Forum: Kultur
Düsterer Brandenburger "Polizeiruf": Das Patchwork-Familiengrab
rbb/ Oliver Feist

Zärtlich sind die Monster: Nach dem Mord an einem Au-Pair offenbaren sich den "Polizeiruf"-Ermittlern die Abgründe einer deutsch-polnischen Familie. Ein dunkler Generationen-Krimi.

ningun 26.11.2018, 05:23
1. Bester Krimi seit langer Zeit

Eine schnörkellose, schlüssige Erzählung ohne viel Drumherum, fast schon minimalistisch, mit überzeugenden Leistungen aller Darsteller/innen. Mit seiner etwas düsteren Stimmung hat das Ganze etwas Skandinavisches. Die zweisprachigen Dialoge machen alles noch wirklichkeitsnäher. Die Schwäche sehr vieler Krminis, dass nach einem spannenden Start eine zusammengeschusterte, unglaubwürdige Auflösung folgt, weil man die grandios entfalteten Handlungsstränge am Ende nicht mehr einfängt, wird hier vermieden - alles passt bis zum Schluss stimmig zusammen. Die übliche gesellschaftspolitische Volkserziehung fehlt hier ganz - die geschilderten Beziehungskatastrophen gehören nicht erst seit kurzem zur Realität. Cooler Junge und honoriger Biedermann - beide (auch) Monster. Stimmig und unaufdringlich ist die musikalische Untermalung. Alles zusammen - meisterhaft!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
heinrich-wilhelm 26.11.2018, 15:28
2. Gut

Ein wirklich guter Krimi mit interessanter Story. Abzüge gibts meinerseits für die Dialoge,da die Untertitel nur etwas für Blitzleser waren und vom Handlungsstrang ablenkten ,zumal man aus vorherigen Szenen die Darsteller auf deutsch parlieren hörte. Das war schade.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Brummi 26.11.2018, 15:29
3. Sehr guter Krimi!

Das war dank der Geschichte und der Darsteller ein richtig klasse gemachter Film. Danke!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ekkehard Grube 26.11.2018, 20:26
4. #MeToo - Der Film zur Kampagne

Eindimensionaler und vorhersehbarer war selten ein Polizeiruf / Tatort:

Die Hauptverdächtigen sind am Ende auch die Täter.

Vor allem aber:

Die Hauptaussage des Films lautet, dass männliche Sexualität ins Unheil führe. Immer. Damit aber diffamiert der Film Sexualität zwischen Mann und Frau überhaupt, denn wenn männliche Sexualität pauschal als böse dargestellt wird, sollte es wohl besser zu keinerlei sexuellen Begegnungen zwischen Männern und Frauen kommen.

Der einzige "positiv" gezeichnete Mann:

Paweł Sikorski, der über den Verlust seiner Tochter zum Alkoholiker geworden ist und dem Hauptverdächtigen als Racheengel nachstellt.

Und dieser "positive Charakter" stiftet eine Frau mit Geld zur Falschaussage an, um den Täter zu überführen.

In einem der letzten Bilder des Films wird dieser Mann dann gezeigt, wie er allein in seinem Haus am Tisch sitzt. Damit soll wohl gesagt werden, dass dieser Mann endlich seinen Frieden gefunden hat.

Vorige Woche hatten hier einige gegen den HH-Tatort den Vorwurf erhoben, er rechtfertige Selbstjustiz. Dem hatten ich und viele andere damals widersprochen.

Bei diesem Polizeiruf dagegen scheint mir dieser Vorwurf angebracht zu sein. Eine seiner Aussagen lautet nämlich:

Auch wenn Herr Sikorski sich unlauterer Mittel bedient, um die Täter zur Strecke zu bringen, letzten Endes ist er auf der richtigen Seite und damit positiv zu sehen.

Richtig wäre gewesen, zu zeigen, dass sowohl die Täter als auch Herr Sikorski am Ende im Gefängnis landen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
manfred_zindel 27.11.2018, 03:26
5. Zu Nr. 3 und seinem #MeToo-Thema

Ist der Film wirklich als Illustration zu #MeToo gedacht? Darauf wäre ich nicht gekommen. Mir kam er eher wie etwas Eigenständiges vor, eine Kriminalstory eben. Außerdem war der jüngere Täter kein Sexualmörder, er ermordete das Mädchen, weil es ihn verlassen wollte, und auch in dem anderen Fall brachte der Wunsch, wegzugehen, dem Opfer den Tod. In beiden Fällen wollte eine Frau sich der (auch, aber nicht nur sexuellen) Verfügungsgewalt eines Mannes entziehen und büßte dafür mit dem Tod. Das hat ganz entfernt etwas mit #MeToo-Themen-zu tun, setzt aber in seiner abartig kriminellen Ausprägung auch ganz andere Akzente. #MeToo fordert Empathie und Rücksicht und prangert respektlos-eigensüchtiges Verhalten an,- aber die beiden Kriminellen in diesem Film verletzten doch viel mehr als das: das Recht auf Leben. Es ist richtig, dass Tatorte und andere Krimis gelegentlich eine Botschaft ans Publikum mitliefern, fast so als seien sie als Lehrstück gedacht - in diesem Film sehe ich das aber nicht. Ich finde ihn nach wie vor großartig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kael 27.11.2018, 15:34
6. Sehr gut

Gradlinig strukturiert, schlüssig, ganz ohne Effekthascherei und pubertierende "Ermittler" und trotzdem spannend.
So einfach und gut können Polizeiruf oder Tatort sein. Man muss es nur wollen. Hoffentich auch öfter.

Beitrag melden Antworten / Zitieren