Forum: Kultur
Ein Vierteljahr im Kino: Kann mal jemand an die Zukunft denken?
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Ein konservativer Geist weht durchs deutsche Kino: Die Filmförderungsanstalt spricht von Filmen wie die CSU von Flüchtlingen, und alle haben Angst vor einem digitalen EU-Binnenmarkt. So gefährdet man die Zukunft der Branche erst recht.

noalk 11.07.2017, 18:11
1. Welche sind die Alternativen?

1. Förderung ganz einstellen. 2. Jene Filme fördern, die das geringste Zuschauerpoential versprechen. 3. Jene Filme fördern, welche die meisten nichtöffentlichen Gelder akquirieren - oder die wenigsten. 4. ... Wie man es auch dreht und wendet, letztendlich ist und bleibt jede Entscheidung das Ergebnis einer Wahl zwischen Typhus und Cholera. Die Geldmenge ist nun mal begrenzt.

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hegoat 11.07.2017, 18:34
2.

Moment, hab ich das jetzt richtig verstanden? Die FFA dient dazu, Filme zu fördern, deren Erfolg an der Kinokasse ohnehin so gut wie sicher ist? Ich dachte immer, man fördert etwas, das aus eigener Kraft nicht erfolgreich wird, und dem man deswegen unter die Arme greift. Defizitäre Schwimmbäder, Kleinbauern, Kinder mit Entwicklungsrückstand, etc. Oder hab ich was falsch verstanben?

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christian simons 11.07.2017, 18:50
3.

Ob man nun Schweigers verkorkstes Actionspektakel (Tschiller Off Duty) oder den künstlerisch wertvollen Avantgardefilm fördert, eine Subventionskultur endet zwangsläufig in einer ideologisch gesteuerten Planwirtschaft.

Am Ende verschmäht das Publikum beides. Anstatt einzelne Projekte zu fördern, sollte man lieber in den Aufbau einer Infrastruktur investieren, die es unabhängigen Produzenten erlaubt, sich international zu behaupten.
Aber wo ist Nachfolger eines Bernd Eichinger, für den Kunst und Kommerz keine unversöhnlichen Wiedersacher waren?

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brucewillisdoesit 11.07.2017, 20:17
4.

Natürlich möchten auch deutsche Zuschauer mehr "Hollywood", das steht nämlich für handwerkliche Kompetenz, gute Drehbuchautoren, kompetente Regisseure, exzellente Schauspieler, brillante Kameraführung und das Ziel dem Kunde etwas interessantes zu bieten. Also alles was dem deutschen Film grundsätzlich abgeht.
Natürlich hat der deutsche Film auch ein Alleinstellungsmerkmal, entweder ist es eine grenzdebile Komödie die für praktische alle Menschen im Ausland (und auch zahllose im Inland) unerträglich ist, oder es handelt sich um eine handwerklich dilletantisch inszenierte Tragödie über irgendeine Randgruppe nach der sich die meisten Zuschauer entweder aus Depression oder Langeweile am liebsten selbst umbringen ,möchten. Glücklicherweise sind das aufgrund der Zuschauerzahlen aber meist nur eine Handvoll.
Mal im Ernst, wieviele wirklich (auch handwerklich) gute deutsche Filme mit interessantem Drehbuch und Ziel internationaler Markt (ohne den läßt sich die Finanzierung halt nicht stemmen) wurden denn in den vergangenen 40 Jahren gedreht ? Da fällt es schon ziemlich schwer 10 Stück aufzuzählen.
Solange der deutsche Film seine Zuschauer primär bilden und erziehen will, und nicht versteht, daß Medien, einschließlich Film, ein Geschäft ist, wird der deutsche Film (wie seine häßliche Schwester das deutsche TV) ein häßlicher Zombie bleiben. Kein Wunder, daß man sich deswegen seit 35 Jahren an "Das Boot" hochziehen muss. Ich denke das zeigt schon wie groß das Dilemma ist. Selbst die Franzosen und Spanier kriegen trotz ähnlicher Problem immer mal wieder exzellente Filme hin. Das Problem (neben dem Oberhausener Manifest als Ursache) ist schlichtweg Filmförderung ansich. Wer Produkte (in diesem Fall Filme) staatlich fördert, weil kein Kunde sie ansonsten kaufen (sehen) würde, muß sich nicht wundern, wenn die dann trotz Förderung vollkommen unverständlicherweise immer noc keiner sehen will. Die Idee Film mit kommerziellem Potential zu fördern is ok, kommt aber ca, 50 Jahre zu spät, die Kompetenz ist nämlich nicht mehr da und auch nicht mehr aufholbar.

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Newspeak 12.07.2017, 00:18
5. ...

Zitat von hegoat
Moment, hab ich das jetzt richtig verstanden? Die FFA dient dazu, Filme zu fördern, deren Erfolg an der Kinokasse ohnehin so gut wie sicher ist? Ich dachte immer, man fördert etwas, das aus eigener Kraft nicht erfolgreich wird, und dem man deswegen unter die Arme greift. Defizitäre Schwimmbäder, Kleinbauern, Kinder mit Entwicklungsrückstand, etc. Oder hab ich was falsch verstanben?
Es werden fast immer nur Etablierte gefoerdert. Ist anderswo genauso in Kunst und Wissenschaft. EU Subventionen bekommen auch die Grossbauern, nicht der kleine Landwirt, der gar nicht die Zeit und Mittel dazu hat, sich das alles zu organisieren.

"Wie wär's zum Beispiel mit einem direkt von der Haushaltsabgabe gespeisten Kinofilmfonds?"

Wie waer's zum Beispiel mit einer Abschaffung aller Subventionen? Man kann ja Kredite etc. vergeben, die bei Kinoerfolg zurueckgezahlt werden muessen. Das waere immer noch genug Foerderung. Es ist ueberhaupt nicht einzusehen, dass der Steuerzahler Dinge foerdert, die am Ende Gewinne einspielen, die nur Private kassieren. Aber das Geld anderer Leute, hier der Buerger, verteilt sich immer besonders leicht.

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hps 12.07.2017, 09:42
6. Kriegt Hollywood Fördergeld?

Hollywood und Bollywood blühen und gedehien.
Deren Filme will man sehen.
Kriegen keine Förderungen.

Deutsche Filme will man nicht sehen.
Kriegen aber Fördergelder.
Blüht und gedeiht auch nicht.

Noch Fragen?

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