Forum: Kultur
Empfehlungen durch Algorithmen: Ein Horizont, so weit die Daten reichen
DDP

Filme, Musik, Bücher: Seit Jahren verlagern wir unseren Kulturkonsum immer weiter ins Netz und folgen algorithmisch erstellten Empfehlungen. Schränken wir damit unsere Entscheidungsfreiheit und unseren Horizont ein?

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wanderer777 19.06.2017, 12:04
1. Für die meinungslosen

Maschinelle Empfehlungen sind recht nützlich für jene, die keine eigenen Meinungen und Interessen haben. Ohne sie würden sie doch nur hilflos durch die digitale Landschaft wandern. Ich für meinen Teil habe gelernt, diese "Empfehlungen" gezielt auszublenden (wie Werbung generell) und beachte sie nicht weiter. In 10 Jahren bin ich vielleicht nur ein einziges mal solch einer Empfehlung gefolgt, wenn überhaupt. Normalerweise weiss ich genau, wonach ich suche.

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klaremeinung 19.06.2017, 12:17
2. Gab es doch schon immer, hiess früher mal "Radio"

Man sucht sich nach seinem Geschmack Sender aus, die eine Stilrichtung spielen, die einem gefällt. Es gibt Hitparaden und so wird eine große Gleichförmigkeit der Musikrichtung erzeugt und gefördert.
Genau wie ein Radiosender mischt Spotify u.a. neue, aber ähnliche Titel mit unter die Playlist.
Also alter Wen in neuen Schläuchen, nur halt individueller.

Abgesehen davon finde ich es einfach bequem, wenn man z.B. liest und dazu "Chill-Out Radio" hören kann, und sich nicht explizit Musik dafür organisieren muss.
Hier steht dann eh nicht jeder einzelne Song im Vordergrund, sondern lediglich "das irgendetwas läuft", was nicht stört. Die Auswahl der Songs überlasse ich dabei gerne irgendeinem Algorithmus.

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freudentanz 19.06.2017, 12:19
3. Hoppla !

Sehr gelungener Bericht. Überraschend gut sogar. Natürlich muss ich gestehen das ich keinen so richtigen Plan von Algorithmen etc habe aber im Großen und Ganzen spiegelt der Bericht tatsächlich meine Erfahrungen wieder wenn ich mich mit langfristigen Problemen beschäftige (zB Badezimmer selbst zu 100% neu bauen oder eine Küche komplett selbst bauen) da jeder Browser/Suchmaschine/Mail-Programm mich noch Monate danach mit Kaufverschlägen belästigt. Aber was ich eigentlich sagen will und da stimme ich "Rob" aus diesem köstlichen Film "High Fidelity" vollkommen zu: Solange du dich nicht mit dem "Problem" beschäftigst und versucht dieses Problem von Grund auf zu verstehen und zu lösen , nerven diese Algorithmen nur. Ich bemerke dies immer öfter das zB man mich um Rat fragt, ich meinen Senf dazu gebe aber der Fragesteller/in schon gar nicht mehr zuhört weil ich keine Lösung anbieten kann die eben SOFORT hilft. Typisch Click & Buy. Egal ob auf professioneller oder privater Ebene. Um es kurz zu machen: In meinen Augen verdummen die Menschen durch das Internet mehr und mehr da man sich als Hilfesuchender schlichtweg weigert irgendein bestehendes Problem komplett und für seine Bedürfnisse entsprechend lösen zu können. Man verweigert die Verantwortung. Übrigens wird meine Meinung von vielen alten Männern geteilt und ich im Büro höre oft den Satz: "Lesen, verstehen und dann nochmal lesen und erst dann vielleicht meckern, Kollege." Internetwissen macht kein Expertenwissen schon gar nicht im professionellen Arbeitsumfeld und wissen was ? Die Arbeitgeber reagieren schon darauf !! Heutzutage muss ich, in meinem Arbeitsumfeld, Dokumentationen und Arebitsanweisungen schreiben die es früher einfach nicht gab. Warum ? Weil ich früher davon ausgehen konnte das derjenige der das Dokument liest ein grundsätzliches technisches Verständnis besitzt. Heutzutage darf ich das nicht mehr voraussetzen. Das Internet ist eine großartige Sache aber leider schalten viele Leute ihren Kopp komplett ab.

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TLB 19.06.2017, 12:35
4. Das Schöne...

an diesem Artikel ist, dass die Autorin nicht sagt "Ich weiß, wie es läuft und erkläre Euch das mal" sondern sie jede Leserin und jeden Leser zu einer Auseinandersetzung anregt. Danke.
Die besten Empfehlungen für Musik entnehme ich jeden Montag Abend zwischen 18:00 und 19:00 Uhr dem Sender mdr-Kultur. Trotzdem sind die Algorithmen von bspw. Amazon ja auch nicht völlig daneben; nur oft eben auch nicht bereichernd eher nur eine Wiederspiegelung für mich alter Dinge

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Wasserratte 19.06.2017, 12:46
5. Das sehe ich ein bisschen anders

Zitat von klaremeinung
Man sucht sich nach seinem Geschmack Sender aus, die eine Stilrichtung spielen, die einem gefällt. Es gibt Hitparaden und so wird eine große Gleichförmigkeit der Musikrichtung erzeugt und gefördert. Genau wie ein Radiosender mischt Spotify u.a. neue, aber ähnliche Titel mit unter die Playlist. Also alter Wen in neuen Schläuchen, nur halt individueller. Abgesehen davon finde ich es einfach bequem, wenn man z.B. liest und dazu "Chill-Out Radio" hören kann, und sich nicht explizit Musik dafür organisieren muss. Hier steht dann eh nicht jeder einzelne Song im Vordergrund, sondern lediglich "das irgendetwas läuft", was nicht stört. Die Auswahl der Songs überlasse ich dabei gerne irgendeinem Algorithmus.
Radio, und damit meine ich nicht den durchformatierten Dudelfunk, sondern Radio mit Musilsendungen, die den Namen verdienen, leistet etwas, was kein Algorithmus der Welt schaffen kann.
Da passiert es, dass man auf Dinge aufmerksam gemacht wird, die ansonsten im gewohnten, eigenen Geschmacks-Spektrum nicht vorkommen. Für die man womöglich eine Art "Gebrauchanweisung" oder Einordnung braucht, die ein guter Musikredakteur oder Moderator in der Regel mitliefert.
Das kann Spotify nicht.
Wenn ich heutzutage mit jungen Leuten spreche, fällt mir auf, dass die meisten nicht einmal mehr genau wissen, was sie so hören, außer dass es sich in einer Spotify-Playlist befindet. Oder eine Entscheidung für den ein oder anderen Künstler wird damit begründet, wie viel "likes" er/sie in den sozialen Netzwerken hat.
Von einer Auseinandersetzung mit der Musik oder einem persönlichem Zugang zu Musik ist da keine Spur mehr.
Bis vor gut 15 Jahren haben sich viele junge Leute auch über die Art von Musik, die sie bevorzugen, definiert, das scheint nicht mehr so zu sein.
Und ich frage mich, was an die Stelle getreten ist.

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freiheitimherzen 19.06.2017, 13:07
6. Tendenz zur Unmündigkeit

Je mehr wir unsere Entscheidungen von "Bit-Schubsern" treffen lassen, umso unfähiger werden wir selbst vernünftig zu entscheiden. Gleiches gilt für autonomes Fahren etc.

Damit "verwickeln" wir uns - von einer Ent-Wicklung kann ja nicht die Rede sein - zu immer unmündigeren Bürgern.

Besser wir lernen selbst zu entscheiden.

Viele Grüße

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julian.roechelt 19.06.2017, 15:30
7.

Es gibt beispielsweise bei Youtube extreme Unterschiede, was die Qualität von Vorschlägen angeht. Während bei der Musik immer wieder neue Interessante Sachen vorgschlagen werden (ich habe musikalisch eher einen Nischengeschmack), landet man bei Filmen über kurz oder lang bei irgendwelchem Trash (Action- oder Kriegsfilme).
Ich denke, das Problem jeder Profilanalysen liegt im Feststellen von scharfen Konturen, wenn diese fehlen, schlittert man in Richtung vom bewährten Mainstream. In der Musik sind die Eckparameter Stile und Interpreten, bei Filmen ist das schon weit weniger deutlich.

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Braveheart Jr. 19.06.2017, 16:40
8. Jetzt fehlt nur noch ...

... die algorithmische Wahlkabine. "Wähler, die bei dieser Partei ihr Kreuzchen gemacht haben, kauften auch ...!". Ohne mich - ich kaufe im Fachhandel und bezahle bar. Ich bin doch nicht blöd ...!

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Newspeak 19.06.2017, 16:52
9. ...

Ja, die Algorithmen sind ganz toll, besonders wenn man z.B. auf amazon einmal etwas fuer Andere bestellt, oder etwas, das man verschenken will, oder etwas, das man einmal in zehn Jahren braucht. Dann bekommt man in der Folge dutzendfach Zeug angeboten, was man gerade nicht viel, oder was nicht dem eigenen Geschmack entspricht. Daran erkennt man dann wieder, das die allermeisten Algorithmen vor allem eines sind...sehr dumm.

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