Forum: Kultur
Elektronik-Pionier Klaus Schulze: "Geigen wachsen nicht auf Bäumen!"
Getty Images

David Bowie und Brian Eno waren Fans, in Deutschland lief er immer unter dem Radar: Elektronik-Pionier Klaus Schulze veröffentlicht mit 70 Jahren Gesundheit überraschend ein neues Album.

palart 26.05.2018, 13:08
1. Wundersame Klänge

Er hat sie einfach im Blut, diese wundersamen, epischen Klangwelten der modernen Musik, Ambient bis Trance, klassisch bis futuristisch, voller Überraschungen, jenseits jeglichen Teenie-Hitparaden-Geplärs. Ich höre auch Black Metal oder Progressive Rock und Jazz-Fusion, viel Instrumentales (weil mich einfältige Songtexte mit den Jahren immer mehr nervten) und immer wieder Klaus Schulze und Steve Roach, der andere Klangvirtuose in der heutigen, oft zerrissenen Zeit. Es wäre schön, wenn die Medien solche Künstler viel mehr näher bringen würden, statt immer die am lautesten schreienden oder sonstwie aufgeplusterten Ein- bis Zweitagesfliegen. Danke an Klaus Schulze für die vielen sinnlichen und bewustseinöffnenden Stunden, die mir seine Musik weiterhin beschert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Referendumm 26.05.2018, 13:31
2. Genialer Musiker

Obwohl ich gerne elektronische Musik höre, ist Klaus Schulze als Solomusiker bei mir auch irgendwie vorbeigegangen. Klaro, Tangerine Dream kenne ich seit Urzeiten, Ash Ra Tempel auch, aber Klaus Schulze ...

Richtig aufmerksam wurde ich mit der DVD "Rheingold", wo Schulze und Lisa Gerrard (mit ihrer eigenen Pahntasiesprache, Fachwort: Onomatopoesie) auf der Lorely glänzte. Sehr beeindruckend, sowohl die Musik - vor allem die - als auch das Bildmaterial.

Habe mir dann noch zwei CDs gekauft (Moondawn sowie The Evolution of the Dark Side of the Moog), die teils richtig gut, teils auch weniger gut sind - imho. Interessant auch das Konzert in den Werkhallen von Voest Alpine - wobei ich die Musik dort weniger toll fand.

Schade, dass Klaus Schulze mit seiner Gesundheit oft zu kämpfen hat, deshalb an dieser Stelle: Alles Gute und viel Gesundheit für die weiteren Jahre, lieber Klaus Schulze.

P.S.: Schade, dass Deutsche Bands und deutsche Musiker im Inland so wenig Beachtung finden, obwohl sie häufig wegweisende Musik ablieferten. Zumindest auf die früheren Bands bezogen wie eben Can, Kraftwerk, Tangerine Dream, aber selbst David Hanselmann mit Chris Evans bzw. Christopher Evans-Ironside (ein gebürtiger Engländer, der seit Jahrzehnten in Hamburg lebt und dort großes an Musik geleistet hat - bis zur Schlagerebene) und viele andere mehr.

Falls jemand ein gutes Buch kennt von Musique concrète und Stockhausen (mit Can / Holger Czukay) über Pierre Henry sowie Jean-Michel Jarre bis Kraftwerk, Tangerine Dream, Ash Ra Tempel, Klaus Schulze etc. wäre ich für einen Tipp dankbar.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
uppsala 26.05.2018, 14:21
3. Kalte Musik

Schulze hat natürlich vollkommen Recht, dass die naiven Vorurteile, elektronische Musik sei kalt etc. kompletter Nonsens sind. Aber auch Kälte hatte er perfekt drauf. Mein persönlicher Favorit von ihm war immer Mirage, dessen Untertitel „Eine elektronische Winterlandschaft“ unglaublich gut auf die Assoziationen passt, die diese Klänge hervorrufen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sv@second-projects.org 26.05.2018, 14:31
4. Schön ...

... hier mal was über KS zu lesen. Als Teenie Ende der 80er habe ich ihn für mich entdeckt. Damals als "New Age" verschrien habe ich mich damit bei meinen eher Metallica-hörenden Schulfreuden damit eher blamiert, aber mir wars egal, ich habe seine Musik verschlungen, und mir auch mal ein Buch über seine musikalische Gratwanderung reingezogen. Die Anzahl an Alben ist wirklich enorm, vor allem auch wenn man diese fast schon verschwenderisch wirkenden Sets wie Silver-, Historic- und Jubilee-Edition dazuzählt. In den letzten Jahren hat mein Interesse an seiner Musik leider arg abgenommen ... irgendwann stumpft man wohl doch ab. Trotzdem alles gute dir, KS (und auch kdm - dreamteam ;)).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
irobot 26.05.2018, 15:35
5.

Ich hab Anfangs der 80er leidenschaftlich gern Jean-Michel Jarre gehört. So wie fast alle anderen auch. Dann erzählte ein Klassenkamerad, dass er etwas hat, das tausend Mal besser sei. Es war "Body Love" von Klaus Schulze. Bereits beim ersten Hören hat es bei mir "Peng" gemacht. Heute nenne ich 16 seiner Alben mein Eigen.

Vielen Dank Klaus und alles Gute

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Steuerfuzzi 27.05.2018, 13:23
6. Es lebe die Vereinfachung

Eine Geige klingt nicht immer nur nach einer Geige, sondern gibt das wieder, was ein Geiger / Geigerin darauf spielt. Und diese Vielfalt an Phasierung, Fingerdruck, Intonation etc. ist unendlich und viel größer als das Gewaber eines Synthesizers , der das auch mit dem besten Samples nicht hinbekommt. Leider ist die elektronische Musik heutzutage zum bevorzugten Rückzugsort jener geworden, die zu bequem sind ein Instrument zu lernen. Bei allem Respekt vor Herrn Schulze, die elektronische Musik heutzutage hat qualitativ nichts mehr mit den Frühwerken aus den 70igern gemein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Wooster 28.05.2018, 09:30
7.

"in Deutschland lief er immer unter dem Radar?
Beim SPIEGEL lief er immer unter dem Radar.
Dank an Leser sv!
(kdm)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
b.horst 31.05.2018, 08:56
8.

Zitat von Steuerfuzzi
Eine Geige klingt nicht immer nur nach einer Geige, sondern gibt das wieder, was ein Geiger / Geigerin darauf spielt. Und diese Vielfalt an Phasierung, Fingerdruck, Intonation etc. ist unendlich und viel größer als das Gewaber eines Synthesizers , der das auch mit dem besten Samples nicht hinbekommt. Leider ist die elektronische Musik heutzutage zum bevorzugten Rückzugsort jener geworden, die zu bequem sind ein Instrument zu lernen. Bei allem Respekt vor Herrn Schulze, die ......
Sie werfen in Ihrem Beitrag zwei Dinge in einen Topf, die getrennt betrachtet werden müssen: Sampler und Synthesizer. Ein Sampler benutzt als Ausgangsmaterial im weitesten Sinne "Naturklänge", die mit dem Gerät wiedergegeben und verfremdet werden können. Besonders in der Frühzeit der Sampler war sicherlich das Ziel, damit andere Instrumente zu imitieren - hierzu kann auch eine Geige gehören und ich gebe Ihnen Recht, dass man selbst mit der heutigen Technik den Klang einer von Hand bedienten Geige sicherlich nicht 100%ig hinbekommt.
Klaus Schulze spricht in dem Interview aber von Synthesizern und die sind etwas ganz anderes: Hier wird das klangliche Ausgangsmaterial aus elektronisch erzeugten Wellenformen gewonnen, und zwar in aller Regel nicht mit dem Ziel, irgendein anderes Instrument zu imitieren, sondern neue, noch nicht gehörte Klänge zu erschaffen. Die klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten eines guten Synthesizers in Verbindung mit einem guten "Eingabegerät" (es gibt hier heutzutage weit mehr Möglichkeiten als nur die Standard-Klaviertastatur!) bieten eine klangliche Vielfalt, die - entprechendes Talent des Spielers vorausgesetzt - sicherlich genauso "unendlich" (Zitat) wie die einer Geige ist.
Aufgrund des negativen Grundtenors Ihres Beitrags vermute ich zwar, dass solche Feinheiten Sie nicht interessieren, aber es war mir dennoch ein Bedürfnis, dies einmal klarzustellen.

Zitat: "Leider ist die elektronische Musik heutzutage zum bevorzugten Rückzugsort jener geworden, die zu bequem sind ein Instrument zu lernen."
Haben Sie sich mit diesem Thema mal ernsthaft befasst? Auch die heutigen Synthesizer spielen nicht von selbst (das war schon in den 70er Jahren ein gern bemühtes Klischee) sondern warten auf Eingaben des Benutzers!

Zitat: "Eine Geige klingt nicht immer nur nach einer Geige, sondern gibt das wieder, was ein Geiger / Geigerin darauf spielt."
Da würde ich doch gerne mal Beispiele hören, in denen eine Geige nicht wie eine Geige klingt! :)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
helisara 01.06.2018, 19:09
9.

Zitat von b.horst
Sie werfen in Ihrem Beitrag zwei Dinge in einen Topf, die getrennt betrachtet werden müssen: Sampler und Synthesizer. Ein Sampler benutzt als Ausgangsmaterial im weitesten Sinne "Naturklänge", die mit dem Gerät wiedergegeben und verfremdet werden können. Besonders in der Frühzeit der Sampler war sicherlich das Ziel, damit andere Instrumente zu imitieren - hierzu kann auch eine Geige gehören und ich gebe Ihnen Recht, dass man selbst mit der heutigen Technik den Klang einer von Hand bedienten Geige sicherlich nicht 100%ig hinbekommt. Klaus Schulze spricht in dem Interview aber von Synthesizern und die sind etwas ganz anderes: Hier wird das klangliche Ausgangsmaterial aus elektronisch erzeugten Wellenformen gewonnen, und zwar in aller Regel nicht mit dem Ziel, irgendein anderes Instrument zu imitieren, sondern neue, noch nicht gehörte Klänge zu erschaffen. Die klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten eines guten Synthesizers in Verbindung mit einem guten "Eingabegerät" (es gibt hier heutzutage weit mehr Möglichkeiten als nur die Standard-Klaviertastatur!) bieten eine klangliche Vielfalt, die - entprechendes Talent des Spielers vorausgesetzt - sicherlich genauso "unendlich" (Zitat) wie die einer Geige ist. Aufgrund des negativen Grundtenors Ihres Beitrags vermute ich zwar, dass solche Feinheiten Sie nicht interessieren, aber es war mir dennoch ein Bedürfnis, dies einmal klarzustellen. Zitat: "Leider ist die elektronische Musik heutzutage zum bevorzugten Rückzugsort jener geworden, die zu bequem sind ein Instrument zu lernen." Haben Sie sich mit diesem Thema mal ernsthaft befasst? Auch die heutigen Synthesizer spielen nicht von selbst (das war schon in den 70er Jahren ein gern bemühtes Klischee) sondern warten auf Eingaben des Benutzers! Zitat: "Eine Geige klingt nicht immer nur nach einer Geige, sondern gibt das wieder, was ein Geiger / Geigerin darauf spielt." Da würde ich doch gerne mal Beispiele hören, in denen eine Geige nicht wie eine Geige klingt! :)
Natürlich klingt eine Geige immer nach Geige. Aber es gibt zig verschiedene Möglichkeiten wie eine Geige klingen kann, abhängig von der Komposition und dem Interpreten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren