitergeben. Ich höre sehr gerne Podcasts (unter anderem von Steffen Kirchner und Dirk Kreuter).
In diesem Artikel fehlt mir persönlich ein wenig der Punkt, dass es auch sehr gute Trainer und Coaches gibt, die Menschen dabei helfen das Maximum aus sich selbst rauszuholen. Ohne leere Versprechungen ala "Ich zeige Dir wie Du in 1 Jahr zum Multi-Multi-Millionär wirst."
Ich bin tatsächlich kein großer Freund der Methodik von Herrn Höller, finde aber diesen Rundumschlag gegen die Branche nicht gerechtfertigt. Man sollte ein wenig stärker differenzieren. Coach ist nicht gleich Coach und Seminar ist nicht gleich seminar.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ancoats 05.09.2018, 11:03
12.

Zitat von MaxWhy
Als großer Verfechter von gesunder Skepsis, bin ich jemand, der Dinge zuerst hinterfragt. Skepsis bedeutet aber auch sich sein eigenes Bild zu machen und vorm Bewerten erst mal selbst zu testen. Ich habe genau das getan. Vor 4 Jahren war ich selbst zum ersten Mal bei Jürgen Höller. Ich begegnete der Veranstaltung und ihm mit extremer Skepsis, aber wer sich mal wirklich einlässt und seinen „Bewertermodus“ beiseite schiebt, wird vielleicht wie ich eine ganz andere Facette dahinter sehen. Vielleicht sind Menschen wie Höller ja gar nicht die, die eine Meise haben. Vielleicht sind es die anderen, die alles sofort bewerten oder gar verteufeln. Jene die Dinge bewerten bevor sie selbst mal wirklich offen für etwas sind. Ich für meinen Teil habe weit mehr als 10.000€ investiert. Ich habe nicht das Gefühl gewonnen sich mal „fallen zu lassen“ sondern dank des Vermittelten Wissens und vor allem durch genau jene laut dem Autor „schwer erträgliche“ Art ein lukratives Geschäft aufgebaut. Meine Investition hat sich schon heute locker 10-Fach wieder amortisiert. All das hätte ich in dieser Dimension mit diesem Erfolg nie geschafft ohne Herrn Höller. Mein denken war vorher viel zu begrenzt, viel zu klein und viel zu zweifelnd. Wenn man Jürgen Höller vorwirft, dass er Menschen von Dingen träumen lässt die unerreichbar scheinen, dann sollte man vielleicht nicht hinterfragen, ob das für diese Menschen überhaupt schaffbar ist, sondern ob man es selbst ertragen kann wenn andere auf einmal erfolgreich werden weil sie so denken wie man es selbst nicht will. Denn wenn wir ganz ehrlich sind, dann sind es doch meist wir selbst, die sich im Wege stehen, weil wir auf Menschen hören, die uns vielleicht zu oft sagen, was wir alles nicht können. Wer Höller und seine Kunden (heute und nicht in den 90ern) kennt, der weiß, dass das nicht alles Bullshit sein kann.
"Jeder ist seines Glückes Schmied". "Du bist großartig, liebe dich!". "Erfolg heißt Geld". Für diese drei Weisheiten, per simpler Autosuggestionstechniken eingetrichtert, bezahlen die Höller Kunden also tausende Euros. Ich sehe da eher schwarz für deren Befähigung, erfolgreich ein Unternehmen zu führen...
Eine ähnliche Nummer praktizieren übrigens auch Sekten wie Scientologiy und Co. Just saying.
Großartige, verstörende Doku.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ancoats 05.09.2018, 11:13
13.

Zitat von Laska
(...) Ich bin tatsächlich kein großer Freund der Methodik von Herrn Höller, finde aber diesen Rundumschlag gegen die Branche nicht gerechtfertigt. Man sollte ein wenig stärker differenzieren. Coach ist nicht gleich Coach und Seminar ist nicht gleich seminar.
Das ist prinzipiell richtig, aber "Coach" ist nunmal keine geschützte Berufsbezeichnung mit vorgeschriebener Ausbildung, sprich: jeder kann sich zu einem ernennen und praktizieren. Was leider auch flächendeckend der Fall ist, wenn man sich so umschaut: das ganze Feld ist durchsetzt mit snake oil-Verkäufern, Psychoscharlatanen und "ganzheitlich-achtsamem" Esogetue, das allesamt nichts mit seriöser Lebenshilfe und Beratung zu tun hat. Wer sich mit einem ernsthaften Anliegen in solche Hände begibt, ist hinterher bestenfalls genau so schlau wie vorher, schlimmstenfalls hat er/sie dann erst richtig ein Problem.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rastlos2 05.09.2018, 11:15
14.

Ich habe mir die Dokumentation angesehen und bin zum einen voller Bewunderung und zum anderen aber auch voller Erschrecken. Ich als Geringverdiener bewundere Höller, wie ein - sinnbildlich gesprochen - diese dressierten Tiere ausweidet. Ich frage mich immer wieder, warum ich nicht über meinen Schatten springen und ebenfalls Menschen, die wohl offensichtlich eine Führungsfigur zum (Über)leben benötigen, einfach auch derartige Dienstleistungen verkaufen kann (oder Kosmetik, die Faltenfreiheit verspricht etc.). Höchsten Respekt habe ich vor den Menschen in der Doku, die sitzen blieben, während die Übrigen wie Tanzbären ihrem Dressurmeister folgten. Und gleichzeitig liegt darin mein Erschrecken: Wie tief kann ein Mensch sinken und seinen Verstand ausschalten. Naja, muss jeder selbst wissen, was er macht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Leckerschmecki 05.09.2018, 12:07
15. Zu schnell geurteilt!

Das Hüpfen und getanze hat einen wissenschaftlich durchaus plausiblem Hintergrund. Im Zustand der Bewegung und Euphorie ist der Mensch deutlich offener alte Strukturen zu hinterfragen bzw. aufzulösen. Macht Tony Robbins genauso. Im Text steht "(...) Hoffnung auf eine biografische Wende (...)" - genau darum geht es. Die meisten Menschen sind dazu eben nicht in der Lage. Zu sehr hindern Komfortzone, zweifelndes Umfeld und eigene Zweifel. Genau dafür können solche Motivations-Coaches der entscheidende Schlüssel für die großen Entscheidungen bzw. Veränderungen im Leben sein. Wer mal guckt, welche bekannten Namen alles bei Tony Robbins waren, stellt schnell fest, wir sprechen hier nicht über Looser oder arme Leute die verarscht werden. Ganz im Gegenteil. Die größten Kritiker sind meiner Beobachtung nach meistens genau die Leute, die in ihrem Leben eben keine großen Wagnisse eingegangen sind und Konsequenzen gezogen haben. Natürlich liegt das dann immer an äußeren Umständen. Alles ist möglich, die größten Grenzen setzen wir uns alle selbst!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Sahrasu 05.09.2018, 12:45
16. Es sind nicht alle so!

Dieser Bericht über Jürgen Höller hat mich überhaupt nicht überrascht. Wer sich ein bißchen mit dem Thema beschäftigt, findet sehr schnell heraus, welche Coaches mit fragwürdigen Methoden arbeiten und welche nicht. Sehr schade, dass die schwarzen Schafe ein schlechtes Licht auf die gesamte Branche werfen und einen faden Beigeschmack hinterlassen. Denn es gibt auch ganz andere durchaus qualifizierte Coaches in der Branche die sich klar vom Tschakatschaka-Gedöns distanzieren! An sich selbst und seiner Persönlichkeit zu arbeiten ist generell nichts verwerfliches, im Gegenteil! Wie viel kann sich bei jedenm einzelnen positiv verändern. Aber nur rumhüpfen und mit den Armen umsich werfen ohne weiteren Tiefgang ist keine nachhaltige Methodik :-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ancoats 05.09.2018, 13:24
17.

Zitat von Leckerschmecki
Das Hüpfen und getanze hat einen wissenschaftlich durchaus plausiblem Hintergrund. Im Zustand der Bewegung und Euphorie ist der Mensch deutlich offener alte Strukturen zu hinterfragen bzw. aufzulösen. Macht Tony Robbins genauso. Im Text steht "(...) Hoffnung auf eine biografische Wende (...)" - genau darum geht es. Die meisten Menschen sind dazu eben nicht in der Lage. Zu sehr hindern Komfortzone, zweifelndes Umfeld und eigene Zweifel. Genau dafür können solche Motivations-Coaches der entscheidende Schlüssel für die großen Entscheidungen bzw. Veränderungen im Leben sein. Wer mal guckt, welche bekannten Namen alles bei Tony Robbins waren, stellt schnell fest, wir sprechen hier nicht über Looser oder arme Leute die verarscht werden. Ganz im Gegenteil. Die größten Kritiker sind meiner Beobachtung nach meistens genau die Leute, die in ihrem Leben eben keine großen Wagnisse eingegangen sind und Konsequenzen gezogen haben. Natürlich liegt das dann immer an äußeren Umständen. Alles ist möglich, die größten Grenzen setzen wir uns alle selbst!
Na, den wissenschaftlichen Nachweis, dass Rumhüpfen signifikant dazu beiträgt, dass "der Mensch deutlich offener alte Strukturen hinterfragt", möchte ich mal sehen. Ich bin mir zwar sicher, dass es irgendwo an irgendeinem (z.B. sozialpsychologischen) Institut irgendeines Colleges diesbezügliche lustige Experimente mit studierenden Versuchspersonen gibt (die machen so'n Zeug nämlich gerne mal), aber seriös ableiten lässt sich daraus rein gar nichts. Und wenn ich mir diese ganzen ekstatisch Rumhüpfenden ujnd alberne Sprüche Skandierenden in der Doku so angucke, dann zweifle ich auch an dem (offenbar besser belegten) grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Bewegung und Intelligenz(entwicklung).
An solchen Seminaren teilzunehmen, ist tatsächlich ein Wagnis. Für den Geldbeutel und die Selbstachtung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Sleeper_in_Metropolis 05.09.2018, 14:35
18.

Und damit auch ja nicht zu viele Leute diese Doku sehen, zeigt sie die ARD auch erst um kurz vor Mitternacht. Vorher wird wichtigeres gesendet, z.B. Frühstücksfernsehen, Werbung, Fußball, etc.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Georg_Alexander 05.09.2018, 15:52
19. Auch, wenn ich es kaum nachvollziehen kann

scheint es einen großen Teil der Mitbürger zu geben, die ohne ein starkes Leitbild, Ideologie, Guru, Religion, ... orintierungslos sind. Ich sehe nur, dass diese Menschen meistens ausgebeutet, um nicht zu sagen missbraucht werden von ihren jeweiligen Heilsbringern - ausnahmslos. Ganz schlimm wird es, wenn der Staat dies Leitbild vorgibt - statt, dass der Staat einen (z. B. demokratisch entwickelten) Rahmen setzt, in dem sich jeder ohne Unterwerfung unter eine Ideologie wiederfinden kann.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 3