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Ein Vierteljahr im Kino: Explizit und ignoriert
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Bär gewonnen, Publikum vergrault: Um den sexuell expliziten Berlinale-Gewinner "Touch Me Not" hätte sich ein produktiver Skandal entwickeln können. Warum das nicht passiert ist, sagt einiges über das deutsche Kino aus.

HansHansen 12.03.2018, 18:25
1. Gegen die Wand

... gefahren scheint mir dieser Versuch, irgendwie alles (bis auf drei Ausnahmen) in der deutschen Film- und Kinolandschaft als "langweilig" zu kritisieren und dafür - warum auch immer - die Berlinale und die mangelnde Skandalisierung ihres diesjährigen Gewinnerfilms zugleich als Symptom und Ursache abzuwatschen. Skandale sind gut für Schlagzeilen und Klickzahlen. Mir fällt aber aus den letzten Jahrzehnten kein "Skandalfilm" ein, der infolge eines kontrovers diskutierten Festivaleinsatz besonders erfolgreich in den Kinos gelaufen wäre. Skandalös erscheint mir eher, wie vergleichsweise gering das Publikumsinteresse in Deutschland zum Beispiel an "Gegen die Wand" damals war, er hatte, soweit ich mich erinnere, 700.000 Zuschauer in den deutschen Kinos. Beachtlich, aber weit unter seinem Potential. Durchaus möglich, dass ihm der Goldene Bär damals beim breiten Publikum eher geschadet hat. Fragen Sie mal die Kinobetreiber Ihres Vertrauens, wie sich Zuschauerzahlen hierzulande zu Festival-Auszeichnungen verhalten... Es geht auch nicht darum, ob kommerziell orientierte Filme auf Festivals oder bei sonstigen Preisen zu wenig gewürdigt werden. Der Skandal besteht doch eher dadrin, dass ein hoch subventionierte Branche seit Jahrzehnten aus lauter Angst vor Misserfolg ihr Heil in kompromisslerischer Oberfläche sucht, ganze Generationen aus den Kinos getrieben hat und sich mit wirklich spannende Filme immer gerne schmückt. Wenn sie fertig sind. Aber vorher viel zu wenig getan hat um sie zu fördern und dann auch noch weniger tut, um sie dem Kinopublikum nahe zu bringen...

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bigbubby 13.03.2018, 06:51
2.

Ganz ehrlich? Dem normalen Kinogänger ist die Berlinade und diverse deutsche und europäische Filmpreise herzlich egal. Die meisten gehen ins Kino, um Spaß zu haben, ob mit Action, Komödie oder Horror. Wenn überhaupt wird in Dt. noch der Oscar als Maßstab verwendet. GoldenGlobe dürfte etwa bei der Palme liegen...
Ich kann dieses verhalten auch nachvollziehen, da es immer weniger Kinos gibt mit annehmbaren Preisen, die einem auch mal einen eventuellen nicht Top Film gucken lassen, statt darauf zu warten, dass er im Stream bei Amazon und co landet.
Über die durchschnittliche Qualität deutscher Filme fang ich am besten gar nicht erst an.
Gerne kann aber mal eine Korrelation von Deutschen Filmpreisen zu Erfolgen im Kino erfolgen. Dürfte nicht sehr spannend werden.
Die Berlinade selbst wird zwar als Publikumsevent bezeichnet, aber ist hauptsächlich auch nur ein Szenetreff einer bestimmten Klientel. Daher auch meist die Preisvergaben...

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mazie 13.03.2018, 08:01
3. Was ist die message?

Bei Filmen wirkt die böse Macht, die ich schon seit Jahrzehnten aus der Musikbranche kenne mit vielfacher Wucht: Aus Angst vor finanziellem Scheitern - schließlich ist ein Film sehr viel teurer als eine Musikproduktion - wird immer wieder die gleiche Soße angerührt, die nach übermäßigem Genuss aber niemandem mehr schmeckt. Wenn Skandale die einzige Möglichkeit sein sollen, diesem Dilemma zu entkommen, halte ich das nicht gerade für eine besonders kreative Idee. Denn letztlich wird der Skandal ja nur instrumentalisiert, um Aufmerksamkeit zu generieren. Nutzt sich außerdem schnell ab der Effekt.
Was ist die Nachricht dieses Artikels? Aus meiner Sicht leider doch nur ein tausendfach gehörtes Lamento über den schlechten Zustand des deutschen Kinos. Lösungsvorschläge? Leider Fehlsnzeige.

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oaonorm1 13.03.2018, 09:47
4. Berlinale≠IMDb

Kurz geschaut was der Film bei IMDb hat... 6,5 die Zeit spar ich mir.

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judkastrittmatter 13.03.2018, 11:21
5.

Danke, lieber Herr Jaeger, für ihre erhellende Kritik, die ich vollkommen teile. Besonders über Herrn Tykwer zu lesen, war lehrreich. Ich glaube allerdings, dass es für Herr Tykwer persönlich schon ganz doll wild ist, bei Rot über die Strasse zu gehen – insofern ist seine Definition von "wild" bestimmt nicht Ihre und meine. Schade das.

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Auggie Smith 13.03.2018, 17:22
6. "Der traumhafte Weg"

Wenn Filme wie dieser es schwer haben, finanziert zu werden, hat das manchmal Gründe, und zwar gute!

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