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Familiendrama "Happy End" von Michael Haneke: Der Herr Sadist hat angerichtet
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Karaoke mit Handstand, Hamster auf Schlafpille und Sexchat-Protokolle: Michael Hanekes inszeniert mit "Happy End" Leute, die Herzloses tun. Und verkauft dabei seinen Menschenhass als Kritik.

projektraum 10.10.2017, 18:20
1. Sehr schöner Familienabriss à la >film noir

und kluge Dramaturgie durch lediglich angedeutete Handlungsstränge. Habe mich sehr wohl gefühlt-

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Paul Max 10.10.2017, 18:20
2. ???

fühlt sich jemand ertappt, in seiner Lebenswirklichkeit bedroht und kann nicht mit der um sich greifenden Sinnlosigkeit mancher Konstellationen leben?
Andere Kritiken fallen da viel gelassener aus

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Pocillator 10.10.2017, 22:59
3. Ekkehard Knörer

Nichts gegen Ekkehard Knörer, aber Knörer ist m. E. bekennender Haneke-Hater.
Ich kann mich daran erinnern, dass er sich im Oktober 2009 auf Perlentaucher ein Kritikerduell in Sachen Hanekes "Das Weiße Band" mit Wolfram Schütte geliefert hat. Im Prinzip ist der heutige Artikel ein Aufguss dessen, was Knörer damals geäußert hat. Deswegen weiß ich nicht, ob SPON so gut beraten ist, augerechnet Knörer mit der Kritik eines Hanekes Film zu beauftragen. Knörer fing damals so an: "Haneke ist für mich ein Geist, der stets verneint. Seine Filme sind Exerzitien, die die Freiheit leugnen."
Die besagten Artikel sind leicht zu googeln.

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Newspeak 11.10.2017, 01:50
4. ...

Die Frage ist...muss Haneke dem Rezensenten gefallen, muss er gefaellige Kritik liefern, oder ist es nicht so, dass er als Kuenstler machen kann, was ihm zusagt? Je oefter ich Rezensionen auf SPON lese, egal ob Film oder Literatur, desto oefter beschleicht mich der Eindruck, dass die Rezensenten ihr Handwerk nicht verstehen, und als Klassiker schlechthin ihr persoenliches Meinungsbild mit der objektiven Qualitaet des Films verwechseln. Zu gern haette man z.B. etwas ueber die schauspielerischen Leistungen gelesen, egal ob man die Charaktere ueberzeichnet findet, oder grotesk, oder sonstwie verstoerend unverstaendlich, deshalb koennte man doch trotzdem etwas darueber schreiben, wie die Schauspieler agieren. Dass sich Kuenstler wiederholen, und viele Regisseure denselben Film wieder und wieder drehen, so wie viele Autoren denselben Roman wieder und wieder schreiben, das ist ja nun weder neu, noch ungewoehnlich, in anderem Kontext nennt man es den Stil des Kuenstlers oder seine Handschrift. Das demzufolge bei einem Haneke Film, der "Happy End" heisst, nichts dergleichen erwarten darf, so what? Ich persoenlich stimme ja durchaus zu, dass es nicht immer Spass macht, wenn sich Haneke an seinen Traumata abarbeitet, aber er ist dennoch einer der wenigen heutigen Regisseure, die ueberhaupt noch einen verstoerenden Film machen koennen, jenseits des oeden Einheitsbreis des Mainstreamkinos.

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der-waldler 11.10.2017, 08:32
5. Vielleicht haben Sie das Werk ja nicht verstanden, Herr Knörer?

Ich weiss nicht, wie man als Rezensent darauf kommen kann, Hanekes Verzweiflung über den und sein Leid am Menschen mit sadistischer Lust, Fetischismus oder gar Menschenhass in Zusammenhang zu bringen? Haneke ist kein Menschenhasser. Er sieht im Menschen allerdings nicht die "Krone der Schöpfung", sondern etwas, das "dem Menschen ein Wolf" sein kann und sehr oft ist. Er ist damit dem Existentialisten Sartre ganz nahe. Und diesen Grundtenor finde ich an "Happy End" genauso berechtigt wie schon in "Liebe", im "weissen Band", in der "Wolfszeit" oder im "Schloss".

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bluepony Gestern, 00:51
6. Extrem lohnenswert

Die Verkrustungen, die Verlogenheit und Kälte innerhalb dieser abgehobenen Familie sind bis in jede kleine Szene konsequent inszeniert und haben einen hohen Symbolwert, was das heutige Europa anbetrifft.
Es handelt sich um einen kluger Film, der extrem sehenswert ist, der aber eher in einer sarkastischen Diagnose des Status Quo besteht, als dass er irgendwelche Lösungen anbieten will.

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